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Sonntag, 4. Oktober 2020

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore/Versailles 1991

Liebe Rum Gemeinde!

auf den heutigen Tag und den Rum, den ich euch vorstellen möchte habe ich mich schon lange gefreut, schon seit Februar diesen Jahres um genau zu sein, als ich ihn bei einer Fassverkostung erstmals im Glas hatte. Die Rede ist von KFM Demerara Rum aus dem legendären 1991er Batch!


Das Jahr 2020, ich glaube das kann man schon jetzt mehr als festhalten, ist für Fans von High End Rum ein historisches Jahr, das im Rückblick einmal als eines gelten wird, in welchem wahnsinnig viele legendäre Rum Batches zurückgekehrt sind auf die große Bühne, nachdem man sie bereits für immer verschwunden geglaubt hatte: das von RA zurückgebrachte Demerara Mark REV aus 1994 ist so ein Beispiel, aber natürlich auch das 1989er PM-Batch aus Uitvlugt oder das 1986er Rockley Batch der West Indies Rum Distillery (WIRD) von Barbados, beide herausgebracht von Silver Seal, sind hier bisher zu nennen.




In diese starke Serie reiht sich der heutige Rum ein, denn auch das KFM-Demerara Batch aus 1991 wähnten viele seit bereits fast 15 Jahren als ausgestorben! Damals brachte Cadenhead nochmal einen solchen Rum im Alter von 16 Jahren in die Flasche (und Samaroli etwa zur selben Zeit eine Version davon mit 45% vol.), nachdem sie zuvor auch schon einen 12 YO abgefüllt hatten, aber danach kam eben nichts mehr. So musste man annehmen, dass die Stocks einfach sehr gering und dementsprechend die Reserven schnell erschöpft waren, allerdings hat die Main Rum Company uns nun hier ebenso eines Besseren belehrt, wie schon bei den oben genannten Beispielen und Fässer dieses Batches. In diesem Fall ging ein Fass KFM an Old Man Spirits, die es unter dem Label Flensburg Rum Company nun auf die Flasche gebracht haben. Doch wie genau kam es dazu? Nun, so einfach wie das in der Theorie klingt, war es tatsächlich nicht. Seinen Anfang nimmt diese Geschichte im Februar 2020, als ich mit Falk Redlich gemeinsam bei mir zuhause ein paar Main Samples für Old Man Spirits probierte um mögliche neue Abfüllungen herauszufinden. Dabei stach mir ein Sample natürlich besonders ins Auge, das so eigentlich erstmal ganz unscheinbar wirkte. Denn wie bei Main üblich stand da natürlich nicht einfach KFM drauf, sondern der Rum besaß das Mark "MEK". Da allerdings angegeben war, dass er aus Enmore kommt und eben aus dem Jahr 1991 sein soll, lag der Fall ziemlich klar: MEK stand für Main Enmore KFM. Das anschließende Tasting bestätigte meine Vermutung in Sekundenbruchteilen! Um also bestimmte Rums bei Main finden zu können, muss man sich also einerseits mit deren internen Marks, als auch mit den Original Marks der Rums und mit den auf dem Markt befindlichen Rum Batches extrem gut auskennen. Auch deshalb ist Independent Bottling eben nicht so einfach, wie sich das viele oft vorstellen.

KFM-Fass #65


Aber was genau hat es mit dem Mark "KFM" auf sich? 

Rum Fans die schon lange dabei sind und die die Zeit noch mitgemacht haben als man alte Batches noch problemlos Jahre später kaufen konnte, haben nun freilich eine ungefähre Vorstellung davon was sie erwartet. Doch ich könnte mir vorstellen, dass großen Teilen da draußen die erst in den letzten Jahren dazu gekommen sind überhaupt nicht klar ist, was das Mark KFM eigentlich bedeutet. Nun, zunächst einmal steht KFM ganz simpel und wie bei den Rum Marks so häufig, für die Initialen eines Mannes, im konkreten Fall ist das Kenneth Francis McKenzie (1749 – 1831). Jener K.F. McKenzie war laut Marco Freyer, dessen Demerara Artikel die wesentlichen Informationen dieses Abschnitts entnommen sind, ein früher Besitzer der Lusignan Plantage und das Mark steht dementsprechend und ihm zu Ehren für den alten Rum Stil von Lusignan. Mitte des 20. Jahrhunderts verschmolz Lusignan mit Enmore, das zu diesem Zeitpunkt wiederum Teil der Bookers Gruppe war, und dessen kulturelles Erbe, sprich, der Rum mit dem Mark KFM, fand also bei Enmore seine Fortsetzung. Dies geschah mittels der Single Wooden Pot Still von Versailles, die nach der Schließung Versailles' ebenfalls nach Enmore kam und die anscheinend in der Lage war und ist, diesen Stil nachzuahmen. Ein ursprünglicher Brennapparat aus Lusignan jedenfalls kam dazu nicht mehr zum Einsatz. Seit alle Demerara Stile nur noch zentral bei DDL produziert werden, wird das Mark KFM dementsprechend heute in Diamond gebrannt, denn auch die Versailles Single Wooden Pot Still hat es bis dorthin geschafft. Geschmacklich allerdings gibt es krasse Unterschiede zwischen dem Batch aus 1991 und dem aus beispielsweise 2002. So wurde mindestens letzteres Batch z.B. auch nicht mehr gefärbt.

