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Sonntag, 11. August 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" (Flagon 1980s)

Liebe Rum Gemeinde,

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" die Dritte! ... und die vorerst auch letzte. Nach dem Yachting Decanter und der Hip Flask, die beide schon aus dem neuen Jahrtausend stammen, zeige ich euch heute im Vergleich dazu eine Variante des Nelson's Blood im Flagon aus den 1980er Jahren!

Pusser's Nelson's Blood Family


Anders als bei den beiden neueren Pusser's Rums habe ich von diesem Flagon nur ein Sample, das aus einer Flaschenteilung auf facebook stammt. Da ich mich ohnehin gerade mit den Pusser's Rums beschäftige und der Krug schon sehr alt ist, war ich natürlich interessiert und beteiligte mich an der Teilung. Vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit dazu!
Doch nicht nur stammt dieser Rum aus einer anderen Zeit, er hat auch einen höheren Alkoholgehalt. Mit immerhin 47,75% vol. biegt der Pusser's um die Ecke und hat damit doch etwas mehr Power als die beiden anderen mit nur 42% vol.. Ein anderes großes Thema zuletzt bei den Nelson's Blood war ja der Zuckerzusatz. Ob das Unternehmen von den British Virgin Islands seine Rums bereits vor Jahrzehnten schon gesüßt hat, oder ob das erst in den letzten Jahren passiert ist, weiß ich nicht. Und auch ansonsten liegt das weitere Wissen über diesen Rum leider ähnlich im Dunkeln wie das zuvor bereits schon bei den anderen beiden Rums der Fall war. Es wird immer wieder mal im Zusammenhang mit Pusser's von einem Blend aus sechs verschiedenen Rums gesprochen, aber inwieweit das wirklich zutreffend ist, kann nicht hinreichend geklärt werden. Einzig die Double Wooden Pot Still von Port Mourant war beide Male zweifelsfrei herauszuschmecken, weswegen uns hier, wenn überhaupt, wohl auch dieses Mal nur die Tasting-Eindrücke irgendwie weiterbringen werden. 



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 47,75% vol. (Flagon 1980s):

Preis: das nette Mitglied aus dem Rum Club, das den Rum geteilt hat, hat insgesamt ca. 200,- Euro für den 750 ml Flagon bezahlt. Dieser Preis spielt für mich dann auch bereits am absolut obersten Ende des Vertretbaren. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mir einem Alkoholgehalt von 47,75% vol. um die Ecke. Die Verdünnung ist damit weniger drastisch als bei den bisher verkosteten Nelson's Blood, aber sie fand auch hier wohl statt.

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: enge, regelmäßige und satte Schlieren fließen zügig an der Glaswand zurück ins Glas. 

Nase: zunächst einmal, und das passiert tatsächlich von der ersten Sekunde an, fällt auf, dass die Nase dieses Rums wesentlich erwachsener wirkt, deutlich "echter" dazu, weniger aufdringlich im Vergleich zum Pusser's aus der Hip Flask. Der erste Eindruck stellt sich also sehr positiv dar. Im Gegensatz zu den neueren Pusser's Abfüllungen würde ich hier nicht sofort auf eine Süßung tippen. Ich schließe nicht aus, dass es sie nicht auch hier gegeben hat, aber der Verdacht kommt zumindest nicht direkt auf - ein ebenso positives Zeichen! Die Nase gibt sich überaus trocken und intensiv und durch den erhöhten Alkoholgehalt ist auch Tiefe da. Im Bouquet finde ich Anis und andere Gewürze, deutliche Röstaromen, etwas Orangenzeste, ganz peripher auch Milchschokolade, Toffee und Karamell, aber ansonsten ist da nahezu keine Süße. Anders als bei den bisherigen Pusser's habe ich hier zum ersten Mal das Gefühl, keinen reinen Rum aus Guyana vor mir zu haben. Der ist zwar zweifelsohne mit drin und die Double Wooden Pot Still ist auch dominant, aber man merkt klar, dass es sich um einen Blend handelt. Wow, gefällt mir wirklich gut!

