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Sonntag, 30. Oktober 2022

The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden DOK 2009

Liebe Rum Gemeinde,

fast drei Monate sind seit meiner letzten Review vergangen und wiederum ca. zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit es das letzte Mal eine "Recommended by Barrel Aged Thoughts" Abfüllung von The Rum Cask gab. Mit dem Release am Freitag und diesem Posting heute geht beides mehr oder weniger zeitgleich an den Start, was nicht zuletzt auch mit einem ganz persönlichen Jubiläum auf diesem Blog zu tun hatte...  



Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 26. Oktober 2012 war es, da ging das allererste Review auf Barrel Aged Thoughts online! Ein Monymusk-Crosstasting zwischen dem Bristol 1976 und dem A.D. Rattray 1986 war das damals. Zehn Jahre, das sind, je nach Blickwinkel und Relation, ein Wimpernschlag in der Geschichte oder auch eine halbe Ewigkeit. Zumindest in Bezug auf die internationale Rum Community kann man bei zehn Jahren aber glaube ich schon von einem ganz ordentlichen Zeitumfang sprechen, bedenkt man nur, wie wenige derer die heute dabei sind es auch damals schon waren und in welchem Maße sich die Rum Landschaft seither verändert hat. In der Rum Welt liegen zwischen 2012 und 2022 meines Erachtens nicht weniger als Welten, was ich hier und vor allen Dingen hier auch einmal in zwei gesonderten Beiträgen zum Thema "A Decade of Rum: 2010 - 2019" dargestellt habe! Die Etablierung der Fassstärke, die Schaffung eines Bewusstseins für die Unterschiede zwischen kontinentaler und tropischer Reifung und eine teils komplette Umkehr des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage sind dafür die wohl augenscheinlichsten Beispiele. Diese zehn Jahre waren nicht zuletzt aber auch für mich persönlich wahnsinnig ereignisreiche Jahre. Als ich mit BAT startete, startete ich parallel auch in meine Ausbildung. Meine Tochter war damals gerade zwei Jahre alt, heute steckt sie schon in der Pubertät. Ich verlor das Hobby teils aus den Augen und fand aber auch jedes Mal dort hin zurück. 

Eine Destillerie und ein Mark welches mich in den vergangenen zehn Jahren stets begleitet hat, davon fünf Jahre als bis dahin noch vollkommen unbekanntes Mysterium, ist Hampden DOK. Vor zehn Jahren war es noch vollkommen utopisch, dass dieser Rum Style einmal in dieser Weise gefragt sein würde, wie es heute der Fall ist. Mehr noch, er wurde noch nicht einmal zum Verkauf für Endkunden an irgendeiner Stelle angeboten! DOK war ausschließlich Rum für die Industrie! Auch erinnere ich mich noch gut an das verächtliche Unverständnis von Richard Seale im Jahr 2018, als mit dem Letter of Marque das meines Wissens nach allererste DOK Release in Fassstärke und auch das allererste unter Verweis auf dieses Mark an den Start ging. Er konnte sich mit Blick auf die historische Rolle von High Ester Rums als reines Flavouring Material für Blends nicht vorstellen, dass es tatsächlich Menschen geben könnte, die das pur trinken wollen, eben weil es zu diesem Zweck nie hergestellt wurde. Für ihn war das, als käme jemand auf die Idee, den Cola Sirup bei McDonalds pur zu trinken. Aber eben dieses Bottling, der Letter of Marque, für das sich damals die Blogs Single Cask Rum, RUMBOOM und eben Barrel Aged Thoughts unter dem Dach von The Rum Cask verantwortlich zeigten, ist dann im Grunde auch schon das Stichwort, denn der Rum um den es heute geht stellt den Rest des Fasses von damals dar, der noch viereinhalb Jahre weiter im Lager von TRC und in eben jenem Fass reifen durfte. Diesen Rum füllten die Jungs aus Pirmasens nun ab und nach einer intensiven Verkostung vorab war klar, dass ich diesem Rum gerne meine Empfehlung gebe, erkennbar am goldenen Sticker, der erstmals 2013 zur Anwendung kam und am Gelbbrustara, der seit 2017 diese ausgewählten Bottlings ziert. Was hat es mit den Abfüllungen mit dem Sticker und dem Ara auf sich? Kurz gesagt war diese Kooperation eine simple Win-Win-Situation. The Rum Cask waren damals vor neun Jahren noch neu im Rum Business unterwegs und profitierten von unserem Know How (damals waren wir bei BAT noch zu dritt). Wir verkosteten Fassproben parallel zu den Jungs und teilten mit ihnen unsere Einschätzungen. Und wir wiederum konnten auf diesem Wege Einfluss darauf nehmen, was ein Independent Bottler abfüllt und waren nicht mehr ausschließlich darauf angewiesen, dass die IBs ein glückliches Händchen hatten. Damals lief da nämlich bei den meisten noch ganz viel nach dem Zufallsprinzip und auch unser Geschmack entsprach damals noch einer absoluten Nische, die leider selten bis gar nicht bedient wurde. Wer genaueres dazu erfahren möchte: hier habe ich die Geschichte der Recommended Bottlings detailliert dargelegt.


Für diejenigen, die vielleicht noch neu in der Materie sind, hier an dieser Stelle nochmal kurz ein paar Infos zum Mark DOK, entnommen aus meinem Artikel "Hampden Estate - ein Überblick":

"Der Stil mit dem höchsten Estergehalt überhaupt bei Hampden wird mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson) bezeichnet. Er weist nach der Destillation einen Estergehalt von 1500 bis 1600 gr/hlpa auf und ist laut allgemeiner Jamaica-Klassifizierung ein Continental Flavoured Rum. Von der Main Rum Company wird auch das Mark JMK verwendet, welches für Jamaica Main DOK steht. DOK galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie, aber auch, wegen des enorm hohen Estergehalts, als möglicherweise ungenießbar. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann.
Aus der Zeit vor der Schließung Hampdens im Jahr 2003 ist mir kein einziges DOK-Bottling bekannt. Abgefüllt und auf den Markt gebracht wurde ein Hampden DOK meines Wissens nach erstmals im Herbst 2017 durch den niederländischen unabhängigen Abfüller Kintra. Die Angabe, dass es sich um einen DOK handelt befand sich allerdings nicht auf dem Label. Dies passierte erstmals im Frühjahr 2018, als deutsche Rumblogs (darunter auch BAT) in Zusammenarbeit mit dem Abfüller The Rum Cask unter dem Namen Letter of Marque einen solchen Rum der Öffentlichkeit zugänglich machten. Der Estergehalt dieser Rums ist zwar tatsächlich sehr hoch, aber ungenießbar sind die Rums dennoch ganz sicher nicht. Im Gegenteil."

Anders als im April 2018, als der Letter of Marque heraus kam, ist ein Hampden DOK heute natürlich keine absolute Sensation mehr. Viele weitere Bottlings in diese Richtung folgten und unterstrichen, dass DOK unter Freunden des gepflegten Ester-Bombardements durchaus gefragt und gesucht ist. Unverändert blieb hingegen, dass die Erfahrung eines Hampden DOK weiterhin eine wirklich extreme ist! Spannend ist nun also zu beobachten, inwieweit sich das mit zunehmendem Reifegrad ändert, wenn die ganz krassen Spitzen unter dem Einfluss des Fasses so ein wenig Rundungen entwickeln. Der TRC Hampden DOK 2009 kommt mit nun 13 Jahren (das Release war ursprünglich für das Frühjahr geplant und die Label schon gedruckt, daher wird der Rum auf dem Label als 12 YO geführt) schon deutlich reifer daher als er es mit damals acht Jahren tat und ich denke es ist Zeit, zur Verkostung zu schreiten!


Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass ich ein Sample und eine Flasche zur Verkostung dieses Rums, sowie zu Fotozwecken, gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 



Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden 2009:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den 2009er Hampden lag bei 119,90€ und Release war am 28. Oktober 2022.  

Alter: von Juni 2009 bis Oktober 2022 durfte der Rum insgesamt 13 Jahre im Fass reifen. Da der DOK ursprünglich schon für das Frühjahr 2022 geplant und die Etiketten gedruckt waren, wird das Alter auf der Flasche aber noch mit 12 Jahren angegeben. 

Lagerung: unbekannt. Vermutlich reifte er aber über die gesamte Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: #18 - es handelt sich folglich um den Rest des Fasses vom Letter of Marque DOK. Dieser entsprangen nun noch einmal ca. 120 Flaschen a 0,5 Liter + einiges an Samples.

Angel's Share: unbekannt.  

Alkoholstärke: der Rum kommt, wie bei TRC üblich, in Fassstärke daher und weist einen Alkoholgehalt von 64,5 % vol. auf. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Double Retort Pot Still. 

Mark: DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson)

Farbe: blass goldenes Stroh.

Viskosität: enge, dünne, parallele Schlieren fließen an der Glaswand herab und verweisen auf einen eher jungen Rum. 