Blick ins noch gefüllte KFM-Fass - Was für ein geiler Duft! 

Fassreste aus dem entleerten KFM-Cask


Bier-Feature:

Wie schon der FRC 2007 Jamaica Rum aus Hampden wird auch der KFM 1991 mit zwei Bieren ausgeliefert! Man hat das, wie ich fand sehr erfolgreiche, Experiment mit der Südtondern Brauerei fortgesetzt und deren "Kiek An" Brown Ale für kurze Zeit im KFM-Fass reifen lassen. Allerdings, so sagte man mir, war diese Zeit kürzer als beim Vorgänger-Bier, was man geschmacklich leider auch deutlich merkt. In der Nase kommt KFM zwar sehr deutlich raus vor jedem Schluck, aber geschmacklich hat es der Rum da leider nahezu gar nicht hinein geschafft. Hier gefällt mir das Kiek An in seiner Urfassung vermutlich sogar einen Ticken besser. Nichts desto weniger gefällt mir der experimentelle Gedanke an sich, weswegen ich persönlich mich sehr freuen würde, wenn dieses Experiment nicht das letzte in diese Richtung gewesen ist. Denn das hat durchaus Potenzial, wie ich finde.



Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich sowohl eine Probe als auch eine Flasche des KFMs, sowie die beiden gezeigten Biere unentgeltlich zu Verkostungs- und Fotozwecken erhalten habe. Auf den Inhalt meiner Review hatte diese Geste allerdings selbstverständlich keinen Einfluss. 



Verkostung des Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore/Versailles 1991:

Preis: der Ausgabepreis wird, inklusive der beiden Biere, bei stolzen 289,90 Euro liegen. Das ist schon nicht wenig, gar keine Frage, allerdings sprechen wir hier eben auch über eine absolute Legende aus Guyana, die nächstes Jahr die Marke von 30 Jahren knackt. Der Vertrieb durch Kirsch erfolgt ab dem 8. Oktober 2020. 

Alter: von Juni 1991 bis Juli 2020 lag der Rum insgesamt 29 Jahre im Fass. 

Lagerung: der Rum reifte mutmaßlich während der gesamten Zeit über in kontinentalem Klima. 

Fassnummer: Fass #65 ergab noch insgesamt 131 Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: >50% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit 45,4% vol. daher, was aber trotz des eher ungewöhnlich geringen Werts der vollen Fassstärke entspricht. 

Destillationsverfahren: bei diesem Rum kam Versailles' Single Wooden Pot Still zum Einsatz. 

Mark: KFM (Kenneth Francis McKenzie), das alte Mark der Lusignan Plantage.

Farbe: tiefes, dunkles, rötlich schimmerndes Mahagoni. 

Viskosität: ein fetter, satter Film, der schon beinahe wie Sirup anmutet, legt sich über die gesamte Glaswand und hinterlässt recht eng, parallel und zügig verlaufende Schlieren.

Nase: ich habe bereits direkt nach dem Einschenken eine unglaublich schöne, volle und vor allem intensive Nase! Fast schon wie Parfum mutet dieser KFM an, der, obgleich sofort als solcher erkennbar, sich in seinem Charakter doch auch sehr grundlegend von anderen KFM des gleichen Jahrgangs unterscheidet. Der Alkohol, auch das fällt sofort auf, ist sehr, sehr gut eingebunden, was in diesem Fall auch wenig überraschend ist. Da sind gerade ältere KFM wie der 16 YO von Cadenhead, der noch mit über 60% vol. daher kam, natürlich sehr viel rauer und ungehobelter gewesen, während dieser hier von der FRC sehr reif, gediegen und gesetzt erscheint. Ja, klar, er hat nur 45,4% vol., und auf den ersten Blick mag das den einen oder anderen der es gerne mit den Fassstärken hält vielleicht sogar abschrecken, aber obwohl ich mich dazu ebenfalls zählen würde bleibt für mich und für meinen Geschmack hier gerade kein Wunsch offen! In diesem blumig-pafümiert anmutenden Bouquet finde ich viel Anis, Rosinen, Melasse, Leder oder auch gebrannte Mandeln. Wuuuhuuu, also selbst nach einer knappen Stunde im Glas bin ich immer wieder auf's neue geflasht von dieser Nase! Die ist wirklich unfassbar gut! Es zeigen sich Schwefelstoffe und mit der Zeit wird der Rum dann auch tatsächlich dreckiger und geht in eine KFM-typischere Richtung, allerdings bleibt er im Vergleich zu anderen KFM schon auch noch immer außergewöhnlich. 

