Sonntag, 22. Dezember 2013

"Mai tai roa ae!" - Mythos und Moderne II

Liebe Rum Gemeinde,

sowohl auf meinem alten Blog Mai tai roa ae!, als auch hier auf Barrel Aged Thoughts habe ich mich bereits intensiv mit der Geschichte und der Gegenwart des Mai Tais auseinander gesetzt. Nach einem Artikel, den ich auch hier bereits veröffentlicht habe, der einen groben Überblick über die Geschichte des Mai Tai gegeben und dann vor allem dessen status quo in der Gegenwart beleuchtet hat, folgt heute ein tieferer Einblick in die Geschichte, der vor allem den verwendeten Rum des Ur-Mai Tais beleuchtet, den Wray & Nephew 17 YO, und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Charakteristik des Drinks. Wer auch meinen Vorgänger-Blog schon verfolgte, der weiß, dass ich diesen Artikel in einer früheren Fassung schon einmal veröffentlicht habe. Heute folgt eine überarbeitete, neue Fassung des Artikels. 

Dieser möchte damit beginnen, tiefer in den Bereich des Mythos eindringen. Ich möchte versuchen, den Drink, welchen Trader Vic 1944 erschuf, näher zu ergründen. Was möchte man da noch ergründen, wird vielleicht ein mancher fragen, und das nicht unbedingt zu Unrecht. Die Fakten scheinen klar: wir wissen haargenau welche Zutaten verwendet wurden und in welchen Mengenverhältnissen (vom Limettensaft mal abgesehen, aber den wird auch Trader Vic abgestimmt haben) sie im Drink landeten. Wir wissen auch, wie der Mai Tai zubereitet wurde. Was man aber nicht weiß ist, wie süß oder sauer der damalige Limettensaft war. Wir wissen nicht, wie der Orange Curacao von De Kuyper um 1944 schmeckte. Wir wissen ebenfalls nicht, wieviel Eis Trader Vic verwendete, wie dessen Verwässerungsgrad war und wie lange geshakt wurde. Und wir wissen vor allem nicht, wie der Wray & Nephew 17 YO schmeckte. All das lässt sich aber heute auch nicht mehr sagen. Warum also nachbohren, was soll das bringen?
Um es vorweg klar zu sagen: weil ich am Mai Tai von 1944, so wie man ihn sich heute in Fachkreisen meist vorstellt, erhebliche Zweifel hege. So glaube ich, wie gesagt, zwar nicht, dass man alle Komponenten heute noch 1:1 nachvollziehen kann, aber ich glaube, dass man eine elementare Annahme des Drinks überdenken muss!

Diese Annahme hängt mit dem Rum und dessen Alkoholgehalt zusammen und somit, mit der Charakteristik des Drinks. Verwendet wurde der 17 jährige Rum von Wray & Nephew, endgültig verschwunden in den 50er Jahren. Was wissen wir sicher über den Wray & Nephew? Im Grunde nicht viel, sicher zu sein scheint neben der Lagerzeit von wenigstens 17 Jahren nur, dass es ein Overproof Rum war, mit mehr als 70% vol.. Daher auch die enorme Potenz des Mai Tais. Aber sind diese Informationen verlässlich? Die Grundlage für diese Annahme sind die Flaschen, die bei Appleton vor einigen Jahren aufgetaucht sind und von denen u.a. eine im Merchant Hotel in Belfast landete und dort im Mai Tai verkauft wurde. Diese Flasche hatte ca. 75% vol., andere Quellen sprechen auch "nur" von 60% vol. In jedem Falle geht es dabei aber zweifelsfrei um einen Overproof Rum.
Die Geschichte dieser Flasche ist jedoch unklar: einige Quellen berichten von einem Fass (u.a. Jeff Berry), das gefunden wurde, andere eben von einigen Flaschen (Angus Winchester). Neben diesem Widerspruch, weisen aber auch beide Varianten Ungereimtheiten auf.

1. Wenn ein Fass gefunden wurde, dann war der enthaltene Rum kein Blend mit mindestens 17 Jahren Reife mehr, sondern mit mindestens über 70 Jahren, und ein Alkoholgehalt von 70% vol. oder mehr wäre mehr als unwahrscheinlich. Zudem war der Wray & Nephew 17 Jahre auch sicher keine Single Cask Abfüllung, sondern viel eher ein handelsüblicher Blend, sonst wäre die Menge an Flaschen nicht denkbar. Das heißt, entweder wäre der enthaltene Rum dann nur ein Teil des damaligen Blends gewesen und, vom nun enormen Alter mal abgesehen, entspräche nicht der eigentlichen Abfüllung oder der Fassinhalt entsprach einem bereits vermählten Blend. Aber wieso sollte man diesen dann vergessen? Und auch dieser wäre dann noch über 70 Jahre alt...

2. Und wenn es Flaschen gewesen sind, die gefunden wurden, wieso war ihr Inhalt pechschwarz? Trader Vic beschrieb den 17 jährigen Wray & Nephew ausdrücklich als goldfarbenen Rum und eine Farbenblindheit seinerseits ist nicht überliefert! Auch der zwei Jahre jüngere 15 jährige Blend aus dieser Zeit war deutlich golden in seiner Farbe (doch dazu später mehr!).

3. Das einzige, was denkbar wäre ist, dass der Flascheninhalt zwar der besagte 17 jährige Blend ist, dieser jedoch nicht verdünnt wurde und daher dunkel ist. Dann wäre der originale Rum, mit dem Trader Vic mixte, jedoch auch kein Overproof Rum mehr, aber auch dazu später mehr.

Bis hier hin tun sich also definitiv einige Fragen auf, die ich keineswegs ohne Weiteres eindeutig zu beantworten sehe. Einzig klar scheint mir dadurch, dass es sich bei den Flaschen, u.a. im Merchant Hotel, garnicht um den originalen Wray & Nephew 17 Jahre handeln kann, auch wenn man das bis hier hin nicht hinreichend beweisen kann, da Appleton/Wray & Nephew beispielsweise die Beschreibung von Trader Vic einfach anfechten könnten. An einer Aufklärung dürfte Wray & Nephew/Appleton aber kein Interesse haben, obwohl diese hier definitiv Hilfe leisten könnten.

Links: eine alte Flasche Wray & Nephew 15 Years Old; die
Proof-Angabe befindet sich rechts unten und ist zweistellig
Allerdings gibt es nun noch einen neuen Ansatz, zumindest habe ich in diese Richtung noch nichts anderes gelesen. Ausgang dieses neuen Ansatzes ist ein Bild auf dem Blog von Jeff "Beachbum" Berry (links). Auf diesem Bild ist u.a. eine Flasche vom Wray & Nephew 15 Jahre abgebildet, dem Rum, der Trader Vic im Mai Tai diente, als der ältere Bruder aufgebraucht war. Inwieweit sich die beiden Rums im Detail unterscheiden ist kaum zu sagen, mit Sicherheit kann man jedoch davon ausgehen, dass sie zumindest nicht grundlegend verschieden sind. Das dürfte insbesondere auf den Grundcharakter des Rums, die Farbe und den Alkoholgehalt zutreffen. Was die Farbe betrifft, so ist dieser Rum zumindest schon mal eine ganze Ecke näher dran an dem goldenen Rum, den Vic beschrieb. Das alles ist natürlich nicht neu. Wirklich außerordentlich spannend ist jedoch dessen Alkoholgehalt, den ich nun auf der Flasche entdeckte! Genau zu lesen ist die Angabe auf der Flasche nicht, man erkennt jedoch unter der Spalte in der "Product of Jamaica" geschrieben steht, rechts neben dem Wort "Content" und einer weiteren Angabe das Wort "Proof". Unmittelbar davor ist zweifelsfrei eine zweistellige Zahl zu erkennen (mit viel Fantasie mit einer 8 als erster Ziffer), was bedeutet, dass der Rum allerhöchstens 99 Proof, 49,5% vol. beinhaltet. Um das aber ganz genau sagen zu können, habe ich Kontakt mit Jeff Berry aufgenommen, der mir dazu gerne Auskunft gab. Er bestätigte mir für den Wray & Nephew 15 Jahre einen Alkoholgehalt von 86 Proof (43% vol.). Den Geschmack des 15 jährigen Rums beschreibt er als fantastisch, die Charakteristik eines dunklen Rums stünde hier sehr in einem Kontrast zu der bernsteinen Farbe des Destillats. Eine Flasche Wray & Nephew 17 Jahre aus den 1940er Jahren hat er aber, nach eigener Angabe, selbst noch nie gesehen und er könne zu einem genauen Alkoholgehalt des 17 YO deshalb nichts definitives sagen.
Damit wäre die weit verbreitete Annahme, der 17 Jahre alte Rum sei ein Overproof gewesen, bereits alles andere als selbstverständlich. Natürlich, man kann nicht zweifelsfrei ausschließen, dass der 17 jährige, im Gegensatz zum 15 jährigen, ein Overproof war, allerdings ist dies unter den gegebenen Umständen nicht sehr wahrscheinlich. Denn die einzige Quelle dafür, der einzige Hinweis darauf, dass er ein Overproof war, sind die bei Appleton aufgetauchten Flaschen/Fässer! Eine, wie ich finde, inzwischen mehr als zweifelhafte Quelle. Aber ohne diese Quelle würde man überhaupt nicht von einem Overproof ausgehen. Wir stehen nun also quasi bei Null. Und von Null an gesehen, spricht viel mehr für einen Rum um 40 bis 45% vol. als für einen mit ca. 70% vol., denn:

1. Die im Anschluss an das Versiegen des 15ers von Trader Vic proklamierte Jamaica-Martinique Kombination erscheint in diesem Licht nachvollziehbarer. Sie könnte dem Original durchaus näher kommen als bisher gedacht, auch wenn ihr sehr wahrscheinlich das gewisse Extra fehlt, dass die Wray & Nephew Rums gehabt haben werden. 

