Sonntag, 9. August 2020

Velier HTR 23 YO Caroni 1996 - Vijay "Vijay" Ranmarine

Liebe Rum Gemeinde,

aller guten Dinge sind bekanntlich drei, und daher stelle ich euch heute die dritte Abfüllung des 3rd Release der Caroni Employee Serie von Velier vor: das 23 YO Bottling aus 1996, das Vijay "Vijay" Ranmarine gewidmet wurde!



Anders als bei seinen beiden Kollegen aus dem 3rd Release, Nita "Nitz" Hogan (2000) und Ganesh "Buju" Ramgobie (1998), gibt es beim Vijay dieses mal allerdings keinerlei Premieren zu feiern (es sei denn, er wäre "divers"😏) - keine besondere Farbe beim Label oder beim Karton ansonsten, einfach 1996er Caroni, 23 Jahre alt, Trinidad Stock, Full Proof, alles schon mal da gewesen! No Worldpremiere!




















Und letztlich ist es das dann auch schon beinahe, was es zum Vijay zu sagen gibt, wenn es nur um die reinen, nüchternen Fakten geht. Wir erfahren natürlich noch, wie bei allen Employees, wie lange der jeweilige Mitarbeiter bei Caroni beschäftigt war, stolze 23 Jahre waren es bei Vijay "Vijay" Ranmarine, aber z.B. leider nichts darüber, welcher Tätigkeit er bei Caroni genau nachging. Das hätte ich jeweils sehr interessant gefunden.

Ansonsten besteht der Vijay aus nur gerade einmal 766 Flaschen - die geringste Auflage aller bisheriger Employees! Gerade einmal vier Fässer kamen hier zum Einsatz. Zum Vergleich: bei Nita Hogan waren es derer acht, bei Ganesh Ramgobie immerhin noch sieben. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Denn selbst wenn man die Menge aus der 20 cl Mini-Serie mit einrechnet, kommt man gerade einmal auf umgerechnet 900 x 0,7er Flaschen, was immer noch weniger wäre als beim Sarge letztes Jahr. Auf dem Backlabel ist eine Reifung ab 2008 in Guyana bei DDL vermerkt. Im Gegensatz zu den 1998er und 2000er Abfüllung, wo das auch drauf stand, ist das bei 1996 zumindest theoretisch auch möglich, allerdings sagen meine Quellen, dass auch beim 1996er Employee der Trinidad Stock zum Einsatz kam. Sprechen müssen wir ansonsten eventuell noch über den Ausgabe-Kurs von 435,- Euro, denn das müsste meines Wissens nach Rekord sein! Ich glaube, kein reguläres Velier-Bottling (Magnum ausgenommen) war bei Release teurer. Relativiert wird das allerdings durch den Fakt, dass der Vijay bei Release sofort ausverkauft war und nun auf dem Secondary Market noch weit höhere Preise erzielt.

Das Vintage 1996, das ist hinlänglich bekannt, zählt zu meinen absoluten Lieblings-Jahrgängen von Caroni! Ich war zwar auf die Nita "Nitz" Hogan 2000er Abfüllung noch mehr gespannt, weil sie neues, unbekanntes bot, aber am meisten Erwartungen hingen naturgemäß an der heute besprochenen Abfüllung. 1996 gilt bei Caroni als eine Art sichere Bank. Selbst die weniger guten Releases waren meist immer noch besser als jene einiger anderer Jahrgänge. Echte Ausfälle gab es nur ganz, ganz wenige. Und in diesem Jahr waren meine Erwartungen sogar nochmal höher, denn der David "Sarge" Charran letztes Jahr war meines Erachtens eine bombastisch gute Abfüllung! Hier gilt es für den Vijay anzuknüpfen oder gar diesen zu schlagen! Ob ihm das gelingt, werde ich mir nun im Direktvergleich ansehen!



