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Sonntag, 19. August 2018

Demerara & CoffeeTonic

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch einen Drink vorstellen, der meines Erachtens perfekt zu einem richtig heißen und drückenden Sommer passt, wie wir ihn in diesem Jahr erleben dürfen: den Demerara & Coffee Tonic!

Ja, klingt auf jeden Fall erstmal ungewöhnlich und das ist der Drink auch! Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich -meine Frau wird bereits mit den Augen rollen, wenn sie das hier liest- die Angewohnheit pflege, beim Einkaufen immer auch einen Blick in die Getränkeabteilung meines örtlichen und gut sortierten Supermarktes zu werfen und zu schauen, was dieser eventuell neu im Sortiment führt. Dabei fiel mir schon vor einigen Monaten ein neues Coffee Tonic Water von Thomas Henry ins Auge. Und ja, das war natürlich ein böses Foul an mir, denn je ungewöhnlicher und merkwürdiger etwas klingt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ich nicht widerstehen kann und die Flasche erst einmal einpacke um dann später zu schauen, was ich damit vielleicht einmal anfangen kann (hier steht übrigens auch noch eine Limonade auf Algenbasis, die auf einen Verwendungszweck wartet) - so geschehen auch beim Coffee Tonic. Dann passierte erst einmal eine ganze Weile gar nichts, bis mein ehemaliger Blogpartner Leo (seine Artikel findet ihr noch immer hier auf diesem Blog!) plötzlich postete, dass er sich einen Longdrink zubereitet habe, welcher aus Demerara Rum und eben diesem Coffee Tonic bestehee und dass ihn das Ergebnis durchaus überzeuge. Mir fiel natürlich blitzartig mein eigenes Fläschchen im Kühlschrank wieder ein und so machte ich mich daran, auf der Grundlage von Leos Idee einen Drink zu bauen. Auch ich verwendete eben jenen Demerara Rum, einen Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003 mit 56,7% vol., da ich ihn mir ebenfalls gut dazu vorstellen konnte. Um noch ein wenig mehr Komplexität in den Drink zu bekommen, beschloss ich, der Rezeptur auch noch etwas Orgeat und Limettensaft beizugeben, da mir das im Allgemeinen immer noch ein wenig mehr zusagt, als reine Basis + Filler Drinks. Das Ergebnis? Lest selbst! :-)


Das Rezept*:

  • 5,50 cl Duncan Taylor Demerara Rum 10 YO Diamond 2003
  • 1,50 cl Limettensaft
  • 0,75 cl Meneau Orgeat
  • 12,0 cl Thomas Henry Coffee Tonic

Gebaut im Longdrink-Glas. 









Im Glas wirkt der Drink zunächst einmal wie ein Eistee, oder aber, wenn man einen klassischen Drink als Vergleich heranziehen möchte, wie z.B. ein Mint Julep. Hellbraun, vielleicht sogar noch ins Orange gehend und wunderbar leuchtend.

Geschmacklich ist der Demerara & Coffee Tonic dann hingegen zunächst schwer zu beschreiben. Ich finde ihn, für die doch vergleichsweise eher simple Zusammenstellung der Rezeptur, erstaunlich vielschichtig und komplex. Die Hinzunahme von Orgeat und Limettensaft zahlt sich meines Erachtens spürbar aus! Der Rum als Basis passt hier charakterlich überaus gut, da hat Leo eine hervorragende Wahl getroffen. Er kommt durch, prägt den Drink in seinem Basis-Charakter, drängt sich dabei aber nicht auf und harmoniert wunderbar mit den Kaffeearomen des Tonic. Letztere sind im Drink sehr präsent, versprühen dabei aber trotzdem immer noch etwas eher subtiles. Die Gesamtkonzeption ist daher einfach stimmig und der Drink passt perfekt an warmen Tagen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon. 

Fazit: das ist Sommer! Vielen Dank, Leo, für die super Anregung zu diesem unkonventionellen aber dafür umso herrlicheren Drink, ohne die das Fläschchen vielleicht noch sehr viel länger in meinem Kühlschrank gelegen hätte. Nun muss ich nur noch etwas finden, was zur Alge passt ;-)
Vom Coffee Tonic werde ich mir nun noch ein paar Fläschchen besorgen und das ganze auch mal noch mit anderen Rums probieren. Monymusk z.B. könnte ebenfalls gut passen, aber das wird sich zeigen. Zunächst einmal empfehle ich euch allen, es in einer solchen oder einer ähnlichen Konstellation zu probieren, zumindest wenn ihr Kaffeearomen nicht im Grundsatz schon abgeneigt seid. Dann könnte der Drink nämlich auch euch begeistern! 

In diesem Sinne: Cheers, und ein schönes Wochenende!

*die Balance aus Süße und Säure ist selbstverständlich individuell anzupassen und meine Maßeinheiten sind daher in erster Linie als grober Richtwert zu verstehen


Sonntag, 1. September 2013

The Rum Cask Belize Single Cask 8 Years (2005-2013)

Ein herzliches Willkommen an alle Rum-Liebhaber,

heute wird wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen und ein Rum aus einem bisher nicht besprochenen Land findet seinen Weg ins Glas (und auch in die Cocktailschale, doch dazu nach dem Review mehr). Rums aus Belize sind schon eher selten anzutreffen, doch The Rum Cask bietet mit der jetzigen Abfüllung die mir bislang einzige in Fassstärke an. 
Belize liegt in Zentralamerika und grenzt an Mexiko sowie Guatemala an und hat gerade einmal etwas mehr als 300.000 Einwohnern.
Gebrannt wurde dieser Rum von Traveller's Liquors Ltd., welche unter anderem den 1Barrel und 5Barrel Rum unter eigenem Label abfüllen. Desweiteren produziert Traveller's allerdings auch noch Gin, Vodka, diverse Liköre etc..
Der Name der Firma hat seinen Ursprung im Jahr 1953, als ihr Gründer Jaime Omario Perdomo Sr., sich entschloss die Bar "Travellers" in Belize City zu eröffnen. Zu Beginn wurden dort importierte Spirituosen verkauft und ein eigener Hausblend (aus diversen Rums) wurde unter eigenem Label angeboten. Mit der Zeit wurde der Bedarf an Rums für den Blend immer größer und es musste für diesen auch Rum außerhalb von Belize importiert werden. Um weiterhin einen gleichbleibenden Blend zu kreieren entschloß sich Jaime Omario selbst Rum zu brennen, bzw brennen zu lassen. So traf er eine Vereinbarung mit Luis Espat, welcher in der Stadt Belopman eine Destillerie baute um dort für Jaime Omario Rum zu brennen.
1989 ging die Destillerie schließlich komplett in den Besitz der Familie Perdomo über, nachdem sich Luis Espar dazu entschlossen hatte diese zu verkaufen.
Travellers produziert heute neben Rum aus Melasse, welche direkt aus Belize stammt, auch Gin, Vodka, diverse Liköre und mehr. 

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Verkostung des The Rum Cask Belize Single Cask 8 Years (2005 - 2013):

Preis: Es gibt bei The Whisky Cask sowohl Samples, als auch eine 0,5 Liter Flasche für 34,90€. Das 10cl Sample ist für 11€ zu haben. 

Alter: Wie schon auf dem Label angegeben kam der Rum 2005 ins Faß und würde 2013 mit einem Alter von 8 Jahren abgefüllt. 

Alkoholstärke: Die Abfüllung erfolgte in Fassstärke mit 63,3%. 

Destillationsverfahren: Gebrannt wird bei Travellers in Column Stills. Nähere Angaben zu dieser Abfüllung liegen leider nicht vor

Farbe: Rostbraun, leicht rötlich mit grünen Reflexen. 

Viskosität: Der Rum läuft relativ schnell in sehr engen, dünnen Bögen an der Glaswand herunter. 

Nase: Zunächst Karamell und etwas Alkohol, was anbetrachts der Prozente und des recht jungen Alters nicht überrascht. Der Alkohol verfliegt allerdings sehr schnell und es zeigen sich süße, dunkle Beeren, sowie etwas weiniges. Dahinter blitzt ein wenig Rauch, gepaart mit Tabaknoten auf. Nach einiger Zeit im Glas meine ich eine Spur von Kaffee wahrzunehmen. 

Gaumen: Eine unerwartete, weil leicht ölige, Süße, einhergehend mit dunklen Beeren sowie einem Hauch von Haselnuss. Das Karamell ist hier gut eingebunden und nicht dominant. Auf halbem Weg eröffnen sich dann die etwas weinigen Anklänge sowie eine Spur von Rauch. Zum Abschluß zeigt sich ein klein wenig Bitterkeit vom Faß und etwas leicht säuerliches, wie von noch etwas unreifen Beeren.

Abgang: trockener werdende Eiche mit Beeren und Sherryanklängen. Der in der Nase wahrgenommen Tabak findet sich nun im Abgang wieder. Auch die leichte Säure ist spürbar.