Nase:
 die Erinnerungen und Parallelen zum Letter of Marque sind natürlich unübersehbar! Insbesondere im Crosstasting der beiden nebeneinander wird das deutlich, allerdings bringt der TRC natürlich schon einiges mehr an Reife und Holz mit, was ich als äußerst positiv empfinde. Er ist so gesehen runder, aber selbstverständlich noch immer so ungestüm, wie man es von einem Hampden DOK erwartet. Der Alkoholgehalt ist merklich hoch, aber nicht unangenehm störend. Nach ca. 20 Minuten kommt der Rum dann gar und gar smooth daher und von alkoholischer Schärfe bleibt gar nichts mehr übrig. Assoziationen zu flüssigem Klebstoff, Lösungsmitteln, Marzipan, gegrillter Ananas, gebackener Banane, nasser Erde, Zitrone, Antipasti und geräuchertem Schinken, wie ich sie beim LOM hatte finde ich auch im TRC wieder, aber eben in deutlich fortgeschrittenem Stadium. Ich meine, man darf man nicht vergessen, dass der Rum zwar schon viereinhalb Jahre älter, aber nun mal auch erst dreizehn Jahre alt ist.

Gaumen: ... und da scheppert's auch direkt! Wumms! Wie ein Schnellzug gegen ein Fahrrad schlägt der Rum am Gaumen ein und verursacht ein absolutes Ester-Inferno! Denn auch hier kann man im Grunde alles an Eindrücken wiedergeben, was auch beim LOM schon Phase war, nur, dass das ganze nun eben deutlich harmonischer daherkommt, wenn man sich zu diesem Wort bei so etwas wie einem DOK denn durchringen kann. Der Rum ist dementsprechend unfassbar mundfüllend und wahnsinnig adstringierend. Es zieht einem regelrecht die Schleimhäute zusammen. Der Säure-Anteil ist Mark-bedingt hoch. Natürlich merkt man dem Rum auch die Fassstärke an, aber ich empfinde diese hier als passend und würde sie dementsprechend auch nicht missen wollen. Der Alkohol ist super eingebunden und britzelt nur zu Beginn etwas auf der Zunge (wobei man mit größeren Schlucken durchaus vorsichtig sein sollte). Danach kommt dann auch dementsprechend einfach nur noch Flavour! Ein Bombardement an Estern, gegrillter Ananas, reichlich Obst, Toffee, Antipasti und etwas erdig-muffigem finde ich am Gaumen ebenso wie deftige Chorizo. Die Komplexität die mir beim LOM noch etwas gefehlt hat finde ich hier schon sehr viel eher, auch wenn dieser Rum natürlich auch noch keine zwanzig Jahre oder älter ist. Beim LOM empfand ich den Reifegrad damals als schon beinahe ausreichend, allerdings bleibt insbesondere im Quervergleich kein Zweifel darüber, dass der TRC um einiges ausgewogener auftritt und ihm das mehr als gut zu Gesicht steht. Ein Brett! 

Abgang: Hampden typisch verweilt der Rum nun schon sehr viel deutlicher am Gaumen und begleitet mich bis zum nächsten Morgen. Gegrillte Ananas kommt immer wieder, dazu Toffee und Antipasti. Hier zeigt sich der Reife-Zugewinn beim TRC deutlich! 

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Fazit:
 ich muss ja gestehen, dass das Thema DOK für mich eigentlich schon sehr durch war. Man bekam dazu in den letzten Jahren einiges geboten und das mystische, das diesen Stil lange umgab, ging so ein wenig verloren. Jeder, der da im Thema steckt kennt inzwischen Hampden DOK. Und dennoch hatte der LOM Stoff von damals mit noch einmal viereinhalb Jahren Reife on top auf Grund der persönlichen Verbindung seinen Reiz für mich, war dieses Fass doch etwas sehr besonderes für mich. Daher traf es sich auch vorzüglich, dass dieses Release und das zehnjährige Jubiläum von BAT so zusammenfielen, schließlich war nicht nur dieser DOK ein wichtiger Wegbegleiter während all der Jahre, sondern auch die Zusammenarbeit mit Jens und TRC währt insgesamt nun schon neun dieser zehn Jahre. Daher repräsentierte diese Abfüllung in gewisser Weise alles, wofür der Blog aus meiner Sicht immer stand: Nerd-Stoff, Neugierde, der unermüdliche Antrieb euch da draußen für eben jenen Stoff zu begeistern und zu gewinnen und über diesen Weg meinen Teil dazu beizutragen, dass solche Bottlings (anders als zum Start von BAT, als wir sehr auf dem Trockenen saßen) überhaupt möglich sind.
Mit der steigenden Nachfrage stieg im Laufe der Jahre aber auch nicht nur das Angebot, sondern es stiegen auch kontinuierlich die Preise. Und das Preisleistungs-Verhältnis bei diesem DOK fällt mir offen gestanden auch schwer zu beurteilen. Ich weiß ja noch, zu welchem Kurs der LOM damals kam. Und da das Fass folglich bereits 2018 gekauft war, kamen seit dem im Grunde nur Lagerkosten und geringfügig Schwund an Liquid dazu, die einen Preis von über 100% mehr im Vergleich zu damals sicher nicht notwendig gemacht haben. Das schmeckt nicht jedem und ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass ich derlei Kritik nicht nachvollziehen könnte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich jeden Händler verstehen kann, der keine Lust mehr hat dabei zuzusehen, wie Bottlings innerhalb von Minuten ausverkauft werden und wenig später auf Rum Auctioneer  etc. zu deutlich höheren Kursen weggehen. Die Kunst liegt meines Erachtens dementsprechend darin, einerseits diejenigen, die ihre Flaschen wirklich noch aufmachen und den Stoff lieben nicht zu verprellen und andererseits den Flippern die Taschen nicht vollkommen widerstandslos zum eigenen Nachteil voll zu machen. Ob da ein Gleichgewicht gelungen ist, muss jeder mit sich ausmachen und darauf basierend eine Kaufentscheidung fällen, aber ich finde, wie erläutert, für beide Seiten Argumente und glaube, dass es der Markt auch ein Stück weit richtet. Beispiele für Bottlings, die wie Blei in den Regalen liegen findet man schließlich zuhauf und der heute verkostete Rum gehört mit einer Verweildauer von ein paar Minuten im Shop am Freitag definitiv nicht dazu. 

-ohne Score-Wertung-


Der TRC - DOK im Mai Tai:

Und ja, wenn schon denn schon! Der Mai Tai war für mich und auch auf diesem Blog hier schon immer eine Herzensangelegenheit und so komme ich gar nicht daran vorbei, schon gar nicht zum zehn jährigen, auch diesen High Ester Rum in meinem Lieblingsdrink auszuprobieren. Ich gebe zu, mein persönlicher Geschmack hat sich da in den letzten Jahren etwas verschoben, dahingehend, dass mir gemäßigtere Jamaica Rums im Mai Tai etwas besser gefallen, aber der Versuchung eines Hampden DOK mit dreizehn Jahren Reifezeit in diesem Tiki Klassiker kann ich natürlich nicht widerstehen. 



Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 6,0 cl The Rum Cask Jamaica Rum 12 YO Hampden DOK 2009
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,8 cl Limettensaft (frisch gepresst!)


Die Anmutung im Glas ist gewohnt und vertraut, der Drink ist sehr hell und ein wenig ins milchige gehend, wie immer, wenn ich den Mai Tai mit eher jungen, kontinental gereiften Hampden zubereite. 

Geschmacklich dann, wie schon in der Pur-Verkostung, die absolute Explosion! Sehr, sehr geil! Ein absolut intensiver, dabei aber smoother, fruchtiger Mai Tai, eine absolute Aromenbombe! Während ich den Mai Tai mit dem Letter of Marque noch eher in einer Kombination gemixt habe, sprich diesem einen noch etwas reiferen Rum an die Seite gestellt habe um mehr Tiefgang und Komplexität in den Drink zu bringen hat das der TRC defintiv nicht nötig. Zwar merkt man auch hier, dass der Rum im Drink keine zwanzig Jahre alt ist, aber dieses etwas farblose (im wahrsten Sinne) hat er nicht mehr. Wer mal einen Mai Tai mit ungereiftem Rum probiert hat, der weiß was ich meine. Bei denen sieht man das natürlich am deutlichsten. Der hohe Alkoholgehalt des Mai Tai bereitet keinerlei Probleme, er lässt sich sehr entspannt trinken. Natürlich profitiert er auch nochmal etwas von der Verwässerung, was für mich aber ein eher positiver Aspekt ist, heißt dies doch vor allem, dass man sich mit dem Genuss auch länger Zeit lassen kann, ohne Sorge haben zu müssen, dass der Drink durch zu viel Schmelzwasser in seiner Qualität merklich einbüßt. Alle Zutaten harmonieren miteinander und machen, was sie im Mai Tai zu machen haben: der Rum steht im Vordergrund, die anderen Zutaten setzen ihn in Szene, ohne von ihm erschlagen zu werden. Wunderbar! 

