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Sonntag, 13. Dezember 2020

Barrel Aged Thoughts' 2020 Top 10 Rums - Part I

Liebe Rum Gemeinde,

das Jahr 2020 neigt sich nach all diesen Knaller-Abfüllungen nun tatsächlich dem Ende zu und darum denke ich, ist es nun an der Zeit ein kleines Fazit zu ziehen. Wie schon häufiger in der Vergangenheit, möchte ich euch abschließend zusammengefasst noch einmal meine Highlights des Jahres in Form einer Top 10 in zwei Teilen präsentieren. 



Prolog:

Ihr Lieben, was war das bitte für ein Jahr?! Ich weiß da, um ehrlich zu sein, gar nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, worauf ich mich in 2020 ganz besonders freue, dann hätte ich vermutlich geantwortet: auf die Messe in Köln, das Rum Fest in Berlin, die Whisky Live in Paris und auf den TRC 90 II als Knaller zum Jahresende! Ich habe zum damaligen Zeitpunkt weder geahnt, was RA das ganze Jahr über mit uns abziehen würden, was Silver Seal im Sommer 2020 fabrizieren, dass Velier es noch schaffen würde richtig gute 1998er Caronis zu bringen, dass unsere "ewige" Waschmaschine tatsächlich kaputt gehen würde können und schon gar nicht hatte ich auf dem Zettel, was ab spätestens März insgesamt weltweit abging. Ich habe letzteres, vielleicht ist euch das aufgefallen, auf Barrel Aged Thoughts nahezu gar nicht thematisiert, da ich der Meinung war und bin, dass wir von allen Seiten mit diesem Thema erschlagen wurden, ob wir wollten oder nicht, dass es an Covid 19 ohnehin kein Vorbeikommen gab, und so wollte ich mit BAT zumindest einen Platz schaffen, an dem für euch und natürlich auch für mich einfach alles weitestgehend so ist wie immer. Zumindest irgendwas wo man draufklicken kann, ohne, dass man sofort dran erinnert wird, dass gerade nichts so ist wie gewohnt. Rum-Blogging als Eskapismus, wenigstens für einen Dram der oft unschönen Realität da draußen entfliehen. Warum ich das jetzt plötzlich anspreche? Weil Covid 19 unser Jahr so unfassbar unterschiedlich geprägt hat, dass ich das nicht einfach übergehen möchte. Es war, rein auf Rum und die Vielzahl an geilen Abfüllungen bezogen, ein richtig geiles Jahr, was ich hier auch festhalten und würdigen möchte. Aber ich kann an dieser Stelle insgesamt nicht von einem Super-Jahr sprechen (auch wenn es das für mich persönlich und ganz subjektiv wohl wirklich war), wo gleichzeitig viele von euch da draußen möglicherweise aktuell ihrem Beruf und damit vielfach auch ihrer Berufung nicht nachgehen dürfen, die vielleicht um ihre Existenz bangen, möglicherweise sogar gesundheitlich betroffen oder gar Angehörige verloren haben und deshalb möchte ich das zumindest dahingehend einordnen und einmal festhalten: ja, natürlich ich bin mir der Tatsache bewusst, dass einige von euch gerade ihr beschissenstes Jahr ever hinter sich haben und sich derzeit noch nicht einmal wirklich auf ein besseres 2021 freuen können, weil auch dessen Verlauf noch vollkommen ungewiss ist. Das ist furchtbar und ich kann nur das beste für euch hoffen. Ich persönlich arbeite im sozialen Sektor. Plötzlich war ich "systemrelevant" (was für mich damals tatsächlich die Haupt-Motivation war, einen solchen Job dem Studium der Geschichte und der Archäologie nach zwei Semestern vorzuziehen). Die Belastungen bei uns auf der Arbeit waren ungleich größer als in jedem anderen Jahr, deshalb blicke auch ich nicht nicht gerade auf ein entspanntes Jahr zurück, aber ich musste, anders als viele andere, nicht eine Sekunde um meinen Job fürchten und konnte auch deshalb viele der Abfüllungen in diesem Jahr genießen. Und dafür wiederum bin ich sehr dankbar! Ebenfalls sehr dankbar bin ich über einige Entwicklungen im Rum Bereich im abgelaufenen Jahr. So hat sich der Kontakt zu Dominik und zu RA in diesem Jahr z.B. noch weiter verfestigt, was mir eine ungemeine Freude ist! 

Dominik, ich glaube, ich muss das an dieser Stelle nicht weiter ausführen, außer: vielen lieben Dank dir für das geile gemeinsame Jahr und den unfassbar guten Job den du und ihr macht! Es macht auf allen Ebenen so unglaublich viel Spaß und ich liebe unseren regen gemeinsamen Austausch! Der ist ein absoluter Hochgenuss, den ich nicht mehr missen wollen würde! Danke für alles!

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf natürlich auch der Jens von TRC! Die Schlagzahl ist geringer geworden, aber wenn wir miteinander schnacken ist das, als würden wir das jede Woche tun. Es sind nun schon siebeneinhalb Jahre, seit ich euch bei der Worthy Park Abfüllung unterstützen durfte, die dann die erste BAT-Abfüllung wurde. Und es tut mir natürlich Leid, dass immer sobald wir etwas mehr miteinander zu tun haben, ihr anschließend so viel Arbeit mit Pakete packen habt ;-) Ich würde ja Besserung geloben, aber... :-) 

Steffen... auch wir sitzen inzwischen nun schon seit bald zwei Jahren gemeinsam über deinem Buch, das ohne jede Frage mit Erscheinen die neue Benchmark in diesem Bereich darstellen wird! Die gesamte Rumwelt darf sich auf diesen, deinen, Meilenstein der Rum Literatur freuen und ich persönlich fiebere dem schon wahnsinnig entgegen! Wenn immer wieder Zwei-Stunden-Telefonate mit "Hast du mal 'ne Minute?" beginnen, dann läuft irgendwas richtig ;-) 

Ich bedanke mich natürlich auch bei dir, Klaus, für das erste gemeinsame Jahr, in dem ich euch nun bei den Flensburg Rum Company Bottlings ein wenig unterstützen durfte. Klasse, dass immer mehr unabhängige Abfüller genauer hinschauen und mit der Frage an die Sache herangehen: "Was ist denn nun eigentlich der wirklich geile Shice den die Nerds auch sehen wollen?". Die nicht einfach nur irgendwie mitmischen wollen, bloß, weil das jetzt irgendwie jeder macht, sondern die das auch richtig machen wollen und richtig machen! 


Picture by E.H.

Wahnsinnig toll finde ich, dass wir es im abgelaufenen Jahr geschafft haben, mit der German Rum Association eine reine Rum Gruppe im deutschsprachigen Raum auf Facebook zu etablieren! Das war bitternötig und ich danke allen, die maßgeblich dazu beigetragen haben diese aufzubauen! Das qualitative Niveau ist hoch und auch immer noch mal gestiegen und ich freue mich, dass auch die Gruppe immer weiter wächst und inzwischen schon fast 750 Mitglieder zählt. Ihr seid super!

Und last but not least... geht natürlich ein riesiges Dankeschön an alle raus, die ich auch in diesem Jahr und trotz widriger Bedingungen zu einigen Zeitpunkten live, echt, mit Ton, in Farbe und bunt treffen konnte in diesem Jahr und ein paar unbeschwerte Tage und Stunden verbringen durfte! Ihr wisst, dass ihr gemeint seid, wenn ihr gemeint seid! :-*


Was liegt heute an?

Meine zehn besten Rums des Jahres "kühren"... das klingt total simpel, war es in diesem Jahr tatsächlich aber mal so überhaupt nicht! Es gab schon Jahre, da habe ich kaum eine wirklich vorzeigbare Top 10 zusammenbekommen weil einfach kaum richtig gute Rums released wurden und in diesem Jahr war es genau das Gegenteil - ich hätte locker und bequem eine Top 20 schreiben können! Da ich eine Top 10 hingegen wesentlich griffiger finde, habe ich davon natürlich abgesehen. Allerdings fühlte ich mich dennoch so ein wenig gezwungen nicht streng nach Punkten zu gehen und einfach die zehn am höchsten bewerteten Abfüllungen zu nehmen. Denn eine solche Liste wäre dann nicht sehr repräsentativ. Wir hätten, angesichts der Release-Flut 2020, allein fünf Caroni von Velier mit je 94 Punkten drin. Wer möchte eine solche Top 10 lesen? Auch wollte ich einen Rum unbedingt drin haben, der mit 92 Punkten zwar nicht zu den zehn am höchsten bewerteten Neuerscheinungen bei mir zählt, der diese "geringe" Punktzahl aber auch nur rein auf Grund sehr populärer Vorfahren bekam, die heute aber kaum noch jemandem etwas nützen. Ohne dieses Erbe, hätte ich den Rum vermutlich sehr viel besser bewertet und ich bin sicher, er zählt auch für viele von euch zu den absoluten Highlights in diesem Jahr. Doch dazu mehr, wenn es soweit ist. Nun, würde ich sagen, starten wir einfach mal den Countdown!