Gaumen: am Gaumen bin ich dann doch ein wenig überrascht, denn für seine 47,5% vol. finde ich ihn doch etwas dünn, zumindest dünner als erwartet. Gleichzeitig bringt er aber auch eine leichte alkoholische Schärfe mit hinein, die so ein bisschen im Kontrast dazu steht. Schade, das gefällt mir weniger. Ist der Rum dann am Gaumen angekommen, so habe ich aber einen durchaus sehr leckeren, rummigen, wenn auch nicht sonderlich komplexen Geschmack, der für mich tatsächlich ganz nah bei dem steht, was ich mit einem Navy Rum assoziiere: er ist schwer, mundfüllend, trocken und würzig. Neben Anis und weiteren Gewürzen habe ich auch einen deutlichen Einfluss durch das Fass. Die Süße bleibt weiterhin der große Abwesende in diesem Rum. Dann kommt noch etwas Vanille dazu. 

Abgang: im Finish meine ich beinahe, Angostura herauszuschmecken, aber ich denke nicht, dass die damals schon so geschmeckt haben, wie man sie heute kennt. Der Abgang ist würzig, hat etwas frisch geschnittenes Geäst und hält eine gute Weile an.
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Fazit: rein qualitativ stellt der Rum gegenüber den neueren Pusser's Abfüllungen, wie dem Yachting Decanter oder der Hip Flask, schon einen kleinen Quantensprung dar, wenn gleich auch er mich nicht restlos überzeugt hat. Gerade wenn man sich ansieht, zu welchen Beträgen die alten Flagons inzwischen gehandelt werden muss ich sagen: das sind sie geschmacklich nicht mehr wirklich wert.  Es sind dann auch irgendwann Grenzen erreicht und ein Sample reicht vollkommen aus. Ein solches erhielt ich von einem netten Mitglied aus der Rum Club Gruppe auf Facebook, das den Flagon dankenswerter Weise zum Selbstkostenpreis geteilt hat. Vielen Dank noch einmal!
Natürlich, bereits in meinem Review zum Yachting Decanter hatte ich das deutlich herausgestellt, geht es bei diesen Rums weniger um den Inhalt als bei anderen Abfüllungen, einfach, weil die Keramikdecanter zur Dekoration der eigenen vier Wände geradezu einladen. Viele Käufer werden sich die Teile einfach hinstellen und es daher verschmerzen können, wenn sich der Rum dann nicht als absoluter Knaller herausstellt. Aber all jenen, die mit dem Gedanken spielen sie auch zu öffnen, möchte ich an dieser Stelle schon so etwas wie eine Orientierungshilfe geben. Ich würde diesen alten Flagon also auf jeden Fall den neueren vorziehen, aber die nun aufgerufenen Summen können aus meiner Sicht auch sie (inhaltlich) nicht rechtfertigen.

-83/100-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 28. Juli 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol. (Hip Flask)

Liebe Rum Gemeinde,

schon wieder ein Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"?! Hatten wir doch erst! Ja, ist richtig... aber den gab es in vielen verschiedenen Versionen und der heutige Rum ist ein anderer als der von neulich im großen Yachting Decanter. Ich bin gespannt! 




Die Hip Flask erwarb ich, ebenso wie zuvor schon den Yachting Decanter, in einem lokalen Shop und hatte diesen so erst einmal gar nicht wirklich auf dem Zettel. Man könnte daher auch sagen, dass ich ihn mehr oder weniger mit dazu gekauft hatte. Im Vorfeld hatte ich ihn auch schon mal probiert, nur auf die Schnelle allerdings, und war positiv überrascht. Nein, natürlich kein Top Rum, aber ein entspannter Kandidat mit leichtem Zugang, bei dem man für den Preis nicht viel verkehrt machen konnte (ich zahlte 15,- € für 200 ml) und so kaufte ich mir ein paar davon und werde heute mal schauen, was die nun wirklich können.