2. Für eine ca. 40-45%-Variante spricht zudem der damalige Partner des Wray & Nephew 15, der Black Heart Jamaica Rum. Dieser weißt einen Alkoholgehalt von 90 Proof, 45% vol. auf. Somit wurden hier zweifelsfrei zwei Rums verwendet, die nicht Overproof waren. Wäre der Originalrum jedoch ein Overproof Rum gewesen, hätte Trader Vic hier sicherlich auch in diese Richtung versucht, eine Annäherung zu schaffen, da die Beschaffenheit eines Drink mit 6 cl Overproof Rum eine völlig andere ist, als bei 6 cl von einem Rum mit ca. 45% vol. Und auch erst nach Versiegen des Wray & Nephew 15 YO ist das übrige Mai Tai Rezept angeglichen worden, d.h. dass weniger Orgeat verwendet wurde. Das alles spricht für eine ähnliche Beschaffenheit von Wray & Nephew 17 YO und 15 YO!

3. Der Drink war sehr erfolgreich! Entscheidend sind hier zweierlei Dinge: zum einen musste der Rum einen moderaten Preis haben, damit ihn eine Bar auch so massenhaft in einem Drink verwenden konnte. Selbst wenn das Trader Vic's damals gehobene Preise hatte, so wird ein Mai Tai, auf heutige Verhältnisse umgerechnet, nicht mehr als 15-20 Euro gekostet haben, was schon sehr viel wäre. Bei diesem Preis kann die Flasche Rum umgerechnet höchstens 30 bis 40 Euro gekostet haben. Für einen 17 jährigen Blend mit 43% vol. durchaus denkbar, aber für einen so alten Rum in Fassstärke? Sehr schwer vorstellbar! 

4. fand der Drink schnell viele Liebhaber! Wer mal versucht hat, einen Mai Tai mit 6 cl Overproof Rum jemandem zu vermitteln, der nicht so häufig gute Cocktails genießt, der wird bestätigen können, dass das nicht immer leicht ist. Bei einem Mai Tai mit 6 cl 45%igem Rum sieht das allerdings schon anders aus, vor allem mit Blick auf's damalige Rezept:

2 oz = 6 cl Jamaika Rum, mutmaßlich mit 40-45%
0,5 oz = 1,5 cl Orange Curacao
0,5 oz = 1,5 cl Orgeat
0,25 oz = 0,75 cl Zuckersirup
1 Limette = 5-6 cl Limettensaft

Auf Cracked Ice geshaked und so ins Glas gegeben.



Dieses Mischungsverhältnis würde einen anderen, ungleich milderen, Mai Tai ergeben, mit einer deutlich geringeren Betonung auf dem Rum und wesentlich höherem Anteil an Süße und Säure. Um aber genau sagen zu können, über was ich hier spreche, habe ich den Drink natürlich kurzerhand bestmöglich nachgemixt. Als Rum wählte ich eine Kombination aus 3:3 Appleton Estate und Clement VSOP, das dürfte dem ganzen laut Trader Vic und Jeff Berry ja am nächsten kommen. Die Restlichen Zutaten habe ich in diesen Proportionen verwendet, auch an Cracked Ice habe ich mich gehalten. Ich habe nicht stur eine Limette verwendet, sondern das Verhältnis angepasst, der Anteil an Limettensaft ist jedoch deutlich höher als in meinem üblichen Mischungsverhältnis, er liegt bei ca. 4 cl. Der Drink ist erwartungsgemäß ein anderer, nur schwer zu vergleichen mit einem Mai Tai, in dem weniger Orgeat und Limettensaft oder gar ein Fassstärke Rum verwendet wurde. Ein Drink, bei dem ich mir vorstellen kann, dass er ein großes Publikum begeistert. Der Rum kommt noch durch, nimmt im Drink aber lange nicht die Rolle ein, die ihm in heutigen Mai Tais zugestanden wird. Er wechselt sich mit seinen Begleitern in der Wahrnehmung der Aromen während des Trinkens ständig ab, geht zeitweise fast unter, seine Begleiter übernehmen definitiv eine zweite Hauptrolle. Das Cracked Ice macht sich zunächst nicht bemerkbar, aber nach 10 Minuten weiß man, warum man den Drink je nach Rum besser auf ganzes Eis schüttelt und dann auch auf frisches Eis straint.
Dieser Drink in der Form ist nicht schlecht, aber eben sehr viel anders. Mir persönlich ist er zu leicht, zu Fancy. Das ist ein anderer Mai Tai, als der, den wir ihn uns heute meist vorstellen.

Soweit so gut. Schön. Was ändert das an einem heutigen Mai Tai? Bringt das irgendwen weiter? Schmeckt ein Mai Tai mit einem tollen Overproof Rum und/oder mit reduzierten Partnern nun deshalb schlechter? Nein! Natürlich nicht. Im Gegenteil: niemand hat behauptet, dass er nicht sogar besser schmecken kann. Aber wie das eben so ist, wenn einen ein Thema wirklich interessiert, dann ist man wissbegierig. Ich persönlich finde Geschichte spannend, nicht nur in dieser Frage, und aus diesem Grund interessiert es mich, von welchem Ur-Cocktail wir eigentlich ausgehen. Mir ging es darum, eine gängige Annahme nahezu zu korrigieren, da ich sie auf Grund von zahlreichen sehr schlüssigen Indizien für falsch halte. Und man sieht hier sehr schön, dass vieles oft im Nachhinein verklärt wird. Oft geht man ja geradezu von einem perfekten Trader Vic's Mai Tai aus, einem Mai Tai, der genau den Geschmack heutiger Kenner entspricht, mit einem perfekten Fassstärke-Rum und wunderbaren Zutaten, bevor der Drink durch seinen Ruhm dann vielerorts zu einem Saftschubserl wurde. Man verweist dabei ebenfalls auf Trader Vic's Barteder Guide, in dem dieser ausdrücklich erwähnt, dass der Rum zu schade sei, um ihn durch Säfte zu erschlagen. Hieraus, in Zusammenhang mit der Flasche von Appleton entstand dann das Bild, dass es sich hier also um einen Overproof Rum handeln musste. Jedoch muss man beachten, dass Cocktails mit viel Saftanteil auch damals schon nicht unüblich waren. In Anbetracht der Indizien würde ich hier also eher sagen, dass Trader Vic von einem Vermixen des Wray & Nephew 17 YO mit 20 cl Ananassaft absehen wollte, als dass es darum ging, dass der Rum den kompletten Drink dominiert.

Ich denke, der Artikel hat zumindest etwas mehr Licht ins Dunkle gebracht, auch wenn der allerletzte, hinreichende Beweis für einen 40 bis 45%igen Wray & Nephew 17 Jahre leider noch fehlt und vllt. auch nie erbracht werden wird, da u.U. keine Flaschen der damaligen Chargen mehr existieren. Aber von den reinen Indizien her, würde ich davon deutlich eher ausgehen, als von einem über 70%igen Rum, für den es letztlich eigentlich gar keinen Anhaltspunkt gibt. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf den ursprünglichen Mai Tai, wie ich in meinem Test festgestellt habe. Dadurch liegt ein Mai Tai mit Appleton/Clement vermutlich doch eher am Original, als einer mit einem Fassstärke Jamaicaner. Aber egal, ob wir irgendwann den Alkoholgehalt des Wray & Nephew 17 kennen oder nicht: es möge jeder seinen Mai Tai so trinken, wie er ihn am liebsten genießt!

Bis dahin, einen schönen 4. Advent und frohe Weihnachten,
Flo

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Bildquellen:

Mai Tai mit Wray & Nephew 15:
http://www.beachbumberry.com/wp-content/uploads/2009/12/maitai-copy.jpg

Flasche Wray & Nephew 17:
http://www.uniquestuff.net/images/wrap_nephew_rum.jpg

Sonntag, 1. Dezember 2013

Mai Tai mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute geht es erneut um die jüngst erschienene The Rum Cask Abfüllung aus Long Pond, Jamaica, die ich vor zwei Wochen hier verkostet hatte. Im Gegensatz zum Worthy Park im Sommer, den ich für diesen Drink etwas zu jung und zu "leicht" empfand, kann ich mir den Long Pond hervorragend im Mai Tai vorstellen, was ich heute auch ausprobieren werde. Ich erwarte einen klassischen Mai Tai mit Jamaica Power!