Platz 10: 

Habitation Velier C<>H Jamaica Rum 10 YO Hampden 2010

Direkt auf Platz 10 empfängt uns ein Brett, dass es bei einigen von euch sicher auch noch ein paar Plätze höher geschafft hätte. Gleichsam muss man fairerweise aber auch anmerken, dass der Rum das Lager deutlich stärker gespalten hat, als das beim HGML z.B. der Fall war, der gefühlt wirklich durchweg gut ankam. Das war beim C<>H anders, der war einigen auch zu extrem. Vor allem aber war er extrem schnell vergriffen und sorgte damit durchaus auch für Unmut. Für mich war und ist er dagegen ganz kurz und bündig der beste tropisch gereifte Hampden, den wir bisher bestaunen konnten - besser als der HGML und auch besser als das <>H Single Cask für die Whisky Live 2019! Damit hat er sich 93 Punkte redlich verdient. Dass er es bei mir "nur" auf Rang 10 geschafft hat (in normalen Jahren hätte er sicher besser abgeschnitten) liegt einzig an der enormen Konkurrenz. Es ist erst wenige Jahre her, da hätte ich für einen Rum mit dieser Qualität noch alles gegeben! Auch das zeigt, wie krass die Entwicklung im Rum Bereich in den letzten Jahren voran geschritten ist, dass solche Hammer Releases inzwischen schon beinahe zu einer kleinen Gewohnheit werden. 

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Platz 9:

Flensburg Rum Company KFM Demerara Rum 29 YO Enmore 1991

DER (!) Spalter 2020! Als sich im Februar abzeichnete, dass tatsächlich nach all den Jahren mal wieder ein neuer KFM kommen und dieser auch noch absolut mega werden würde, war ich richtiggehend elektrisiert! Eigentlich war der Stil früher gar nicht so sehr meins, weder der Demerara Style im allgemeinen noch der KFM Style im speziellen, aber wie die KFMs im Fass, so habe auch ich mich, bzw. mein Geschack sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und so gehören die Demeraras heute inzwischen zu meinen Favoriten. Und als ich den Rum dann also Vor-Verkosten konnte, während ich in die Fass-Auswahl eingebunden war, war ich vor allem von der Nase dieses Demerara Monsters wirklich komplett überwältigt! Vielleicht auch deshalb habe ich das enorme Spalt-Potenzial dieses Rums tatsächlich in keiner Weise kommen sehen. Klar, der Rum hat den Großteil derer die ihn probiert haben letztlich doch eher überzeugt (wenn gleich er mit seinen 45,4% vol. einigen wohl auch zu dünn war), aber von der mitunter doch sehr leidenschaftlichen Ablehnung einiger war ich definitiv überrascht. Doch wie dem auch sei, ich fand ihn herausragend und mit 94 Punkten hat es der KFM aus nur dem Grund nicht bis in die allerhöchste Ebene geschafft, da er für meinen Geschmack tatsächlich noch etwas mehr Power haben könnte. Aber wenn es ein Rum, trotz dessen, dass er nicht alles ausgeschöpft hat was ginge, auf 94 Punkte bringt, dann ist das wohl der letzte Beweis für Kritik auf sagenhaft hohem Niveau. 

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Platz 8:

Velier Heavy Trinidad Rum 21 YO Caroni 1998 (Employee "Buju"):

Es war selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Top 10 von der ersten Caroni Abfüllung heimgesucht werden würde! Keine Destillerie hat mich in den letzten Jahren vermutlich mehr beschäftigt und stärker in meinen Bann gezogen als Caroni. Mag Hampden so etwas wie meine Rum Heimat sein, so war Caroni doch seit einiger Zeit zumindest so etwas wie eine Wahlheimat. Dass es mit dem "Buju" aber ausgerechnet ein 1998er am Ende des Jahres in diese Liste schaffen würde (und es mit dem "Yunkoo" sogar noch ein weiterer 1998er verdient gehabt hätte!), das hätte ich nie gedacht, bevor ich ihn probiert habe, zu wenig sagten mir diese bisher eigentlich zu. Der "Buju" stellte in dieser Hinsicht eine Zäsur dar, der dazu auch noch mit einem total geilen Layout punkten konnte. Dieses Spiel mit den hellblauen Farben, die ich sehr mit den Tropen assoziiere, fand ich so wunderbar passend für einen Rum, dass ich da wirklich angetan war. Ich weiß, eigentlich ist sowas zweitrangig, aber stören tut's mich eben auch nicht, wenn mir ein Rum über seinen Inhalt hinaus auch optisch noch gefällt ;-) Mit 94 Punkten verfehlt der "Buju" die Kategorie 95+ im Grunde nur, weil es eben Caroni-Styles und Demeraras gibt, die mir noch besser gefallen und ich diese Differenz noch irgendwie abbilden können muss! Aber die hier gebotene Qualität war und ist definitiv überragend!

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Platz 7:

The Rum Cask C<>H Jamaica Rum 30 YO Hampden 1990 (BAT-Abfüllung):

Mein Platz Nr. 7 ist kaum eine Woche alt, hat es mit seiner wirklich extrem seltenen Qualität aber natürlich straight in meine Top 10 geschafft. Allerdings: fällt euch etwas auf? Ein 1990er Hampden mit überragender Qualität, der es bei mir "nur" auf Platz 7 schafft? Flo, was ist da los? In wohl keinem anderen Punkt zeigt sich die Veränderung meiner Präferenzen wohl stärker als in dieser Abfüllung. Früher wäre über diesen Rum vermutlich nichts mehr drüber gegangen, aber inzwischen ist Hampden eben nicht mehr meine Nr. 1. Und, Spoiler: es wird nicht nur kein weiterer Hampden, sondern auch nur noch ein einziger weiterer Jamaicaner in meine Top 10 schaffen - der Rest stammt aus anderen Ländern und/oder von anderen Inseln! Zeitenwende auf BAT. Was aber den TRC 90 II angeht, so zeichnet sich bereits ab, dass der auch bei vielen von euch da draußen sehr gut anzukommen scheint, was mich natürlich umso mehr freut! Mehr als einmal las ich in den letzten Tagen vom besten Hampden so far oder zumindest in der absoluten Spitzengruppe. Ich für mich ganz persönlich hatte bei diesem 1990er nicht mehr ganz dieses Feuer wie beim 26 YO damals, den ich bis heute als einen meiner Grail Rums bezeichnen würde, aber das liegt eben doch mehr an mir als am Rum. Mit ebenfalls 94 Punkten verfehlt auch er die Spitzenkategorie nur, weil er für meinen Geschmack noch ein wenig mehr Biss und etwas mehr Bumms haben können. Aber, wie beim KFM: wenn wir trotz 94 Punkten noch über Schwächen sprechen, dann ist klar, wo solche Rums ohne Schwächen bei mir landen würden... 

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Platz 6:

Velier Heavy Trinidad Rum 19 YO Caroni 2000 (Employee "Nitz"):

Und zack, der nächste Caroni! Und wieder kommt er aus der dritten Employee Serie von Velier, die meines Erachtens die bisher beste der Reihe war. Jeder der Rums erreichte bei mir 94 Punkte, was für den 1996er zwar leicht unterdurchschnittlich war, beim 1998er und beim 2000er allerdings über Soll lag. Bei keiner anderen Employee Serie war das persönliche Gefallen bei mir auf so konstant hohem Niveau. Weder bei einer der vorherigen beiden, noch bei der vierten. Auf die "Nita" war ich dabei allerdings ganz besonders gespannt, da man 2000 in Fassstärke ja sonst nur in den wenigen Single Cask Releases zu Gesicht bekam, was sich nun bei den Employees erstmals änderte. Und was für ein 2000er das war! Der Jahrgang ist für mich ja ganz eindeutig die Wundertüte unter den Caroni Vintages und so war ich durchaus sehr erfreut als ich feststellen durfte, dass der Rum meinen Geschmack ziemlich präzise getroffen hat. Anders als einige anderen Rums in dieser Liste bisher spielt die "Nita" mit ihren 94 Punkten allerdings absolut am Limit aus meiner Sicht. Wirklich (in Punkten) besser kann ein 2000er mutmaßlich nicht werden und ich sehe da keinen die 95er Marke knacken. Neben der "Nita" hat die 94 allerdings noch ein weiterer 2000er geknackt und unter anderem diesen sehen wir dann beim nächsten Mal, wenn es in meine Top 5 hinein geht... 