Über den Rum selbst kann ich leider ebenso wenig sagen, wie zuletzt bereits über den Decanter. Beide stammen von den British Virgin Islands, aber anders als der Decanter, ist der Rum aus der Hip Flask als Barbados Rum deklariert, nicht als Trinidad Rum wenn gleich auch diese Angabe ebenso zweifelhaft ist. Vermutlich stammt der Rum aus mehreren Ländern und Destillerien. Die Hip Flask fasst ein Volumen von 200 ml und ist von ihrer ganzen Beschaffenheit natürlich wie gemacht zum Mitnehmen für unterwegs. Gemeinsam haben beide dann aber wieder ihren Alkoholgehalt von 42% vol., was leider nicht so richtig viel ist. Der Rum aus dem Decanter ist gerade noch einmal am Flüssig-Tod vorbeigeschrammt, ich hoffe, das gelingt diesem hier heute auch. Definitiv sprechen müssen wir leider über eine Süßung, die diesen Messungen zufolge stattgefunden hat! Zwar ist der Nelson's Blood in den Listen nicht explizit erwähnt, aber ausnahmslos alle anderen getesteten Pusser's, und insbesondere die mit der Hip Flask vergleichbaren Abfüllungen, enthalten zum Teil leider doch sehr erhebliche Mengen an Zusätzen! Vermutet hatte ich das in meinem Review zum Yachting Decanter bereits, aber nun fand ich es auch in den Listen, in die ich zuvor lange nicht reingeschaut hatte, da mein üblicher Rum Geschmack und die kritischen Rums in der Regel nie viel miteinander zu tun haben. Schade und ärgerlich, dass hier wohl nachgeholfen wurde. Drum lasst uns, bevor uns die Laune darüber vergeht, über die Flasche selbst sprechen, denn da gibt es erneut nichts zu beklagen! Stilistisch schöpft Pussers bei der Flasche erneut aus den Vollen: Unter der Überschrift "Splice the Main Brace!" (der Befehl an Bord, eine Extra Ration Rum auszuschenken) finden sich diverse Toasts zu den verschiedenen Wochentagen. In dieser Tradition steckt immer auch ganz viel Ironie und Humor (macht euch mal einen Spaß und sucht die Bedeutung von "Splice the Main Brace!" heraus😉) und für mich persönlich ist diese mitgelieferte Kultur eigentlich das Highlight des Rums.



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: ich habe 15,- Euro für den 200ml Flachmann bezahlt. Im Netz werden aber zum Teil auch deutlich höhere Preise aufgerufen. 

Alter: NAS - der Rum hat keine Altersangabe. 

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: hier können ebenfalls keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum weist einen Alkoholgehalt von 42% vol. auf, ist daher wohl stark verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: die Nase ist der seines Bruders im Decanter tatsächlich schon recht ähnlich. Ein schweres und kräftiges Destillat wabert mir entgegen, weiß meine Nase sofort für sich einzunehmen. Ein sehr angenehmer, rummiger Geruch, bei dem alkoholische Schärfe keine Rolle spielt, ohne, dass es den Rum dadurch schwach erscheinen lässt. Über die Herkunft des Rums gibt es wenig Zweifel: Port Mourant ist sehr dominant! Ich habe die volle Dröhnung Anis im Bouquet, dass es eine wahre Freude ist! Schon beim Decanter Rum spekulierte ich darauf, dass die Double Wooden Pot Still ganz viel mit diesem Rum zu tun hat, schließlich wird sie auf einigen Abfüllungen von Pusser's ja auch als Urheberin genannt, aber hier wird das für mich nochmal klarer. Witziger Weise wird als Herkunftsland auf dem Flachmann einzig Barbados genannt, aber ein reiner Barbados Rum kann hier definitiv ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Neben Anis finde ich auch viel Orangenzeste, süße Aprikosen-Orangen-Marmelade, Tabakblätter, Nelke, reife Bananen, Mangos und eine kräftige Note vom Holz, so dass die Verwandtschaft zum Decanter schon eng ist. Ich empfinde die Nase aber insgesamt noch als ein wenig intensiver und ausdrucksstärker. Ich hätte den Alkoholgehalt dieser Abfüllung wohl über die 42% vol. getippt. Dieser Effekt wird allerdings leider wohl auch durch die Süßung erzielt, so dass sich der Rum das nicht einzig auf die Fahne schreiben sollte. Aber wie beim Decanter gilt auch hier: sehr, sehr entspannter Rum! 

Gaumen: zunächst einmal fällt deutlich und positiv auf, dass der Rum sehr viel "bissfester" daherzukommen scheint als der aus dem Yachting Decanter. Die 42% vol. machen sich zwar auch hier bemerkbar, aber noch weniger negativ. Auch alkoholische Schärfe findet nicht statt. Einer der ersten Eindrücke danach ist dann aber tatsächlich leider auch der Zucker. Mir fiel das beim Decanter schon auf, noch ohne es dort noch zu wissen, aber nun, mit dem Wissen darum, ist das leider gar nicht mehr zu leugnen. Schade. Zumal ich das Gefühl habe, dass es der Rum nicht nötig gehabt hätte. Das entspannte, was mir beim Decanter Rum so gefiel, das hat der Pusser's aus der Hip Flask auch. Abseits des Ärgers um die Süßung macht der Rum Spaß, so fair und ehrlich muss ich da schon sein. Der Rum gibt sich, hinter der Süße, eher trocken, Port Mourant und sein Anis kommen dominant durch und machen ziemlich sicher den Mammut-Anteil dieses Blends aus. 