Mai Tai mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO:

Von der Farbe her bietet dieser Mai Tai erwartungsgemäß keine Überraschungen, helle Rums machen nun mal helle, fast weiße, milchige Mai Tais ;)

Geschmacklich zeigt sich, dass ich einen Mai Tai aus Long Pond und nicht aus Hampden vor mir habe. Habe ich in der Purverkostung noch gestehen müssen, dass ich den Rum blind unter Umständen auch dem 2000er Hampden-Batch zuordnen hätte können, so schafft der Mai Tai an dieser Stelle klare Verhältnisse. Ein Hampden kommt in diesem Drink noch deutlich extremer!

Nichts desto trotz bringt der Jamaicaner viel Kraft mit und schafft es, dem Drink seinen Stempel aufzudrücken, erinnert an den Mai Tai mit Cadenhead's IRW Long Pond Cask Strength Jamaica Rum. Trotz der Fassstärke von fast 60% vol. ist der Drink jedoch sofort leicht zu trinken, nicht zu stark und verwässert auch nicht zu schnell. Schön!

Die rummige, fruchtige Gesamtkonstellation weiß voll zu überzeugen und bietet einen Mai Tai, wie ich ihn gern habe!

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Fazit: ein schöner Rum für den Mai Tai, auch wenn er einigen mit 90€/Liter dafür sicher zu schade sein wird, was ich verstehen kann, da er sich damit, was die Mixability betrifft, bereits im hochpreisigen Segment bewegt. Wer neben herausragendem Purgenuss jedoch mal einen Drink riskieren möchte, wird dafür belohnt werden. Klare Empfehlung von mir, auch wenn ich den Rum eher der puren Vorzüge wegen kaufen würde!

Charakteristisch ordnet sich der Rum in der Nähe des IRW ein, erreicht allerdings nicht ganz dessen Kraft, wobei der IRW mit fast 70% vol. aber auch nochmals alkoholischer ist.


Ich wünsche euch nun noch einen schönen ersten Advent und eine ruhige und besinnliche Vorweihnachtszeit,
Flo

Sonntag, 17. November 2013

The Rum Cask Jamaica Rum from Long Pond Distillery 13 YO (2000 - 2013), 58,2% vol.

Liebe Rum-Gemeinde,

Ende letzten Monats hatte ich ja bereits angekündigt, dass es aus dem Hause The Rum Cask einen neuen Jamaica Rum geben wird, der wieder das "Recommended by Barrel Aged Thoughts"-Siegel tragen wird. Es ist ein 13 jähriger Pot Still-Long Pond in Fassstärke, welcher von 2000 bis 2013 reifte und auf ca. 120 Flaschen limitiert ist. Heute werde ich diesen Rum hier auf Barrel Aged Thoughts verkosten und ab nächster Woche ist er dann auch im Shop des Whisky- und Rumabfüllers erhältlich!

Der Rum ist einer der ersten aus dem 2000er Long Pond Batch überhaupt, welcher es auf den Markt geschafft hat und darauf hoffen lässt, dass da in Zukunft unter Umständen noch weitere folgen werden. Das Batch geht vom Profil her wieder Richtung Wedderburn, eine Richtung, welche zuletzt die legendären 1982er und 1986er Batches in dieser Form aufwiesen und weswegen der Rum auch das Ende einer längeren Durststrecke bei Long Pond von ca. 14-15 Jahren markiert. Eine erfreuliche Entwicklung!

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Verkostung des The Rum Cask Jamaica Rum from Long Pond 13 YO (2000 - 2013), 58,2% vol.:


... noch mit provisorischem Label
Preis: die 0,5 Liter Flasche kostet ca. 45 Euro. Es wird aber auch wieder 0,1er, 0,04er und 0,02er Samples geben.

Alter: der Rum wurde im Juni 2000 destilliert und im Oktober 2013 abgefüllt, lag also 13 Jahre im Holzfass.

Alkoholstärke: wie bei The Rum Cask üblich, ist der Rum in Fassstärke mit 58,2% vol. abgefüllt worden.

Destillationsverfahren: der Rum stammt aus einer Pot Still von Long Pond.

Farbe: helles, goldenes, leuchtendes Stroh.

Viskosität: enge, dünne Schlieren verlaufen langsam an der Glaswand herunter. An der Wand bleiben kleine Tropfen zurück. Ich erwarte also einen jüngeren, schön öligen Rum.

Nase: sehr eindeutig Jamaica, voll und reichhaltig, allerdings erstaunt mich die Ester-Dichte, angesichts eines Rums aus Long Pond. Blind könnte ich auch einen Hampden vor mir haben. Ich habe es mit einem klassischen High Ester Vertreter zu tun, der in seiner Konzentration zwischen Wedderburn und Continental stehen dürfte. Der Alkohol ist wahrnehmbar, jedoch nicht scharf oder unangenehm. Viel gegrillte Ananas, Banane, nasses Gras, Cashewkerne und eine deutliche Zitrusnote kann ich wahrnehmen.

Gaumen: der Alkohol möchte zunächst gebändigt werden, was aber schon nach kurzer Zeit im Mund sehr schön gelingt. Scharf oder störend ist er keinesfalls, es können auch sehr gut größere Schlücke getrunken werden. Der Rum entfacht nun ein Aromen-Feuerwerk, kommt unglaublich konzentriert und kräftig daher, ist cremig und mundfüllend. Er bietet, was er schon in der Nase angekündigt hat und was man von einem solchen High Ester Rum erwartet, zusätzlich kommt aber auch noch eine schöne, dezente aber deutliche Note vom Holz dazu, welche in Long Pond's typisches Anis aufgeht.

Abgang: der Rum verweilt lange im Mundraum und hinterlässt einen Mix aus Anis, Holz und Nuss.

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Quelle: The Rum Cask
Fazit: ein herausragender Rum aus Long Pond in einer Qualität, die man das letzte Mal vor ca. 15 Jahren bekommen hat, wobei die Stile nicht zu 100% identisch sind. Die Richtung allerdings ist deutlich vergleichbar und zeigt, dass der Nachschub, sollten die Jahre 1982 und 1986, von denen man allerdings nur noch sehr alte Rums mit ca. 30 Jahren bekommt, erschöpft sein, gesichert ist. Hier, mit 13 Jahren, ist Long Pond noch deutlich jünger, wilder, ungestümer, was mir persönlich sehr gefällt und Spaß macht und weswegen der Rum völlig zurecht das Recommended by Barrel Aged Thoughts-Siegel erhielt! Dieser Typ Rum fehlte dem Markt zuletzt, da das 2002er Long Pond Batch in seiner Qualität an das 2000er Batch nicht herankommt und die Jahre 1992 und 1996 zu weit davon weggingen, eine deutlich geringere Esterkonzentration aufwiesen und einfach nur Karamellbomben waren.

Passt dieser Rum in den Cocktail? Jein! Der Rum ist klar dazu gedacht, pur genossen zu werden, allerdings eignet er sich ob seiner Kraft und der Fassstärke wunderbar dazu, ihn auch in dem einen oder anderen Drink zu verwenden. Ein Mai Tai und ein Rum Sour funktionieren perfekt, welche ich in den nächsten Tagen auch noch vorstellen werde.

Bis dahin, viel Spaß beim Verkosten und einen schönen Sonntag noch,
Flo

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Coming Soon! II

Liebe Rum Gemeinde,

es gibt Neuigkeiten aus der Rum-Welt! In Kürze wird vom Whisky- und Rumabfüller The Whisky Cask / The Rum Cask erneut ein Rum aus Jamaica erscheinen, der das Siegel "Recommended by Barrel Aged Thoughts" tragen wird, das auch schon den 4 jährigen The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park Estate aus dem Sommer 2013 zierte.



Dieses Mal stammt der Rum allerdings nicht aus Worthy Park, sondern aus der altehrwürdigen Long Pond Distillery, im Nordwesten Jamaicas, in Trelawny, gelegen. Der Rum wurde im Juni 2000 destilliert und im Oktober 2013 im Alter von 13 Jahren und einem Alkoholgehalt von 58,2% vol. in Fassstärke abgefüllt. Ich konnte den Rum noch vor dem Abfüllen in zwei Tastingdurchgängen probieren und war wirklich begeistert! Hier wird an frühere Jahrgänge von Long Pond angeknüpft, wie es sie zuletzt 1986 gab. Dieser Rum ist für mich daher auch der beste aus der bisherigen gesamten The Rum Cask-Range, was aber selbstverständlich auch an meiner Jamaica-Affinität liegt ;) Hier dürfen Freunde jamaicanischer Hochester-Rums sehr gespannt sein, zumal Rums aus Long Pond in Fassstärke eine echte Rarität sind! Im Gegensatz zum Worthy Park ist dieser Rum zudem für den puren Genuss und weniger zum Mixen gedacht. 
Eine kleine Veränderung im Vergleich zu früheren Abfüllungen: die Apothekerflasche ist einer schlankeren, von oben nach unten zulaufenden Flasche gewichen, wodurch die The Rum Cask Abfüllungen m.E. optisch dazu gewinnen, noch wertiger wirken. 