Fazit: 

Kann man machen! Klar, den Diskurs darüber ob Rums mit einem solchen Preisschild in einen Drink gehören führe ich, seit ich Rums mit diesen Preisschildern in eben jenen Drinks vermixe. Aber ich stehe da absolut zu meiner Haltung, dass ein Drink wie der Mai Tai einen Mehrwert für einen Rum wie den DOK darstellt, weswegen es für mich keinen Grund gibt es nicht zu tun. Noch dazu kommen leider immer weniger Rums auf den Markt, deren Preisschild mir merklich besser gefällt und die aber eine vergleichbare Qualität wie die hier dargebotene zu bieten haben. Da haben sich die Zeiten einfach geändert, ein Nerd Stoff wie dieser fliegt eben nicht mehr unter dem Radar und man kann eben nicht alles haben. Gäbe es diesen Markt in der Form nicht, käme auch der Stoff nicht in den Handel. Insofern bin ich da mit allem fein! Wird wieder gemixt! 


Bis demnächst
Flo

Sonntag, 23. Juni 2019

The Hampden DOKtrine: 6 x Highest Ester Rum!

Liebe Rum Gemeinde,

lange Zeit galt das Mark DOK von Hampden als so etwas wie eine Art unbekannter heiliger Gral. Niemand hatte ihn je gesehen, aber jeder, der sich mit Hampden intensiver auseinander gesetzt hatte, wollte ihn einmal kosten. Etwas beinahe schon mystisches umgab dieses Mark: während die einen an das ultimative Geschmackserlebnis glaubten, waren sich andere schon beinahe sicher, dass ein Rum mit derart hohem Estergehalt nahezu ungenießbar sein müsste. Seit 1,5 Jahren ca. ist der Mythos schließlich Wirklichkeit geworden und wir alle konnten Hampden DOK probieren. Zeit also, 5 der für mich spannendsten DOKs, sowie eine zweifelhafte Neuerscheinung einmal nebeneinander zu verkosten!

Zur Erinnerung: mit dem Mark DOK (Dermot Owen Kelly-Lawson, ein ehemaliger Besitzer Hampdens) bezeichnet Hampden seinen Rum mit dem höchsten legal auf Jamaica möglichen Estergehalt. Die Grenze liegt hier von Gesetzeswegen bei 1600 gr/hlpa nach der Destillation und das Mark DOK bezeichnet dementsprechend Rums mit einem Estergehalt von 1500 - 1600 gr/hlpa. Laut der Klassifizierung der Jamaica Rums im Allgemeinen macht ihn das zu einem Continental Flavoured Rum. Bereits eingangs sprach ich die Kontroverse um DOK an: das Mark galt unter Connaisseuren lange Zeit als das spannendste Geheimnis der Destillerie. Seinen Ursprung hat der Stil nämlich im Rumhandel mit Deutschland im 19. Jahrhundert, weswegen er quasi als Hampden-Essenz angesehen werden kann. Die Frage der Genießbarkeit stand dabei aber immer wieder im Raum. Und da würde ich jetzt, mit sechs gefüllten Gläsern vor mir, einfach sagen: schauen wir mal! 


Die heute verkosteten DOKs:

  • Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.
  • Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.
  • Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.
  • 1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.
  • Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.





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Letter Of Marque Jamaica Rum 8 YO Hampden 2009 - 66,4% vol.%

Zum Letter Of Marque DOK muss und möchte ich gar nicht mehr viel sagen. Der Rum ist schließlich auch mit mein Baby gewesen und daher wäre alles, was ich hier über ihn sagen könnte noch weniger objektiv als es die Meinung eines einzelnen ohnehin schon immer ist. Kurz die Facts: 8 Jahre kontinentale Reife weist er auf, er kommt in Cask Strength und hatte einen Ausgabepreis von ca. 50,- Euro für 0,5 Liter. Es war seinerzeit die meines Wissens nach erste Abfüllung, bei dem sich das Mark DOK auch auf dem Label eines Rums befand.


Nase: ich habe eine tiefe, ausgewogene, Hampden-typische starke Ester-Nase mit viel Klebstoff, Nagellackentferner, Marzipan und Ananas, aber auch gebackene Banane, Zitrusnoten und etwas Humus sind dabei und ein für seine 8 Jahre auch schon guter Einschlag vom Fass.

Gaumen: brutal schlägt der LOM am Gaumen ein. Bäm! Alkoholische Schärfe, Adstringens, Ester-Flut... der DOK geht die volle Distanz! Wahnsinniger Körper! Ich habe an Eindrücken Ananas, Toffee, altes Holz, Antipasti und eine für mich noch immer ungewöhnliche Reife, für einen nur 8 Jahre kontinental gelagerten Rum.

Abgang: esterige Eindrücke und Ananas begleiten den Rum, auf dem Weg nach unten, später gesellen sich auch Holznoten dazu.

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Fazit: ein starker Vertreter seiner Zunft, wenn auch kein ganz überragender. Der Reiz des Bottlings damals lag für mich seinerzeit im Unbekannten. Hampden kann durchaus noch mehr!

-85/100-




Compagnie Des Indes Jamaica Rum 9 YO Hampden 2009 - 60% vol.

Der Compagnie Des Indes DOK ist in dieser Runde, unter jenen Rums die offiziell releast wurden, so ein wenig der unterschätzte. Er führte das Mark DOK nicht auf dem Label, ist aber aus dem gleichen Batch wie der Letter Of Marque oder auch der heute nicht mit verkostete Kintra Hampden 2009 und mit einem Jahr Reife mehr. Mit seinen 60% vol. kommt er allerdings nicht ganz in Fassstärke daher. Der Ausgabepreis lag bei ca. 100,- Euro für 0,7 Liter.


Nase: die Eindrücke vom Letter Of Marque spiegeln sich hier in auffälliger Weise wieder, auch er hat die volle Dröhnung Ester mit all dem Klebstoff, scharfen Lösungsmitteln, Ananas, Bananen, Zitrusnoten und dunkler Erde. Das Fass hat sich hier noch positiver bemerkbar gemacht als beim LOM, denn der Rum kommt in der Nase deutlich runder daher, mutet noch etwas angenehmer an. Insgesamt sind sich beide Rums aber schon sehr, sehr ähnlich.

Gaumen: der Compagnie Des Indes kommt am Gaumen weicher und etwas gnädiger daher, die Verdünnung scheint sich hier positiv bemerkbar zu machen. Adstringens und die volle Ester-Power prägen aber auch hier das Bild am Gaumen. Die Assoziierungen decken sich hingegen nahezu vollständig mit denen beim LOM. Mit zunehmender Verweildauer bemerke ich die Verdünnung, da der Rum am Gaumen nicht ganz so cremig wird wie der LOM.

Abgang: eine riesige Schoko-Toffee-Note habe ich zu Beginn! Danach sind es dann Eindrücke vom Holz und von Antipasti.

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Fazit: die Verdünnung hat den Rum in der Nase und in seiner gesamten Zugänglichkeit meines Erachtens gepusht. Nach hinten heraus fehlte dann ganz leicht die Kraft. Unterm Strich sehe ich ihn aber leicht über dem LOM.

-86/100-




Hampden Jamaica Rum unaged - ~75% vol.

Den ungelagerten DOK mit 75% vol. erhielt ich aus ungenannter (aber nicht unbekannter) Quelle. Er wurde leicht verdünnt, hat nicht mehr ganz distillation-strength. Das Sample entstammt keiner releasten Abfüllung.


Nase: hui, hier wird das Tempo dann schon merklich angezogen. Hampden-DNA! Aber das ganze kommt leider auch sehr scharf und stechend daher. Dass das kein Rum in gewöhnlicher Trinkstärke mehr ist fällt sofort auf. Auch er bietet die geballte und vielfach umschriebene Ester-Palette mit allem was dazu gehört, allerdings fehlen natürlich die gelagerten Komponenten vom Fass. So ist dann hinter der Ananas auch schon beinahe Schluss.

Gaumen: der Einschlag erfolgt nicht ganz so brutal wie erwartet, aber er erfolgt. Der Alkohol fordert die Zunge und den Gaumen schon sehr heraus. Hat sich der Sturm gelegt, empfinde ich den Rum allerdings als angenehm, lecker und typisch. Ich habe esterige Eindrücke, viel Ananas und Banane, Traube und dazu Klebstoff, sowie etwas, was mich an Savanna HERR erinnert.

Abgang: es bleiben die Erinnerungen an den HERR und etwas Traube.

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Fazit: das ist nicht schlecht, aber auch nichts, was ich, zumal pur und ob der Extremität, häufiger trinken würde. Ich danke dem Spender dennoch, dass ich die Möglichkeit hatte, den Rum zu probieren.