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Fazit: Der The Rum Cask Belize zeigt sich im Geschmack typisch mittelamerikanisch mit einer Verwandtschaft zu Rums aus Guatemala sowie Nicaragua und erinnert ein wenig an den Botran Solera 1893. Er bleibt überraschend rund und unanstrengend für sein Alkoholvolumen und sein Alter. Wer diesen Stil bevorzugt sollte diesen Tropfen definitiv probieren, denn er liegt fernab von den zumeist dominierenden Süßrums aus dieser Region. 

Zum Abschluß habe ich mir noch einen Rum Manhattan mit diesem Rum gegönnt:

6 cl The Rum Cask Belize
2,5 cl Carpano Antica Formula
2 Dashes Orangenbitters
Orangenzeste


Ein sehr harmonischer Drink in dem alle Zutaten gut harmonieren. Zunächst überwiegt der Wermut auf der Zunge, wobei der Rum im Abgang bestimmend ist. Zwar favorisiere ich in diesem Drink eher einen kräftigen Pot Still Guyana Rum, der aromentechnisch mehr Kraft mitbringt, doch dies ist eine subjektive Sichtweise und war in diesem Fall von einem Column Still Destillat nicht zu erwarten. In jedem Fall ziehe ich diese Variante allerdings einem Manhattan mit Süßrums vor, da diese dem Drink die Balance nehmen.

Bis zum nächsten Mal,
Leo 

Sonntag, 4. August 2013

Der Innovative - Rum & Tonic mit T.R.C. Worthy Park 4 YO

Liebe Rum Gemeinde,

morgen ist das Warten vorbei, dann kehrt das The Rum Cask Team von seiner zweiwöchigen Schottland-Reise zurück und der Worthy Park kann auch endlich verschickt werden.

Als dritten und letzten Drink, quasi zum krönenden Abschluss, haben wir uns eine Kombination aus The Rum Cask Worthy Park 4 YO, Tonic Water, Limettensaft und einer Orangenzeste ausgedacht. Wem das nun allzu bekannt vorkommt: richtig, die Grundidee zu diesem Rezept lieferte John Barrett, der Direktor von Bristol Spirits, auf dem Backlabel der Bristol Classic Rum Jamaica Vale Royal Wedderburn 2002 Abfüllungen, wo zu lesen ist:

"Enjoy over Ice with Tonic Water & Lime."

Trotz dessen ist die Kombination aus Rum und Tonic Water eher unorthodox, denn normalerweise passen diese beiden nicht unbedingt zusammen. Mir ist auch kein wirklich populäres und zugleich anspruchsvolles Rezept bekannt, welches diese beiden vereinen würde. Der Filler für gelagerten Rum ist zumeist Ginger Beer.
Anders verhält es sich bei diesem Rum! Während wir uns Gedanken über mögliche Rezepte machten, probierten wir zunächst einige Sachen aus. Ausgehend von Barrett's Rezeptidee, die ich mit dem betreffenden Rum auch schon mal ausprobiert hatte, kam mir die Idee, das auch mit dem Worthy Park zu versuchen. Beide Rums haben gemein, dass sie ein eher kurz gelagertes und ein typisches Jamaica Profil haben, wobei der Bristol im Körper und im Estergehalt etwas schwerer, der Wothy Park dafür um ein vielfaches fruchtiger ist. In meiner Vorstellung passte der Worthy Park daher sogar noch besser in diesem Drink, als der Bristol. Als ich Leo davon berichtete, zeigte sich dieser eher skeptisch, zu ungwohnt schien diese Kombination, doch schon nach kurzem Antesten stand für uns beide fest: dieser Rum und Tonic Water, das passt zusammen! Im Folgenden experimentierten wir eigentlich nur noch mit den Mengenverhältnissen und dem Anteil an Limettensaft. Die Orangenzeste unterstreicht das Profil des Rums noch einmal im Besonderen. Hier das Ergebnis:

Rum & Tonic mit Worthy Park Rum 4 YO
Unser Rezept:

4 cl The Rum Cask Worthy Park Jamaica Rum 4 YO
12 cl Tonic Water (Thomas Henry funktioniert hervorragend)
0,5 cl Limettensaft
Orangenzeste

Anmerkungen: wer seinen Drink etwas saurer bevorzugt oder ein evtl. anderes Tonic Water (z.B. Schweppes) verwendet, der kann den Limettensaft-Anteil durchaus auch noch etwas erhöhen. Uns schmeckte der Drink auch mit 1 cl Limettensaft. Wir empfehlen aber, den Drink zunächst mit 0,5 cl Limettensaft zuzubereiten, da man den Limettensaft-Anteil jederzeit problemlos nachjustieren kann, auf Grund dessen, dass der Drink im Glas gebaut ist und keinen Sirup enthält.

Fazit: der Rum & Tonic kann sich mehr als sehen lassen! Ein fruchtig-herber, unkomplizierter Sommerdrink, mit genialer Orangenakzentuierung. Der Rum steht klar im Vordergrund, lässt sich seinen Alkoholgehalt kaum anmerken und verschmilzt mit Tonic & Limettensaft zu einem tollen Erfrischer, der sowohl in die Nachmittagssonne, zu einem mediterranen Abendessen als auch in fast jede andere Situation während dieser warmen Tage passt.
Für mich ganz klar der Favorit der drei Drinks und ich gehe letztlich sogar soweit zu sagen: ich würde den Rum auch nur für diesen einen Drink kaufen!
Darüber hinaus ist der Rum & Tonic kinderleicht zuzubereiten und dessen Ingredienzien sind einfach zu beschaffen, denn Orangen und Limetten gibt es in jedem Supermarkt und auch das von uns präferierte Tonic Water von Thomas Henry ist inzwischen leicht über den Getränkefachhandel zu beziehen.
Und nun freue ich mich einfach nur noch auf die nächsten Tage und auf baldige Rum & Tonic!

Bis demnächst,
Flo

Mittwoch, 31. Juli 2013

Der Moderne: Jamaican Julep mit T.R.C. Worthy Park 4 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute widmen wir uns dem zweiten Drink mit dem Worthy Park. Dieses Mal haben wir einen klassischen Drink in ein modernes Kleid gesteckt. Der Julep wird zumeist mit Bourbon Whiskey zubereitet und wurde in dieser Form schon im 18 Jahrhundert in den Staaten genossen. Seit 1938 ist der Mint Julep das offizielle Getränk des Kentucky Derby, einem Galopprennen, welches seit 1875 ausgetragen wird. Einige werden den Woodford Reserve Bourbon kennen, welcher auch als Kentucky Derby Edition erhältlich ist und als Basis dieses Drinks dient.
Nun haben wir uns allerdings gedacht, hier könnte man auf Basis des Worthy Parks eine fruchtige Adaption des Mint Julep, Ideal für den Sommer, kreieren. Gesagt getan, haben wir als Süßungsmittel den Zuckersirup durch 2 Barlöffel fein passierte Marillenmarmelade ersetzt. Diese wird zusammen mit 2cl Rum sowie einem Dash Orangenbitters aufgelöst und mit 10-12 Blättern angeklatschter Minze in einem Silberbecher (alternativ geht natürlich auch ein Glas) für 5 Minuten ziehen gelassen, wobei die Minze zwischendurch immer wieder leicht angedrückt werden sollte, um die Extraktion der ätherischen Öle zu bewirken. Dann den Becher zur Hälfte mit Crushed Ice füllen, rühren und nach und nach unter stetigem Rühren mit den restlichen 4cl Rum, sowie Crushed Ice auffüllen bis der Becher beschlägt. Zum Schluß nochmals Crushed Ice daraufgeben und mit Minze, einer halben Aprikose, sowie einer Cocktailkirsche garnieren: Fertig ist ein herrlich kühler, fruchtiger und erfrischender Sommerdrink!

Mint Julep mit The Rum Cask Worthy Park 4 YO
Unser Rezept:

6 cl The Rum Cask Wothy Park Jamaica Rum 4 YO
2 BL Darbo Goldmarille (fein passiert)
1 Dash TBT Orange Bitters
10-12 Minzblätter


Garnish:

Minze
1/2 Aprikose
Cocktailkirsche (Griottines)


Fazit: Eiskalte Fruchtbombe, Aprikose und Orange harmonieren perfekt mit den fruchtigen und grasigen Noten des Worthy Park. Der hohe Alkoholgehalt des Worthy Parks ist zu keiner Zeit dominant, vermag es allerdings die gewünschte Verwässerung bei diesem Drink zu überstehen. Wir finden: nicht nur eine Alternative zum klassischen Julep mit Bourbon, sondern ein Sommerdrink vor dem Herrn!