Selbstverständlich wird auch ein komplettes Review zum Rum hier noch erscheinen, das gibt es dann zum Verkaufsstart des Rums. 

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 27. Oktober 2013

Mai Tai mit The Rum Cask Fiji Rum 10 YO

Liebe Rum-Gemeinde,

nach dem Demerara-Artikel vom Dienstag, wird es heute wieder eine ganze Ecke kürzer ;) Letzten Sonntag habe ich an dieser Stelle den The Rum Cask Fiji Rum 10 YO aus der South Pacific Distillery besprochen, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Am Ende hatte ich angemerkt, dass ich mir den Rum super im Mai Tai vorstellen kann. Schon in der Vergangenheit habe ich gelegentlich auch Rums aus anderen Ländern als Jamaica im Mai Tai ausprobiert, mit mehr oder weniger überzeugenden Resultaten, aber noch nie hatte ich es dabei mit einem Rum zu tun, der von seinem Profil her einem Jamaicaner so nahe stand.

Den Drink habe ich nun ausprobiert und möchte euch das Ergebnis nicht vorenthalten.

Mai Tai mit The Rum Cask Fiji Rum 10 YO Cask Strength 
Mai Tai mit The Rum Cask Fiji Rum 10 YO:

Ein sehr heller, milchiger Mai Tai, dem man klar ansieht, dass ein strohfarbener Rum verwendet wurde.

Ich nehme den ersten Schluck und habe sofort einen sehr vertrauten Geschmack im Mund. Mai Tai mit Jamaica Rum! Wo ich pur schon zugeben musste, in einem Blindtasting keine Chance zu haben, muss ich diese Erkenntnis hier noch einmal unterstreichen. Der Fiji Rum lässt einem keine Chance, ihn als solchen eindeutig zu erkennen und von einem Jamaicaner zu unterscheiden, viel zu Nahe steht er diesen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich hier auf einen 10-12 jährigen Hampden Rum aus dem 2000er Batch in Fassstärke im Mai Tai tippen. Die Potenz des Rums ist nämlich klar im Drink zu merken, nichts zum einfachen sippen.

Die Ester des Rums prägen auch den Mai Tai, er drückt ihm klar seinen Stempel auf und steht im Vordergrund. Die restlichen Zutaten können den Rum sehr gut umgarnen, ohne zu sehr oder zu gering durchzukommen. Die Ballance stimmt absolut, ein sehr schönes Ergebnis und ein klassischer Mai Tai, trotz und wegen des Südsee-Rums. Der Drink profitiert darüber hinaus sogar von der Verwässerung, weswegen er ruhig auch noch etwas stehen kann und nicht zu schnell getrunken werden muss.

Fazit: ein hervorragender Rum für den Mai Tai! Konnte der Rum mich pur schon überzeugen, so tut er dies mindestens ebenbürtig auch in einem meiner Lieblingsdrinks. Zieht man nun noch den wirklich fairen Preis hinzu, so ergibt sich beinahe automatisch eine Untermauernung der letztwöchigen Kaufempfehlung. Unterm Strich ist mir der Drink 8,5 Punkte wert.

Allen Lesern wünsche ich hiermit noch einen schönen Sonntag und eine erfolgreiche nächste Woche.

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 20. Oktober 2013

The Rum Cask Fiji Rum, South Pacific Distillery 10 YO

Liebe Rum Gemeinde,

mein letztes Review ist nun schon etwas länger her, umso mehr freut es mich allerdings, euch heute mal wieder einen schönen Tropfen Rum vorstellen zu dürfen. Mein Dank geht an dieser Stelle auch noch einmal an Marco, der den Blogbetrieb in den letzten Wochen quasi im Alleingang aufrecht erhalten hat und dafür verantwortlich ist, dass das hier nicht eingeschlafen ist! Well done!

Wo geht's heute hin? Auf die Fiji Inseln? Von dort kommt Rum? Oh ja! Und was für welcher! Auch diesen Rum konnten Barrel Aged Thoughts, neben u.a. dem Worthy Park 4 YO, vorab verkosten und wir waren sofort ausgesprochen überrascht und begeistert und haben uns sehr gefreut, dass es dieser Rum dann auch tatsächlich bis zur Abfüllung auf den Markt geschafft hat.
Das heutige Destillat stammt aus der South Pacific Distillery und durfte über einen Zeitraum von 10 Jahren zwischen 2003 und 2013 lagern. Ob dies auf den Inseln oder in Großbritannien passiert ist, lässt sich leider nicht sagen. Der Rum wurde, wie zum Glück üblich bei The Rum Cask, in Fassstärke mit 62,9% vol. abgefüllt.

The Rum Cask Fiji Rum from South Pacific 10 YO
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Verkostung des The Rum Cask Fiji Rum, South Pacific Distillery 10 YO:


Preis: die 0,5 Liter Flasche wird im eigenen Onlineshop für 41,90 Euro verkauft, das 10 cl Sample für 11,00 Euro, das 4 cl Sample für 4,50 Euro und das 2 cl Sample für 2,50 Euro.

Alter: von 2003 bis 2013 reifte dieser Rum insgesamt 10 Jahre lang im Fass.

Alkoholstärke: der Rum wurde in Fassstärke mit 62,9% vol. abgefüllt.

Destillationsverfahren: dazu wird auf dem Label keine Angabe gemacht. South Pacific verwendet für seine Blends sowohl alte Pot Stills, als auch Column Stills. Ob das hier genauso gemacht wurde, weiß ich nicht. Vielleicht gibt der Rum selbst hier ja etwas Auskunft.

Farbe: hell goldenes, leuchtendes Stroh.

Viskosität: fette Schlieren beißen sich am Glasrand fest und fließen langsam herab. Ein sehr ölig anmutender Rum.

Nase: süßlich-säuerlich, esterreich, leicht stechend, sofort an Jamaicaner oder Rockley-Barbadier erinnernd. Ein starkes Wedderburn-Profil, nussig, vegetal, erdig, mit leichten Zitrusspuren, vermutlich an der Grenze zum Continental Flavoured Stil. Ich erwarte einen schweren, körperreichen Rum im britischen Stil.

Gaumen: hui, sehr stark, wie erwartet sehr schwer, ölig, cremig, körper- und esterreich und vor allem mundfüllend. Wieder lauten die Assoziationen Jamaica, Jamaica, Jamaica und ein bisschen Barbados. Ich würde blind nicht eine Sekunde in Erwägung ziehen, dass es sich hier um einen Rum handeln könnte, der nicht von der von mir so oft präferierten Insel stammt. Britischer Rumstil in Reinform. Hinten heraus setzt eine Spur Anis ein.

Abgang: wie bei so vielen solcher Rums ist der Abgang bemerkenswert lang, so lang wie sonst nur bei Rums aus Jamaica oder vielleicht noch Barbados oder Guyana. Der Gaumeneindruck bleibt nahezu so bestehen, verflüchtigt sich nur langsam.

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Fazit: das war mal eine faustdicke Überraschung! Einen solchen Rum außerhalb Jamaicas zu finden hatte ich bisher für nicht möglich gehalten. Ist auf dem Label auch kein Destillationsverfahren angegeben, so wurde während der Verkostung doch sehr deutlich, dass es sich hier eigentlich nur um ein Pot Still-Destillat handeln kann, das, wenn überhaupt, kaum mit Column Still-Rum in Berührung gekommen sein dürfte. Einflüsse einer Column Still sind in jedem Fall nicht auszumachen. 
Auf den Fiji Inseln versteht man es anscheinend noch, Rum im alten britischen Stil zu produzieren, abseits allen kommerziellen Zwängen. Man steht Jamaica, abgesehen von der Quantität auf dem Markt, in nichts nach und es bleibt zu hoffen, dass man von hier in Zukunft noch mehr Rum zu Gesicht bekommt, denn man braucht sich da nicht zu verstecken! Eine Kaufempfehlung kann ich, zumal zu diesem Preis, guten Gewissens aussprechen. Ihr werdet überrascht sein! 
Bleibt mir nur noch festzustellen, dass ich mir den The Rum Cask Fiji Rum sehr gut im Mai Tai vorstellen kann. Ich glaube, das werde ich mal probieren und das Ergebnis demnächst nachreichen [Hiermit geschehen]. 

Und noch eine Ankündigung in eigener Sache: am Dienstag hat Barrel Aged Thoughts sein einjähriges. Zu diesem Anlass werden wir in 2 Tagen einen äußerst umfangreichen Demerara Artikel veröffentlichen, welcher von Marco während der letzten Monate verfasst wurde. Ihr könnt euch darauf freuen! 

Einen schönen Sonntag noch und bis dahin,
Flo

Sonntag, 29. September 2013

Bristol Spirits Ltd.