Zum Review: klick


Bis dahin, bleibt gesund und habt einen schönen und besinnlichen 3. Advent!

Flo


To be continued...

Sonntag, 8. November 2020

Velier Caroni 4th Employee Series

Liebe Rum Gemeinde,

bereits vor einigen Wochen schmiss Velier mit der insgesamt nun schon vierten Employee Serie (und der zweiten in diesem Jahr) noch einmal neue Caronis auf den Markt. Wie auch die dritte Serie im Sommer, so kommt auch diese wieder mit drei Bottlings daher. Heute werde ich mir diese im Gesamten einmal ansehen!




Was liegt heute an? 

Das Kontingent an tropisch gereiften Caronis die der breiten Öffentlichkeit noch zugänglich sein werden, neigt sich stark dem Ende entgegen. Das ist kein Geheimnis, wobei sich diese Aussage im Grunde auf das Ende der Employees bezieht, nach deren Auslaufen die danach folgenden (Single Cask-) Releases nur noch Mikro-Auflagen haben werden. Allerdings muss man nach den Beobachtungen im Zuge der dritten Serie im Sommer und erst recht nach jenen der aktuellen Herbst-Serie doch auch irgendwo konstatieren, dass man selbst die Verfügbarkeiten der 2020er Serien eigentlich auch schon nicht mehr mit der breiten Öffentlichkeit in Zusammenhang bringen kann - zumindest nicht, ohne dass dabei auch eine gehörige Portion Hohn mitschwingt. Denn wenn man ehrlich ist, war es quasi kaum möglich hier noch zum Ausgabepreis zu shoppen, es sei denn man hat Beziehungen zum Händler oder schlicht übergroßes Glück. Bei der vierten Serie ging das schließlich soweit, dass die Flaschen bei LMDW und Spirits Academy insgesamt vielleicht eine Minute online waren? Verrückt! Zum Glück hat der Chris Tophe bei Facebook die Rums in einer Mega-Flaschenteilung der breiten Community in Europa zugänglich gemacht und auch meine Proben stammen aus dieser Teilung! Darüber hinaus war er auch so freundlich mir ein paar Bilder der Flaschen zu machen, so dass ich sie in meiner Review heute zeigen kann. Sämtliche hier heute gezeigten Bilder sind also von ihm. Vielen lieben Dank dafür, lieber Chris Tophe, Merci beaucoup! 

Huge Caroni 4th Employee Series Split by Chris Tophe


Eine Besonderheit der vierten Serie ist es aber auch sicher, dass erstmals kein 1996er Caroni abgefüllt wurde. Stattdessen gibt es zwei 1998er und einen 2000er. Letzterer Jahrgang feierte in der vorangegangenen dritten Employee Serie in Form von Nita "Nitz" Hogan seine Premiere und mit dem Basdeo "Dicky" Ramsarran ist nun eben wieder einer dabei. Fast noch auffälliger finde ich allerdings, mit was für einer unglaublichen Schlagzahl Velier die Releases seit diesem Jahr auf den Markt spült. Sahen wir in 2018 und 2019 noch je eine Employee Serie a zwei Bottlings, so waren es in 2020 nun zwei Serien a drei Bottlings, also die dreifache Menge der vergangenen beiden Jahre. Hier kann ich mich daher insgesamt des Eindrucks nicht entziehen, dass man seitens Velier ein großes Interesse daran hat diese Serie nun möglichst rasch abzuschließen, was aber natürlich dann auch ein wenig lieblos anmutet und so gar nicht zu dem Maß an Leidenschaft passt, was man ansonsten ja geneigt ist Velier stets zu unterstellen. Das finde ich ein wenig schade und ich denke, eine Serie pro Jahr (ob nun mit zwei oder drei Bottlings sei dahin gestellt) hätte den meisten Connaisseuren besser gefallen. Nun allerdings sind die Rums da und wir schauen sie uns dementsprechend nun natürlich auch an!


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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Dayanand "Yunkoo" Balloon: 

Unser erster Caroni entstammt dem Jahrgang 1998, wurde bis ins Frühjahr 2019 auf Trinidad im Fass gelagert und ist somit 21 Jahre alt. Gewidmet ist dieser dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Dayanand "Yunkoo" Balloon, der für 10 Jahre dort gearbeitet hat. Für die Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt 1.180 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch stolze 68,3% vol.! Trivia: noch passender hätte ich es natürlich gefunden, wenn man sich dieses Label für ein 1996er Employee Bottling aufgespart oder dieses dafür verwendet hätte und auf diese Weise einen Bogen zum Kirsch und zum Shinanoya/Bar Lamp Single Cask geschlagen hätte, so wie man es bei unserer heutigen dritten Abfüllung gemacht hat.

Nachdem ich den Rum bestimmt eine gute halbe bis dreiviertel Stunde habe Atmen lassen, führe ich mir den Yunkoo das erste Mal zu Gemüte. Und ich muss sagen, im allerersten Eindruck, dass der für einen 1998er Caroni eine doch überraschend ausgeglichene und balancierte Nase hat, ähnlich dem Buju im Sommer, den ich als einen wirklich selten guten Vertreter dieses Jahrgangs empfinde. Und tatsächlich, der Quervergleich mit dem Buju bestätigt meinen Eindruck! Ich habe dreckige Komponenten von intensiven Lösungsmitteln genauso wie fruchtige Anklänge von Mango oder Papaya, sowie Gewürze wie Anis. Dabei kommt der Caroni-typische Brennerei-Chartakter ebenso durch, wie auch schon ein sehr stolzer Einfluss durch das Fass in Form von Tanninen. Insgesamt macht der Rum einen wirklich sehr kompletten Eindruck und ich habe weder Eindrücke die mich stören, noch vermisse ich etwas. Der Alkohol ist darüber hinaus sehr gut eingebunden, da gibt es wirklich nichts zu meckern!
Am Gaumen gefällt mir der Yunkoo ebenso gut wie in der Nase! Wow, der ist richtig lecker! Eine tolle und präsente natürliche Süße, dazu kaum Brennen durch den Alkohol, Caroni-typische Töne, die mich fast an Jahrgänge wie 1996 denken lassen und ein bockstarker Abgang! Keine Frage, der Rum weiß zu gefallen! Der Yunkoo hat jede Menge Holzlack und kommt für einen 1998er wahnsinnig fruchtig um die Ecke! Das ganze verschmilzt mit den Tanninen zu einem stimmigen und kompletten Gesamteindruck, der den Rum aus meiner Sicht fast auf die Ebene vom Buju hebt. Letzterer hat noch ein wenig mehr Süße, was mir gut gefällt. Aber beides sind verdammt gute 1998er! 
Im Abgang weist der Rum leicht medizinische Töne auf und wird trockener und bitterer. Er verbleibt allerdings lange am Gaumen. Klasse! 

-94/100-

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Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Balas "Brigade" Bhaggan:

Der nächste im Bunde kommt ebenfalls aus dem Jahr 1998 und reifte, genau wie der Yunkoo, bis Frühjahr 2019 für ganze 21 Jahre auf Trinidad. Er ist dem ehemaligen Caroni-Mitarbeiter Balas "Brigade" Bhaggan gewidmet, der 14 Jahre lang Mitarbeiter von Caroni war. Auch für diese Abfüllung wurden sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 1998 herangezogen, die insgesamt aber ein bisschen weniger, nämlich "nur" 1.158 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Der Angel's Share lag aber wohl auch bei >80% und der Alkoholgehalt des Rums gleicht beinahe dem des Yunkoo, er liegt bei 68,4% vol.! Ob sich die Rums auch sensorisch so sehr gleichen?

Den Brigade, auch dieser durfte lange Atmen, empfinde ich in der Nase als etwas weniger ausgeglichen als den Yunkoo und er gefällt mir im ersten Eindruck auch nicht ganz so gut. Hauptverantwortlich dafür dürfte sein, dass ich im Bouquet eine doch sehr präsente Note von Umami finde, die einige der 1998er Caroni aufweisen und die mir einfach nicht gefällt, vor allem nicht, wenn sie so über dem gesamten Rum liegt. Dadurch wird nämlich der Caroni-Brennerei-Charakter verdrängt und diesen muss man doch schon sehr suchen. Das hatten die unmittelbar vergleichbaren Buju und Yunkoo jeweils nicht. Davon ab finde ich natürlich auch einiges an Lösungsmitteln und dreckigen Anklängen, aber die Umami Note liegt da schon sehr stark über allem, weswegen das leider nicht so rauskommt. Der Alkohol ist top eingebunden, aber meine Freude über den Rum verstärkt das logischerweise dennoch nicht gerade. 
Wie beim Yunkoo, so bestätigt sich auch beim Brigade am Gaumen was sich in der Nase ankündigte: der Rum gefällt mir nicht! Die Umami Note schafft es auch bis hin zum Gaumen und der Gesamteindruck liegt für mich weit jenseits dessen, was ich von Velier gewohnt bin. Die Tendenz lautet für mich eher Dennis oder Kevon, wobei diese beiden jeweils eine klar höhere Qualität aufweisen meines Erachtens. Dieser Rum hebt sich für mich nicht wesentlich von diversen 1998-Vertretern anderer Abfüller ab. Der Rum ist dreckig, aber nicht auf die angenehme Weise. Fruchtigkeit oder Holzlack suche ich fast vergebens, eine natürliche Süße ist nur in geringem Ausmaß da. Dazu bilde ich mir ein, dass auch die Tannine hier schon ganz schön am Werkeln waren. Nein, ich kann mir nicht helfen, aber dieser Employee ist für mich ein Totalausfall für die Serie und gemessen an deren hohem Standard. 
Im Abgang bleibt es dann unspektakulär. Hier fühle ich mich leicht an Dennis erinnert, aber zu retten ist da nichts mehr, auch wenn hier soweit keinerlei Ausfälle mehr dazu kommen. 