Ein weiterer Drink steht noch aus. Und soviel sei verraten, ein sehr überraschender, pefekt haromierender Drink, der aber dennoch einfachst in der Zubereitung ist. Doch dazu am Wochenende mehr ;)

Auf dass wir die heissen Tage alle unbeschadet überstehen,
Euer Leo

Donnerstag, 25. Juli 2013

Der Klassiker - Daiquiri mit The Rum Cask Worthy Park 4 YO

Liebe Rum Gemeinde,

als ersten Cocktail mit dem neuen The Rum Cask Worthy Park Jamaica Rum 4 YO haben wir uns für einen Klassiker entschieden: den Daiquiri. Wenn auch der Name erst um 1900 herum entstand (leitet sich von einem kleinen kubanischen Dorf ab) und seine große Popularität untrennbar mit dem Namen Ernest Hemingway und der Bar La Floridita verknüpft sind, so besteht die Rezeptur aus Rum, Limettensaft und Süßungsmittel in dieser Form hingegen schon seit weit über 100 Jahren und hat ihren Ursprung nicht, wie viele nach ihm entstandene Drinks, in einer Bar, sondern wohl in der Ungenießbarkeit des puren Rums der damaligen Zeit. Die Herstellung von Rum verlief noch wesentlich unsauberer, der Rum war "dreckiger" und viel alkoholischer. Zudem konnte sich lange im Fass gereiften Rum kaum jemand leisten, so dass z.B. Seefahrer nicht selten nur ungelagerten Rum an Bord hatten. Die Verdünnung mittels Süße und Säure machte den Rum trinkbarer und war daher vor allem Mittel zum Zweck.
Der heutige Daiquiri hat mit dem damaligen, bis auf die grobe Rezeptur natürlich, nicht mehr viel gemeinsam. Aus einer hoch-potenten Mischung als Mittel zum Zweck ist ein eleganter, anspruchsvoller Cocktail geworden, der zu höchstem Genuss einlädt. Denn inzwischen greift man bei der Zubereitung des Daiquiri auf hochwertige Rums zurück, die auch teilweise, so wie unser heutiger Rum, pur genossen werden können. 


Daiquiri mit Worthy Park Jamaica Rum 4 YO
Unser Rezept:

5 cl The Rum Cask Worthy Park Rum 4 YO
3 cl Limettensaft
2 cl Zuckersirup


Fazit: das Ergebnis ist ein hervorragend ausballancierter, fruchtiger aber auch erfrischender Sommerdrink.
Was sich vom klassischen Daiquiri unterscheidet, sind die deutlichen, gelagerten Noten zu Beginn. Ein ganzer Fruchtkorb macht sich im Mund breit, der sich in erster Linie in Form von Bananenchips/Bananenkompott bemerkbar macht. Dahinter erscheint ein Hauch Vanille. Was direkt auffällt, es handelt sich um einen sehr, sehr öligen Drink.. silky.. yummie! Die Frucht zu Beginn schlägt in grasige, frische Noten zum Ende um. Wir finden hier auch die Pur wahrgenommen Noten von Sonnenblumenkernen wieder. Und gerade das macht ihn zum Sommer-Daiquiri par excellence! Fruchtig, aber hinten heraus erfrischend. Selbst im Gegentest mit dem Preiskonkurrenten Banks 5 Island gewann er für uns (und eine Freundin, welche Banks liebt, war im Übrigen auch dieser Meinung)! Medium Bodied Fruchtbomben-Jamaicaner meets Daiquiri: Eine Offenbarung!

Dieses war der erste Streich...

... und der zweite folgt zwar nicht gleich, aber in wenigen Tagen ;)

Bis dahin,
Leo & Flo

Sonntag, 21. Juli 2013

The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 4 YO (2009 - 2013), 63,1% vol.

Liebe Rum Gemeinde,

wie Freitag angekündigt, kommen heute die Details zu einem Rum, dessen Front- und Backlabel seit 3 Tagen auf unserem Blog zu sehen sind. Der Rum, das war dem Backlabel bereits zu entnehmen, ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem unabhängigen Whisky- und Rumabfüller "The Rum Cask" und Barrel Aged Thoughts. Doch wie kam es dazu?
Bei der Recherche zum Artikel über den The Rum Cask Hampden Jamaica Rum aus deren erster Rum-Serie, kam ich mit einem der Inhaber, Jens Owczarek, ins Gespräch. Dabei beantwortete er nicht nur bereitwillig meine Fragen zur Hampden-Abfüllung, sondern es stellte sich auch heraus, dass Herr Owczarek sehr interessiert am Thema Rum ist, unseren Blog auch kennt und sehr schätzt und seinerseits viele Fragen an uns hatte, vor allem bezüglich der verschiedenen Jahrgänge und Herstellungsverfahren beim Rum. Diese wiederum konnten wir ihm gerne beantworten und nannten auch einige Jahrgänge, welche es in unseren Augen besonders wert wären, abgefüllt zu werden. Offenbar wollte The Rum Cask möglichst gezielt weiter an seiner Rum-Serie arbeiten, was uns als Liebhaber solcher seltenen Tropfen natürlich sehr gefreut hat. Und so ganz nebenbei, bekamen wir auch noch mit, wie ein unabhängiger Abfüller arbeitet, wie die einzelnen Schritte von der Auswahl der Rums bis zur abgefüllten Flasche sind, was unglaublich spannend und sehr lehrreich war.
Nach einiger Zeit fragte mich Herr Owczarek ob wir von Barrel Aged Thoughts nicht Interesse hätten, Proben von Rumfässern, die The Rum Cask angeboten bekommt, mit zu verkosten und unsere Meinung zu den jeweiligen Proben abzugeben, also beratend zu fungieren, da wir im Rumbereich über eine größere Erfahrung verfügen.
Die Idee fanden wir natürlich klasse, immerhin bot sich hier die Chance, direkt mit zu beeinflussen, was für Rum abgefüllt wird. Dabei erzählte Herr Owczarek auch von einem Rum aus Worthy Park (Jamaica), der ihnen angeboten wurde, den sie selbst, als leidenschaftliche Purtrinker, allerdings noch als zu jung und zu ruppig empfanden. Hier waren wir wiederum sehr interessiert, da Worthy Park eine sehr junge Destillerie ist, die am Markt noch fast unbekannt ist. Eine Abfüllung in Fassstärke von einem unabhängigen Abfüller gab es unseres Wissens nach gar noch nie, denn Worthy Park scheint vieles seiner Produktion in die eigenen Blends zu stecken. Angesichts des jungen Alters und dieser Vorinformationen, sahen wir vor allem eine Chance darin sahen, dass der Rum evtl. gut zu vermixen sei. Herr Owczarek schickte uns daraufhin Proben dieses Rums zu, von dem wir drei sofort begeistert waren. Ein typischer Jamaicaner, sehr jung noch (4 Jahre laut Label), für dieses Alter aber schon vergleichbar weich mit mittlerem Körper und einer herausragenden Fruchtigkeit. Wir waren von dem Rum sofort überzeugt und fragten bei The Whisky Cask nach, ob sie den Rum nicht abfüllen könnten, denn damit wären ganz sicher einige sehr schmackhafte Drinks machbar. Das war vor ca. zwei Monaten. In der Zwischenzeit bekamen wir je eine 0,5 Liter Flasche (übrigens das einzige, was in unsere Richtung an "Bestechung" floß ;) ) um besagte Drinks zu testen und nun ist der Rum tatsächlich abgefüllt worden und steht startbereit im Handel, worauf wir sehr stolz sind. Unseres Wissens nach, ist eine derartige Zusammenarbeit zwischen einem unabhängigen Abfüller und privaten Connaisseuren bisher einzigartig.
Zu kaufen ist der Rum ab morgen, den 22. Juli 2013 im Shop von The Rum Cask. Kleiner Wermutstropfen: da das Team sich derzeit auf einer Schottlandreise befindet, um dort weitere gute Tropfen zu finden, kann leider erst ab dem 5. August wieder versendet werden (siehe Website-Info).

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Hier unsere puren Verkostungsnotizen:

Preis: der Preis für die 0,5 Liter Flasche wird 23,90€ und der für die 1,0 Literflasche 39,90€ betragen.

Alter: von 2009 bis 2013 lag dieser Rum vier Jahre lang im Fass. Wo die Reifung stattfand, ist nicht bekannt.

Alkoholstärke: der Rum wurde in Fassstärke abgefüllt. Sein Alkoholgehalt beträgt 63,1% vol..

Destillationsverfahren: wie für Jamaica Rum üblich, wurde der Rum in einer Pot Still destilliert.

Farbe: strohig, golden, intensiv

Viskosität: dünne, unregelmäßige, langsam verlaufende Schlieren an der Glaswand deuten auf einen jungen aber dennoch nicht wenig öligen Rum hin.