Liebe Rum Gemeinde,

wenn man mich nach meinen Lieblingsrums fragt, so gibt es einen unabhängigen Abfüller von Rum, dessen Name dabei immer wieder fällt: Bristol Spirits Ltd.!
Da es aber nicht nur mir so geht, sondern dem gesamten Barrel Aged Thoughts-Team, lest ihr nun diesen Artikel, über einen der herausragendsten Abfüller auf dem Rum Markt, dessen Qualität, fast durchgängig gut bis sehr gut ist. Ich persönlich habe noch keinen Rum aus diesem Hause getrunken, der mir garnicht gefiel und jeder hier im Team hat seine ganz persönlichen Lieblingsrums von Bristol Spirits.
Gegründet wurde das englische Unternehmen Bristol Spirits Ltd. im Jahr 1993 durch John Andrew Barrett (64). Er erhielt aber in den Jahren 1997 und 2003 durch Dorothy Anne Cameron (66) und Helen Susan Kent (52) zwei weitere Direktorinnen. Das Unternehmen ist also im Vergleich zu einigen anderen unabhängigen Abfüllern wie Cadenhead's, das bis ins Jahr 1842 zurück geht, noch recht jung.

John Barret gelang es aber sehr schnell, sowohl junge, ungereifte Rums, als auch bereits länger gereifte Qualitäten zu erwerben, die er dann in seinen eigenen Kellern noch weiter reifen lies. Teilweise stammten diese Fässer direkt aus der Karibik, wie z.B. im Falle von Caroni, teilweise wurden sie aber auch schon längere Zeit in Großbritannien vorgelagert. Dadurch war es Bristol Spirits Ltd. schon bald nach seiner Gründung möglich, auch sehr lange gereifte Rums auf dem Markt anzubieten, wie z.B. einen 25 Jahre alten Vale Royal-Jamaica Rum aus dem Jahr 1970.

Auffällig und markant ist bei Bristol, dass sich das Flaschendesign im Laufe der Jahre immer wieder sehr stark veränderte. Mir war es möglich, diese Entwicklung von 1995 bis ins Jahr 2012/2013 nachzuvollziehen und diese hier zu zeigen:



1995:

Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Die erste mir bekannte Flaschenform eines Bristol Classic Rum stammt aus dem Jahr 1995. Die verwendete Flasche ist eine Standardflasche, wie man sie bis heute häufig findet, z.B. bei Berry Bros. & Rudd. Im Gegensatz zu den Flaschen der nächsten Jahre ist die hier verwendete noch eine klare, farblose. Das Etikett ist unauffällig und enthält die wichtigsten Angaben, wie den Namen Bristol, die Herkunft des Rums, dessen Alter und Alkoholgehalt. Die abgebildete Flasche ist die einzige aus diesem Jahr, die ich fand.


1996:



Im Jahr 1996 veränderte man das Design der Flaschen völlig. Man wählte sowohl einen anderen Flaschentyp, eine andere Farbe der Flasche, nämlich schwarz, und ein anderes Label. Nicht nur die schwarze Flasche, die dem Lichtschutz dient, sondern auch die Gestaltung des Labels erinnert schon leicht an die Flaschen, die in den nächsten Jahren folgen sollten. Aus diesem Jahr fand ich, neben dieser Abfüllung aus Jamaica, auch noch einen Demerara Rum in identischer Flasche.



1997:



Die schwarze Flasche in der Mitte des Bildes ist eine Flasche Bristol Classic Rum aus dem Jahr 1997. Die schwarze Flasche, die 1996 eingeführt wurde, wurde beibehalten, das Label aber deutlich verändert. Die Flaschenform wurde ebenfalls verändert, fällt nun deutlich bauchiger aus. Gleichzeitig ist dies die bis heute letzte Veränderung der Flaschenform, sie hat noch heute Bestand.



1998 - 1999:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Im Jahr 1998 veränderte sich an Flaschenform und -farbe nichts. Lediglich das Label veränderte man leicht. Zum ersten und einzigen Mal war der Name "Bristol" auf der Flasche nicht im Vordergrund zu finden. Die Versiegelung wurde farblich an die Jahresangabe angepasst. Eine Farbe war immer einer Destillerie zugeordnet. Blau steht in diesem Fall für Long Pond auf Jamaica. Diese Flasche wurde zwei Jahre lang so verwendet, bevor es im Jahr 2000 wieder zu Neuerungen kam.


2000 - 2001:

Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Im Jahr 2000 änderte man das Flaschenlabel-Design von 1998 nur leicht ab. Im Grunde wurde nur der Name "Bristol" wieder voll in das Label integriert, sowie die Darstellung der Angabe der Stills leicht verändert. Die Versiegelung war weiterhin in der Farbe der Jahresangabe angepasst (hier: Orange für Monymusk). Die schwarze Flasche war auch von 2000 bis 2001 noch aktuell.



2002:


Bildquelle:
http://www.de.cigarclan.com/articles/2007/3/17/index.shtml

2002 erfolgte erneut ein größerer Bruch. Erstmals seit 1995 wurden nicht mehr einheitlich schwarze Flaschen verwendet und auch die Versiegelungen dieser Flaschen waren farblos und durchsichtig. Am Label hingegen änderte sich garnichts. Zum ersten Mal brachte Bristol in einem Jahr verschieden gestaltete Flaschen heraus.



ebenfalls 2002:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Ebenfalls 2002 erschienen aber auch weiterhin schwarze, lichtgeschützte Flaschen, die in ihrem Design den Flaschen von 2000 an entsprachen. Einzig die Versiegelung wurde hier, genau wie bei den klaren Flaschen, nicht mehr der Farbe der Altersangabe angepasst, sondern war farblos und durchsichtig


ebenfalls 2002:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Und noch eine Flasche aus dem Jahr 2002! Sie entspricht in ihrer Gestaltung einer Flasche aus den Jahren 2000 und 2001, stammt aber aus dem Jahr 2002. Hierbei ist, im Gegensatz zu den beiden anderen Flaschen aus dem Jahr 2002, auch die Versiegelung noch Farblich an die Altersangabe des Rums angepasst (hier: dunkelblau für die Long Pond Estate). Diese Abfüllung war sowohl in der hier gezeigten Flasche erhältlich, als auch in einer klaren Flasche mit farbloser Versiegelung erhältlich.



2004 - 2007:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

2004 wurde das Label bis dato zum letzten Mal entscheidend verändert. Die heute bekannten, zum Teil grellen Etiketten erhielten bei Bristol Spirits Einzug. Gleichzeitig wurde das Etikett in zwei Teile geteilt: oben die Angaben zum Rum, unten die Angaben zu Bristol Spirits. An den Röhren der Flaschen änderte sich, bis auf die Anpassung des Etiketts unten (das gleiche wie auf der Flasche) nichts. Die Flaschen waren nochmals schwarz, jedoch nicht mehr komplett lichtundurchlässig. Während es bei den schwarzen Flaschen bis 2002 nicht möglich war, einen Füllstand zu erkennen, so funktioniert das hier. Die Versiegelung ist seit 2004 einheitlich silber, das ist auch heute noch so.



2007:


Bildquelle: http://www.rumundco.de/


Ähnlich wie im Jahr 2002, gab es auch im Jahr 2007 noch einmal zwei verschiedene Versionen. Es finden sich aus 2007 sowohl noch schwarze Flaschen, wie seit 2004 als auch die hier abgebildete Flasche aus Trinidad. Es hat sich nur die Farbe der Flasche verändert, diese ist wieder farblos und durchsichtig. Letztmals wurden 2007 eine schwarze Flasche und die alte Röhre verwendet. 



2008 - 2009:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Im Jahr 2008 präsentierte Bristol Spirits eine neue Röhre, die so bis 2011 verwendet wurde. Die Flaschen selbst hat es schon 2007 so gegeben, allerdings wurde 2007/2008 auch das Material des Etiketts noch einmal verändert. Statt eines rauen Papiers wurde nun ein glattes Etikett verwendet. Sowohl 2008 als auch 2009 wurden Rums in diesem Style abgefüllt. Schwarze Flaschen gibt es seit 2008 nicht mehr.



2010 - 2011:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

2010 hob man die Zweiteilung des Etiketts von 2004 wieder auf, legte den schwarzen Balken mit Bristol-Logo vom Flaschenboden mit dem Haupt-Etikett zusammen. Der schwarze Balken wurde dabei schmaler, als er vorher ausfiel. An der Gestaltung der Röhre und an der Versiegelung änderte sich jedoch nichts.



2012 - heute:


Bildquelle: Barrel Aged Thoughts

Im letzten Jahr hat Bristol Spirits das Etikett erneut geändert und auch eine neue, wenn auch nur leicht veränderte Röhre eingeführt. Das Etikett orientiert sich dabei wieder stärker am Design des Etiketts zwischen 2007 und 2009, räumt dem unteren, scharzen Streifen mit dem Bristol Logo mehr Raum ein. Die Röhre wurde minimal am Bristol Logo verändert. 