-79/100-

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Velier HTR 19 YO Caroni 2000 - Basdeo "Dicky" Ramsarran:

Aller guten Dinge sind drei und so durchbricht unser dritter Rum das bisherige Muster und entstammt nicht dem Jahrgang 1998, sondern dem Vintage 2000. Da aber auch er, bzw. die für ihn verwendeten Rums, im Frühjahr 2019 von Holzfässern in Glasballons wechselten, reifte der Rum für insgesamt 19 Jahre in tropischem Klima auf Trinidad im Fass. Der 2000er der Serie ist Basdeo "Dicky" Ramsarran gewidmet, der natürlich auch ehemaliger Mitarbeiter von Caroni ist, bzw. dies sogar für einen sehr langen Zeitraum war, nämlich stolze 20 Jahre! In der Abfüllung gingen sechs Fässer Heavy Trinidad Rum Caroni 2000 auf, die insgesamt 1.251 Flaschen a 0,7 Liter und 519 Flaschen a 0,2 Liter für das Coffret ergeben haben. Somit ist dieser Rum der auflagenstärkste dieser vierten Serie. Der Angel's Share lag bei >79% und der Alkoholgehalt des Rums beträgt noch 64,3% vol.. Als besonderen Fan-Service empfinde ich es bei der Labelgestaltung dieses Rums natürlich, dass es eine Hommage an gleich zwei Single Cask Releases des gleichen Jahrgangs darstellt, nämlich an jene für Ullrich und Lion's Whisky. 

Der Dicky ist dann zunächst doch irgendwie erstmal wieder der typische 2000er. Das Profil kommt durch und Erinnerungen an die Nita schwingen direkt mit. Und in der Tat, ich habe sie ja daneben zu stehen, kommt das schon ganz gut hin und die Rums bewegen sich auf Augenhöhe! Nach allem, was ich neulich an 2000er Cask Samples im Glas hatte, ist das durchaus eine Überraschung. Die Betonung liegt hier doch sehr auf dem Brennerei-Charakter Caronis, allerdings steht der Rum gleichzeitig auch auf der fruchtigen und leicht süßen Ebene, aber genau das gefällt mir so sehr an diesem Wundertüten-Jahrgang, der diese Anleihen an die Ursprünge für meinen Geschmack meist doch etwas besser hinbekommt als der Jahrgang 1998. Richtig klasse finde ich, dass die Nase hier mit einer Art Zitrus-Side Kick daher kommt, der mich an Grapefruits erinnert. Das kannte ich von 2000 bisher so noch nicht und sorgt hier für ein stimmiges Alleinstellungsmerkmal. Der Alkohol macht sich in der Nase fast gar nicht bemerkbar, was den sehr ausgeglichenen und super balancierten Eindruck dieses Tropfens unterstreicht.
Am Gaumen setzt sich dieses Bild dann im Grunde unvermittelt fort, wie schon bei den anderen beiden Abfüllungen vor ihm. Der Rum ist lecker und bringt alles mit, was ich mir von guten 2000er Jahrgangs-Caronis erhoffe: ein starker, leicht dreckiger Brennereicharakter, eine gute aber nicht zu heftige Portion Menthol, eine schöne, natürliche Süße und geiler Holzlack! Dazu kommen hier, bedingt durch nun auch schon immerhin 19 Jahre im Fass, herrliche Tannine, die sich klasse in das Gesamtbild einfügen. Ein richtig guter, komplexer, balancierter Rum! Mhm, ja, den mag ich schon sehr! Dazu ist der Alkohol zwar nicht perfekt, aber insgesamt schon super eingebunden, was mir tendenziell schon auch immer sehr wichtig ist. Im Vergleich zur schon sehr genialen Nita muss sich der Dicky auf keinen Fall verstecken! Ich sehe beide, auch nach Vergleichen am Gaumen, definitiv auf Augenhöhe! 
Im Abgang verweilt der Rum sehr lange am Gaumen und kommt zeigt sich noch einmal von seiner dreckigen Seite! Starker Abgang! 

-94/100-

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Gesamt-Fazit: 

Zweimal Volltreffer und einmal Totalausfall! Ja, der Jahrgang 1996 war und ist der große Abwesende dieser vierten Employee Serie, das stand bereits im Vorfeld fest und kann man nicht verleugnen, aber das hat diese nicht daran gehindert trotzdem auch noch einmal mit je einem hervorragenden 1998er und 2000er aufzuwarten, wie wir das auch schon in der dritten Serie im Sommer gesehen haben! Und na klar, 1998 als auch 2000 sind keine 1996er, insofern muss ich da mit großer Begeisterung schon auch immer sehr vorsichtig sein und das ganze etwas ins Verhältnis setzen, aber ich hätte dennoch nicht gedacht, dass diese Vintages da am Ende nochmal so viele Körner zusammengekratzt bekommen und dazu im Stande sind eine so starke Performance hinzulegen! Gerade nachdem ich aus diesen beiden Jahrgängen auch ein bisschen was von dem Stoff von der Ceremony 2019 hatte, also die Fasssamples, bin ich da schon einigermaßen erstaunt, dass da teilweise solche Qualitäten noch möglich sind. Auf der anderen Seite stehen natürlich aber auch Rums wie der Brigade, die da schon wesentlich eher ins Bild dieser Verkostungen passen und tendenziell dem entsprechen, was ich da probieren konnte. Ein Rum, wie er meines Erachtens auch von Main hätte kommen und von jedem anderen x-beliebigen Abfüller hätte gebottlet werden können. Und auch wenn das jetzt despektierlich den anderen UA gegenüber klingt, so unterstreicht das doch in erster Linie den besonderen Status, den die von Velier abgefüllten, tropisch gereiften Caronis ansonsten genießen und den ihnen sicher auch niemand absprechen wollen würde. Und andererseits zeigt das aber natürlich auch, wie schmal selbst bei Velier inzwischen der Grat geworden ist auch mal daneben zu liegen. Hingegen finde ich es aber wiederum auch spannend und irgendwo konsequent zu sagen, dass man zwar zwei 1998er Caroni in einer Serie bringt, sich diese aber so deutlich voneinander unterscheiden, dass nicht der leiseste Verdacht von Willkür aufkommt. Und da ich auch schon von Leuten gehört habe, die den Brigade z.B. auch mochten, hat Velier dann am Ende des Tages vermutlich einmal mehr einfach alles richtig gemacht.

In diesem Sinne: bis demnächst!
Flo



Sonntag, 9. August 2020

Velier HTR 23 YO Caroni 1996 - Vijay "Vijay" Ranmarine

Liebe Rum Gemeinde,

aller guten Dinge sind bekanntlich drei, und daher stelle ich euch heute die dritte Abfüllung des 3rd Release der Caroni Employee Serie von Velier vor: das 23 YO Bottling aus 1996, das Vijay "Vijay" Ranmarine gewidmet wurde!



Anders als bei seinen beiden Kollegen aus dem 3rd Release, Nita "Nitz" Hogan (2000) und Ganesh "Buju" Ramgobie (1998), gibt es beim Vijay dieses mal allerdings keinerlei Premieren zu feiern (es sei denn, er wäre "divers"😏) - keine besondere Farbe beim Label oder beim Karton ansonsten, einfach 1996er Caroni, 23 Jahre alt, Trinidad Stock, Full Proof, alles schon mal da gewesen! No Worldpremiere!




















Und letztlich ist es das dann auch schon beinahe, was es zum Vijay zu sagen gibt, wenn es nur um die reinen, nüchternen Fakten geht. Wir erfahren natürlich noch, wie bei allen Employees, wie lange der jeweilige Mitarbeiter bei Caroni beschäftigt war, stolze 23 Jahre waren es bei Vijay "Vijay" Ranmarine, aber z.B. leider nichts darüber, welcher Tätigkeit er bei Caroni genau nachging. Das hätte ich jeweils sehr interessant gefunden.