-78/100-




Hampden Jamaica Rum unaged  - 85,6% vol.

Mein Sample des ungelagerten DOKs in distillation-strength mit 85,6% vol. erhielt ich von einem mir bekannten und lieben Connaisseur aus Dänemark. Auch dieses Sample entstammt in dieser Form keiner bisher releasten Abfüllung.


Nase: ja, okay, so langsam geht es dem Gipfel des Machbaren entgegen. Der Rum kommt sehr angenehm daher, nicht so stechend wie der DOK mit 75% vol., dafür aber noch voller und intensiver im Aroma. Großes Kino! Viel Lösungsmittel und etwas Ananas und Banane habe ich. Aber dieser Rum ist schon ein Ausrufezeichen!

Gaumen: kleine Schlücke sind angesagt, na klar. Und hier wird es nun schon wirklich krass. In mir melden sich Alarm-Rezeptoren, die dafür zuständig sind, uns vor giftigem und ungenießbarem zu schützen. Auf der Zunge bilde ich mir ein, dass sich der Rum gerade versucht durchzuätzen. Die Speichelbildung funktioniert nur noch eingeschränkt, man bekommt den Rum kaum milde "gebissen". Dennoch macht das auf eine perverse Art und Weise irgendwie Spaß. Ist der Alkohol dann weitgehend abgeklungen, was ewig dauert, ist der Rum richtig lecker und aromatisch. Ich habe Ester-Total, Banane, etwas Sahnetoffee und mediterrane Assoziationen. Ein bemerkenswerter Tropfen!

Abgang: Antipasti und etwas Humus begleiten den Hampden nach unten. 

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Fazit: Freak-Stoff! Ob sowas wirklich Platz am Markt hätte? Einmalig mit Sicherheit, aber ich glaube, die Möglichkeiten der Anwendung sind hier sehr begrenzt. Und so lecker der Rum irgendwie auch ist, aber nicht mal im Drink kann ich mir vorstellen, dass das richtig gut geht, da er vermutlich zu dominant wäre. Die Grund-Qualität liegt hier eindeutig höher als bei der Probe mit dem 75% Stoff, aber der Alkohol ist omnipräsent.

-82/100-




1423 S.B.S. Jamaica Rum 6 Months Old 2018 - 59,7% vol.

Der 1423 S.B.S. DOK ist eingeschlagen wie zuvor nur der Letter Of Marque, nachdem bekannt wurde, dass es sich hierbei um einen New Make DOK aus 2018 mit lediglich dreimonatiger Reifung in einem PX-Cask handelt. Mit einem Alkoholgehalt von 59,7% vol. ist er, wenn man so will, das "Leichtgewicht" in unserer heutigen Runde. Der Ausgabepreis lag bei ca. 80,- Euro für 0,7 Liter, was für einen nahezu ungelagerten Rum schon eine Ansage war. Und zumindest in meinem Fall war der Preis auch der Grund, warum ich keine Flasche gekauft habe. Mir war er deutlich zu teuer, auch wenn unser nächster und letzter Rum gleich zeigen wird, dass es auch immer noch abgehobener gehen kann.


Nase: es geht mit den Volumenprozenten wieder deutlich nach unten, dafür kommt ein wenig Fass dazu und das nimmt man deutlich wahr! Es wird zwar klar, dass auch dieser DOK noch sehr jung ist, aber das PX-Fass hat hier in nur drei Monaten schon gewirkt. Typisch Hampden, aber mit einem leichten PX-Einschlag kombiniert diese Abfüllung so ein wenig das beste aus beiden Welten, aged als auch unaged. Gefällt mir sehr gut!

Gaumen: nach der Tortur mit den 75, bzw. 85%igen Hampden gleicht dieser DOK hier einem Gaumenschmeichler. Und tatsächlich tut er das nicht nur rein wegen des geringeren Alkoholgehalts, sondern weil die Qualität hier auch richtig gut mitspielt! Ich sehe Ähnlichkeiten zum 85%igen DOK, aber das ganze kommt hier, mit ca. 25% vol. weniger, natürlich ungleich smoother daher. Am Gaumen macht sich das PX-Fass zunächst wenig bemerkbar und so steht vor mir ein doch eher noch klassischer Hampden in sehr bedacht berührter Form. Dann plötzlich, der Rum verweilt schon eine ganze Weile im Mundraum, kommt der Sherry doch noch. Das passt wirklich gut! Allerdings zeigt sich am Gaumen auch, dass der Rum eben wirklich noch nicht alt ist, kann sich, anders als in der Nase, gegen die beiden acht jährigen nicht mehr behaupten.

Abgang: Sherry und Hampden-typische Elemente weisen dem Tropfen den Weg hinab. 

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Fazit: hier hat man ganz offensichtlich mit sehr wenig schon sehr viel erreicht. Von den (in diesem Fall fast) ungelagerten DOKs bisher das mit Abstand beste und rundeste Paket! Well done!

-83/100-




Rom De Luxe Jamaica Rum 3 Months Old 2009 - 85,2% vol.

Der Rom De Luxe DOK ist für mich, auf den Punkt gebracht, wohl schon jetzt der ambitionierteste Anwärter auf die Frechheit des Jahres! Bei einem Ausgabepreis von ca. 200,- Euro (!!) und Randdaten zur Abfüllung, deren Inhalt als auch Layout dem Konsumenten auf den ersten Blick eine Fassreife von 10 Jahren suggerieren, macht sich dieser Rum bei mir hochgradig unbeliebt. Die Angaben auf dem Label sind in höchstem Maße irreführend! Mit der "10" wird eine konventionelle Fassreife suggeriert und man gibt sich alle Mühe zu verschleiern, dass es sich hier lediglich um einen ungelagerten Rum mit dreimonatiger Stippvisite in einem Ex-Madeira Cask handelt, für den man aber, Achtung, nochmal, 200,- (!!) Euro haben möchte! Und ich halte es darüber hinaus an der Stelle schon auch für gewagt, bei der Lagerung im Ex-Madeira Fass von einem Finish, also einer Nachreifung, zu sprechen, wo es zuvor aber niemals überhaupt auch nur irgendeine Reifung in anderer Form gegeben hat! Die zehn Jahre im Stahltank sind vollkommen irrelevant, nehmen stilistisch auf dem Label aber den Rahmen einer Fassreife an. Für mich ist diese Abfüllung daher ein Täuschungsversuch und ein Schlag ins Gesicht vieler anderer ehrlich und transparent arbeitenden unabhängigen Abfüller! Entschuldigt, Jungs, aber überteuerte Produkte mit Pseudo-Age-Statements? Genau dafür werden Marken wie Zacapa & Co. seit Jahren stark aus der Rum Szene heraus kritisiert. Zurecht. Musste man wirklich ausgerechnet dort nun anschließen?


Nase: im Vergleich zum 1423 S.B.S. kommt dieser hier wieder schärfer und stechender daher. Das Finish macht sich auch hier bemerkbar, allerdings muss man da durch den dichten Alkohol auch erstmal hinkommen. Das Madeira Cask hat diesem Hampden irgendwas mitgegeben, was mich irritiert und mir auch, gerade im Vergleich zum vorherigen Glas, nicht so gut gefällt. Die geringe Reife des Rums kommt hier ebenfalls viel stärker heraus als beim 1423 DOK.

Gaumen: und zum Abschluss also nochmal voll in die Fresse! Klar, der Alkohol macht sich auch hier bemerkbar, ist aber deutlich besser eingebunden als bei der ungelagerten Version mit 85,6% vol.. Die Reifung im Madeira Cask hat dem Rum sicher schon etwas von seiner Schärfe genommen. Das ist damit zwar weniger brutal als beim 85% unaged DOK, aber dieser gefiel mir geschmacklich besser. Das Finish bringt eine Art Trauben-Einschlag mit rein, was mir weniger gefällt.

Abgang: im Mund bleibt ein ganz unangenehmer Ton zurück, der vermutlich vom Madeira-"Finish" stammt, ergänzt um die typischen Eindrücke von ungelagertem High Ester Rum. 

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Fazit: Viel Lärm um doch eher wenig! Mir gefielen alle Rums heute, bis auf den 75%igen unaged DOK, besser als dieser hier.

-78/100-

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Gesamt-Fazit:

"DOK is not for drinking!" ? - Jain! Diese inzwischen schon fast legendäre Aussage, die in erster Linie aber angeblich nur feststellen wollte, dass diese Art Rum weder kreiert wurde, um pur getrunken zu werden, noch dass sie in der Karibik, bzw. auf Jamaica, von den Einheimischen pur genossen wird, schlug hohe Wellen. Aus Sicht eines mitteleuropäischen Rum Snobs allerdings, bieten auch diese Monster extreme Reize und insbesondere durch Fassreife, entstehen hier meines Erachtens durchaus sehr gut genießbare Tropfen. Und doch: dieses Cross-Tasting war in höchstem Maße anstrengend und schon sehr für die Wissenschaft! Ich kann den Compagnie Des Indes, der für mich beste DOK im Feld, pur genießen und auch den knapp dahinter rangierenden Letter Of Marque, also jene beiden, die auch schon acht, bzw. neun, Jahre im Fass gelegen haben und ja, vielleicht auch noch den 1423 S.B.S.. Aber alles dahinter ist mir dann einfach zu extrem. Das kann man trinken, klar, und ich finde das auch in höchstem Maße spannend und für den Moment dann reizvoll, aber ich sehe mich damit nicht in einem Ledersessel sitzend und einfach nur genießend. Da fallen mir viele andere Rums eher ein.