Nase: hui! Sehr dichte, verwobene, fruchtige Nase. Ein Misch aus Bananenkompott, Bananenchips und frisch geschnittener Banane, dazu Aprikosen und weitere exotische Früchte. Ester, feine, dezente Süße und ein Hauch von Vanille und Milchschokolade. Alkoholische Schärfe ist da, anfangs auch leicht stechend, aber nicht überlagernd, für einen derart jungen Fassstärke-Rum sogar eher mild. Ungewöhnlich: Sonnenblumenkerne. Hinten raus kommt ein wenig Rauch. Auffällig: hier würden wir keinen vierjährigen Rum vermuten, sondern einen schon etwas älteren.

Gaumen: ein wuchtig-fruchtiger Beginn voller Banane (hier sind es am ehesten Bananenchips). Dazu Haselnüsse und Zuckerrohr. Und: wieder die süße Milchschokolade! Vorsichtige Anklänge von Bourbon-Vanille und eine merkliche grasige, vegetale Note, die allerdings nicht so ausgeprägt ist, wie bei vielen Wedderburn-Rums und wie in der Nase: Sonnenblumenkerne. Leichte Ester sind auch präsent, aber der Rum hat ganz klar einen eher mittleren Körper, kein Heavy Bodied Jamaicaner! Fanden wir den Rum in der Nase noch älter wirkend als er ist, so zeigt er am Gaumen dann sehr wohl, dass der Rum eben noch keine acht oder zehn Jahre im Fass lag.

Abgang: zu Beginn süß, Banane mit angebrannten Gewürzen und schwachen Zuckerrohraromen und dazu ein minimal rauchiger Beigeschmack, dann trockener werdend und mittellang verweilend.

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The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park 4 YO, 63,1% vol.
Fazit: ein wahnsinnig fruchtiger Rum, der für seine Stärke und sein Alter erstaunlich mild ist und den man blind daher zwar auch etwas älter schätzen könnte, dessen große Zeit des Purgenusses aber tatsächlich erst in einigen weiteren Fassjahren kommen wird.
Allerdings, wie schon mehrfach angeklungen, hat der Worthy Park ein ideales Profil um ihn in hochwertigen Cocktails & Drinks zu vermixen, was wir ebenfalls getan haben. In den nächsten Tagen bis zum Versand-Start des Rums am 5. August, bringen wir hier auf Barrel Aged Thoughts daher auch noch drei wunderbare Drink-Ideen. Zu Beginn einen Klassiker, im Anschluss einen Modernen und zum Abschluss einen Innovativen.
Zur Kaufempfehlung: diese können wir, im Hinblick auf die Drinks, in vollem Umfang aussprechen, und auch der pure Rum hat seine Vorzüge. Gegen den Mehrwert, den er gemixt bietet, hat er pur aber in unseren Augen keine Chance.
Das Preis-Leistungsverhältnis bei diesem Rum ist unserer Ansicht nach hervorragend, der Preis für 0,7 Liter beträgt bei einer 1 Literflasche nicht einmal 28 Euro, und das für eine Single Cask oder Small Batch Abfüllung in voller Fassstärke! Worthy Park als Destillerie generell und dieser Rum im Speziellen, werden das bisherige Portfolio jamaicanischer Rums in jeder Hinsicht bereichern und verstärken. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass mehr von deren Rum auch an unabhängige Abfüller gelangt. Denn ob die eigenen Blends mit diesem Rum mithalten können, darf zumindest bezweifelt werden, da entweder ein junger, gelagerter Blend angeboten wird (wahrsch. vergleichbar mit unserem heute besprochenen Rum), der, wenn ich mir die smoothe Fassstärke-Abfüllung ansehe, mit 40% vol. allerdings viel zu viel Verdünnung abbekommen haben muss, oder ein Overproof Rum, der wiederum keine Lagerung erhalten hat.
Ein letztes Wort: wir sind ein unabhängiger und unbestechlicher Blog, der die Herausstellung maximaler Qualität zum Ziel hat. Daher war uns die Wahrung unserer Unabhängigkeit bei diesem Projekt ein großes Anliegen und wir freuen uns sagen zu können, dass wir den Rum nicht deshalb empfehlen, weil unser Name mit auf dem Etikett steht, sondern, dass unser Name auf dem Label steht, weil wir den Rum abgefüllt sehen wollten und ihn empfehlen. Und wir danken dem Team von The Rum Cask an dieser Stelle für das in uns gesetzte Vertrauen!




Bis die Tage zum ersten Drink,
Marco, Leo & Flo

Freitag, 19. Juli 2013

Coming Soon!





The Rum Cask Jamaica Rum from Worthy Park Distillery 4 YO - 63,1% vol.
- Selected and Recommended by Barrel Aged Thoughts.

Mehr dazu am Sonntag auf Barrel Aged Thoughts!

Sonntag, 2. Juni 2013

Marie Galante - Velier Rhum Vieux Bielle 7 vs. 9 Ans

Einen wunderschönen guten Tag,

Velier MG 2003 7 Ans
heute begeben wir uns auf eine winzige karibische Insel: Marie Galante. Sie gehört zu Guadeloupe und ist damit ein französisches Überseedepartement. Sie ist nahezu kreisrund, mit einem Durchmesser von gerade einmal 15 Kilomentern und hat eine Population von unter 15.000 Einwohnern. Umso erstaunlicher, dass es heute immernoch 3 aktive Destillerien gibt: Domaine de Bellevue, Poisson und Bielle. Domaine de Bellevue ist nicht zu verwechseln mit der Bellevue Destillierie auf Guadeloupe, welche Produzent der bekannten Marke Damoiseau ist. Poisson stellt die Marke Pére Labat her, deren weißer Rhum Agricole mit 59% Kultstatus hat. Heute werden jedoch 2 gereifte Qualitäten, der im Herzen der Insel gelegenen Destillerie Bielle, verkostet, welche vom unabhängigen italienischen Abfüller Velier angeboten werden. Merkmal der Rhums aus Marie Galante ist, dass sie aus frischen Zuckerrohrsaft hergestellt und auf 59% destilliert werden. Die Destillation betreffend unterscheiden sie sich damit von Rhums aus Martinique, welche deutlich höherprozentig destilliert werden. Eine weitere Besonderheit für Rhum Agricole ist es, dass bei Bielle nicht nur in Column-Stills sondern auch in kupfernen Pot-Stills Rhum hergestellt wird. Der Rhum Bielle Premium 59% z.B. wird im ersten Durchgang in einer 2-Säulen-Anlage und im zweiten Durchgang in einer Pot-Still gebrannt.


Der Abfüller:

9 Ans vs 7 Ans (von links nach rechts)
Velier stammt, wie einige andere (z.B. Samaroli und Rum Nation), aus Italien, genauer Genua, und wurde 1947 von Casimiro Chaix gegründet. Sie vermarkten bzw importieren allerdings nicht nur Whisky und R(h)um sondern auch diverse weitere Spirituosensorten/marken sowie unter anderem Zigarren. 1992 fing man an Einzelfassabfüllungen von Single Malts sowie R(h)um als unabhängiger Abfüller unter eigenem Label anzubieten. 2006 lag ihr Umsatz bereits bei über 19 Mio € und sie vertreiben seit 2008, in Kooperation mit der Distillerie Bielle, die Marke "RhumRhum PMG". Das Augenmerk von Velier scheint allerdings auf Demerara Rum sowie Rums aus der bereits geschlossenen Distillerie Caroni aus Trinidad zu liegen. Hiervon gibt es jeweils sehr viele Abfüllungen, welche fast ausschließlich in Fassstärke angeboten werden: Daumen hoch dafür!


Die Rhums:

Beide heute zu testenden Rhums sind Jahrgangs-Agricole aus 2003. Der Unterschied besteht darin, dass der eine mit einer Faßreife von 7, und der andere 2012 mit 9 Jahren abgefüllt wurde. Insgesamt wurden 2006 von Velier, genauer von Luca und Paolo Gargano, 6000 Liter des 2003er Jahrganges bei Bielle erworben. Für den 9 Ans waren dies nun im übrigen die letzten Fässer dieses Jahrgangs, dh. weitere, ältere Abfüllungen wird es nicht geben. Da der Rhum direkt von Velier vor Ort gekauft wurde, ist davon auszugehen, dass diese Agricole auf Marie Galante reifen durften und damit eine karibische Fasslagerung erfahren haben. Dies wird sich im Geschmack bestätigen.


Preis: In Deutschland führt Manufactum den MG 2003. Gelistet ist im Onlineshop zwar die 7 jährige Variante, geliefert bekommen habe ich zuletzt jedoch den 9 Jahre alten Rhum. Ich gehe davon aus, dass der jüngere Agricole bereits vergriffen ist und bislang keine aktualisierung im Shop vorgenommen wurde. Beide Rhums habe ich zum Preis von 31€ bezogen. Für einen Vintage Agricole ein absolutes Schnäppchen. Ob sich dies allerdings auch bezüglich der Qualität sagen lässt, wird interessant.