Gaumen: am Gaumen machen sich zunächst einmal die 45,4% bemerkbar, nämlich dahingehend, dass der Rum keinerlei alkoholische Schärfe aufweist, aber auch dahingehend, dass der Rum schon auch leicht dünn ist, wenn auch keinesfalls zu dünn. Denn da der geringe Alkoholgehalt der natürlichen Fassstärke entspricht und nicht aus einer nachträglichen Dreingabe von Wasser resultiert, spreche ich nämlich nicht von Wässrigkeit, da besteht ein Unterschied. Man muss sich das eher vorstellen wie beim Velier Albion 1983, der mit 46,7% vol. eine ähnliche Stärke aufweist. Wer den schon mal im Glas hatte weiß: das kann sehr viel Spaß machen! Im Zweiten Schluck fällt dieser Effekt dann auch schon deutlich geringer aus. Nach einigen Sekunden im Mund bricht der Rum dann komplett auf und flutet den gesamten Mundraum mit geilstem KFM-Geschmack! Ein wirklich heftiger Körper, der Demerera ist total mundfüllend und kommt mit einer schöne Süße von Pflaume und Dörrobst um die Ecke. Dahinter dann ganz viel Anis, deutliche Melasse, viel Holz, auch wenn ich das als extrem gut eingebunden empfinde, etwas nussiges und für mich nicht spezifischer benennbare Gewürze. Peripher habe ich noch Jod und Latex. Vor allem aber findet man mit jedem Schluck immer auch noch neue Aspekte und Eindrücke! Man kann sich wahnsinnig lange mit dem KFM beschäftigen, ohne dass es einem irgendwie langweilig wird. Das ist einfach wahnsinnig voller, intensiver Geschmack mit einem schon fast ewig anmutenden Tiefgang. 

Abgang: reichlich Anis, Tannine und Eichenholz begleiten den Rum auf seinem Weg nach unten. Ich habe fruchtige Nachklänge, die dann trockener, aber nicht bitter werden. Ein sehr langer Abgang für einen Demerara Rum! Auch sehr viel später am Tag habe ich ihn noch präsent!

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Fazit: unfassbar gut! Es ist ja so, dass wenn Legenden wie der KFM plötzlich und nach all den Jahren wie aus dem Nebel wieder auftauchen, dass die Erwartungen immens hoch sind, da gerade diese Legenden-Bildung immer auch dazu neigt, zweifelsohne sehr gute Rums von einst sogar nochmal zu überhöhen. Dass es dann gerade erst in diesem Jahr etliche Bottlings geschafft haben dem zu entsprechen, wirkt sich darauf dann auch noch eher potenzierend aus. Diesen dann schon fast ungerechten (wenn auch nicht ungerechtfertigten) Erwartungen ist ein solches Bottling dann -ob es will oder nicht- ausgesetzt und das ist schon auch eine enorme Bürde. Der heute verkostete KFM hat sich dieser allerdings angenommen und davon vollkommen unbeeindruckt als schon viertes Vintage Batch in 2020 ein grandioses Comeback gefeiert! An diesem dann auch noch ein Stück beteiligt gewesen zu sein, macht es für mich ganz persönlich dann natürlich auch nochmal besonders speziell! Insofern bedanke ich mich gerne an dieser Stelle auch noch einmal bei Old Man Spirits dafür, dass man mich bei der Verkostung der Main Proben dazu geholt hat und mir das so die Möglichkeit gab, dieses besondere Batch wiederzuentdecken.
Das war nun alles sehr positiv gesprochen und für alle, die sich da vielleicht noch ein wenig mehr Ausgewogenheit im Fazit wünschen, denen sei verraten: ja, der Rum könnte für meinen Geschmack wohl tatsächlich noch ein paar Volumen-Prozente mehr aufweisen und dadurch ein ganz klein wenig körniger sein, dann wäre er wahrlich perfekt, aber er ist auch so schon meines Erachtens verdammt nah dran!