Ansonsten besteht der Vijay aus nur gerade einmal 766 Flaschen - die geringste Auflage aller bisheriger Employees! Gerade einmal vier Fässer kamen hier zum Einsatz. Zum Vergleich: bei Nita Hogan waren es derer acht, bei Ganesh Ramgobie immerhin noch sieben. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Denn selbst wenn man die Menge aus der 20 cl Mini-Serie mit einrechnet, kommt man gerade einmal auf umgerechnet 900 x 0,7er Flaschen, was immer noch weniger wäre als beim Sarge letztes Jahr. Auf dem Backlabel ist eine Reifung ab 2008 in Guyana bei DDL vermerkt. Im Gegensatz zu den 1998er und 2000er Abfüllung, wo das auch drauf stand, ist das bei 1996 zumindest theoretisch auch möglich, allerdings sagen meine Quellen, dass auch beim 1996er Employee der Trinidad Stock zum Einsatz kam. Sprechen müssen wir ansonsten eventuell noch über den Ausgabe-Kurs von 435,- Euro, denn das müsste meines Wissens nach Rekord sein! Ich glaube, kein reguläres Velier-Bottling (Magnum ausgenommen) war bei Release teurer. Relativiert wird das allerdings durch den Fakt, dass der Vijay bei Release sofort ausverkauft war und nun auf dem Secondary Market noch weit höhere Preise erzielt.

Das Vintage 1996, das ist hinlänglich bekannt, zählt zu meinen absoluten Lieblings-Jahrgängen von Caroni! Ich war zwar auf die Nita "Nitz" Hogan 2000er Abfüllung noch mehr gespannt, weil sie neues, unbekanntes bot, aber am meisten Erwartungen hingen naturgemäß an der heute besprochenen Abfüllung. 1996 gilt bei Caroni als eine Art sichere Bank. Selbst die weniger guten Releases waren meist immer noch besser als jene einiger anderer Jahrgänge. Echte Ausfälle gab es nur ganz, ganz wenige. Und in diesem Jahr waren meine Erwartungen sogar nochmal höher, denn der David "Sarge" Charran letztes Jahr war meines Erachtens eine bombastisch gute Abfüllung! Hier gilt es für den Vijay anzuknüpfen oder gar diesen zu schlagen! Ob ihm das gelingt, werde ich mir nun im Direktvergleich ansehen!



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Verkostung des Velier FP HTR 23 YO Caroni 1996 - Vijay "Vijay" Ranmarine:

Preis: stolze 435,- Euro wurden für Vijay zur Ausgabe aufgerufen. Das macht ihn nicht nur zur teuersten Abfüllung der bisherigen Employee-Serie, sondern auch gleichzeitig zur teuersten regulären Caroni Abfüllung, die von Velier bisher releast wurde (Magnum Flaschen ausgenommen).

Alter: vom Jahr 1996 an bis April 2019 reifte der Rum 23 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 1996er Employees zu und auch hier ergaben die Recherchen, dass vermutlich eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 4 Fässer zu 766 Flaschen abgefüllt. Damit entfallen auf Vijay die bisher wenigsten Flaschen aller Employees. 

Angel's Share: >85% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von 64,5% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: enge, parallel zueinander verlaufende Schlieren fließen zügig die Glaswand hinab und zurück ins Glas.

Nase: mein allererster Gedanke ist erst einmal ein verhaltener, bzw. ja, schon beinahe enttäuschter. Selbstverständlich ist es für ein präzises Fazit noch viel zu früh, die Verkostung startet ja gerade erst, aber der Eindruck, dass da schon einige 1996er auf Anhieb sehr viel steiler in der Nase gingen als dieser hier, der ist da - beispielsweise war das beim Sarge der Fall, der passender Weise direkt daneben steht und mein Empfinden bestätigt! Nun ja, dann wollen wir mal sehen! Positiv, um da einmal anzusetzen, fällt mir der wenig bis gar nicht stechende Alkohol in der Nase auf, da hat die Einbindung der vielen Umdrehungen erneut richtig gut geklappt. Ansonsten wird auf jeden Fall deutlich, dass es sich um einen Caroni handelt, soviel ist klar. Ob ich den Jahrgang 1996 blind sofort erkennen würde, da bin ich allerdings unsicher. Beim Sarge fiele es mir leichter. Ich habe schon sehr viel Tannine und auch Caroni-typischen Schrottplatz dabei, der für 1996 typische recht üppige Anteil an Süße fällt hier allerdings merklich geringer aus, wenngleich er natürlich nicht gänzlich fehlt. Alles in allem habe ich aber vor allem eine schwere Glocke aus Lösungsmitteln und vor allem Menthol, die über dieser ganzen Nase hängt und den Blick auf den Rest des Bouquets zu versperren scheint. Das ist schade. Mit weiterer Standzeit, insgesamt 1,5 Stunden sind es jetzt mindestens, wird der Eindruck positiver. Die Glocke ist weg und der Caroni jetzt durchaus auch als 1996er zu erkennen! Die tropischen Früchte kommen nun zum Vorschein, wie Mango und Papaya, auch Anis habe ich einiges da. Die Mentholnote hat sich hingegen nahezu zurückgezogen. Na, das ist ja mal eine Entwicklung im Glas! Hier ist wirklich wahnsinnig viel Zeit nötig, ähnlich wie letztes Jahr beim Kevon.

Gaumen: der erste Eindruck am Gaumen gestaltet sich wesentlich positiver als jener in der Nase. Hier versteckt der Rum sein 1996er Jahrgangsprofil nicht. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und nur wenig präsent. Es bedarf schon größerer Schlucke, um dass der Rum etwas bissiger wird. Stattdessen präsentiert sich der Vijay sehr mundfüllend und adstringierend, die Mundschleimhäute ziehen sich stark zusammen und ein richtig schöner 1996-Geschmack flutet den gesamten Mundraum! Dementsprechend ja, auch der neue 1996er Employee hat ein klares, schönes 1996er Profil, garniert mit dem für mich so typischen Holzlack in Kombination mit einer tollen Süße, die mich auch beim dritten Caroni der neuen Employee-Serie an den Guyana Stock denken lassen. Der Rum bringt eine gute Fruchtigkeit von Mangos, Banenen oder Papayas an den Start, wird in der Folge dann aber auch trockener und die Tannine übernehmen das Feld! Diese bringen recht ordentliche Röstaromen mit sich, aber auch die geballte Ladung Anis, sowie leichte Anklänge von Minze. Dem Eindruck, dass der Fasseinfluss an dieser Stelle schon leicht too much ist, kann ich mich hingegen nicht ganz erwehren. Der David "Sarge" Charran im Vergleich daneben stört das bis dahin sehr positive Bild am Gaumen dann allerdings dahingehend, als dass er dem Vijay meines Erachtens doch klar überlegen ist. Er hat einfach das freakigere Profil, noch mehr von diesem 1996er Funk, noch klarere Tendenzen zum Guyana Stock, den ich über alles schätze! Der Sarge ist einfach richtig geil und ist in seiner Charakteristik unter den Trinidad Stock 1996er Caronis meines Wissens nach einzigartig. Absolut kann ich das nicht sagen, da es glaube ich ein paar ganz wenige 1996er Caronis gibt, die ich noch nicht im Glas hatte, aber ich vermute, da gibt es keinen vergleichbaren.

Abgang: der Abgang ist gewohnt langanhaltend, geht sehr schnell ins tanninig-holzige, wird immer trockener und bitterer und bringt zum Schluss auch nochmal was leicht medizinisches mit sich.