Velier MG 2003 9 Ans
Alter: Wie bereits angemerkt, verbachte der eine Rhum 7, und der andere 9 Jahre im Faß. Wo die Fässer gelagert wurden, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, es ist jedoch sehr gut vorstellbar, dass aufgrund der Kooperation mit Bielle eine Lagerung in der Karibik stattfand. 

Alkoholstärke: Beide Abfüllungen kamen mit 49% in die Flasche und versprechen damit eine gute Trinkstärke.

Destillationsverfahren: Hierzu lassen sich leider keine Angaben finden. Da Bielle sowohl Pot- als auch Column-Stills betreibt, kann es wir im Fall ihres Premium 59% eine gemischte Destillation gewesen sein, oder ein reiner Column- bzw Pot-Still Rhum.

Farbe: Beide strahlen in einem satten Gold im Glas., wobei der 9 Ans eine kaum merkbare Nuance dunkler erscheint. 

Viskosität: Ungewöhnlich für Agricole, bilden beide weite Bögen und der Rhum gleitet nur sehr langsam hinunter: Es verspricht ölig zu werden. 

Nase: Zu Beginn ist eine leichte Klebstoffnote, wie sie auch bei vielen American Whiskeys zu finden ist, wahrnehmbar. Diese verflüchtigt sich allerdings sehr schnell. Beim 7 Ans besteht kein Zweifel was hier im Glas ist: zunächst vegetal, nasses Gras, doch es gesellen sich unmittelbar Noten von der Fasslagerung hinzu und ich bin erstaunt. Ich nehme unter den ganzen Gewürzen die mir entgegenschlagen eindeutig Curry war. Dazu noch etwas Muskat sowie Zimt. Die zweite Welle besteht dann aus Vanille und frischer Eiche.
Der 9 Ans kann seine Verwandschaft zu seinem jüngeren Kollegen nicht verleugnen, dennoch sind deutliche Unterschiede zu erriechen. Zum einen ist er weniger grasig und die Vanille ist wesentlich stärker ausgeprägt und präsentiert sich direkt zum Anfang nebst den Gewürzen: ebenfalls Curry, Muskat und Zimt. Zudem wird die gesamte Nase von einer konzentrierte, schweren Honigsüße getragen, welche ich beim 7 Ans erst nach 10-15 Minuten im Glas in Anklängen finden konnte. (Anmerkung: diese Honigsüße ist allerdings nicht mit der typischen Honig-Vanille-Note eines Barbados Rockley zu vergleichen) Zum Ende ist auch die Eiche präsenter als zuvor. Insgesamt wirkt der ältere Bielle erwachsener und voller, der jüngere entsprechend frischer aber auch komplexer.
Beide Rhums fordern schon beim Nosing, belohnen den Genießer jedoch in eindrucksvoller Weise!
Gaumen: Zunächst habe ich die Gewürze sowie Vanille auf der Zunge und die vegetalen Grasnoten kommen danach mit voller Power. Diese sind hier noch dominierender als in der Nase. Sehr intensiv im Geschmack. Die Grasnoten haben auch zum Ende das Heft in der Hand, in Verbindung mit trockener Eiche; jedoch weit entfernt davon zuviel vom Fass abbekommen zu haben.
Der ältere der 2003er Jahrgangs-Rhums zeigt schon von Beginn an seine Reife: Trocken an der Zungenspitze. Das Curry, unterstützt von der Süße, prägt den Geschmack. Die frische und vegetalen Noten mussten den Gewürzen und der Vanille weichen. Sie sind zwar wahrnehmbar, bleiben allerdings eher im Hintergrund. Hier bestimmen Süße, trockene Eiche,Gewürze sowie eine leichte Nussigkeit gegen Ende. Er erscheint noch intensiver und vor allem öliger als der 7 Ans und hat hier meiner Meinung nach auch sein Maximum an Reifezeit erreicht. Er ist nicht verholzt, aber noch mehr Fassreife hätte ihn zu trocken und von der Eiche dominiert werden lassen.

Abgang: Sehr ausgewogener Abgang beim 7 Ans. Hier packt er alles hinein was erschnuppert und erschmeckt wurde: grasig, Gewürze, vanillig, etwas trocken und süß zugleich. Dazu für einen Agricole sehr intensiv und langanhaltend.
Beim 9 Ans dominiert die trockene Eiche, die Süße und das Curry. Hier zeigt sich, dass er es nicht ganz vermag die Komplexität seines Vorgängers zu erreichen, dafür ist er allerdings auch intensiver. Er ist zwar absolut nicht holzig, es ist jedoch zwingend einen trockenen Abgang zu mögen, sollte man sich an diesen Rhum wagen.

Fazit: Der Preis hält sogar noch mehr als er verspricht. Ich hatte 2 hervorragende Agricole, in einer für meine Begriffe perfekten Trinkstärke: kaum alkoholisch, nicht verwaschen, intensiv und angenehm. Einen Gewinner gibt es, was den Purgenuß angeht, dennoch: der MG 2003 7 Ans. Denn er versteht es alle Eindrücke in einem wunderbaren Gesamtbild in der Nase, an der Zunge und auch am Gaumen im Abgang zu präsentieren: komplex, intensiv, ausgewogen! Der 9 Ans ist, auch wenn nicht so ausbalanciert wie der 7 Ans, ohne Frage ein sehr guter Rhum. Sollte der jüngere Rhum nicht mehr zu bekommen sein, kann ich ohne schlechtes Gewissen eine Kaufempfehlung auch für diesen aussprechen. Zur Destillation: Ich vermute hinter den Destillaten einen Pot-Still Agricole: Die Intensität der Nase und des Geschmacks lassen mich zu diesem Schluß kommen.

Ich wünsche allen einen schönen und hoffentlich auch sonnigen Juni,
Euer Leo

Sonntag, 12. Mai 2013

Don Jose Distillery, Panama: The Rum Cask 2004 8 YO vs. Scotland and Malts 1999 12 YO

Hallöle,

Heute erwartet euch wieder eine gänzlich neue Region hier auf Barrel Aged Thoughts: Panama. Der Rum von dort ist dem leichten spanischen Stil zuzuordnen und passt normalerweise nicht in mein Beuteschema, was allerdings nicht bedeutet, dass von dort nicht auch guter Rum kommen kann. Und dies wird sich insbesondere heute zeigen. Zwei Abfüllungen der selben Destillerie, Don Jose, in Faßstärke unterschiedlicher Jahrgänge von zwei UA's. Den bereits hier vorgestellten "The Rum Cask" und zum anderen aus der "Cask Collection" von Scotland-and-Malts, beide in Deutschland beheimatet. Eine der beiden Abfüllungen zeigt den typischen Stil Panamas und wird Neulingen in der Welt der Cask Strength Rums einen leichten, schmeichelnden Einstieg sowie neue Perspektiven eröffnen und die andere wird sich, aufgrund einer speziellen Faßreife, bedeutend abheben und könnte so manchen Whiskyliebhaber zum Rum konvertieren lassen.
Die Don Jose Distillery ist eigentlich unter dem Namen Destileria Varela Hermanos in Panama ansässig, wurde 1908 von Don José Varela Blanco gegründet und man begann dort ab 1936 mit der Destillation auf der Grundlage von Zuckerrohr. Heute hat Varela Hermanos S.A. nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 90% der produzierten Spirituosen in Panama. Sie stellt nicht nur Rum sondern hat unter anderem auch Vodka und Gin im Portfolio. Die bekannteste, auch international vertirbene Marke, stellt Ron Abuelo dar.


Scotland and Malts Panama Rum Don Jose 12 YO
Die Abfüller:

Von The Rum Cask wurde bereits die Jamaica Abfüllung aus Hampden hier besprochen. Dort ist auch näheres über diesen UA zu lesen, der sich nun, zu meiner Freude, auch dem Rum verschrieben hat. Scotland-and-Malts hat schon seit ein Paar Jahren einige wenige Rumabfüllungen in Ihrer "Cask Collection" im Angebot, sowie auch einige neue Abfüllungen aus diesem Jahr. Wie nahezu alle UA's kommt auch Scotland-and-Malts wie der Name es schon andeuted aus dem Whiskybereich und betreibt sowohl einen Onlineshop als auch ein Ladengeschäft in Eberswalde. Die meisten Rums der Cask Collection werden in Faßstärke abgefüllt, es gibt allerdings auch Ausnahmen. Der heute besprochene Rum stammt nicht aus der aktuell abgefüllten Range, sondern wurde im Jahr 2011 abgefüllt. Sie ist allerdings noch im Shop verfügbar.