Der Sieger im Cross-Tasting, ich hatte es gerade ja schon fallen gelassen, ist für mich der Compagnie Des Indes. Die Unterschiede zu unserem Letter Of Marque sind marginal, aber sie sind da und so führen die beiden das Feld für mich an. Dahinter sehe ich den 1423 S.B.S., der für mich sogar die beste Nase im Gesamtfeld und damit gar wortwörtlich die Nase vorn hatte. Er hatte erst am Gaumen dann gegenüber den beiden länger gereiften Rums das Nachsehen. Auf Platz 4 sehe ich den 85,6%igen ungelagerten DOK in distillation-strength, der zwar extrem eskalierte, für mich dann aber am Ende schon auch ein Stück zu weit von Genuss im eigentlichen Sinne geht. Den letzten Platz teilen sich der Rom De Luxe und der 75%ige unaged DOK. Beim Rom De Luxe störte mich einfach die Eigennote und der 75%ige ist für meinen Geschmack etwas zu unballanciert. Ein letztes Wort gerne noch zum Rom De Luxe: zunächst wollte ich diesen Rum eigentlich komplett boykottieren, habe mich aber letztlich dagegen entschieden, um meiner Verärgerung über ihn, siehe oben, hier auf BAT eine Plattform geben zu können, denn das war mir ein Bedürfnis!

Die Empfehlung freilich spricht sich heute eigentlich von selbst aus: der Compagnie Des Indes! Er ist der einzige aus der Runde, der mir gefallen hat, der mir sogar auch am besten gefallen hat und auch noch zu einem einigermaßen humanen Kurs erhältlich ist. Zwar empfand ich auch dessen Preis schon sehr hoch, da ich durch Letter Of Marque weiß, was Main für die Fässer haben wollte, aber das ist zumindest noch guten Gewissens vertretbar. Der Letter Of Marque wäre, zum Ausgabepreis, mein Preis-Leistungs-Sieger gewesen, aber das galt ja nur für nicht einmal 30 Minuten. Insofern ist es dann der wohl unterschätzte CDI, bei dem ich mich frage, warum es ihn noch auf dem Markt gibt, wo für den LOM teilweise vollkommen irre Summen auf dem Secondary Market aufgerufen als auch bezahlt werden.

Bedanken möchte ich mich abschließend bei den Jungs, die immer wieder unermüdlich Flaschenteilungen auf die Beine stellen, sowie bei den edlen Spendern, die sich jetzt hoffentlich angesprochen fühlen, der beiden unaged DOKs. Vielen Dank an alle, die dieses Tasting möglich gemacht haben!

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Barrel Aged Thoughts 2018 - Ein Rückblick

Liebe Rum Gemeinde,

das Jahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen und hinterlässt uns glücklicherweise auch einige Rum-Abfüllungen, über die es sich glaube ich durchaus lohnt, noch einmal zu sprechen. Um eines dabei aber vorweg zu nehmen: anders als 2017 war 2018 aus meiner Sicht nicht das Jahr der absoluten und unbedingten Highlights. Keiner der Rums dieses Jahr wäre aus meiner Sicht z.B. ein echter Kandidat für eine Top 10 Liste des gesamten Jahrzehnts, während sich dort 2017 schon mindestens zwei Rums fanden, die für mich ganz sicher in einer solchen Rangliste vertreten wären. Was nun aber vielleicht für den einen oder anderen nach Enttäuschung klingt, ist in Wahrheit einfach eine (leider nur semi-elegant gelungene) Überleitung dahin, dass das Jahr 2018 für mich zwar nicht unbedingt eines ist, welches zu großen und lauten Rankings einlädt, wohl aber ein überaus spannendes Jahr gewesen ist, mit vielen Premieren, einem Messebesuch in Köln, neuen Wegen, weiter beschrittenen Wegen und vielen vielleicht nicht überragenden, aber sehr soliden Rums - und natürlich einem gigantischen Sommer mit unzähligen Mai Tais! Ein Rückblick.




Prolog:

Meine Reise durch 2018 beginnen möchte ich im Epilog von 2017, als ich meine Hoffnungen und Erwartungen auf das nun demnächst hinter uns liegende Jahr wagte. Mein Fokus lag dabei auf New Yarmouth, St. Lucia Distillers, der South Pacific Distillery und auch auf Sancti Spiritus als ewiger Geheimfavorit. Kurz und schmerzlos kann man denke ich konstatieren, dass sich da, bis auf New Yarmouth, leider nicht viel getan hat. Das ist zwar einerseits schade, ganz persönlich hatte ich gerade bei St. Lucia wirklich stark gehofft, aber auf der anderen Seite bin ich doch sehr erfreut darüber, dass New Yarmouth keine Eintagsfliege geblieben ist, sondern sich innerhalb eines Jahres einen festen Platz innerhalb der Szene gesichert hat. Und das vollkommen zurecht, wie ich finde!


Cologne Spirits: 

Im März stand dann die Cologne Spirits in Köln an, und damit die erste Premiere in diesem Jahr, auf die ich gerne eingehen möchte. Marcus Stock und Christoph Schreiber organisierten mit großem Erfolg eine weitere große Rum- und Spirituosenmesse in Deutschland neben dem German Rum Fest in Berlin, die in 2019 auch seine Fortsetzung erfahren wird. Neben erstklassigen, interessanten und spannenden Ausstellern zu aktuellen Abfüllungen konnte mich vor allem der Raritäten-Stand von Rene van Hoven begeistern, an dem auch Bottlings aus längst vergangenen Tagen probiert werden konnten. Viele davon sogar zu mehr als fairen Kursen - ich sag' nur Albion 1986 *hust* :-) Vielen Dank dafür noch einmal, Rene und ich hoffe, dass man dich dort 2019 auch wieder findet! 
Darüber hinaus bot die Messe aber auch den Rahmen und die Möglichkeit für einige von uns Bloggern und anderen Rum-Nerds, sich in privater Runde zusammenzufinden und vieles zu probieren und sich auszutauschen. So entstand ein unvergesslicher Abend bei Marius von SCR, bei dem ich während der drei Tage in Köln auch unterkommen konnte. Vielen Dank noch einmal für alles!



Mein Bericht zur Cologne Spirits: Messebericht


BAT on facebook:

Nur einen Monat später, im April, folgte dann für mich ganz persönlich ein Sprung über den eigenen Schatten, indem ich eine Facebook-Präsenz für BAT einrichtete. Ja, hab ich wirklich gemacht. Ich, der immer dagegen war. Aber wie war das? Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit? Die Erkenntnis, dass ich mich nicht jedem ungeliebten Wandel auch immer verschließen kann, war an dieser Stelle größer, als meine persönliche Abneigung, die deshalb ja keineswegs vollständig gewichen ist. Und ohne jeden Zweifel hat diese Entscheidung BAT genutzt, größer gemacht und vor allen Dingen auch internationaler gemacht. Zwar schreibe ich auch weiterhin auf Deutsch, da das die einzige Sprache ist, in der ich mich meinen eigenen Ansprüchen gegenüber gerecht ausdrücken kann, aber die Reichweite hat dennoch stark zugenommen. Somit kann ich inzwischen, nach acht Monaten, sagen, dass das der absolut richtige Schritt war.

facebook.com/mybarrelagedthoughts/


Hampden DOK:

Noch im gleichen Monat stand dann bereits das nächste Highlight 2018 und eine weitere Premiere an, nämlich der Release des Letters of Marque Hampden DOK 8 YO Jamaica Rum in voller Fassstärke! Wir als Blogger von SCR, RUMBOOM und BAT hatten uns mit Sascha zusammengetan und bei der Main Rum Company auf der Insel einen Hampden DOK aufgespürt. Diesen holten wir dann mit der Hilfe des unabhängigen Abfüllers The Rum Cask ins Land, die letztlich dann auch das Bottling übernahmen. Der LoM war zwar nicht der erste DOK am Markt, das war meines Wissens nach der Kintra aus dem gleichen Jahrgang, aber er war der erste, der in voller Fassstärke abgefüllt wurde und der auf dem Label auch als DOK ausgewiesen war. Der gesamte Prozess zog sich über ein dreiviertel Jahr hin und wir bekamen in der langen Zeit, in der immer wieder einiges an Geduld gefragt war, viele Einblicke in die Arbeit eines UA (IB) und ich möchte auch diesen Moment nicht ungenutzt lassen und Jens und dem gesamten Team bei TRC sehr herzlich für die Zusammenarbeit danken! 
Geschmacklich war der DOK meines Erachtens ein guter Rum, den ich auch pur nach wie vor gerne trinke, aber in Konkurrenz zu lange gereiften Hampden aus den 1990ern und frühen 2000ern steht er für mich noch nicht. Da besteht bislang schon nochmal ein Qualitätssprung in meinen Augen, aber das ist bei gerade einmal acht Jahren Reife auch nicht verwunderlich. Es ging hier darum, diese Extremität einmal erlebt zu haben und zu sehen, wo Hampden sein eigenes Maximum hat und in dieser Hinsicht war der DOK sehr aufschlussreich, denn anders als ich erwartet hatte, bot auch der DOK ein Ester-Level, welches ich noch als angenehm zu trinken empfinde. Wo der Rum dann mit 15 bis 20 Jahren steht, da bin ich schon sehr gespannt!
Ein Gewinn war der DOK auf jeden Fall aber auch für den Mai Tai und fast wirkte es schon ein wenig so, als ob man ihn extra für diesen extrem trockenen Sommer und damit für die bitter benötigten kühlen Drinks bestellt hätte.



Review zum Letter of Marque 8 YO Hampden DOK 2009
➜ Review zum Mai Tai mit Letter of Marque 8 YO DOK 2009


Caroni:

Die erste Jahreshälfte und auch die Jahresmitte waren bei mir aber auch geprägt von Tropfen, die schon vor 2018 erschienen sind und die vermutlich im Jahr 2000 das letzte Mal destilliert wurden: die Rede ist natürlich von Caroni! Ich habe mir damit zunächst viel Zeit gelassen, um erst einmal einen breiteren Überblick über Caroni insgesamt zu bekommen und dann damit begonnen viele dieser Rums, vor allem von Velier, hier zu verkosten und vorzustellen, da sich Caroni bei mir in 2018 definitiv als eine neue Liebe, zwischen Jamaica und dem so genannten "Rockley"-Style von Barbados verfestigt und etabliert hat. Schade, dass es die Preisentwicklung einem immer schwerer macht, an noch weitere Flaschen zu gelangen. Nichts desto weniger bin ich aber natürlich weiterhin motiviert, so viele Abfüllungen wie möglich noch zu probieren, bevor man letztlich wohl nie wieder dran kommen wird.

Hier eine Auswahl an Caroni-Reviews aus diesem Jahr:


Neuheiten und Premieren:

Natürlich wurden in 2018, und insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, auch einige Neuheiten veröffentlicht, von denen einige auch durchaus Aufsehen erregen konnten. Von Hunter Laing (Kill Devil) beispielsweise wurden für The Whisky Barrel je zwei Rums aus Hampden der Jahrgänge 2007 und aus 2001 veröffentlicht, wobei insbesondere der Jahrgang 2007 für Konfusion sorgte, da Hampden zu dieser Zeit geschlossen war. Es kam dann heraus, dass es durch National Rums of Jamaica (NRJ) zu dieser Zeit eine Art Probe-Destillationsdurchlauf gegeben haben soll, aus dem dann diese Rums resultiert seien. Beide Rums schmeckten hervorragend und hatten einen sehr hohen Estergehalt. Eine unerwartete Entdeckung in 2018!

➜ Review zum Kill Devil Jamaica Rum 10 YO Hampden 2007


Bereits recht früh in 2018 wurde bekannt, dass auch Velier wieder einiges vorhaben würde in diesem Jahr. Zu Beginn erschienen bereits zwei Caroni aus dem Jahr 2000, jeweils für den US-, bzw. den EU-Markt gedacht und einige Zeit später kam dann auch noch ein Caroni 100th Anniversary Bottling, in einer Flasche, die komplett einer Abfüllung aus den 1940er Jahren nachempfunden war. Es machten aber auch Gerüchte um einen Heavy Type Antigua Rum und um vier Rums aus Long Pond schnell die Runde, sowie um eine so genannte Employee-Serie, mit welcher man ein Tribute für die ehemaligen Arbeiter von Caroni setzen wollte. Diese erschienen dann in der zweiten Jahreshälfte und waren, wie zu erwarten, von großem Interesse begleitet. Mein heimliches Highlight war tatsächlich auch der Antigua, der sehr fair bepreist daher kam und im Grunde für mich all jene Kriterien erfüllte, die ich an einen Rum habe, wenn es mal nicht das ganz große Kino sein soll. Stichwort: Barbeque! Seitdem ist bei mir auch eine barbadische Destillerie komplett aus allen Regalen ausgezogen, deren Namen ich bereits vergessen habe. Sowas kommt vor, war wohl nicht so wichtig. 😄
Für mich als Jamaica-Head in besonderem Maße spannend waren aber natürlich die vier Long Ponds, der Cambridge, der Vale Royal, der TECA und der TECC, deren jeweilige Geschichte ich euch im Zuge der Releases mit großer Freude dargelegt habe. Bis auf den Vale Royal waren das auch alles Stile, die es so bisher nie abgefüllt zu kaufen gab, und die uns Connaisseuren somit erstmals zugänglich gemacht wurden. Mein persönlicher Favorit, zum Zeitpunkt der Reviews wollte ich mich da noch nicht festlegen, ist aber inzwischen der Vale Royal, der darüber hinaus auch das klar beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist. Ein wirklich starker Rum, den ich sehr empfehlen möchte. Eine Blindverkostung vor kurzem unterstrich allerdings auch meinen Eindruck, dass der Rum tatsächlich sehr lange im Glas braucht, bis er wirklich einschlägt. Er braucht Geduld und ich empfehle daher ebenso sehr, ihm diese zuteil werden zu lassen.
Darüber hinaus veröffentlichte Velier auch noch einige Rums unter dem Label Habitation Velier, wobei hier einige ungelagerte Rums besonders hervor stachen, darunter ein Long Pond STC❤E, ein Hampden <>H und ein Savanna HERR. Alle drei Rums werden im neuen Jahr auch noch ihren Weg auf BAT finden!



➜ Hier die bisherigen Reviews:


Und die anderen unabhängigen Abfüller? Waren die untätig? Selbstverständlich nicht, ganz im Gegenteil! Auch dort sind einige wirklich tolle Rums erschienen, von denen hier auch noch Samples stehen, bei denen ich es aber auch noch nicht geschafft habe, sie auf BAT zu besprechen und vorzustellen. Da wären u.a. von 1423 World Class Spirits noch ein New Yarmouth 2005 und junger Hampden DOK aus 2018 mit Sherryfinish oder von Plantation die beiden Long Ponds ITP und HJC. Auch die Transcontinental Rum Line hat mit 2012 einen bisher noch unbekannten Hampden Jahrgang veröffentlicht. Von Compagnie des Indes stehen hier noch ein Hampden DOK 2009, ein Multi Distillery Blend oder ein New Yarmouth 2005. RA (Rum Artesanal) haben dieses Jahr meines Erachtens einen ebenso tollen Job gemacht, einiges an spannenden Abfüllungen im Portfolio gehabt. Deren Caroni 1998, der Long Pond 2000 und der Clarendon 2007 warten auf nochmalige Verkostung. Und ganz frisch eingetroffen sind da auch noch ein Mount Gay 2000 und ein Monymusk 2004 von Kintra und ein Sample eines Navy Rums aus den 1940er Jahren von Nicolas Kröger.
Außerdem sind da auch noch zwei Proben, die nochmal eine gesonderte Aufmerksamkeit verdienen, nämlich ein ungelagerter DOK mit über 85% vol. und ein ebenfalls ungelagerter Rum aus der reaktivierten Vulcain Still von WIRD mit 60,7% vol., der hoffentlich noch etwas mehr Licht ins Dunkel rund um den so genannten "Rockley"-Style bringen kann! Da ist also auch immer noch genug zu tun im neuen Jahr und ich freue mich sehr darauf!


Aufräumarbeiten:

Beim großen Herbstputz bin ich über viele meiner alten Verkostungsnotizen gestolpert, die ich von den probierten Rums damals angefertigt hatte. Da die meisten dieser Rums heute antik und längst vom Markt verschwunden sind, habe ich sie hier online gestellt, um zumindest allen, die diese Rums damals nicht probieren konnten, weil sie erst später zur Szene dazu gestoßen sind, die Möglichkeit zu geben, über diese Rums ein wenig zu erfahren. Dazu habe ich sie auch in den gegenwärtigen Konsens eingeordnet und mir nicht zuletzt auch zu den aufgerufenen Preisen, damals und heute, ein paar Gedanken gemacht.