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Fazit: was lange währt, wird endlich gut! Ein Caroni, der Zeit braucht und eben auch noch mehr Zeit, als vergleichbare andere Abfüllungen. Das lief hier sehr ähnlich ab wie letztes Jahr beim Kevon "Slippery" Moreno, der auch erst nach ganz langer Verweildauer im Glas so richtig Spaß machte. Dadurch ist der Vijay dementsprechend gleichsam wenig geeignet für einen Dram nach spontanem Entschluss. Davon abgesehen ist der Vijay aber ein ordentlicher, grundsolider 1996er Trinidad Stock Caroni, wenn auch keiner, der herausragt (u.a. auch deshalb, weil er leicht über seinen Zenit ist). Die 94 Punkte, die ich ihm gebe, sind dementsprechend eine eher nüchterne Wertung für einen 1996er, demonstrieren auf der anderen Seite aber auch sehr schön die absolute Extra-Klasse dieses Vintages, bei dem eine eher durchschnittliche Abfüllung (im Vergleich innerhalb des Jahrgangs) immer noch so viele Punkte erreicht wie Top-Abfüllungen aus 1998 oder 2000, die jeweils auch 94 Punkte erhielten. Die nur 766 existierenden Flaschen werden natürlich dafür Sorge tragen, dass dieses Bottling zu den gejagten Caronis zählen wird, aber ich wage gleichsam die Prognose, dass der Rum, anders als der Sarge letztes Jahr, wenig von Trinkern und zum Öffnen gesucht werden wird. Und das wiederum hängt selbstverständlich auch damit zusammen, dass es inzwischen, anders als in den letzten Jahren, mit dem "Last Caroni" Guyana Stock einen 1996er Caroni gibt, der sich dafür sehr viel eher eignet, auf Grund von Stückzahl und Markt-Kursen, als eben die Employees. Darüber hinaus schmeckt er mir aber auch noch besser, als die allermeisten anderen Caronis. Wer mich also fragt, welchen Caroni er sich holen soll, bekommt von mir die immer gleiche Antwort: den "Last" (oder den Hangar 1992 Full Proof mit 60,21%, wenn es etwas besonderer sein soll)! Daran hat sich auch heute nichts verändert.

-94/100-

Ein Dank geht abschließend noch an Goose Nova aus Frankreich, der auch diese Abfüllung geteilt hat. Merci beaucoup!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. August 2020

Velier HTR 21 YO Caroni 1998 - Ganesh "Buju" Ramgobie

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem Nita "Nitz" Hogan als erste weibliche Employee der bisherigen Velier-Caroni Serie letzte Woche den Anfang gemacht hat, geht es heute mit Ganesh "Buju" Ramgobie weiter, dem der neue 1998er Employee gewidmet ist.



Und genau wie beim 2000er Bottling dürfen wir auch heute una World Premiere😉 feiern, wir sehen nämlich den ersten Velier Caroni in himmelblauer Optik! Nein, das ist sicher nicht so aufregend wie die erste Frau auf dem Label oder der erste 2000er Full Proof mit stärkerer Auflage, aber hey: World Premiere ist World Premiere! Es wundert mich eigentlich nur, dass das nicht auf dem Label vermerkt war.😆 So, aber nun ist gut.😎




















Tatsächlich gibt es über die 1998er Abfüllung des 3rd Employee Release erst einmal wenig aufregendes zu sagen. Wir erfahren auf dem Backlabel, dass Ganesh "Buju" Ramgobie insgesamt zehn Jahre bei Caroni gearbeitet hat, womit er zumindest schon mal unmittelbar in die Fußstapfen seines Jahrgangs-Vorgängers Kevon "Slippery" Moreno tritt, der ebenfalls zehn Jahre bei Caroni gearbeitet hat.

Nun sind die 1998er Caronis ja nicht gerade als meine Lieblinge bekannt - im Gegenteil, es handelt sich bei diesem Jahrgang vermutlich sogar um den meines Erachtens schwächsten der gesamten 1990er Jahre von Velier, wenn man jetzt nur mal auf die Auflagen-starken Jahrgänge (1992, 1994, 1996, 1998, 2000) schaut. Anders als letzte Woche beim 2000er, als ich dem Tasting richtig entgegen fieberte, gehe ich das ganze heute also deutlich nüchterner an. Ich erwarte weder viel, noch spekuliere ich auf große Überraschungen. Was dennoch wichtig ist, ist die korrekte Einordnung dieser Worte in mein Geschmacksbild. Denn was nun ziemlich despektierlich klingt, ist in Wahrheit noch immer Kritik auf ganz hohem Niveau! Denn auch wenn ich die 1998er im internen Caroni-Ranking als eher schwach ansehe, so schlagen diese Rums im Gesamtvergleich aller Destillerien die meisten derer noch immer mit links. Und so gingen Dennis "X" Gopaul und Kevon "Slippery" Moreno denn auch beide mit stolzen 93 Punkten aus ihren Verkostungen. Nun allerdings muss man das wiederum zu lesen wissen: was bei vielen Reviewern jetzt schon eine absolute Top-Wertung wäre, weil bei den meisten schon bei 95 Punkten das Ende erreicht ist, ist bei mir eben noch die Vorstufe zum wirklich letzten, absoluten Spitzenbereich. Ich nutze die 100er Skala also bis ganz nach oben aus.

Was können wir über den Ganesh Caroni noch sagen? Nun, er besteht aus dem Inhalt von insgesamt sieben Fässern des Jahrgangs 1998 und ergab am Ende noch 1.295 Flaschen. Ich sprach es letzte Woche schon an, in diese Rechnung sind die Mini-Bottlings noch nicht mit einbezogen. Insofern haben die sieben Fässer wohl schon noch etwas mehr hergegeben, als es hier auf den ersten Blick scheint. Preislich lagen wir bei 395,- Euro zu Ausgabe - ja, waren, denn der Rum war innerhalb weniger Minuten sofort vergriffen und generiert daher nur noch Secondary-Preise von ca. 600,- Euro. Inwiefern das alles gerechtfertigt ist, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist: so lange tropisch gereifter Stoff in dieser Qualität ist, gemessen an der Nachfrage, extrem rar. Und Stoff dieses Geschmacksprofils gar wird wohl nie wieder kommen. Insofern finde ich es nachvollziehbar, dass Menschen, die das realisiert haben, bereit sind extreme Summen für derlei Rum auf den Tisch zu legen. Kurios ist, um auf das Bottling selbst zurückzukommen, und auch bei der Nita fand sich dieser Hinweis schon, dass es sich laut Backlabel um Fässer des Guyana Stocks halten soll, wobei es meines Wissens nach keine Fässer aus 1998 nach Guyana geschafft haben. Dies war lediglich einigen Fässern aus 1992, 1994 und 1996 vorbehalten - wie gesagt: so weit ich weiß. Aber die Info ist eigentlich schon ziemlich safe. Daher kommen wir nun direkt zur Verkostung und hier sei angemerkt, dass ich den Ganesh heute mit einem seiner Vorgänger vergleichen möchte, nämlich mit Dennis X Gopaul. Diesen sah ich relativ gleich auf mit dem Kevon, allerdings erfreut er sich in der Rum Welt insgesamt deutlich größerer Beliebtheit als dieser. Daher heute das Duell Ganesh vs. Dennis!


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Verkostung des Velier FP HTR 21 YO Caroni 1998 - Ganesh "Buju" Ramgobie:

Preis: mit einem Ausgabepreis von 395,- Euro blieb der 1998er Employee des 3rd Release noch einmal (und vermutlich ein letztes mal) ganz knapp unter der 400,- Euro Marke.

Alter: vom Jahr 1998 an bis April 2019 reifte der Rum 21 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 1998er zu und auch ein wenig Recherche ergab, dass hier eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 7 Fässer zu 1.295 Flaschen abgefüllt. Damit ist der Ganesh die auflagestärkste Abfüllung der 3. Employee-Serie.

Angel's Share: >80% gingen an glückliche Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von genau 67% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: der Caroni bildet parallele, relativ eng zueinander verlaufende Schlieren, die recht zügig an der Glaswand hinablaufen.

Nase: ouhh, Überraschung! Mein erster Eindruck ist extrem positiv, so hatte ich 1998 eher weniger in Erinnerung. Da bin ich ja mal gespannt, was der Ganesh uns heute noch bereit hält! In der Nase wird allerdings zunächst erst einmal deutlich, dass die Reife-Entwicklung bei den Caronis auch vor diesem Bottling keineswegs halt gemacht hat. Insbesondere im direkten Vergleich zum Dennis "X" Gopaul wird das offenkundig. Das kann man mögen, ich selbst bin großer Fan dieser extremen tropischen Reifung, hingegen kenne ich auch viele Connaisseure, die diesem Prozess auch in entschlossener Abneigung gegenüber stehen. Ein klarer Kontrast zueinander besteht zwischen den beiden 1998ern auch in der Einbindung des Alkohols. Wo der Dennis noch immer ganz schön sticht, hat sich die alkoholische Schärfe beim Ganesh vergleichsweise schnell verzogen. Zwar braucht auch er einiges an Zeit zum Atmen, aber die 67% vol. kommen definitiv deutlich smother daher als die 69,5% vol. des Dennis. Hinter der Wand aus Alkohol erwartet mich dann beim Ganesh ein deutlich tanninigeres Bouquet als es der Dennis noch bot, finde aber auch gleichzeitig ein Mehr an natürlicher Süße vor, wo beim Dennis noch sehr viel dreckigere Eindrücke die Überhand hatten. Nach ca. 1,5 Stunden im Glas habe ich das Gefühl, dass der Rum wirklich angekommen ist. Zu den sehr schweren tanninigen Eindrücken mit zarter Süße, die mich nun sogar ein wenig an den Skeldon 1978 erinneren, gesellen sich Trockenfrüchte, leichte Lösungsmittel, Orangenzeste, Mangos, Papayas, Bourbon Vanille und Anis. Nach hinten heraus ist da auch noch ein bisschen sehr trockene Bitterschoki. Die für 1998er so typische Umami-Note ist nur schwach wahrnehmbar, aber vorhanden. Die dreckigeren Assoziationen, wie die zu verbranntem Gummi oder Teer muss man wirklich suchen. Blind könnte ich hier vielleicht wirklich eher auf einen Demerara Rum tippen. Der Dennis erscheint dagegen ausgewogener und etwas dreckiger als der Ganesh. Den tanninigen Einschlag hat er merklich schwächer. Nach ca. zwei Stunden geht der Rum ein wenig ins minzige. Die Veränderung, die der Rum im Glas durchlebt ist bemerkenswert und spricht für die doch gesteigerte Komplexität, die dieses Bouquet insgesamt zu bieten hat!