Verkostung der beiden Rums:


Preis: Die Scotland-and-Malts Abfüllung habe ich in deren Onlineshop für 42,90€ erstanden. Hier handelt es sich um eine 500ml Flasche und der Rum ist dort noch verfügbar.
Die Abfüllung von The Rum Cask ist in verschiedenen Größen erhältlich. Ich persönlich habe mich für die 500ml Flasche entschieden, welche in deren Onlineshop für 33,90€ zu haben ist. Die 700ml Flasche ist mit 44,90€, auf den Liter umgerechnet, minimal günstiger. Auch Samples sind dort zu bekommen. Wie auch von ihren anderen Rumabfüllungen hat man hier die Wahl zwischen 2, 4 und 10cl zu respektive 2, 4 und 8,50€.

Alter: Der Don Jose von Scotland-and-Malts durfte 12 Jahre im Faß verbringen, der Rum von The Rum Cask deren 8. Es dürfte sich in beiden Fällen um eine Lagerung in Schottland gehandelt haben, was sich insbesondere bei der zuletzt genannten Abfüllung noch deutlich zeigen wird.

Alkoholstärke: Beide Rums wurden in Fassstärke abgefüllt. Der 12 jährige Rum aus Panama kommt mit 57,9%, der 8 jährige mit 54,5% ins Glas.

Destillationsverfahren: Die Destileria Varela Hermanos brennt in einer aus 4 Säulen bestehenden Column Still, wie für den spanischen Stil typisch. Daher lässt sich ein leichter Rum erwarten.

Farbe: Beide Rums präsentieren sich dunkel-golden im Glas mit leicht grünlichen reflexen, wobei der 8 Jahre alte Rum eine Nuance dunkler und satter erscheint.

Viskosität: Wie zu erwarten, da in Column Still gebrannt und nicht sehr lange gelagert, bilden beide Rums Enge Bögen und gleiten von den Glaswänden rasch zurück zum Boden.

Nase: Hat sich da ein Karamell-Sahne-Bonbon in mein Nosing-Glas verirrt? Denn genauso riecht der 12 jährige Don Jose. Die alkoholische Schärfe kommt heraus, aber nicht derart penetrant, dass sie stören würde. Wer nicht verdünnen möchte, kann hier das Glas einige Minuten zugedeckt stehen lassen. Da es sich um ein leichtes Destillat handelt, war der Fasseinfluss hier sehr entscheidend und drückt dem Rum mitunter seinen Geschmack auf. Süße und Karamell prägen die Nase, allerdings kein dunkles oder angebranntes Karamell. Frucht ist keine Wahrnehmbar. Nicht komplex, aber sehr gefällig.
Schlägt der 8 jährige Rum in die selbe Kante? Mitnichten: Hallooo Schottland! Spezifischer ausgedrückt: Habe ich hier nicht einen Islay Whisky im Glas? Völlig unerwartet trifft mich der Geruch. Ich hatte einen typischen Don Jose erwartet. Doch als allererstes wabern Noten von Teer, Rauch, Seetang und Salz aus dem Glas empor. Ergänzt und vermischt wird das Ganze mit der starken Süße des Rums. Das Karamell schafft es erst ein paar Sekunden später bis zu mir durchzudringen. Und hier zeigt sich nun, dass die Lagerung in Schottland vorgenommen wurde. Denn dieser Rum lag definitiv in einem ehemaligen Whiskyfass und der Nase nach zu urteilen, könnte dies durchaus kein Finish, sondern eine komplette Lagerung in einem vorigen Islay-Whisky-Fass gewesen sein. Heavily-Peated Rum. Salzigkeit trifft auf Süße, Teer und Rauch treffen auf Karamell, und das funktioniert in der Nase schonmal erstaunlich gut.

Gaumen: Der Eindruck aus der Nase setzt sich hier zunächst eins zu eins fort. Ich habe hier ein flüssiges Karamell-Sahne-Bonbon im Glas. Der Rum ist alles andere als dickflüssig und schwer, aber gerade im Mundgefühl ist dieser Rum sehr cremig und sahnig. Das hätte ich so nicht von einem Cloumn Still Rum erwartet. Dazu diese ausgeprägte Süße und das Karamell. Die Fassstärke macht sich bemerbar. Leichte Anklänge von Mango, welche zuvor nicht präsent waren, sind nun dezent am Gaumen zu spüren.
Auch beim 2ten Panama Vertreter hat die Nase nicht gelogen. Volle Islay Power, allerdings mit eben der für diesen Rum typischen Süße sowie sahnigen Textur. Verbrannte, karamellisierte Holzbalken/Holzkohle! Danach salzig sowie eine Briese Meer.

Abgang: Der Abgang gestaltet sich erwartungsgemäß kurz. Die Prozente machen sich bemerkbar und neben der leichten Schärfe des Alkohols ist lediglich etwas Karamell, welches am Gaumen verbleibt. Nach einigen Sekunden ist der Rum dann allerdings verschwunden.
Der Abgang wird bestimmt von süßen Rauch und Karamell und verbleibt lange im Mund. Hier profitiert der Rum gegenüber seinem älteren Vertreter eindeutig von der speziellen Lagerung. Wie für Islay typisch ist auch Minuten nach dem Trinken der Geschmack weiterhin präsent. Alkoholische Schärfe ist für mich fast nicht wahrnehmbar.


The Rum Cask Panama Rum Don Jose 8 YO
Fazit: Wer den typischen Stil Panamas entdecken will ist bei der Scotland-and-Malts Abfüllung bestens aufgehoben. Im Gegensatz zu den Abuelo Rums, welche künstlich Süß schmecken, wird diese hier natürlich in den Rum transportiert. Sehr gut geeignet für den Einstieg in die Welt abseits der Standardabfüllungen. Sehr gefällig, und wer dem spanischen Stil, zB einem Ron Abuelo oder Zaya, Zacapa und Konsorten zugeneigt war, kann hier zuzugreifen. Allerdings muss der Rum sich auch ankreiden lassen, etwas Komplexität vermissen zu lassen. Mir persönlich fehlt hier auf Dauer die Spannung, das Besondere (abgesehen von der sahnigen Struktur).
Wer etwas sehr besonderes will und Islay-Whisky gerne trinkt: The Rum Cask Panama 2004. Uneingeschränkte Kaufempfehlung! Der Sieger in diesem ungleichen Duell ist für mich persönlich ganz eindeutig der Don Jose von The Rum Cask, der eine grandiose Symbiose gegensätzlicher Aromen vollbringt. Sicherlich eine Abfüllung die bestens geeignet sein sollte um überzeugte Islay-Whisky-Liebhaber auf den Pfad des Rums zu bringen.

(Als kleine Anmerkung: Ich konnte den 17 Jahre alten Don Jose aus der aktuellen Range von Duncan Taylor bereits verkosten. Dieser ist vergleichbar mit der Scotland-and-Malts Abfüllung, jedoch noch etwas Runder und voller im Geschmack.)

Bis zum nächsten Review,
Euer Leo

Mittwoch, 17. April 2013

Guadeloupe vs Martinique, oder: Karukera- vs Neisson- Reserve Speciale

Hallo werte Leser,

nun ein Vergleich zweier gelagerter Agricole, der eine aus Guadeloupe, der andere aus Martinique. Beide sind vergleichbar alt, beide wurden mit jeweils 42% abgefüllt und beide sind noch ohne Probleme erhältlich. Preislich sind sie in die gehobene Einsteigerklasse zu verorten. Und auch das soll nicht zu kurz kommen, denn nebst den teuren Vintage und XO Abfüllungen, gibt es gerade im Bereich der Rhums, welche aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt werden, beachtliche 'Standardabfüllungen'. 
Diese unterscheiden sich allerdings in einigen Punkten von ihren Melasse-Kollegen. Denn der Grundstoff für Rhum Agricole, der frische Zuckerrohrsaft, kann nur direkt verarbeitet werden und nicht, wie Melasse, gelagert und bei Bedarf verwendet werden.

Zum einen ist das Ausgangsprodukt daher teurer, denn es handelt sich hier nicht um das Abfallprodukt der Zuckerherstellung, und kann auch nicht ein zweites Mal verwendet werden. Zum anderen ist dies ist auch der Grund, weshalb üblicherweise viele Jahrgangsrhums abgefüllt werden, denn das Destillat ist immer der entsprechenden Ernte zuzuordnen. Und selbst Standardabfüllungen, wie z.B. der J.M XO oder VSOP, sind sozusagen Vintage Rhums (Zumindest bei den älteren Versionen dieser Abfüllungen, wurde das genaue Datum der Destillation sowie Abfüllung angegeben).
Eine weitere Folge ist daher auch, dass oftmals die Abfüllungen wechseln und immer wieder neue auf den Markt kommen.
Bei den zwei nun vorgestellten Rhums werden beim Neisson auch explizite Jahrgänge genannt, welche ihren Weg in die Assemblage finden. Anders beim Karukera, hier wird lediglich die Dauer der Reifung angegeben, allerdings keine Angabe des Jahrgangs.
Es wird Spannend sein, zu sehen wie sich die Rhums aus den beiden französischen Überseedepartements schlagen, wo ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind, und wie sie sich im Daiquiri präsentieren. Nun wird der ein oder andere denken: "Daiquiri.. nein, nein.. das muss ein Ti Punch gemacht werden". Hier anworte ich: "Jein!". Der Ti Punch wird klassischerweise mit ungereiftem Agricole zubereitet und auch mit gereiften Rhums hat er seine Berechtigung. Für die Variante mit gereiften Rhums bevorzuge ich jedoch die Variante des klassischen Sours: Einen Rhum Vieux Daiquiri. Wer dies nocht nicht probiert hat, wird heute sicherlich einen Anreiz dafür bekommen.