➜ Hier die einzelnen Sessions:


Noch nicht veröffentlicht habe ich hingegen ein paar Verkostungsnotizen zu einigen alten Cadenhead Cask Strength Abfüllungen, u.a. aus Guyana, Barbados und St. Lucia. Diese folgen im neuen Jahr 2019. 


Epilog:

Das war es also, mein Rum Jahr 2018. Was aber, sind meine Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen für 2019? Im Endeffekt ähnlich wie im letzten Jahr! Ich wünsche mir unbedingt, dass von St. Lucia mehr kommt! Das wäre großartig! Weiterhin wünsche ich mir aber auch, ab und zu mal überrascht zu werden, so wie das mit den Long Ponds oder dem Antigua bei Velier passiert ist, die ich letztes Jahr zu dieser Zeit noch überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Ich erwarte, noch einige weitere alte Caroni probieren und hier vorstellen zu können (und weiß gleichzeitig schon jetzt, dass ich da tatsächlich auch schon einiges in der Pipeline habe😎) und ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir vielleicht noch das eine oder andere aus den ganz alten Batches noch einmal zu Gesicht bekommen. Ein 1986er WIRD mit dann schon 33 Jahren wäre doch mal was und man wird ja noch träumen dürfen.
Darüber hinaus möchte ich im nächsten Jahr auch mit einigen Langzeit-Projekten noch weiterkommen. Das betrifft insbesondere die Seiten zu Jamaica Rum, zu Hampden, zu Worthy Park, zu Clarendon, zu Trinidad Rum, zu Caroni, zu Barbados Rum und zu WIRD. Die Seiten zu Long Pond und Wray & Nephew hingegen sind nahezu fertig. Immerhin!
Und ansonsten? Marius von SCR hat nun ein Scoring-System für seine Rums auf seinem Blog eingeführt. Ein Gedanke, der auch mich im Sinne einer besseren internationalen Vergleichbarkeit schon mehrfach umgetrieben hat, zumal ein solches System im privaten Rahmen längst nebenher läuft. Ich habe da bekannte vorbehalte, allerdings hat sich meine Ansicht dazu schon auch ein Stück weit verändert. Die Frage ist da also letztlich wohl am ehesten, ob ich auch hier quasi den "facebook-Move" wage, oder nicht. Ich bin da noch nicht final entschlossen, aber am Ende könnte es durchaus so kommen.

Und zu guter Letzt möchte ich mich natürlich auch noch bei euch, also bei all meinen Leserinnen und Lesern bedanken, dafür, dass ihr genau das seid, also Menschen, die auch längere Beiträge wie diesen hier immer wieder, Woche für Woche auf's neue lesen. Denn das ist letztlich auch für mich häufig zusätzliche Motivation mich hinzusetzen und Beiträge zu verfassen. Ihr seid spitze und ihr seid dieses Jahr um einiges mehr geworden und das freut mich sehr! Und damit wünsche ich nun euch, liebe Leser, erst einmal einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr 2019! Wir sehen uns wieder!

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 22. April 2018

Mai Tai mit Hampden "DOK" 2009

Liebe Rum Gemeinde,

das Wochenende bot Sonne satt und so konnte ich nicht anders, als unseren neuen Hampden DOK im Mai Tai auszuprobieren!



Mai Tai mit Letter of Marque 8 YO Hampden "DOK" 2009:

Ein milchig, leicht grünlich von der Limette her schimmernder Mai Tai steht vor mir. Der DOK ist sehr hell und bringt daher nahezu keine Farbe in den Drink. 

Geschmacklich holt er das dann nach! Ein bunter Drink! Der DOK bringt seine Power, seine Jugendlichkeit, aber auch seine Fasseinflüsse mit in den Mai Tai und passt hier wie angegossen. Trotz seiner enormen Stärke von 66,4% vol. dominiert der Rum zwar den Drink, unterdrückt dabei aber die anderen Zutaten nicht. Und er ist auch nicht zu heftig, um ihn nur mit schon etwas Schmelzwassser  genießen zu können. Eine ungemein runde und stimmige, fruchtig-herbe Komposition! Sehr geil!

Fazit: der DOK ist, wenig überraschend, wie dafür gemacht um ihn in einem hochwertigen Mai Tai zu vermixen! Wer bisher noch nach einer passenden Anregung für einen Mai Tai in diesem Sommer gesucht hat, der könnte hier fündig werden und voll auf seine Kosten kommen. Ich werde in den nächsten Tagen allerdings auch noch versuchen, den DOK im Mai Tai mit einem noch etwas länger gelagerten Jamaicaner zu kombinieren. Mal sehen, was da noch geht! :-)

Gemixt habe ich den Mai Tai wie folgt:
  • 6,0 cl DOK
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 1,0 cl Meneau Orgeat
  • 0,5 cl Zucker
  • 4,0 cl Limettensaft (frisch gepresst!)

Bis demnächst,
Flo

Freitag, 20. April 2018

Letter of Marque Jamaica Rum "DOK" Hampden 2009

Liebe Rum Gemeinde,

die Gerüchteküche in den letzten Tagen lief ja auf Hochtouren und so möchte ich euch jetzt, hier und heute auch gar nicht mehr noch länger auf die Folter spannen: ja, wir haben einen Hampden mit dem Mark DOK abgefüllt. Dieses verwendet Hampden für Rum mit einem Estergehalt von zwischen 1500-1600 gr/hlpa. Das entspricht dem Maximum dessen, was die jamaikanische Gesetzgebung an Esterkonzentration in einem Rum erlaubt.

Frontlabel 


Wir? Das sind in diesem Fall die Jungs von RUMBOOM, Single Cask Rum und Barrel Aged Thoughts in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Jungs von The Rum Cask aus Pirmasens.

Doch ganz der Reihe nach. Und: wie um alles in der Welt kommt ihr an einen Hampden DOK?! 

Fasssample DOK
Das ganze begann schon vor fast einem Jahr, als Thomas, Marius und ich zusammen die Schnappsidee ;-) hatten, einfach mal beim Broker E. & A. Scheer in den Niederlanden nachzufragen, was die so haben um sich evtl. Fassproben zu besorgen. Vielleicht wäre ja etwas spannendes dabei. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir aber noch eher weniger daran, am Ende tatsächlich auch einen der Rums zu besorgen und abzufüllen und wir hatten auch nichts konkretes im Auge. Das änderte sich erst, als kurz darauf tatsächlich Angebote von der zu Scheer gehörenden Main Rum Company ins Haus flatterten. Da waren zwar ein, zwei Rums dabei die uns interessierten, aber nichts, was uns wirklich vom Hocker gehauen hätte. Also stellten wir bei Main Rum ein Gesuch mit interessanten Rums, die uns vorschwebten. Der DOK war hier ursprünglich aber noch gar nicht dabei. Ich setzte ihn, eher aus einem Reflex heraus, erst kurz vor Abschicken der Mail noch mit auf die Liste. Ein DOK hat mich als Hampden-Fan schließlich schon immer interessiert! 
Ironie des Schicksals war dann, dass Main von unserer Liste nur zwei Rums auf Lager hatte und einer davon war eben jener DOK. Also bestellten wir kurzerhand Fassproben um uns ein Bild zu machen.  Jetzt reifte auch so langsam die Idee heran, dass man ja tatsächlich, sollte uns der Rum gefallen, eine Blogabfüllung machen könnte. Das Ergebnis nach Verkostung der Proben war eindeutig: we absolutely need this Sh*t! Wir wollten dieses Fass als eine Blogabfüllung abfüllen! 
Nun begann der schwierige Teil der Operation. Wir konnten das Fass nicht einfach kaufen, da man dazu eine Warehouse-Lizenz und einen Gewerbeschein benötigt. Und mindestens die Warehouse-Lizenz wäre schwierig geworden. An dieser Stelle kamen dann The Rum Cask ins Spiel, zu denen ich bereits seit Jahren guten Kontakt pflege und die, als wir sie mit unserer Idee konfrontierten, auch sofort begeistert waren. So waren TRC bereit, unser Fass zu kaufen, zu importieren und abzufüllen, ließen uns aber bei der Gestaltung des Labels alle Freiheiten, so dass der Rum dann am Ende eben doch vor allem eine Blogabfüllung ist! Lieber Jens, liebes TRC-Team: auch an dieser Stelle kann ich mich nur noch einmal bei euch für alles bedanken! Für eure Mühe, euer Engagement, euren immer wieder auch geteilten Enthusiasmus und vor allem auch für eure Geduld mit uns! Ihr seid Spitze!