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Verkostung des Velier FP HTR 23 YO Caroni 1996 - Vijay "Vijay" Ranmarine:

Preis: stolze 435,- Euro wurden für Vijay zur Ausgabe aufgerufen. Das macht ihn nicht nur zur teuersten Abfüllung der bisherigen Employee-Serie, sondern auch gleichzeitig zur teuersten regulären Caroni Abfüllung, die von Velier bisher releast wurde (Magnum Flaschen ausgenommen).

Alter: vom Jahr 1996 an bis April 2019 reifte der Rum 23 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand laut Label bis 2008 auf Trinidad statt, bevor die Fässer dann weiter zu DDL nach Guyana kamen. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie zu 100% auf Trinidad statt fand. Das traf bisher auf alle 1996er Employees zu und auch hier ergaben die Recherchen, dass vermutlich eher ein Labelfehler vorliegt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 4 Fässer zu 766 Flaschen abgefüllt. Damit entfallen auf Vijay die bisher wenigsten Flaschen aller Employees. 

Angel's Share: >85% gingen an die Engel. 

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum hat noch eine Stärke von 64,5% vol..

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles, goldbraunes Mahagoni. 

Viskosität: enge, parallel zueinander verlaufende Schlieren fließen zügig die Glaswand hinab und zurück ins Glas.

Nase: mein allererster Gedanke ist erst einmal ein verhaltener, bzw. ja, schon beinahe enttäuschter. Selbstverständlich ist es für ein präzises Fazit noch viel zu früh, die Verkostung startet ja gerade erst, aber der Eindruck, dass da schon einige 1996er auf Anhieb sehr viel steiler in der Nase gingen als dieser hier, der ist da - beispielsweise war das beim Sarge der Fall, der passender Weise direkt daneben steht und mein Empfinden bestätigt! Nun ja, dann wollen wir mal sehen! Positiv, um da einmal anzusetzen, fällt mir der wenig bis gar nicht stechende Alkohol in der Nase auf, da hat die Einbindung der vielen Umdrehungen erneut richtig gut geklappt. Ansonsten wird auf jeden Fall deutlich, dass es sich um einen Caroni handelt, soviel ist klar. Ob ich den Jahrgang 1996 blind sofort erkennen würde, da bin ich allerdings unsicher. Beim Sarge fiele es mir leichter. Ich habe schon sehr viel Tannine und auch Caroni-typischen Schrottplatz dabei, der für 1996 typische recht üppige Anteil an Süße fällt hier allerdings merklich geringer aus, wenngleich er natürlich nicht gänzlich fehlt. Alles in allem habe ich aber vor allem eine schwere Glocke aus Lösungsmitteln und vor allem Menthol, die über dieser ganzen Nase hängt und den Blick auf den Rest des Bouquets zu versperren scheint. Das ist schade. Mit weiterer Standzeit, insgesamt 1,5 Stunden sind es jetzt mindestens, wird der Eindruck positiver. Die Glocke ist weg und der Caroni jetzt durchaus auch als 1996er zu erkennen! Die tropischen Früchte kommen nun zum Vorschein, wie Mango und Papaya, auch Anis habe ich einiges da. Die Mentholnote hat sich hingegen nahezu zurückgezogen. Na, das ist ja mal eine Entwicklung im Glas! Hier ist wirklich wahnsinnig viel Zeit nötig, ähnlich wie letztes Jahr beim Kevon.