Abgang: Tabak und Eichenholz habe ich im Abgang und dazu leider auch eine übertriebene unnatürliche Süße mit Vanille-Aroma. Schon verrückt, wie sehr einem das dann auch auffällt, wenn man es erst einmal sicher weiß. 

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Fazit: mir gefiel der Rum leicht besser als der aus dem Yachting Decanter, aber Welten liegen nicht zwischen ihnen. Die Süßung ist bedauerlich, meines Erachtens auch unnötig und vor allen Dingen widerspricht sie all meinen Ansichten zu diesem Thema, Stichwort Deklarierung. Ich habe nichts dagegen, dass Hersteller ihre Rums süßen, denn dafür gibt es schließlich auch ganz eindeutig einen Markt, aber dann sollte es auch transparent auf dem Label stehen. Apropos Transparenz: auf der Flasche ist Barbados als Herkunftsland angegeben. Ja, mag sein, dass auch Barbados drin ist, aber wie schon beim Yachting Decanter ist auch hier klar, dass z.B. Guyana auf jeden Fall drin ist und auch die meisten Quellen zum Pusser's Rum sprechen von insgesamt sechs verschiedenen Rums. Auch hier wäre ich für etwas mehr Liebe zum Detail. Ansonsten gilt aber das gleiche wie für den Rum aus dem Yachting Decanter: entspannt auf der Terrasse oder dem Balkon genießen ist kein Problem, wenn man jeden Anspruch ablegt und -wie wir jetzt wissen- die Zuckerthematik für einen Moment aus seinem Kopf verdrängen kann. Dann, aber auch nur dann, kann der Rum Spaß machen und ist noch dazu ein echter Hingucker! Denn die gesamte mitgelieferte Tradition aus den alten Tagen der Royal Navy ist ein absoluter Traum und für mich wohl der Grund dafür, dass mich die Teile trotz des zweifelhaften Inhalts irgendwie reizen.

-ohne Wertung-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 26. Mai 2019

Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood" - 42% vol.

Liebe Rum Gemeinde,

heute bin ich einmal auf Abwegen unterwegs... denn ich führe mir einen Navy Rum zu Gemüte! Eigentlich ist das gar nicht so meins... eigentlich...



Normalerweise interessiert mich bei einem Rum in letzter Konsequenz nur genau das: der Rum! Zwar habe ich rein gar nichts gegen ein schönes Label in einer dazu passenden Flasche und auch, als es letztes Jahr daran ging den Hampden DOK abzufüllen spielte das Package natürlich eine Rolle, zugegeben, aber am Ende zählt der Rum. Diesem würde ich im Zweifel ein unansehnliches Label immer verzeihen, solange er mich im Glas überzeugt. Anders herum funktioniert das "leider" nicht. Eigentlich. Heute allerdings habe ich es mit einem Tropfen zu tun, den ich tatsächlich in erster Linie wegen seines Äußeren gekauft habe und in der Hoffnung, dass der Inhalt dem Ganzen am Ende gerecht werden kann. Es geht um den Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood"!