-94/100-

Bis demnächst
Flo


Sonntag, 8. März 2020

RA Demerara Rum 25 YO Enmore REV 1994

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich einmal mehr eines dieser Reviews für euch, wo ich schon wieder gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll, weil ich mich am liebsten direkt in Superlativen übertreffen möchte, wenn ich allein nur höre, über was wir hier heute sprechen werden. Daher ohne weitere Umwege: es geht um nicht weniger als um einen 25 Jahre alten Enmore/Versailles Demerara Rum des Marks REV aus dem Jahr 1994, abgefüllt vom deutschen unabhängigen Abfüller Rum Artesanal!


Und für alle, bei denen es beim Lesen dieses Marks nun noch nicht unmittelbar geklingelt hat, denen möchte ich den Cadenhead Cask Strength REV Demerara Rum 11 YO Enmore 1994 in Erinnerung rufen, der bereits im Jahr 2006 abgefüllt wurde. Wofür genau das Mark REV steht, ist nicht ganz bekannt. Es ist wohl davon auszugehen, dass EV für Enmore/Versailles steht, denn Cadenhead verriet uns seinerzeit, dass der Rum aus Enmore, sowie aus einer Pot Still stammt, was nur bedeuten kann, dass er mit der VSG Still hergestellt wurde, denn eine andere Pot Still gab es bei Enmore nicht. Da der Rum aus Mai 1994 stammt, zählte er mit zum allerletzten, was überhaupt noch am Standort Enmore gebrannt wurde. Kurze Zeit später wurde die Destillerie Enmore geschlossen, bzw. deren Stills an Diamond überführt. Ob REV zu den offiziellen Marks von DDL zählt, ist nicht hinreichend bekannt. Vermutet wird, dass auch dieses bereits in Europa entstanden ist. Heute kürzt die Main Rum Company dieses Mark mit MER ab, was letzten Endes natürlich leider dazu führt, dass das Wissen über die Ursprünge der Rums immer weiter zurück geht, denn kaum ein unabhängiger Abfüller kann dieses Kürzel (MER) noch mit dem Mark (REV) in Verbindung bringen, wenn er sich nicht sehr gut mit Rum auskennt. Das wiederum kann bei vielen IB leider nicht vorausgesetzt werden und so werden viele Demerara Rums von außen immer gleicher und können letztlich fast nur noch durch Nerds geschmacklich entschlüsselt und zugeordnet werden. Für Demerara Rums aus der Zeit nach 2000 gilt das natürlich noch einmal mehr als für die älteren.
Der Cadenhead REV gilt vielen Connaisseuren heute als eine echte Legende, die auch auf Auktionen oder bei Facebook nur äußerst selten angeboten wird. Dieser Umstand führt leider auch dazu, dass die allermeisten von euch da draußen diesen Rum vermutlich noch niemals im Glas gehabt haben werden. Da ich in meiner Review zum neu erscheinenden RA allerdings auch in Teilen auf den Cadenhead als Vergleich eingehen werde, kann ich an dieser Stelle nur auf Marcos Review aus dem Jahr 2013 (s. Link) verweisen, bzw. werde euch jetzt natürlich auch selbst kurz von diesem Rum berichten.



Dürfte ich den Cadenhead in nur einem einzigen Wort beschreiben, so würde ich dafür vermutlich das Wort "extrem" wählen, denn extrem ist dieser Rum in jeder Hinsicht gewesen. Mit genau 70% vol. (!) kam er im jungen Alter von nur 11 Jahren (kontinentale Reifung) in die Flasche und war ein Melasse-Monster, wie man es selten zuvor gesehen hat, wenn überhaupt. Marco glaubte zu jener Zeit noch an mit Melasse ausgestrichene Fässer aus Guyana, was er allerdings in seinem großen Guyana Artikel einige Zeit später selbst revidiert hat und ins Reich der Legenden verweisen konnte. Nichts desto weniger wirkte die Legende, auch wenn sie letztlich unwahr war, dennoch glaubhaft, was natürlich viel über den Geschmack dieses Rums aussagte. In der Konsequenz hieß das wiederum auch: der gefiel nicht jedem, und mir z.B. gefiel er unter'm Strich auch nicht. Klar, das ganze hatte etwas wirklich faszinierendes und grundsätzlich war da schon auch einiges was ich mochte, aber in Summe war mir das einfach zu krass und für meinen Geschmack nicht schön zu trinken. Andere wiederum waren von dieser Extremität vollkommen geflasht und nennen den REV von damals bis heute als einen ihrer All Time Favorites.