Gaumen: am Gaumen überrascht mich der Ganesh neuerlich! Denn der extrem leckere Eindruck, der mich schon in der Nase erst einmal unerwartet traf, setzt sich auch am Gaumen fort. Der Alkohol ist tatsächlich extrem gut eingebunden, hier wird der Unterschied zum Dennis erneut so richtig deutlich. Alkoholische Schärfe ist wirklich nur ganz minimal vorhanden und zeigt sich einzig durch ein angenehmes Prickeln auf der Zunge. Der Dennis hingegen brennt im Vergleich schon ganz ordentlich! Als nächstes fällt eine angenehme und für 1998 schon überaus ausgeprägte natürliche Süße auf, die mich, warum auch immer, jedes Mal an eine Art Holzlack erinnert. Ich bin sicher, die Assoziation ist eine andere, aber ich bekomme die wenn, dann seit Jahren nun schon nicht korrekt abgerufen. Da ist sensorisch also noch Luft nach oben. Es ist diese Süße, die ich eigentlich dem Guyana Stock zuordne, weswegen ich mich, wie schon bei der Nita, frage, ob die Info auf dem Backlabel nicht doch korrekt ist. Hier besteht dann gleichzeitig auch der größte Unterschied zum Dennis, der diese Süße fast gar nicht hat, dafür aber vor dreckigen Assoziationen nur so strotzt, die wiederum dem Ganesh fast gänzlich abgehen. Im Vergleich wirkt der Dennis hier schon fast eindimensional. Der Ganesh ist ungemein fruchtig, kommt von dieser Fruchtigkeit dann ins trockenere. Jetzt kommen auch die Tannine ordentlich raus und bringen feine, subtile Röstaromen mit sich. Ein wenig Platz ist dann auch noch für den 1998er Teer und den verbrannten Fahrradschlauch, aber das ist schon wirklich minimal. Zum Ende hin wird dann Anis immer mehr und zuletzt auch sehr dominant, was ich gern mag. Sehr starker Rum, der auch am Gaumen mit extremer Komplexität und Tiefe glänzt!

Abgang: lang anhaltend! Dreckiger Abgang, das ist jetzt typisch 1998! Erinnerungen an die Nita kommen hoch, als das jahrgangstypische auch erst im Abgang nochmal so richtig heraus kam. Der Rum wird dann aber schnell trockener und bitterer. Wobei das noch fast untertrieben ist, denn ich würde das schon als staubtrocken bezeichnen. Fast ist es, als würde der Rum nach dem letzten Schluck zu Pulver verfallen. Dann folgt noch ein krass medizinischer Einschlag, bevor er dann aber auch wirklich weg ist.

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Fazit: der Ganesh ist für einen 1998er Caroni schon sehr untypisch! Vor allem im Vergleich mit einem Arche-1998er, wie dem Dennis, zeigte sich das deutlich. Aber: eben gerade deshalb gefiel mir der Rum wirklich ausgesprochen gut! Mehr noch, das ist der allererste 1998er, bei dem ich, zumindest zum Ausgabekurs, sage: okay, der ist es mir wert! Das bedeutet aber natürlich auch: wer vielleicht ein "Die Hard 1998"-Fan ist, der könnte möglicherweise enttäuscht werden, auch wenn ich mir das ehrlicherweise nur schwer vorstellen kann. Deutlich eher als Ausschlusskriterium taugt da aus meiner Sicht die schon sehr fortgeschrittene Reife, zumindest für die Connaisseure, die sich auch bisher schon eher bei den Caronis mit bis zu 20 Jahren Reife gesehen haben. Versteht mich bitte nicht falsch, aus meiner Sicht ist der Ganesh keinesfalls overaged, im Gegenteil, ich finde diesen Reifeprozess bis in die Spitze hinein großartig und genau auf den Punkt, aber man muss darauf eben auch stehen. Und wer da partout nicht vermag, sich dafür zu begeistern, der könnte mit dem Ganesh am Ende dann auch falsch liegen. Wenn, dann allerdings nicht nur mit dem, ihr ahnt es, sondern ich fürchte, dann ist für diejenigen der Caroni-Zug tatsächlich abgefahren, bzw. es bliebe nur das teure Shopping früherer Bottlings auf dem Secondary. Aber in dem Punkt erzähle ich ja hier niemandem noch etwas neues. In diesem Sinne...

-94/100-

Ein Dank geht abschließend noch an Goose Nova aus Frankreich, der diese Abfüllung geteilt hat. Merci!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 26. Juli 2020

Velier HTR 19 YO Caroni 2000 - Nita "Nitz" Hogan

Liebe Rum Gemeinde,

die neuen Employees von Velier sind da! Wie in den beiden vergangenen Jahren, so stelle ich euch auch in diesem Jahr die aktuelle Range vor und würde sagen, ich beginne am besten mit derjenigen der drei Abfüllungen, auf die ich am meisten gespannt war, nämlich auf den Jahrgang 2000. Und so sage ich dann gleichsam: Ladies first!


Denn ganz recht, erstmals hat es mit Nita „Nitz“ Hogan eine weibliche Ex-Employee Caronis auf das Frontlabel und damit in die Serie geschafft! Eine willkommene Abwechslung, wie ich finde - und noch dazu hoch verdient! Denn auf dem Backlabel der Flasche befindet sich der Hinweis, dass die Frau ganze 30(!!) Jahre bei Caroni gearbeitet hat und somit noch vor 1975, also zu einer Zeit dort angestellt wurde, als Caroni noch teilweise zu Tate & Lyle gehört hat. Meine Hochachtung! Allerdings kann das ihr gewidmete Bottling auch in anderer Hinsicht mit einer Premiere aufwarten, denn die Abfüllung ist tatsächlich die allererste des Jahrgangs 2000 von Velier, der in Full Proof abgefüllt wurde ohne gleichzeitig ein Single Cask zu sein. Sämtliche bisherige 2000er waren entweder verdünnt oder eben Single Casks. In die insgesamt 39 Abfüllung umfassenden Regular Releases hat es nie ein Caroni 2000 geschafft!




















Somit habe ich dieser Abfüllung gerade deshalb so entgegengefiebert, weil ich mir neue Erkenntnisse davon verspreche und sicher bin, nicht etwas zu probieren, was man so oder so ähnlich nun doch schon das eine oder andere mal probieren konnte. Versteht mich nicht falsch, ich schätze insbesondere den Jahrgang 1996 wirklich außerordentlich, aber man weiß eben grob was man bekommt. Das ist bei diesem 2000er nun anders! Klar, wir kennen grob das Jahrgangs-Profil, aber die Qualität dieses Jahrgangs gab sich bisher leider oft auch schwankend und wechselhaft. Von grundsolide (12er, EU-Bottling), über eher enttäuschend (EATALY, 100th Anniversary-Bottling, Millennium Magnum) bis hin zu herausragend (Nectar, Ullrich, Juuls) war quasi alles dabei. Dabei zeigte sich, dass die Rums zwar nicht per se über die Maßen unter der Verdünnung litten, aber bemerkbar machte sie sich eben doch. Die Single Casks in Full Proof wiederum waren echte Monster! Hier suchte man Easy Sippin' vergebens, was bei über 70% vol. allerdings auch nicht unbedingt verwunderlich ist. Nun hat die Nita allerdings knapp 5% vol. weniger im Tank, kommt mit vergleichsweise leichten 65,2% vol. daher, und ist auch nochmal deutlich älter als die meisten bisherigen Single Casks. Ich gehe davon aus, dass sich das bemerkbar macht und insofern bin ich gespannt, was für einen Rum ich da heute ins Glas bekomme! Parallel vergleichen werde ich den Employee heute allerdings nicht mit einem der herausragenden Single Casks, sondern mit dem EU-Caroni. Das hat zwei Gründe. Zum einen kennen den EU-Caroni vermutlich die meisten Leser und können mit dem Vergleich etwas anfangen und zum anderen ist der EU-Caroni für mich unter jenen 2000er Abfüllungen, die zum trinken auch ganz realistisch noch in Frage kommen, die beste. Da sind die Single Casks einfach raus, da ich sie zu den inzwischen aufgerufenen Kursen wohl nicht mehr kaufen, geschweige denn öffnen würde. Insofern muss sich der Employee gegen den EU-Caroni beweisen, denn auch diesen gilt es ja erst einmal zu schlagen.