Betrachtet man diese Entwicklung von 1995 bis heute, so fällt mir vor allem auf, dass sich einige Merkmale schon von sehr früh an bis heute durchgezogen haben. Das trifft vor allem auf die die Verknüpfung von Destillerien mit verschiedenen Farbtönen auf den Flaschenlabeln zu. Die größte Veränderung sehe ich im klassischen, edlen Stil, der ab spätestens 2007/2008 einem eher modernen, hippen Stil mit grellen Label-Farben weichen musste, durch welchen man in meinen Augen allerdings auch einen hohen Wiedererkennungswert schuf. 
Treu bleibt sich Bristol, was die Verdünnung seiner Rums auf Trinkstärke angeht. Bis auf wenige Ausnahmen haben die Rums nicht mehr als 46% vol., was schade ist, da hier Potenzial verschenkt wird. Leider beobachtete ich in den letzten Jahren schon, dass immer mehr Rums dort auch mit 43 oder 40% vol. abgefüllt werden, was in mir schon manches Mal die Frage aufwarf, ob man sich bei Bristol versucht, auf dem Massenmarkt zu etablieren, was für einen unabhängigen Rumabfüller eine Premiere wäre. Ich hoffe nicht, dass man diesen Weg einschlägt, zumal andere Abfüller in 2013 gezeigt haben, dass die Nachfrage nach Fassstärken durchaus da ist. Wenn man diesen Trend aufgreifen könnte, gepaart mit Bristol's Gespür bei der Fassauswahl, wäre für den Abfüller noch mehr drin, als aktuell zu sehen. Denn, bei aller Begeisterung, die ich und wir für Bristol hegen: die allermeisten Knallerabfüllungen mit Potenzial zu den besten Rums aller Zeiten zu gehören, liegen schon Jahre zurück. Auf dass man dort nicht den Anschluss verpassen möge!


Einen schönen Sonntag noch und bis demnächst,
Flo


PS: hier eine Bestandsliste nach bestem Wissen:



Barbados:
- Bristol Classic Rum from Foursquare Still 8 YO (2004 - 2012), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Foursquare Still 9 YO (2003 - 2012), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Mount Gay Still 8 YO (2000 - 2008), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Rockley Still 12 YO (1986 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Rockley Still 13 YO (1986 - 1999), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Rockley Still 16 YO (1986 - 2002) Fino Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Rockley Still 22 YO (1986 - 2008) Madeira Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Rockley Still 25 YO (1986 - 2012) Sherry Finsih, 46% vol.


Cuba:
- Bristol Classic Rum from Paraiso, 41,5% vol.
- Bristol Classic Rum from Sancti Spiritus 7 YO (2003 - 2010), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Sancti Spiritus 8 YO (2003 - 2011), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Sancti Spiritus 9 YO (2003 - 2012), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Sancti Spiritus 10 YO (2003 - 2013), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Sancti Spiritus 12 YO (2003 - 2015), 43% vol.


Grenada:
- Bristol Classic Rum from Westerhall Estate 11 YO (2003 - 2014), 43% vol.


Guadeloupe:
- Bristol Classic Rum from Gardel Still 10 YO (1992 - 2002), 46% vol.


Guyana:
- Bristol Classic Rum from Diamond Still 12 YO (1998 - 2010), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Enmore Still 10 YO (1988 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Enmore Still 12 YO (1988 - 2000), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Enmore Still 16 YO (1980 - 1996), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Enmore Still 18 YO (1980 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Enmore Still 20 YO (1988 - 2008), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 10 YO (1985 - 1995), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 14 YO (1999 - 2013) Port Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 15 YO (1999 - 2014), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 12 YO (1985 - 1997), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 12 YO (1986 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 17 YO (1990 - 2007) Port Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 18 YO (1980 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 20 YO (1980 - 2000), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 20 YO (1982 - 2002) Marsala Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 30 YO (1974 - 2004), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Port Morant 30 YO (1980 - 2010), 51% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 12 YO (1985 - 1997), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 13 YO (1984 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 15 YO (1984 - 1999), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 16 YO (1984 - 2000), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 18 YO (1984 - 2002) Port Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Versailles 22 YO (1985 - 2007), 46% vol.
- Bristol Classic Rum Very Old Demerara Rum (Port Morant) 35 YO (1975 - 2010), 52% vol.


Haiti:
- Bristol Classic Rum Reserve Rum of Haiti 10 YO (2004 - 2014), 43% vol.
- Bristol Classic Rum Reserve Rum of Haiti 11 YO (2004 - 2015), 43% vol.


Jamaica:
- Bristol Classic Rum Director's Choice (Blend aus Rums von Long Pond, Monymusk, Innswood und Yarmouth) 22 YO (1982 - 2004), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Long Pond 16 YO (1986 - 2002) Oloroso Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Long Pond Vale Royal 8 YO (2002 - 2010), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Long Pond Vale Royal 9 YO (2002 - 2011), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 8 YO (1990 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 18 YO (1977 - 1995), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 19 YO (1977 - 1996), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 20 YO (1977 - 1997), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 21 YO (1977 - 1998), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 23 YO (1977 - 2000), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Monymusk 32 YO (1975 - 2007) Sherry Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Vale Royal 25 YO (1970 - 1995), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Worthy Park 8 YO (2007 - 2015), 43% vol.
- Bristol Classic Rum Private Reserve 30 YO (1974 - 2004), 43% vol.
- Bristol Classic Rum Fine Old Jamaica Rum 32 YO (1975 - 2007), 43%vol.

Mauritius:
- Bristol Classic Rum Finest Mauritius Cane Juice Rhum, 43% vol.
- Bristol Classic Rum Mauritius Rum 5 YO (2010 - 2015), 43% vol.


Nicaragua:
- Bristol Classic Rum from Compania Licorera de Nicaragua 9 YO (1995 - 2004), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Compania Licorera de Nicaragua 9 YO (1998 - 2007), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Compania Licorera de Nicaragua 11 YO (1998 - 2009), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Compania Licorera de Nicaragua 11 YO (2002 - 2013), 40% vol.


Peru:
- Bristol Classic Rum from Peru, 8 YO, 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Peru, 8 YO (Black Bottle), 40% vol.


Trinidad:
- Bristol Classic Rum from Caroni 10 YO (1990 - 2000)
- Bristol Classic Rum from Caroni 10 YO (1998 - 2008), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 10 YO (2005 - 2015) Sherrywood, 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 10 YO (2005 - 2015) Sherrywood, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 12 YO (1996 - 2008), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 15 YO (1996 - 2011), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 15 YO (1997 - 2012), 52% vol. (Bottled for Italy)
- Bristol Classic Rum from Caroni 15 YO (1998 - 2013), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 17 YO (1996 - 2013), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 17 YO (1996 - 2014), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 17 YO (1998 - 2015), 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 18 YO (1996 - 2014), Port Finish, 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 18 YO (1997 - 2016), 61,5% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 19 YO (1989 - 2008), 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 19 YO (1997 - 2016), 61,5% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 20 YO (1995 - 2015), 63,1% vol. (Bottled for Italy)
- Bristol Classic Rum from Caroni 34 YO (1974 - 2008), 46% vol.
- Bristol Classic Rum from Caroni 19 YO (1993 - 2012), 52,5% vol. (Bottled for Italy)
- Bristol Classic Rum from Caroni 21 YO (1993 - 2014), 51,9% vol. (Bottled for Denmark)
- Bristol Classic Rum from Caroni Trinity 1989, 1992 & 1994, Bottled 2011, 54% vol. (Bottled for Finland), 296 Bottles
- Bristol Classic Rum from Caroni VSOP 10 YO, 40% vol.
- Bristol Classic Rum from Providence Estate 10 YO (1990 - 2000)
- Bristol Classic Rum from Providence Estate 15 YO (1990 - 2005) Sherrywood, 43% vol.
- Bristol Classic Rum from Providence Estate 22 YO (1990 - 2012) Sherrywood, 46% vol.


Karibik/Blends:
- Bristol Classic Rum Black Spiced Rum, 42% vol.
- Bristol Classic Rum Caribbean Collection (alte Version) 40
- Bristol Classic Rum Caribbean Collection (div. Demerara Rums (neue Version)) 40
- Bristol Classic Rum Caribbean Collection (div. Trinidad Rums)


- Bristol Classic Rum Guyana & Guadeloupe Overproof Rum, 59% vol.

Mittwoch, 25. September 2013

Depaz Rhum Vieux X.O. - La Cuvèe du Centenaire

 Moin,

heute widmen wir uns endlich wieder meiner Lieblingskategorie: dem Rhum Agricole.
Die zu verkostende Abfüllung stammt aus Martinique von der Destillerie Depaz, deren Ursprung laut Homepage auf 1651 zurückgeht, als der erste Gouverneur Martiniques, Jacques-Dyel du Parquet, das Anwesen erbauen lies und mit dem Zuckerrohranbau begann. Interessant ist, dass auf dem beiliegenden Heft 1638 vermekrt ist. Welche Angabe nun korrekt ist, vermag ich nicht zu sagen. Die Depaz-Familie übernahm das Anwesen, welches im Nord-Westen Martiniques, in der Küstenstadt Saint-Pierre, am Fuße des Vulkans Mount Pelee, gelegen ist. Dieser Vulkan brach am 8 Mai 1902 aus, wobei nahezu alle 30.000 Einwohner in Saint-Pierre, welche zu dieser Zeit die Hauptstadt war, den Tod fanden und die gesamte Depaz-Familie, bis auf Victor Depaz, ausgelöscht wurde. Victor befand sich zu dieser Zeit für sein Studium in Bordeaux und kehrte schließlich 1917 nach Martinique zurück um das Anwesen wieder aufzubauen, welches sich noch heute in Familienbesitz befindet. Produziert wird, wie auch bei den anderen Destillerien, nach den AOC, welche seit November 1996 gelten.
2002 jährte sich der Ausbruch zum einhundertsten Mal und Depaz füllte zu diesem Anlass, den heute vorgestellten Rum ab. Man mag zum Thema Packaging stehen wie man möchte, aber diese Abfüllung macht optisch schon etwas her und kommt in einer schönen Holzkiste daher. Auch die Flasche ist, so finde ich, ein Hingucker. Doch kann auch der Inhalt überzeugen?