So wird der Rum in der Flasche aussehen. Source: Rum Artesanal
Daher war ich umso gespannter als ich von Dominik erfuhr, dass da von RA in Kürze ein Nachfolger in den Startlöchern stehen würde, der nun mit 25 Jahre Reife daher käme und auch nur noch 51,4% vol. aufweisen wird. Das, so mein Gedanke, der mir in den Kopf schoss, könnte verdammt gut passen! Und nun ja, ihr könnt euch beim Lesen dieser Zeilen vermutlich schon denken, dass der Rum bei mir am Ende wohl nicht durchfallen wird, wenn ich hier so einen Spannungsbogen aufbaue, aber ich möchte, bevor ich zum Tasting komme, doch noch kurz etwas auf die Randdaten eingehen, um deutlich zu machen, warum dieses Bottling in meinen Augen tatsächlich einer Sensation gleichkommt. Da ist zunächst einmal das absolute Alleinstellungsmerkmal. Dieser REV ist der meines Wissens erste überhaupt seit den Bottlings von Cadenhead und Samaroli im Jahr 2006, also seit 14 (!) Jahren. Das ist eine enorme Zeitspanne, lang genug um zu suggerieren, dass wir uns auf weitere Bottlings dieses Marks eigentlich wohl eher nicht mehr einstellen durften. Zum anderen müssen wir aber auch unbedingt über den Preis reden, der für eine Abfüllung wie diese einfach nur phänomenal ist, vor allem in der heutigen Zeit. Denn die aufgerufenen 109,- Euro zahlt man heute leider oft schon für viele Rums, die qualitativ gerade mal dem Durchschnitt entsprechen. Zu diesen, wieder spoilere ich, zählt der heutige Rum definitiv nicht, weswegen der Preis ein echter Hammer ist! Hier werden normal wesentlich heftigere Preise aufgerufen, weshalb man RA wirklich nur gratulieren und danken gleichzeitig kann, dafür, dass sie sowas noch machen und auch in der heutigen Zeit die Ruhe bewahren und ein echtes Interesse an qualitativ hochwertigem Rum zu fairen Preisen zeigen! Das verdient allerhöchsten Respekt!

Abschließend an dieser Stelle sei na klar um der Transparenz wegen erwähnt, dass ich ein Sample dieses Rums vorab kostenlos zum probieren erhalten habe (vielen Dank dafür!) und den Rum hier ausschließlich deshalb vorstelle, weil ich das frei jeder externer Interessen gerne möchte.




Verkostung des RA Demerara Rum 25 YO Enmore REV 1994:

Preis: der Ausgabepreis wird bei 109,- Euro für eine 0,5 Liter Flasche liegen. Releasetermin ist der 13.03.20 in den bekannten Shops die RA Rums führen, sowie auf der Cologne Spirits. 

Alter: von Mai 1994 bis März 2020 reifte der REV volle 25 Jahre und 10 Monate im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand mutmaßlich gänzlich in Europa statt. Das trifft üblicherweise auf alle alten und bei der Main Rum Company gelagerten Guyana Rums zu.

Fassnummer: #187. Insgessamt wurden 249 Flaschen abgefüllt. 

Angel's Share: ~31%

Alkoholstärke: der Rum kommt mit 51,4% vol. daher - Fassstärke!

Destillationsverfahren: zum Einsatz kam die Single Wooden Pot Still von Versailles (VSG), die 1994 noch bei Enmore stand. 

Mark: REV (hergestellt mit der VSG-Still)

Farbe: der erste Wow-Moment! Schwarz wie die Nacht gibt sich der Rum in der Flasche, im Glas kommt er dementsprechend in einem tiefen, edlen Braun daher, ebenfalls schon fast ins schwarze gehend. 

Viskosität: der Rum bildet wunderschöne Kronen am Glasrand und hat dabei noch immer diesen Style von Motoröl, den schon der 11er Cadenhead REV im Glas hatte. Das ist optisch wirklich abartig wie faszinierend zugleich, wie sich der Rum im Glas gibt.