Ja, ich gebe es zu! Der Decanter hat mich schwach gemacht und der Preis stimmte ebenfalls und da konnte ich dann nicht mehr anders. Im Gegensatz zu Flaschen aller Art, haben mich die Pusser's Decanter, da gibt es ja mehrere, schon immer irgendwie fasziniert. So vollkommen aus der Zeit gefallen, sind das einfach echte Eyecatcher. Bestellt habe ich, aus Angst vor Bruch, nie einen, aber in einem Ladengeschäft und zu sehr günstigem Kurs musste ich dann zuschlagen. Und nur deshalb gibt es den Pusser's nun hier auf dem Blog zu bestaunen?! Ernsthaft, Flo?! Jein. Natürlich würde ich hier nicht über den Rum sprechen wollen, wenn er nicht schon etwas mehr wäre als reine Deko in meinem Wohnzimmer, das ist ja klar. Aber, und ja, auch das gebe ich zu: ob ich über den Pusser's auch dann sprechen würde, ob er mir überhaupt irgendwann aufgefallen wäre, wenn er in einer ganz normalen 0815 Flasche daher käme, möchte ich in Zweifel stellen. In erster Linie ging es für mich daher um die Frage, ob es sich auch lohnen würde, sich das Teil nicht nur hinzustellen sondern auch aufzumachen und ich könnte mir vorstellen, dass diese Frage auch andere umtreibt, die sowas vielleicht zuhause stehen haben und unsicher sind oder mit dem Gedanken spielen so einen Decanter zu erwerben. Hier möchte ich am Ende der Review natürlich Antworten liefern.


Was kann man über den Rum an sich sagen?

Viel ist leider nicht bekannt. Abgefüllt wurde der Navy Rum von Pusser's Rum Limited, das auf den British Virgin Islands beheimatet ist. Ob der Rum dort auch abgefüllt wurde, weiß ich nicht. Der Decanter fasst einen Liter Rum, welcher aus Trinidad & Tobago stammen soll. Hier wiederum kommt dann eigentlich nur noch Angostura in Frage, da der Rum nicht so alt ist, als dass nennenswerte Caroni Anteile noch dringend zu vermuten sind. Mit einem Alkoholgehalt von 42% vol. biegt der Tropfen nicht gerade potent um die Ecke und befindet sich eigentlich auch schon außerhalb meines Beuteschemas. Der Decanter selbst kommt äußerst stilvoll daher, wenn man denn auf diese Art Kitsch steht (so wie ich😁). Man sieht darauf eine Regatta und es befinden sich darüber hinaus auch diverse Verweise zu historischen Regatten, wie dem America's Cup, der sich bis ins Jahr 1851 zurückdatieren lässt. Am Ende des Halses vom Decanter befindet sich eine Wachsversiegelung. Ist der Rum einmal geöffnet, tritt an ihrer statt ein separat beigelegter und zum Decanter passender Korken. Soweit also dazu. Nun wollen wir sehen, was der Pusser's im Glas kann!



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Verkostung des Pusser's Navy Rum "Nelson's Blood":

Preis: der Decanter war ursprünglich für ca. 80,- bis 100,- Euro zu haben. Inzwischen gibt es ihn allerdings nicht mehr und die Preise sind gestiegen. Ein genauer Marktwert ist aber meines Erachtens schwierig zu beziffern. 

Alter: es befindet sich nirgends eine Altersangabe. Auf der gleichnamigen Glasflasche erfährt man ein Alter von 15 Jahren, aber ob das über die Jahre immer der gleiche Rum war oder sich nur der Name durchzog, ist fraglich.

Lagerung: keine Angaben. 

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: auch hier können keine Angaben gemacht werden. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit sehr moderaten 42% vol. daher, wurde also wohl ordentlich verdünnt. 

Destillationsverfahren: unbekannt. 

Mark: vermutlich diverse Marks.

Farbe: kräftiges Mahagoni. 

Viskosität: dünne, eng und parallel aneinander verlaufende fette Schlieren bilden sich im Glas. 

Nase: eine wirklich schwere und kräftige, ja, im Hinblick auf den geringen Alkoholgehalt des Rums auch durchaus unerwartet kräftige Nase begrüßt und überrascht mich gleichermaßen. British-Style! Ich habe eine Fülle an Anis, wie ich sie eigentlich nur von einer Destillerie so kenne: Port Mourant! Tatsächlich wird eine Double Wooden Pot Still ja auch auf einigen Abfüllungen von Pusser's direkt benannt, was diese Vermutung also noch einmal bestärkt, dass im Blend auch Rums von Port Mourant enthalten sind. Einen reinen Trinidad Rum, so wie es auf dem Decanter geschrieben steht, schließe ich jedenfalls sicher aus. Gleichzeitig weist der Rum aber auch eine deutliche und schöne Fruchtigkeit auf, die mir gut gefällt und was, kombiniert mit Noten von u.a. Tabakblättern und Eichenholz, ein wirklich angenehmes und auch unangestrengtes Bouquet ergibt. Ein Rum, der Spaß macht! Es gibt jetzt sicher einige, die das noch viel weiter aufschlüsseln könnten oder wollten, aber mir geht es da gerade echt mehr darum, diesen entspannten Charakter dieses Rums in den Vordergrund zu stellen: das ist nichts zum tot-analysieren, das ist nur smooth. 