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Verkostung des Depaz Rhum Vieux X.O. - La Cuvèe du Centenaire


Preis: Obwohl das Cuvee vermutlich schon vor gut 10 Jahren auf den Markt kam, ist es noch zum Teil verfügbar. Ich erstand den Rhum bei Weinquelle für 67€.

Alter: Von offizieller Seite lassen sich keine Informationen finden. In diversen Shops wird das Alter allerdings mit 10 Jahren angegeben. Da er als Vieux X.O. verkauft wird, ist in jedem Fall ein Mindestalter von 6 Jahren sicher. Da es sich zudem um ein Cuvée handelt und kein Jahrgang angegeben ist, sind vermutlich unterschiedlich lange gelagerte Rhums in diesem enthalten.

Alkoholstärke: Abgefüllt wurde dieser Rhum mit 45%. Für einen Agricole eine sehr gängige Alkoholstärke. Empfinde ich diese bei Melasserums oftmals als zu gering, können mich Agricole meist auch mit geringeren Volumenprozenten überzeugen.

Destillationsverfahren: Da nach den AOC produziert wird kam eine Ein-Säulen-Kolonne zum Einsatz und es durfte auf maximal 70% destilliert werden.

Farbe: Er erscheint bernstein-golden im Glas.

Viskosität: Wie bei Agricole üblich rinnen die Tropfen eher zügig die Glaswand hinunter, das es sich um ein Column Still Destillat handelt, war dies auch zu erwarten. Er bildet weite Bögen, aber es verbleiben nur vereinzelt Tropfen an der Glaswand.

Nase: Schon hier zeigt der Rhum seine Komplexität: Eine großes Aromenspektrum steigt mir in die Nase. Im aller ersten Moment Pfeffer und Muskatnuss, es gesellt sich jedoch unmittelbar eine Honigsüße sowie Vanille und Eichentöne hinzu. Ich meine auch etwas in Honig geröstete Nüsse zu erahnen, allerdings nur sehr dezent. Dahinter verbergen sich Aromen von Orangenschale, Früchtetee (aus Waldbeeren) sowie eine für mich neue Note im Rhum: eine Spur Fenchel. Eine sehr spannende Nase die zwischen Gewürzen, Süße, Holznoten und Frucht eine tolle Balance verspricht!

Gaumen: Es stellt sich ein seidiges Gefühl im Mund ein, die Orangenschale sowie das typisch nussige für gereifte Agricole ergeben einen tollen Einstieg. Die Honigsüße leitet daraufhin über zu den Gewürzen und der trockenen Eiche ehe die leichte Fenchelnote und der Tee übernehmen. Zum Abschluß kommt noch etwas Vanille zum Vorschein, begleitet von trockener Eiche.

Abgang: Ein wenig Nuss sowie Orangenschale verbleiben eine kurze Zeit. Ansonsten gestaltet sich der Abgang wie für einen etwas länger gereiften Rhum aus frischem Zuckerrohsaft erwartet: trocken. Insbesondere weißer Pfeffer und Muskatnuss haben hier neben der Eiche das Heft in der Hand.

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Fazit: direkt auf den Punkt gebracht: Das Gesamtpaket stimmt! Die Qualität des Rhums kann mit der Verpackung absolut mithalten. 67€ sind zwar kein Pappenstiel, doch in der Welt der Agricoles, und gerade der Sonderabfüllungen sowie Cuvées, ist dies ein Schnäppchenpreis. Wird dieser Rhum zumeist seiner Bestimmung folgen und pur im Nosingglas landen so würde ich mit diesem Rhum durchaus gelegentlich einen Old Fashioned oder Rhum Sazerac machen ;). Dies werden vermutlich aber auch die einzigen Drinks sein für die er Verwendung finden wird. Für einen Ti Punch mit Rhum Vieux zum Beispiel gibt es dann wahrlich preislich attraktivere Varianten.
Wie zu erwarten spreche ich eine klare Kaufempfehlung aus! Der Rhum ist hervorragend balanciert und bringt neben dem Trockenen eine für Agricole nicht immer typische Süße mit. Diese verfliegt allerdings nach dem Schluck recht schnell: So mag ich das! Man soltle jedoch nicht allzuviel Zeit für einen Kaufentschluß benötigen, da er mehr und mehr aus den Shops verschwindet und mir nur noch wenige Quellen bekannt sind.

Bis zum nächsten Mal,
Leo

Sonntag, 1. September 2013

The Rum Cask Belize Single Cask 8 Years (2005-2013)

Ein herzliches Willkommen an alle Rum-Liebhaber,

heute wird wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen und ein Rum aus einem bisher nicht besprochenen Land findet seinen Weg ins Glas (und auch in die Cocktailschale, doch dazu nach dem Review mehr). Rums aus Belize sind schon eher selten anzutreffen, doch The Rum Cask bietet mit der jetzigen Abfüllung die mir bislang einzige in Fassstärke an. 
Belize liegt in Zentralamerika und grenzt an Mexiko sowie Guatemala an und hat gerade einmal etwas mehr als 300.000 Einwohnern.
Gebrannt wurde dieser Rum von Traveller's Liquors Ltd., welche unter anderem den 1Barrel und 5Barrel Rum unter eigenem Label abfüllen. Desweiteren produziert Traveller's allerdings auch noch Gin, Vodka, diverse Liköre etc..
Der Name der Firma hat seinen Ursprung im Jahr 1953, als ihr Gründer Jaime Omario Perdomo Sr., sich entschloss die Bar "Travellers" in Belize City zu eröffnen. Zu Beginn wurden dort importierte Spirituosen verkauft und ein eigener Hausblend (aus diversen Rums) wurde unter eigenem Label angeboten. Mit der Zeit wurde der Bedarf an Rums für den Blend immer größer und es musste für diesen auch Rum außerhalb von Belize importiert werden. Um weiterhin einen gleichbleibenden Blend zu kreieren entschloß sich Jaime Omario selbst Rum zu brennen, bzw brennen zu lassen. So traf er eine Vereinbarung mit Luis Espat, welcher in der Stadt Belopman eine Destillerie baute um dort für Jaime Omario Rum zu brennen.
1989 ging die Destillerie schließlich komplett in den Besitz der Familie Perdomo über, nachdem sich Luis Espar dazu entschlossen hatte diese zu verkaufen.
Travellers produziert heute neben Rum aus Melasse, welche direkt aus Belize stammt, auch Gin, Vodka, diverse Liköre und mehr. 

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Verkostung des The Rum Cask Belize Single Cask 8 Years (2005 - 2013):

Preis: Es gibt bei The Whisky Cask sowohl Samples, als auch eine 0,5 Liter Flasche für 34,90€. Das 10cl Sample ist für 11€ zu haben. 

Alter: Wie schon auf dem Label angegeben kam der Rum 2005 ins Faß und würde 2013 mit einem Alter von 8 Jahren abgefüllt. 

Alkoholstärke: Die Abfüllung erfolgte in Fassstärke mit 63,3%. 

Destillationsverfahren: Gebrannt wird bei Travellers in Column Stills. Nähere Angaben zu dieser Abfüllung liegen leider nicht vor

Farbe: Rostbraun, leicht rötlich mit grünen Reflexen. 

Viskosität: Der Rum läuft relativ schnell in sehr engen, dünnen Bögen an der Glaswand herunter. 

Nase: Zunächst Karamell und etwas Alkohol, was anbetrachts der Prozente und des recht jungen Alters nicht überrascht. Der Alkohol verfliegt allerdings sehr schnell und es zeigen sich süße, dunkle Beeren, sowie etwas weiniges. Dahinter blitzt ein wenig Rauch, gepaart mit Tabaknoten auf. Nach einiger Zeit im Glas meine ich eine Spur von Kaffee wahrzunehmen. 

Gaumen: Eine unerwartete, weil leicht ölige, Süße, einhergehend mit dunklen Beeren sowie einem Hauch von Haselnuss. Das Karamell ist hier gut eingebunden und nicht dominant. Auf halbem Weg eröffnen sich dann die etwas weinigen Anklänge sowie eine Spur von Rauch. Zum Abschluß zeigt sich ein klein wenig Bitterkeit vom Faß und etwas leicht säuerliches, wie von noch etwas unreifen Beeren.

Abgang: trockener werdende Eiche mit Beeren und Sherryanklängen. Der in der Nase wahrgenommen Tabak findet sich nun im Abgang wieder. Auch die leichte Säure ist spürbar.