Sidelabel
Liebe Leser, was an dieser Stelle vielleicht nicht ganz deutlich wurde: all das hat unfassbar viel Zeit in Anspruch genommen! Es vergingen Monate, bis das Fass gekauft war, bis es dann verschickt war, bis es hier ankam, bis das finale Label stand, etc.pp.! Auf diese Weise bekamen wir also auch unglaublich wertvolle Einblicke in die Welt eines Unabhängigen Abfüllers und darüber, wie viel Arbeit hinter all dem steckt und wie viel Geduld es teilweise braucht! Nicht zuletzt wurde aber auch unser Horizont dahingehend erweitert, welche Kosten im Verlauf dieses gesamten Prozesses entstehen und, das hat mich persönlich sehr traurig gestimmt, wie wenig davon letzten Endes tatsächlich auch nur bei der Destillerie selbst ankommen kann. Das ist leider wirklich nicht viel und es muss jedem Genießer sonnenklar sein, dass wenn die Destillerien das Geld auch bekämen, was sie für ihren guten Rum meines Erachtens verdienen würden, unser Rum kaum mehr bezahlbar wäre! Nein, auch ich spucke meinen Rum deshalb jetzt nicht wieder aus, aber sich dessen Bewusst zu sein, halte ich für wichtig und richtig.
Doch nun zum Rum selbst und auch noch einmal für alle, die sich bis hier her vielleicht gefragt haben, was genau ein DOK eigentlich genau ist: DOK ist, wie eingangs erwähnt, das Mark, das Hampden für seinen Rum verwendet wenn er einen Estergehalt von zwischen 1500-1600 gr/hlpa aufweist. Und das wiederum entspricht tatsächlich dem Maximalen dessen, was die jamaikanischen Gesetze erlauben. Der Name des Marks geht auf Dermot Owen Kelly-Lawson zurück, einem Destillateur von Hampden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Initialien bilden das Mark. Unser DOK hat 8 Jahre Reife im Hogshead-Fass hinter sich und wurde im Juni 2009 destilliert, also unmittelbar nach Wiedereröffnung der Destillerie durch die Hussey Brothers. Anschließend reifte er, laut Main Rum Company, die gesamte weitere Zeit über in deren Warehouses in Großbritannien. Während dieser Zeit der Reifung im Fass #18 verlor unser DOK >12% seiner selbst an die Engel im Himmel, so dass am Ende noch 300 Flaschen mit einem Alkoholgehalt von 66,4% vol. auf die Flasche gezogen werden konnten. Damit ist unser DOK wohl einer der ersten seiner Art überhaupt, den man fassgereift und in voller Fassstärke auf dem Markt kaufen kann! Und ich denke, darauf haben nicht nur wir uns schon lange gefreut, liebe Connaisseure da draußen, sondern auch große Teile von euch und so freuen wir uns ungemein, dass wir ihn euch jetzt offerieren können: es war und es ist uns eine große Ehre!

Rudeltiere. 




Verkostung des Letter of Marque Hampden DOK 2009:


Preis: eine Flasche 0,5 Liter wird im Shop bei The Rum Cask ab Montag, den 23.04.18 für 52,90 Euro zu beziehen sein. 

Alter: der Rum reifte von Juni 2009 an bis März 2018 im Fass. Somit ist er 8 Jahre alt.

Lagerung: laut Angaben der Main Rum Company lag der Rum die gesamte Zeit der Reife über in Europa. Das verwendete Fass war ein Hogshead-Fass mit ca. 250 Litern Inhalt, also ein schon recht großes Fass.

Fassnummer: #18  

Angel's Share: >12% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit stolzen 66,4% vol. daher. Fassstärke!

Destillationsverfahren: eine Double Retort Pot Still brannte den Rum in Hampden. 

Mark: DOK

Farbe: sehr blasses Stroh

Viskosität: dünne, enge, gleichmäßige Schlieren laufen an der Glaswand herab.

DOK im Glas
Nase: Uhhhh!! Eine Ester-Granate! Zunächst etwas stechend, steht der Rum aber schon nach einigen Minuten sehr auf der smoothen Seite. Alkoholische Schärfe ist, trotz des vergleichbar jungen Alters und des doch sehr hohen Alkoholgehalts, nahezu nicht vorhanden. Die Nase ist überaus voll und reichhaltig und das Bouquet aus flüssigem Klebstoff und Marzipan, die sich mit gegrillter Ananas, gebackener Banane, nasser Erde und Zitrone verbinden, macht Spaß! Ganz hinten habe ich auch noch geräucherten Schinken. Geil! Der Brennerei-Charakter kommt natürlich voll zum Zuge. Das hier ist Hampden DNA! Nichts desto trotz hat der Rum auch schon nach 8 Jahren gut was vom Fass mitbekommen, was angesichts des verwendeten Hogshead-Fasses schon ein Stück weit überrascht. Darüber hinaus ist, anders als bei einigen anderen Hampden, wie z.B. beim Jahrgang 1990, die Säure weniger präsent und sehr viel eleganter in den Rum eingebunden. Das heißt allerdings nicht, dass der DOK in irgendeiner Weise an Power einbüßt! Im Gegenteil, die Ester fliegen einem nur so um die Ohren!

Gaumen: Tuuut tuuut.... Zack! Und schon vom Zug erfasst! Ja, zunächst einmal gibt es die geballte Esterpower mitten ins Gesicht! DOK? DOK! Vollkommen Irre! Cremig, vollmundig, wirklich zu 110% mundfüllend und mit einem schweren, jamaicanischen Körper kommt der Rum um die Ecke und zieht dann den gesamten Mundraum zusammen. Unfassbare Adstringens! Alkoholische Schärfe ist zu Beginn kurz aber deutlich präsent, weicht dann aber der großen Hampden-Show. Tatsächlich erlebe ich den Rum in der Folge dann auch absolut stiltypisch. Ester fluten den gesamten Mundraum, sie kommen daher mit gegrillter Ananas, Toffee, Leder, weiteren exotischen Früchten und etwas erdig-muffigem. Dazu hat der Rum, auch das kennt man von Hampden bereits, deutlich mediterrane Anklänge! Darüber, dass hier gerade ein noch eher junger Rum im Glas eskaliert, der noch keine 10 Jahre oder mehr im Fass gelegen hat, besteht zu keinem Zeitpunkt irgendein Zweifel, aber ich könnte wiederum nicht behaupten, dass mir hier etwas an Reife fehlen würde. Überhaupt nicht. Natürlich ist dann bei älteren Hampden noch mehr Komplexität vorhanden ist und weitere Einflüsse des Fasses kommen dazu, aber dieser junge DOK ist dennoch durchweg stimmig!

Abgang: ja, es ist ein Hampden-Abgang, aber hier ist man von reiferen Vertretern der Destillerie noch etwas mehr gewohnt. Seine Jugendlichkeit zeigt sich hier sehr deutlich. Nach hinten heraus kommen dann auch noch ein paar Holznoten vom Fass dazu. Es bleiben vor allem die jung anmutenden Eindrücke des Rums, sowie der mediterrane Touch haften, der mir dafür aber gut gefällt!

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DOK in the sun!
Fazit: Für all jene, die nach dem "DOK" in der Überschrift direkt runtergescrollt haben um im Fazit zu erfahren, ob es sich lohnt: verrate ich nicht! ;-) Okay, na gut! :-) Ja, der Rum ist richtig geil! Er ist, im Vergleich zu vielen länger gereiften Hampden, z.B. aus 1990, 1993 oder 1998, nicht unbedingt ein Über-Hampden, der sie alle miteinander in den Schatten stellt. Das sollte niemand erwarten, denn das kann er mit 8 Jahren Reife gar nicht leisten. Aber der Rum ist rundherum stimmig und macht Spaß, genau so wie er ist. Es ist schon ein sehr besonderes Erlebnis, einen Hampden DOK im Glas zu haben und schon alleine dafür lohnt es sich ihn zu trinken! Ich möchte da auch gar nicht viele weitere Worte verlieren, denn ich wünsche euch allen, dass ihr euch ein eigenes Bild vom Rum macht. Was ich mir die nächsten Tage nicht verkneifen können werde ist, mir damit mal einen richtig ordentlichen Mai Tai zu machen! Ich ahne, dass er da sehr, sehr gut funktionieren wird, und Maik von RUMBOOM hat das sogar schon ausprobiert und war wohl schwer angetan. Damit, liebe Leute, steht vor euch vermutlich als auch noch einer DER Rums für diesen Sommer!

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ihr in nächster Zeit zwingend auch die Blogs der anderen Jungs im Auge behalten solltet, um noch weitere Stimmen zu bekommen! Und nicht zuletzt, könnte auch die nächste Letters of Marque Abfüllung eines Tages in den Startlöchern stehen! Um da am Ball zu bleiben und nichts zu verpassen, empfehle ich der Letters of Marque Seite auf Facebook zu folgen ;-)

www.facebook.com/LetterOfMarqueSelections/

Und das allerletzte Wort für heute geht natürlich an die fünf anderen Jungs des Teams: ihr wart grandios und es war mir eine große Freude, Teil dessen gewesen zu sein, was wir da gemeinsam auf die Beine gestellt haben! Und ich freue mich schon wie ein kleines Kind, wenn wir dann beizeiten in gemeinsamer Runde endlich auch die Flasche #1 killen dürfen! :-)

Bis demnächst,
Flo