Die Abfüller:

Zwei Jahrgangsrhums der Marke Karukera wurden bereits verkostet und für weitere Informationen zum Abfüller der Hinweis auf diesen lesenswerten Vergleich. Die Distillerie von Neisson, im Nord-Westen Martiniques direkt an der Küste gelegen, wurde 1931 von Hildevert-Pamphille Neisson gegründet und produziert seitdem Rhum Agricole. Mittlerweile wird die Destillerie von dessen Tochter und Enkel geführt und produziert AOC zertifizierten Rhum Agricole. Auf ihrer Website wird unter anderem der Herstellungsprozess sowie eine Ausflistung und Information über die momentan produzierten Rhum gegeben. Diese Zertifizierung erhalten Rhums aus Martinique wenn sie nach dort den festgeschriebenen Richtlinien Rhum herstellen. Hierzu findet sich hier eine ausführliche Beschreibung.

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Verkostung der beiden Rums:

Preis: Der Karukera Reserve Speciale ist mit etwa 35-39€ ein wenig günstiger zu haben als sein Konkurrent, der Neisson Reserve Speciale, für den zur Zeit mindestens 40€ aufgewendet werden müssen.

Alter: Der Rhum aus Guadeloupe weist ein Alter von mindestens 5 Jahren auf, so die Angabe des Herstellers. Beim Martinique Rhum erweist sich das Ganze doch schon deutlich schwieriger, auch, ob der Fülle an Informationen, welche von Seiten Neisson's gegeben werden. Im Durchschnitt, so angegeben, reiften die verwendeten Rhums 4 Jahre und 5 Monate. Der Neisson ist ein Blend aus 3 verschiedenen Jahren und besteht zu 70% aus Rhums von 2007 sowie je 15% aus 2004 und 2006. Leider bin ich der französischen Sprache nicht mächtig, allerdings scheinen mir die angegebenen Informationen, welche Seitens Neisson auf Englisch und Französisch gegeben werden widersprüchlich.

Alkoholstärke: beide Rhums wurden auf eine Trinkstärke von 42% verdünnt und abgefüllt.

Destillationsverfahren: Keine Überraschung: Beide wurden, wie für Agricole typisch, in Column-Stills gebrannt. Der Neisson wird, wie durch die AOC vorgeschrieben, auf 65-75% destilliert.

Farbe: Im Glas erscheinen beide golden, wobei der Neisson eine Nuance heller ist, als der Karukera.

Viskosität: beide Agricole bilden enge, dünne Bögen an den Glaswänden, welche verhältnismäsig schnell zurückfließen und ein Indiz für eine geringe Öligkeit sind. Ein besonerer Unterschied ist hierbei nicht zu beobachten.

Nase: Der Karukera übt sich alles andere als in Zurückhaltung, er startet voluminös mit dunklen Gewürzen. Muskatnuss (allerdings etwas weniger ausgeprägt als beim Karukera Vintage 1999) ist dabei am präsentesten, gefolgt von Pfeffer. Hinzu gesellt sich eine leichte Karamellnote sowie etwas frisches Holz, das mich in der Nase an eine unbehandelte kleine Holzkiste, in welcher zB Zigarillos verkauft werden, erinnert. Allerdings ohne den Tabakgeruch. Im Vergleich wirkt der Neisson etwas zurückhaltender sowie fragiler, beziehungsweise frischer und ich habe direkt Assoziationen zu Rye-Whiskey, wenngleich etwas subtiler als jene: würzig, eine ausgeprägte Pfeffrigkeit gepaart mit etwas Vanille. Zarte Noten von gerösteten Nüssen sind erkennbar, aber auch leicht fruchtige Anklänge sind präsent und ich kann in Erster Linie Zitrusfrüchte sowie Marillen identifizieren.

Gaumen: Die Gewürze schlagen bei unserem Vertreter aus Guadeloupe voll zu und die etwas süßere Note des Kramells bildet die Brücke hin vom Anfangs domonierenden Muskatnuss und Pfeffer hin zum trockenen und vom frischen Holz geprägten Ende. Wie schon vom Geruch zu erwarten präsentiert sich der Martinique-Rhum leichter und der Pfeffer spielt die erste Geige wobei sich zum zuvor Wahrgenommenen leichte Kräutrigkeit gesellt. Wieder kommen Gedanken an Rye-Whiskey auf, im Speziellen an die kanadische Version des Jefferson's Rye. Dieser hat, wie nun auch der Neisson einen etwas nussigen Nachhall, wobei der Rhum etwas weniger voll und voluminös ist, was sicherlich auch den 42% geschuldet ist (zum Vergleich, der genannte Rye hat deren 47). Etwas Zitrusfrüchte runden das Geschmacksbild ab. Von der Anfangs wahrgenommenen Fruchtigkeit ist allerdings nichts zu spüren, was jedoch nicht zwangsläufig im negativen Sinne zu sehen ist.

Abgang: Der Abgang gestaltet sich beim Karukera trocken. Die Aromen der Gewürze verweilen einige Zeit am Gaumen und auch das Holz ist spürbar, jedoch niemals aufdringlich. Eine leichte alkoholische Schärfe ist zudem vorhanden, welche allerdings nicht besonders stört. Der Neisson hat ein ebenso trockenes Finish, wobei sich dieses durch die verweilenden Zitrusnoten, frischer und jugendlicher gestaltet. Der Pfeffer bildet den roten Faden bei diesem Rhum. Im Vergleich ist der Abgang des Karukera ein wenig länger als der seines 'Konkurrenten'.


Daiquiri: 

Die Agricole Vieux Daiquiris bereite ich nach den Verhältnissen 7 Teile Rhum, 3 Teile Limettensaft und 2 Teile Zuckersirup zubereitet. Der Zuckersirup lässt sich leicht aus 2 Teilen Zucker sowie einem Teil Wasser ansetzen und wurde so für die Drinks verwendet.


Hier zeigen sich, wie schon pur deutliche unterschiede. Der Daiquiri mit Neisson ist, was die Frische anbelangt, deutlich näher am klassischen Daiquiri und überzeugt mit seiner Spritzigkeit, welche durch die Zitrusnoten und den Pfeffer zum Vorschein kommt. Ein sehr Harmonischer Drink, bei dem auch die gelagerten Noten, allerdings dezent, und im Speziellen die Nussigkeit den Abgang bestimmt. Hervorragend! Der Karukera drückt dem Daiquiri besonders mit seiner Muskatnote den Stempel auf. Aber auch Noten von Zuckerrohr kommen hier nun zum Vorschein, welche beim Purgenuß kaum vorhanden waren. Insgesamt bildet er allerdings in Verbindung mit der Limette und dem Zuckersirup eine nicht ganz so harmonische Einheit wie der Neisson, welcher trotz der Lagerung einen perfekten, frischen Sommerdrink zaubert. Ich würde zudem beim Karukera eine höheres Alkoholvolumen als beim Neisson vermuten, was allerdings nicht der Fall ist.