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Fazit: Der The Rum Cask Belize zeigt sich im Geschmack typisch mittelamerikanisch mit einer Verwandtschaft zu Rums aus Guatemala sowie Nicaragua und erinnert ein wenig an den Botran Solera 1893. Er bleibt überraschend rund und unanstrengend für sein Alkoholvolumen und sein Alter. Wer diesen Stil bevorzugt sollte diesen Tropfen definitiv probieren, denn er liegt fernab von den zumeist dominierenden Süßrums aus dieser Region. 

Zum Abschluß habe ich mir noch einen Rum Manhattan mit diesem Rum gegönnt:

6 cl The Rum Cask Belize
2,5 cl Carpano Antica Formula
2 Dashes Orangenbitters
Orangenzeste


Ein sehr harmonischer Drink in dem alle Zutaten gut harmonieren. Zunächst überwiegt der Wermut auf der Zunge, wobei der Rum im Abgang bestimmend ist. Zwar favorisiere ich in diesem Drink eher einen kräftigen Pot Still Guyana Rum, der aromentechnisch mehr Kraft mitbringt, doch dies ist eine subjektive Sichtweise und war in diesem Fall von einem Column Still Destillat nicht zu erwarten. In jedem Fall ziehe ich diese Variante allerdings einem Manhattan mit Süßrums vor, da diese dem Drink die Balance nehmen.

Bis zum nächsten Mal,
Leo 

Sonntag, 18. August 2013

Lord of the Drams Jamaica Rum "Freya" 30 YO (1982 - 2013)

Liebe Rum Gemeinde,

nach vielen, vielen Drinks kommt auch von mir heute mal wieder ein purer Rum zur Verkostung. Mein Weg führte mich dazu vor kurzem nach Belgien, wo ein, mir bis dahin unbekannter, unabhängiger Whiskyabfüller namens Lord of the Drams einen 30 Jahre alten Jamaica Rum in Fassstärke anbot. Understatement sucht und findet man allerdings nicht nur im Namen des Abfüllers vergebens: von dieser Abfüllung existieren gerade einmal 35 Flaschen und der Rum stammt wohl, wie der Abfüller auf Facebook verriet, aus der Destillerie Port Morant, Jamaica. Port Morant, Jamaica? Moment mal, wird sich nun manch einer vielleicht denken, diese Destillerie stammt doch aus Guyana?! Fast richtig. In Guyana existierte zwar auch eine wesentlich bekanntere Destillerie mit diesem Namen (die sich allerdings Port Mourant schreibt) und deren Still produziert in Diamond auch noch immer Rum, jedoch befindet sich auch in Jamaica eine kleine Destillerie Port Morant, welche allerdings nur absoluten Insidern bekannt ist.
Logisch, dass mein Interesse geweckt war, denn mir war zwar bekannt, dass die Destillerie Port Morant auf Jamaica Rum produziert, allerdings war mir bis zu dieser Abfüllung kein einziger (!) Rum von dort namentlich bekannt, weder dass ich einen probiert hätte, noch dass ich überhaupt eine Abfüllung benennen könnte. Da scheint fast alles in den unsäglichen Blends dieser Welt aufzugehen.
Die heutige Abfüllung erleidete dieses Schicksal nicht. Sie stammt aus dem Jahr 1982 und lag seither 30 Jahre lang im Fass, bis sie am 7. Juni 2013 in Belgien durch Lord of the Drams in Fassstärke und mit einem Alkoholgehalt von 50,8% vol. zur Abfüllung kam und innerhalb der eigenen Serie Rum of the Lords auf den Namen Freya getauft wurde. Der Name entstammt der nordischen Mythologie und wird auf dem Backlabel auch kurz erläutert. Diese Praxis ist bei Lord of the Drams nicht unüblich, denn auch deren Whiskyabfüllungen erhalten Namen. Gegründet wurde Lord of the Drams von Stijn Hiers, einem passionierten Whisky-Connaisseur und Historiker. Mehr Informationen dazu finden sich auf der belgischen Homepage.

Backlabel - Freya
Frontlabel - Bottle 24/35

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Verkostung des Lord of the Drams Jamaica Rum "Freya" 30 YO (1982 - 2013):


Preis: für 153 Euro ist dieser seltene Tropfen bei www.thebondingdram.eu/ in Belgien erhältlich.

Alter: mit einer Reifedauer von 30 Jahren, von 1982 bis 2013, gehört der Rum zu den ältesten auf dem Markt erhältlichen.

Alkoholstärke: der Rum wurde unverdünnt in Fassstärke abgefüllt und weist einen Alkoholgehalt von 50,8% vol. auf.

Destillationsverfahren: dazu finden sich auf dem Label keine Angaben, aber laut Andreas Schwarz' Buch "Premium Rum" wird in Port Morant mit Pot Stills destilliert, was bei einer jamaicanischen Destillerie aber auch keine echte Überraschung ist. Ob sie auch über eine oder mehrere Column Stills verfügt, ist mir leider nicht bekannt.

Farbe: dunkel-golden, an Bernstein erinnernd, satt.

Viskosität: zunächst schnell am Glasrand herunterrollende Schlieren in eher engen Abständen. Oben am Glas bilden sich kleine Perlen, welche dann sehr langsam als Schlieren das Glas herunterlaufen und einen öligen Rum ankündigen.

Nase: von Beginn an klassische, würzige Wedderburn-Jamaica-Nase! Sehr vegetal, würzig-pfeffrig, grasige Anklänge, Stroh, Holz, Nuss, und auch eine zunächst stärkere, nach ca. 15 Minuten aber nur noch leichte alkoholische Assoziierung. An Long Pond erinnernd. Diesem Rum sollte, wie so vielen anderen auch, aber unbedingt Standzeit gewährt werden. Gerade zu Beginn im Glas fehlt es ihm etwas an Tiefe, die er aber mit der Zeit gewinnt. Mindestens 15 bis 30 Minuten sollte man bei ihm veranschlagen. Die Nase wird dann voller und macht den hohen Preis dieses Tropfens zwar nicht vergessen, aber tragbarer ;) 

Gaumen: am Gaumen habe ich Noten von frisch geschlagenem Holz, Anis und Walnuss, der Rum ist wunderbar ölig, cremig, kaum alkoholisch, sehr esterhaltig, selbst für einen Wedderburner. Die Assoziation Long Pond liegt auch hier wieder nicht fern. Die 30 Jahre machen sich bemerkbar, haben den Rum aber in keinster Weise verholzen lassen. Die Reifung ist in meinen Augen wirklich gut gelungen. Der Rum hat seine Ecken und Kanten zum großen Teil verloren, ist aber auch nicht gänzlich weichgespült. Ich bin schwer angetan!

Abgang: länger, als ich es von Long Pond oder Monymusk gewohnt bin, aber natürlich bei weitem nicht so endlos wie bei Hampden. Sehr intenisiv! Er ist nicht ganz so trocken, wie bei Rums in ähnlichem Alter, steht aber selbstverständlich trotzdem noch auf der trockenen Seite, was mir hier gut gefällt.

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Fazit: der bei weitem teuerste Jamaicaner, den ich bisher probiert habe und der bisher einzige aus Port Morant. Was den Preis angeht, so muss ich sagen: auch wenn der Rum wirklich gut ist, aber 160 Teuro inkl. Versand ist eigentlich kein Rum wert. Ich bereue den Flaschenkauf keinesfalls, aber rational erklärbar ist das nicht. Und ich finde, bei aller Liebe zum Genuss hochwertiger Spirituosen, dass auch dieser Punkt nicht unerwähnt bleiben und klar herausgestellt werden sollte. 
Was diese Erst-Erfahrung mit Port Morant auf Jamaica betrifft, so bin ich begeistert, aber auch erstaunt. Da ist eine Destillerie auf einer der am für Rum bekanntesten Inseln der Welt und man weiß kaum etwas darüber. Wo landet das alles? Die Qualität ist meines Erachtens definitiv zu schade, um sie in minderwertigen Blends zu verschwenden, da würde ich mir für die Zukunft noch mehr Einzelfassabfüllungen wünschen. 
Was den Stil von Port Morant betrifft, so würde ich diesen sehr nah bei Long Pond einordnen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: hätte der Abfüller keine Angaben zur Herkunft gemacht, so hätte ich hier ohne Zweifel auch auf die Destillerie aus der Provinz Trelawny getippt und den Rum als solchen identifiziert. Nun ja, so kann man sich irren. 
Was bleibt noch vom Rum? Natürlich die Limitierung auf 35 Flaschen. Das ist schon sehr, sehr wenig, allerdings fiel mir der Liquid Sun Jamaica Rum 30 YO aus 1982 auf, der auch 50,8% vol. hat. Als Sammler sollte man sich daher nicht unbedingt zu viel auf die 35 Flaschen einbilden und das nicht zwingend auf einen exorbitanten Anteil an Angel's Share schieben ;) Wer nun, man mag auf Grund der Rahmenbedingungen fast sagen dennoch, interessiert ist: the Bonding Dram hat, so viel ich weiß, noch Restbestände!

Einen schönen Sonntag noch und bis demnächst,
Flo