Nase: Wuhuhuhuuuuu... was für ein Rum!! Richtig schön voll und reichhaltig kommt dieser alte Demerara Rum daher und bringt im Bouquet eine wahre Fülle an heftiger Melasse, dunklem Obst, karamellisiertem Zucker und Pflaumenmus mit. Die Tiefe und vor allem die Intensität die ich hier vorfinde sind schon bemerkenswert! Keine Frage, gerade im Vergleich zum Cadenhead damals muss man sagen: der REV ist erwachsen geworden! Stand mit dem 11 YO damals noch eine richtige Drecksau von ca. 70% vol. vor mir, präsentiert sich das ganze nun sehr gereift und deutlich entspannter, mit ordentlich Tanninen, dabei aber immer noch REV-typisch. Peripher habe ich noch Cola und Menthol, auch Leder ist deutlich wahrnehmbar. Das ist richtig geiler, komplexer Old Demerera Rum wie wir ihn lange nicht mehr zu Gesicht bekommen haben! Ich finde keine Fehlnote, alles passt hier zusammen, sehr außergewöhnlich. Na klar, der Rum braucht einiges an Zeit um sich wirklich zu entfalten, keine Frage, aber er ist dennoch vom Start weg sehr zugänglich. Auch alkoholische Schärfe beispielsweise spielt hier keinerlei Rolle. Einfach nur richtig guter Stoff!

Gaumen: auch am Gaumen brauchen wir über das Thema alkoholische Schärfe keine Worte verlieren, die gibt es hier schlicht nicht. Der Rum ist herrlich weich, legt sich angenehm auf die Zunge und ist dabei schön konsistent, ölig und vollmundig. Große Klasse! An Assoziationen sind da zunächst eine schöne, natürliche Süße, die viel an Pflaumen erinnert, dazu viel Dörrobst, dominante (aber nicht überwältigende!) Melasse, Kräuter, Holz, sehr viel Nuss, Toffee, Gewürze, Anis,... ich könnte ewig weiter suchen! Es will einfach nicht enden, was da an Eindrücken auf den Gaumen einprasselt, so viel gibt dieser Rum her! Das ganze stellt sich wunderbar ausgewogen dar, ist, so banal das klingt, einfach unfassbar lecker! War die Nase schon richtig gut, dreht der Rum am Gaumen dann aber erst so richtig auf! Hier legt er die für mich stärkste Performance insgesamt hin! Was man allerdings vermeiden sollte ist den Rum zu lange im Mund zu behalten, da er sonst zu bitter wird. Das kann man aber für sich selbst sehr gut abstimmen und geht ein wenig über's ausprobieren.

Abgang: es bleibt etwas sehr nussig-melassiges, dazu frisch geschnittenes Geäst, Anis, Tannine, dann ins nussig-bittere gehend. Sehr lang anhaltend und der krönende Abschluss eines herausragenden Destillats!

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Source: Rum Artesanal
Fazit: ich habe schon als ich registrierte, dass es sich bei dem neuen RA Rum um einen REV handeln würde sehr leuchtende Augen bekommen. Gar nicht mal weil mir der Cadenhead damals so gut geschmeckt hätte, das hat er nämlich gar nicht unbedingt, da er mir viel zu krass und zu anstregend war. Aber es hat mich wahnsinnig interessiert, wie sich dieser Stil wohl über die vielen Jahe seit dem entwickelt hat und mein Gefühl sagte mir, dass ihm das unglaublich gut getan haben könnte. Und nun, was soll ich sagen? Mein Gefühl hat mich nicht getrügt! Dieser REV ist wirklich ein unglaublicher und wahnsinnig leckerer Rum. Er hat noch immer alles was den Stil REV ausmacht, kombiniert aber mit allen Vorteilen einer 25 jährigen Fassreifung! Selten hat mich ein Demerara Rum so abgeholt, so rund herum überzeugt. Vollkommen irre! Und vor allen Dingen hätte ich einfach niemals gedacht, dass es solch geile alte Demerara Rums da draußen überhaupt noch gibt bei den Brokern. Mega! Das macht dementsprechend natürlich auch Mut, dass da vielleicht noch mehr richtig guter alter "Scheiß" kommt! Achso, müssen wir nochmal über den Preis reden? Ich glaube nicht, bzw. dazu habe ich oben bereits alles gesagt. Für Rums wie diesen wurde das Wort PLV-Hammer erfunden! Das hier ist einfach nur ein riesen Pick von Dominik und von RA, dieses Fass an Land gezogen zu haben! Chapeau, meine Glückwünsche und vielen Dank!