Aufgegangen sind in dieser Abfüllung insgesamt acht Fässer des Jahrgangs 2000, die eine Auflage von noch 1.247 Flaschen erreichten. Kurz nachgerechnet hieße das, dass jedes Fass noch ca. 150 Flaschen Rum ergeben hätten, bzw. dass sich pro Fass nur noch ca. 110 Liter Rum darin befunden hätten. Allerdings kommen ja auch noch die Mini-Employees. Insofern waren es dann also noch etwas mehr, aber man sieht, gerade im Vergleich zu dem, was Caroni-Fässer früher ergaben (durch das permanente Auf- und Umschütten), dass nicht nur die Fässer immer weniger werden, sondern dass auch deren Inhalt weniger ergiebig wird. Auf dem Backlabel erfährt man dementsprechend auch, dass der Angel's Share einmal mehr bei ca. 80% lag. Allerdings erfährt man dort auch, dass der Rum ab 2008 bei DDL in Guyana gelegen haben soll, was ich wiederum für sehr unwahrscheinlich halte. Denn bisher lagen alle 2000er komplett auf Trinidad. In Guyana reiften ab 2008 nach meiner Kenntnis nur Rums der Vintages 1992, 1994 und 1996 nach. Im April 2019 jedenfalls wanderte der gesamte Inhalt aller Caroni Fässer von Velier in Glasballons oder Stahltanks, so dass die Alterung ab diesem Zeitpunkt aussetzte. Darum ist der Rum auch, trotz Abfüllung in 2020, nur 19 Jahre alt.

Battle 2000: Nita "Nitz" Hogan Employee Full Proof Caroni 19 YO vs. EU-High Proof Caroni 17 YO

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Verkostung des Velier FP HTR 19 YO Caroni 2000 - Nita "Nitz" Hogan:

Preis: Nita "Nitz" Hogan war die günstigste der drei Abfüllungen des 3rd Employee Release. Der Ausgabekurs war 385,- Euro.

Alter: vom Jahr 2000 an bis April 2019 reifte der Rum 19 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 2000er zu und auch ein wenig Recherche ergab, dass hier eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 8 Fässer zu 1.247 Flaschen abgefüllt.

Angel's Share: >79% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von 65,2% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: sehr ölig legt sich der Rum an die Glaswand und läuft in engen, parallelen Schlieren daran herab.

Nase: ohh ja, der Jahrgang 2000 ist erwachsen geworden! Gut, dass ich mir parallel auch nochmal den EU Caroni eingeschenkt habe, anhand dessen dass auch noch einmal deutlicher wird als ohnehin schon. Ich finde hier direkt alles, was ich mit Caroni verknüpfe und auch, was ich mit dem Jahrgang 2000 verknüpfe: der Rum ist dreckig! Ja, er ist reifer geworden und er kaschiert es so stark wie noch kein 2000er vor ihm, aber wir befinden uns noch immer zweifelsfrei auf einem Schrottplatz. Das bekommt insbesondere der Jahrgang 1996 gänzlich anders verborgen. Im Gegensatz zu früheren Full Proof 2000ern fällt auf, dass die Nase vom Start weg zugänglicher ist. Wo ich bei einigen der Single Casks erst einmal eine Stunde und länger warten musste, insbesondere bei den Blenders Gläsern fiel das auf, kann ich am Employee quasi vom Start weg schnuppern. Der Alkohol ist hier also wesentlich besser eingebunden als bei früheren Full Proofs mit über 70% vol. Da hat die Nita mit ihren 65,2% schon einiges an Power eingebüßt, was mir persönlich besser gefällt. Anstatt mir also die Nasenschleimhäute zu verätzen gibt sie quasi kampflos ihr Bouquet preis und das hat es durchaus in sich. Lösungsmittel, Klebstoffe, aber auch Süße und Fruchtigkeit kommen etwas weniger raus als bei anderen Jahrgängen, sind aber natürlich deutlich vorhanden. Was, neben Teer und verbranntem Gummi, sehr dominant rüber kommt, sind Trockenfrüchte, Nüsse und Tannine, was die fortgeschrittene Reife des Rums gut dokumentiert. Nach hinten heraus habe ich Menthol und Anis. Parallel rieche ich immer wieder auch am EU-Caroni, der im Vergleich zur Nita tatsächlich eher schwächlich anmutet. Da bietet der 19 Jahre alte Stoff also schon klar mehr.

Gaumen: der Gaumen überrascht mich direkt beim ersten Schluck! In der Premieren-Verkostung und da beim ersten Schluck empfand ich den Rum kurz als etwas zu dünn geraten. Im zweiten Schluck relativierte sich das dann aber direkt und bei der nachfolgenden Verkostung hatte ich diesen Eindruck dann auch im ersten Schluck nicht mehr. Ein schönes Beispiel dafür, warum es immer wieder Sinn ergibt mehrfach zu testen! Bei der zweiten Verkostung hatte ich auch mehr noch als in der ersten das Gefühl beim ersten Schluck, dass das schon ein ziemlicher Hammer-Caroni ist! Auffällig ist einerseits der wirklich ungemein gut eingebundene Alkohol, das ist bei 2000er Full Proof Caronis eine gänzlich neue Erfahrung. Im Anschluss daran habe ich aber auch andererseits diese eigenartige Mischung aus Holzlack und Süße, die ich so eigentlich nur von den Guyana Stocks kenne und die ich unfassbar lecker finde! Ob das Label am Ende doch die Wahrheit gesagt hat? Offenkundig scheint mir, dass der Rum aus meiner Sicht, auch im vergleich zu früheren Abfüllungen, sehr von der fortgeschrittenen Reife profitiert. Ansonsten finde ich eigentlich alles, was in einen  guten Caroni hineingehört. Er ist angenehm fruchtig, das hat er früheren 2000ern z.B. voraus, und bekommt den Spagat aus Stil-Spezifikation und Erwachsenheit sehr gut hin. Mir gefällt der Caroni am Gaumen sehr viel besser als die Nase! Im direkten Vergleich fällt beim EU-Caroni hingegen vor allem die nicht unerhebliche Verdünnung auf. Klar, das ist auch immer noch ein leckerer Rum, aber den Vergleich verliert er mehr als deutlich.

Abgang: nach hinten heraus gestaltet sich das ganze dann nochmal sehr dreckig, da grüßt der Brennerei-Charakter aber nochmal standesgemäß! Ansonsten geht der Rum alsbald ins trockene über, ich habe noch Tannine und Walnuss. Der Abgang hält wirklich lange an, ich hatte den Rum auch nach Stunden noch im Mund.

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Fazit: die Erwartungen waren hoch, zumindest bei mir, aber Velier hat dennoch einmal mehr geliefert! Ich war gespannt, ob der Rum noch immer dieses für 2000 bisher so typisch puristische hat, oder ob die Reife den Rum einfach nur einreiht in die vielen anderen Caronis aus anderen Jahrgängen im vergleichbaren Alter. Und herausgekommen ist: ein Hybrid! Na klar, der Rum gibt sich sehr viel erwachsener, insbesondere im Hinblick auf die erst 15 Jahre alten Single Casks von vor fünf Jahren, aber man könnte ihn dennoch eher weniger mit einem Caroni anderer Jahrgänge verwechseln. Klar, die dreckigen Komponenten erlauben auch Assoziationen zum Jahrgang 1998, aber für diesen ist er wieder zu fruchtig, hat zu viel von dieser natürlichen Süße. Für einen 1996er aber z.B. ist er wiederum klar zu ruppig und zu dreckig. Insofern eben der Hybrid. Das ist natürlich gewöhnungsbedürftig, insbesondere da viele Connaisseure eine bevorzugte Linie haben, aber mir gefällt das sehr gut. Besser als die bisher besten 1998er die ich hatte, aber nicht so gut wie die richtig geilen 1996er, 1994er oder 1992er. Das passt also schon so und ordnet sich dort ein, wo ich den Jahrgang 2000 bisher auch gesehen habe.

-94/100-


Ein Dank geht abschließend noch an den Mr. FT, der auch diese Abfüllung geteilt hat. Vielen Dank!

Bis demnächst,
Flo