Gaumen: der erste Eindruck am Gaumen gestaltet sich wesentlich positiver als jener in der Nase. Hier versteckt der Rum sein 1996er Jahrgangsprofil nicht. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und nur wenig präsent. Es bedarf schon größerer Schlucke, um dass der Rum etwas bissiger wird. Stattdessen präsentiert sich der Vijay sehr mundfüllend und adstringierend, die Mundschleimhäute ziehen sich stark zusammen und ein richtig schöner 1996-Geschmack flutet den gesamten Mundraum! Dementsprechend ja, auch der neue 1996er Employee hat ein klares, schönes 1996er Profil, garniert mit dem für mich so typischen Holzlack in Kombination mit einer tollen Süße, die mich auch beim dritten Caroni der neuen Employee-Serie an den Guyana Stock denken lassen. Der Rum bringt eine gute Fruchtigkeit von Mangos, Banenen oder Papayas an den Start, wird in der Folge dann aber auch trockener und die Tannine übernehmen das Feld! Diese bringen recht ordentliche Röstaromen mit sich, aber auch die geballte Ladung Anis, sowie leichte Anklänge von Minze. Dem Eindruck, dass der Fasseinfluss an dieser Stelle schon leicht too much ist, kann ich mich hingegen nicht ganz erwehren. Der David "Sarge" Charran im Vergleich daneben stört das bis dahin sehr positive Bild am Gaumen dann allerdings dahingehend, als dass er dem Vijay meines Erachtens doch klar überlegen ist. Er hat einfach das freakigere Profil, noch mehr von diesem 1996er Funk, noch klarere Tendenzen zum Guyana Stock, den ich über alles schätze! Der Sarge ist einfach richtig geil und ist in seiner Charakteristik unter den Trinidad Stock 1996er Caronis meines Wissens nach einzigartig. Absolut kann ich das nicht sagen, da es glaube ich ein paar ganz wenige 1996er Caronis gibt, die ich noch nicht im Glas hatte, aber ich vermute, da gibt es keinen vergleichbaren.

Abgang: der Abgang ist gewohnt langanhaltend, geht sehr schnell ins tanninig-holzige, wird immer trockener und bitterer und bringt zum Schluss auch nochmal was leicht medizinisches mit sich.

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Fazit: was lange währt, wird endlich gut! Ein Caroni, der Zeit braucht und eben auch noch mehr Zeit, als vergleichbare andere Abfüllungen. Das lief hier sehr ähnlich ab wie letztes Jahr beim Kevon "Slippery" Moreno, der auch erst nach ganz langer Verweildauer im Glas so richtig Spaß machte. Dadurch ist der Vijay dementsprechend gleichsam wenig geeignet für einen Dram nach spontanem Entschluss. Davon abgesehen ist der Vijay aber ein ordentlicher, grundsolider 1996er Trinidad Stock Caroni, wenn auch keiner, der herausragt (u.a. auch deshalb, weil er leicht über seinen Zenit ist). Die 94 Punkte, die ich ihm gebe, sind dementsprechend eine eher nüchterne Wertung für einen 1996er, demonstrieren auf der anderen Seite aber auch sehr schön die absolute Extra-Klasse dieses Vintages, bei dem eine eher durchschnittliche Abfüllung (im Vergleich innerhalb des Jahrgangs) immer noch so viele Punkte erreicht wie Top-Abfüllungen aus 1998 oder 2000, die jeweils auch 94 Punkte erhielten. Die nur 766 existierenden Flaschen werden natürlich dafür Sorge tragen, dass dieses Bottling zu den gejagten Caronis zählen wird, aber ich wage gleichsam die Prognose, dass der Rum, anders als der Sarge letztes Jahr, wenig von Trinkern und zum Öffnen gesucht werden wird. Und das wiederum hängt selbstverständlich auch damit zusammen, dass es inzwischen, anders als in den letzten Jahren, mit dem "Last Caroni" Guyana Stock einen 1996er Caroni gibt, der sich dafür sehr viel eher eignet, auf Grund von Stückzahl und Markt-Kursen, als eben die Employees. Darüber hinaus schmeckt er mir aber auch noch besser, als die allermeisten anderen Caronis. Wer mich also fragt, welchen Caroni er sich holen soll, bekommt von mir die immer gleiche Antwort: den "Last" (oder den Hangar 1992 Full Proof mit 60,21%, wenn es etwas besonderer sein soll)! Daran hat sich auch heute nichts verändert.

-94/100-


Nutzer der Rum Tasting Notes App finden den Rum hier:

Velier Heavy Trinidad Rum 23 YO Caroni 1996 - Vijay "Vijay" Ranmarine

Ein Dank geht abschließend noch an Goose Nova aus Frankreich, der auch diese Abfüllung geteilt hat. Merci beaucoup!

Bis demnächst,
Flo

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