-94/100-

Bis demnächst,
Flo

Donnerstag, 11. Mai 2017

Mai Tai mit Cadenhead Demerara Rum VSG 15 YO Enmore/Versailles

Liebe Rum- und Mai Tai Interessierten,

heute wage ich mich erstmals diesen Monat an einen Demerara Mai Tai, bzw. habe das getan. Auch dieses Review gehört zu jenen, die vor vielen Jahren schon einmal für einige Zeit online waren und dann verschwanden. Nun ist auch dieses hier an der Reihe wieder an die Oberfläche des www zurückzufinden. 
Geworden ist es damals ein eher fruchtigen Versailles Rum VSG von Cadenhead. Dieser wurde 1990 bei Enmore in der VSG Still destilliert und anschließend an Cadenhead, das sich einst rühmte, die größten Demerara Rum Vorräte außerhalb der Karibik zu besitzen, verkauft. Im Februar 2006 wurde der Rum abgefüllt und kam mit noch stolzen 72,5% vol. daher. Wahnsinn! Sein Preis lag bei ca. 60 Euro, er ist inzwischen leider, wie so vieles, ausverkauft.

Die Destillerie aus der er stammt, bzw. die Destillerie die die Versailles Still zum Zeitpunkt der Destillation besaß, Enmore, ist seit Mitte der 1990er Jahre geschlossen. Ihre Stills gingen, inklusive der Versailles Still, dann an Uitvlugt, das wiederum 2000 seine Tore schloss. Die Brennblasen von Uitvlugt übernahm wiederum Diamond, das inzwischen, unter dem Dach von DDL, als einzige Destillerie in Guyana noch produziert. Wer dazu noch viel mehr erfahren möchte, dem empfehle ich wärmstens diesen herausragenden Artikel von Marco. Nun aber erstmal zum Drink.

Verkostung des Mai Tais mit Cadenhead Demerara Rum VSG 15 YO Enmore/Versailles:

Farblich ist dies ein klassischer Mai Tai, trotz des strohigen Rums: gelblich braun, etwas milchig, nicht zu dunkel, nicht zu hell. Stylisch also überzeugt der VSG also schon mal. Wir werden sehen, ob er das im Geschmackstest auch noch tut!

Mai Tai mit Cadenhead Demerara Rum VSG 15 YO Enmore/Versailles
Wow! Der hat Bums! Gleich vorweg: dieses war der erste Mai Tai seit damals, bei dem ich sofort und ohne weiteres Nachdenken zur Zubereitung mit Crushed Ice und/oder weniger Rums geraten habe! Hart. Ich habe den Drink erstmal einige Minuten Wasser ziehen lassen und hatte danach doch recht viel Vergnügen mit ihm. Man erhält einen völlig neuen Drink, keinen klassischen Mai Tai mehr, er hebt sich deutlich von allen Varianten ab, in denen auch nur eine Spur Jamaica steckt.
Der Rum prägt den Drink absolut, lässt sich von den restlichen Komponenten aber toll unterstützen. Er schmeckt, wie ich mir einen Mai Tai mit Versailles-Total vorgestellt habe. Man schmeckt die Still sofort heraus, auch Blind, da bin ich sicher. Ich bin hier wirklich angetan. Wer Versailles mag, der wird bei dem Drink echt bedient. Das ist der vielleicht ehrlichste Mai Tai den ich je hatte, holzige und fruchtige Noten ergänzen sich vorzüglich. Der Drink hat einen fantastischen Nachgeschmack und hat mich davon überzeugt, dass man die Demerara Schiene im Mai Tai hin und wieder auch mal fahren kann.

Fazit: ich freue mich schon jetzt auf weitere Mai Tais mit aromatischen Demerara Rums! Auch wenn der Drink nicht an die absoluten Spitzenreiter aus Jamaica heran kommt, so hat er mich doch voll überzeugt. Ein typischer Mai Tai ist es nicht mehr, aber gerade das hat mir gefallen. Der Versailles schafft es, sich voll und ganz von jedem Jamaica-Mai Tai abzusetzen. Bitte mehr davon! 
Und wer sich beim Lesen nun denkt: ja, schön wärs, ist ja ausverkauft: unabhängige Abfüller bieten auch heute noch immer mal wieder Rums aus Versailles an. Die sind zwar inzwischen sehr viel teurer, aber wer auf Versailles steht und sich das gerne einmal vorstellen möchte, der hat da schon noch die Möglichkeit. Okay, der Alkoholgehalt ist bei den Nachfolgern nicht mehr so krass, aber das wird ihm im Drink eher gut tun. 

Das ist war's für heute. Nachdem heute Konserve dran war, kommt hier morgen dann ein echter Kracher 2016/2017! Freut euch drauf! 