Gaumen: hier offenbart sich natürlich der geringe Alkoholgehalt gleich einmal als erstes und ja natürlich, man spürt die enorme Verdünnung unvermeidlich. Das ist auch sehr schade, denn bei allem was danach kommt wird deutlich, dass das mit 50% vol. oder mehr ein sehr viel besserer Rum wäre! Es brennt nichts und man kann problemlos zu größeren Schlücken übergehen. Mehr noch: der Rum gewinnt ganz eindeutig mit größeren Schlücken! Allerdings: ist das tatsächlich ein reiner Rum? Ich bin mir nicht zu 100% sicher und werde mich hier daher hüten irgendwas als Tatsachenbehauptung rauszuhauen, aber für meinen Geschmack könnte der einen ganz leichten Süß-Stich haben. Nicht unbedingt viel und ich hatte ewig nichts mehr mit Bonus-Zutaten im Glas, aber es könnte möglich sein, meiner Meinung nach. Sollte es so sein, verurteile ich das grundsätzlich, zumal so ohne jede Angabe dazu, allerdings ändert es rein geschmacklich nicht unbedingt etwas daran, dass man den guten Tropfen wirklich sehr gut und entspannt trinken kann. Guyana und Port Mourant werden neuerlich deutlich, bzw. eindeutig. Fruchtig-trocken, mit einem gesunden Körper und gerade noch an der Grenze des Machbaren, was die Verdünnung betrifft, macht das großen Spaß. Der Rum kann am Gaumen zwar nicht mit der Nase konkurrieren, meines Erachtens, schon wegen des geringen Alkoholgehalts, aber das ist wirklich ein Teil für die Terrasse und nicht um ihn kaputt zu rezensieren. 

Abgang: Tabak und Eichenholz begleiten den Rum auf seinem Weg hinab. Wirklich lange verweilt er nicht am Gaumen. 

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Fazit: kein Rum, den ich in einer gewöhnlichen Flasche gekauft hätte. Das muss ich ganz klar und eindeutig noch einmal so voranstellen! Das bedeutet nicht, dass ich den Kauf bereue, ganz im Gegenteil sogar, aber es gibt manchmal eben so Sachen, die wollen nicht so recht in irgendwelche Schubladen passen, die sind eben anders - und so ist das heute mit diesem Decanter! Den finde ich einfach geil und und für den Rum selbst sehe ich auf der Terrasse oder dem Balkon zum Grillen oder entspannen auch ein Anwendungsgebiet, und so kann ein Gesamtpaket dann auch einfach mal wider aller Prinzipien passen! Und viel mehr gibt es dazu dann auch eigentlich gar nicht zu erzählen. Wem es da geht wie mir und wer ebenfalls auf diese Optik steht und einem guten, entspannten Rum im britischen Stil ohne viel Anspruch nicht abgeneigt ist, der kann das Teil meines Erachtens guten Gewissens kaufen und bereut es dann auch nicht. Man darf eben nur keinen Über-Rum erwarten, aber ich glaube, das ist deutlich geworden.
Gespannt bin ich nun darauf, wie sich der Rum im Vergleich zu anderen Nelson's Blood verhält, ob das alles die gleichen sind oder ob es da trotz des gemeinsamen Namens Unterschiede gibt. Da möchte ich mich nach dieser Erfahrung durchaus mal durchprobieren, vor allem im Hinblick darauf, dass die Herkunftsangabe mit Trinidad & Tobago willkürlich gewählt zu sein scheint. Möglich, dass da auch Trinidad drin ist, aber definitiv nicht ausschließlich. Was da also unter Umständen noch alles drin ist bleibt im Dunkeln. Nur, noch einmal: die Frage ist bei diesem Rum tatsächlich auch eher zweitrangig. Daher möchte ich auch keine direkte Wertung vornehmen. Im Decanter gibt's für den Pusser's die 100 Punkte, im Glas wären es auf jeden Fall weniger ;-)

-ohne Wertung-

Ein herzliches Dankeschön für das Sample zur Abfüllung möchte ich noch einmal in den Süden der Republik senden!


Bis dahin!
Flo