Bis dahin
Flo

Mittwoch, 22. Mai 2013

Berry's Own Selection Demerara Rum from Versailles Still 22 YO (1985 - 2007)

Liebe Rum Gemeinde,

heute teste ich, wie schon gestern, einen Nicht-Jamaica Rum im Mai Tai. Es geht dabei um einen Rum, der schwer zu finden ist, der in Deutschland sogar gänzlich nicht erhältlich ist, aber in Italien problemlos bestellt werden kann.
Es geht um einen Rum aus der Versailles Still und ich kann zu diesem Thema nur wärmstens den Artikel über DDL auf Cocktails Old Fashioned empfehlen. Der Abfüller dabei heißt dieses mal Berry Bros. & Rudd., welches in London ansässig ist und sich stolz Haus- und Hoflieferant des britischen Königshauses nennen darf. Aus Berry's Own Selection wurden hier bereits zwei Abfüllungen besprochen: der Hampden Jamaica 1990 und der Long Pond Jamaica 1986. Beide gefielen mir außerordentlich gut!
Der Rum heute wurde 1985 in der Versailles Still produziert, die sich zu dem Zeitpunkt bereits bei Enmore befand. Von BBR erworben, lagerte der Rum dann 22 Jahre lang auf der Insel, was auch seine helle, strohige Farbe erklärt und die Tatsache, dass der Rum absolut nicht zu viel Holz abbekommen hat. Ein wunderbar ausgeglichener Rum! Fruchtige Töne mischen sich hier mit Noten vom Holz und ergeben dabei einen unverkennbaren Demerara Rum aus der charakteristischen hölzernen Versailles. Der Wiedererkennungswert liegt hier wirklich bei 100 Prozent. Abgefüllt hat man den Versailles schließlich mit 2007 mit 46% vol. (wie jeder Rum bei BBR), was ihm aber gut steht, denn der Rum ist sehr angenehm zu trinken. Ein langer, warmer Abgang vollendet den Genuss. Besonderheit: im Gegensatz zu vielen anderen Abfüllungen aus diesem Jahr von BBR (u.a. auch der Hampden) ist dieser Rum kaum noch zu bekommen. Zuletzt zum Preis: der ist leider happig. Über 80 Euro muss man für den Rum berappen. Aber kommen wir nun zum:

Mai Tai mit Berry's Own Selection from Versailles 22 YO:

Mai Tai mit Berry Bros. & Rudd. Versailles 22 YO 
Eine bräunlich, milchige Farbe ist das erste Erscheinungsbild dieses Drinks! Der Rum ist zwar für 22 Jahre sehr hell, unterscheidet sich farblich aber dennoch schon deutlich von strohigen Rums wie dem BBR Hampden, welche viel heller sind. Das wirkt sich auch auf den Drinkn aus.

Geschmacklich bin ich sofort überaus angetan! Vor mir steht ein sehr fruchtiger Mai Tai. Der Rum bringt sich perfekt in den Drink ein, prägt ihn sehr, dominiert aber nicht. Das typische Versailles Aroma schlägt durch, allerdings haut der Drink einen nicht ganz so weg wie das beim Mai Tai mit einem Cadenhead Versailles der Fall war, den ich ebenfalls mal probiert hatte. Das gefällt mir hier noch eine Spur besser und man kann den Drink auch wirklich mit 6 cl machen, muss nicht weniger nehmen (was ich beim Cadenhead tun würde).
Die restlichen Zutaten fügen sich toll ein, der Drink ist eine stimmige Einheit, ein Mai Tai wie ich ihn mir wünsche. Allerdings: man muss hier auf eine sehr gute Kühlung achten, der Mai Tai mag keine Verwässerung, das killt ihn! Heißt: auf ganzes, frisches Eis strainen und den Tumbler vorfrosten. Ich würde evtl. sogar ganz unkonventionell auf eine Coupette ausweichen und dem zur Folge garkein Eis im Glas verwenden. Das ist dann, rein äußerlich gesehen, zwar irgendwie kein richtiger Mai Tai mehr, aber vielleicht der bessere Drink.

Fazit: der Drink ist gut, sehr gut! Noch nie hat mich ein Rum, der nicht aus Jamaica stammt, im Mai Tai so überzeugt ohne dabei auch den Grundcharakter des Drinks nicht allzu stark zu verändern. 
Der Wermutstropfen: die über 80 Euro für den Rum sowie der Versand dazu machen das ganze zu einem überaus teuren Vergnügen. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das einer der teuersten Rums, den ich je in einem Mai Tai verwendet habe. Der Preis dürfte bei ca. 9 Euro liegen und das ist schon hart. Meine Meinung: der Drink ist, wie gesagt, klasse, man sollte ihn auch mal probiert haben, aber das Geld sollte man letztlich in den Rum nur dann investieren, wenn man von ihm pur absolut überzeugt ist. Ansonsten stimmt für mich das PLV nicht mehr.

Bis Morgen,
Flo