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Fazit: Beide Rhums wissen auf Ihre Art und Weise zu überzeugen. Allerdings muss ich als Grenzgänger und Liebhaber der Amerikanischen Whiskeys gestehen: Der Neisson ist mein klarer Favorit. Er ist etwas subtiler und komplexer als der Karukera, welcher allerdings mit seinen "dunkleren" Gewürznoten auch zu überzeugen Weis. Der Neisson schafft jedoch eine perfekte Balance aus Frische und Reife und präsentiert sich im Geschmacksbild etwas komplexer und spannender. Auf der Homepage wird angegeben, dass der Vintage Rhum von 2004 von Neisson in Fässern der Buffalo Trace Destillerie reift, was die Vermutung zumindest nahelegen lässt, dass eventuell auch bei dem hier verkosteten Rhum Fässer von dort zum Einsatz kamen. Geschmacklich zumindest würde dies passen, produziert Buffalo Trace doch auch Rye Whiskey, dessen Noten beim Neisson für mich starke Ähnlichkeiten aufweisen. In einem Blind-Tasting wäre es meiner Meinung nach hier schwer zu differenzieren ob man gerade einen Rye Whiskey oder Agricole vor sich hat. Ihr Geld sind beide Rhums sicherlich Wert und bilden einen, wenn auch nicht günstigen, so doch preislich angemessenen Einstieg in die Welt der gereiften Agriocle.
Im Drink spielt der Neisson dann seine Stärke voll aus. Für mich ein perfekter Agricole Vieux Daiquiri. Man möchte fast sagen, wie aus dem Bilderbuch. Ich habe nicht eine Kleinigkeit auszusetzten und freue mich jetzt schon auf wärmere Tage. Für den Kaurkera mag nach dieser Erfahrung nun ein Old Fashioned die bessere Wahl sein, überzeugt er mich im Daiquiri doch nicht vollends.
Anmerken möchte ich noch, dass Karukera für mich ein Alleinstellungsmerkmal unter den Rhums aus Guadeloupe hat. Denn geschmacklich haben Rhums von Damoiseau, Montebello und Gardel (alle aus Guadeloupe) eine klare Verwandtschaft und sind so der Insel zuzuordnen. Karukera tendiert allerdings geschmacklich eher in Richtung Martinique und präsentiert sich würziger und trockener als Rhums der zuvor genannten Destillerien. Im Vergleich der von mir vorgestellten Vintage Rhums von Karukera, dem 1999 sowie 2000, ähnelt das Geschamcksbild des Reserve Speciale deutlich mehr dem 1999er Jahrgang.

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen!

Bis dahin,
Euer Leo

Guadeloupe, Karukera Millésime 1999 & 2000

Hallo liebe Agricole-Freunde,
heute kommt das erste Agricole-Review und dafür habe ich zwei verschiedene Jahrgangsrhums der Marke Karukera, aus Guadeloupe, der sogenannten Schmetterlingsinsel, ausgesucht. Guadeloupe ist ein französisches Überseedepartement und damit Teil der Europäischen Union, obwohl es in der Karibik liegt. Es bildet zusammen mit Martinique die französischen Antillen. Der ursprüngliche Name, den die Einwohner dieser Insel gaben, war Karukera - welcher in etwa 'The island with the beautiful waters' bedeutet - davon leitet sich auch der Name für diese Rhums ab. Sie werden in der ältesten betriebenen Distillerie der Insel, der Hope Distillery hergestellt, welche im Südwesten in der Kommune Domaine du Marquisat de Sainte Marie gelegen ist. Dort, wo Christopher Columbus im November des Jahres 1493 anlegte.
Heute stelle ich den Karukera Rhum Vieux Millésime 1999 sowie den Karukera Rhum Vieux Millésime 2000 vor. Es sind zudem noch weitere Jahrgänge sowie Standardabfüllungen von Karukera verfügbar.

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Verkostung der beiden Rhums:

Preis: Beide Rhums sind aktuelle Abfüllungen und daher sehr gut verfügbar. Die Onlinepreise schwanken beim Kaurkera 1999 zwischen ca 66-80€ und der Karukera 2000 ist für etwa 73-85€ zu erstehen.

Alter: Für den 1999 finden sich weder Altersangaben auf der Flasche noch im Internet, wie etwa der Homepage von Karukera. Sein Alter dürfte allerdings um die 10 Jahre liegen, denn es handelt sich wie beim 2000er um eine erst vor kurzem auf den Markt gekommenen Rhum und für den Karukera 2000 finden sich auf der Flasche exakte Angaben der Reifedauer. Ins Fass kam er am 30.07.2000 und reifte dort etwa 10 Jahre und 1 Monat bis zum 01.09.2010. Beide Rhums wurden in ehemaligen Bourbon-Fässern gelagert und haben ein, für Rhum Agricole, sehr stattliches Alter.

Alkoholstärke: Der Jahrgang 1999 wurde mit 45% Volumenprozent abgefüllt, wohingegen der 2000er Jahrgang in Fassstärke und unfiltriert mit 50,8% seinen Weg in die Flasche fand. Dies stellt für mich schon einen großen Pluspunkt für den Karukera 2000 dar. 

Destillationsverfahren: Karukera verwendet für die Destillation kupferne Column Stills.

Farbe: Beide erscheinen sehr schön Bronzefarben im Glas, wobei der 1999 ein wenig rötlich-dunkler und der 2000 einen Tick heller und mehr in Richtung orangen-kupferfarben schimmert.

Viskosität: Beide Rhums bilden mittelweite, dicke Bögen, welche sich allerdings nicht zu sehr ans Glas kleben. 

Nase: Beim Karukera 1999 dominieren zu Beginn Aromen von Gewürzen, insbesondere Muskatnuss, welche von Noten von Orangenschale ergänzt werden. Hinzu gesellt sich dahinter eine Melange aus Pfeffer, Tabak sowie Holztönen. Insgesamt eine Nase, die eine äußerst dezente Süße verspricht. Müsste ich den Geruch in einem Wort beschreiben würde ich sagen: spicy. 
Der 2000er gestaltet sich in der Nase deutlich frischer, mit einer Mischung aus Creme Brulee und gerösteten Macadamias, welche mit Honig und Salz verfeinert wurden. Zudem erscheinen dahinter blumige sowie leicht grasige Töne. Der höhere Alkoholgehalt macht sich bemerkbar, allerdings nicht aufdringlich oder in unangenehmer Weise. 

Gaumen: Hier, beim 1999, kommt zunächst der typische Agricole Charakter zum Tragen. Die so üblichen grasigen Noten von Rhum Agricole blitzen nur kurz auf bevor sie sehr schnell ins Nussige, was sehr typisch für gereiften Agricole ist, wechseln. Danach füllen eine unzählbare Menge an Gewürzen, von denen, wie in der Nase, Muskatnuss am präsentesten ist, den Mundraum aus. Der Rhum ist nicht sehr ölig, allerdings sehr intensiv im Geschmack, mit einem trockenen Finish, bei dem sich die lange Fasslagerung in Form einer tanninbetonten Note bemerkbar macht. 
Der Millésime 2000 powert vom ersten Moment an. Eine sehr ausgeprägte, deutlich mehr als zuvor, nussige Note. Genauer, die der in der Nase wahrgenomme Macadamia. Dabei ist er zugleich ein wenig süß als auch salzig, jedoch zu jeder Zeit auf der trockenen Seite und ich nehme Spuren von weißem Pfeffer wahr. Abgerundet wird das Erlebnis mit einer zarten Bitternote, welche wohl von der 10 jährigen Lagerung zeugt. 

Abgang: Der Abgang gestaltet sich sehr trocken beim 1999, welchen ich als eher mittellang bezeichnen würde. Die Gewürze bleiben noch ein paar Minuten präsent.
Beim 2000 gesellt sich zur Trockenheit eine Spur von Süße und die Macadamia sowie die zarte Bitterkeit bleiben nach dem Trinken eine Zeit lang präsent. 

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Fazit: Der 1999 wartet mit einem eher dunklen Charakter auf und der 2000 mit einer absolut gelungenen Balance aus süß, salzig, reif und dennoch frisch, wobei ich letzterem meistens den Vorzug geben würde. Dennoch sind beide Rhums auf unglaublich hohem Niveau und gefallen mir ausgesprochen gut, haben allerdings auch ihren Preis. Dennoch würde, bzw. habe ich vom 2000er schon eine weitere Flasche gekauft und ich befürchte es wird nicht die letzte bleiben. Er stach für mich auch bei einem Blind-Tasting 13 verschiedener, gereifter Rhum Agricoles als einer meiner persönlichen Top 3 heraus. Vom Geschmacksbild würde ich die Karukeras eher dem Martinique-Style, als dem Guadeloupe-Style, wie ihn beispielsweise Montebello, Damoiseau oder Severin produzieren, zuordnen. Ich gebe für beide eine klare Kaufempfehlung, muss aber auch dazu sagen, dass ich sie nicht als Einstieg in die Welt der Agricoles empfehlen möchte, dafür sind sie eventuell zu fordernd. Zwei Rhums der absoluten Oberklasse! 

Leo

Dienstag, 2. April 2013

April, April! - Zuca Ultra Reserva

Liebe Rumfreunde,

wir hoffen, ihr seid alle gut in den April gekommen!

Ja, auch wir konnten es uns nicht verkneifen, uns einen kleinen Scherz mit euch zu erlauben, auch wenn wir natürlich wenig glaubwürdig vom Zuckerwasser "Zuca Ultra Reserva" geschwärmt haben, was mindestens einem Leser ja auch sehr schnell aufgefallen ist ;). Aber auch die anderen regelmäßigen Leser werden den Braten sicher schnell gerochen haben. Nicht unbedingt deshalb, weil wir grundsätzlich keine Originalabfüllungen vorstellen würden, aber es gibt leider doch viel zu wenige davon, die es mit der Qualität unabhängiger Abfüllungen aufnehmen können, was wirklich schade ist.

Aus gestrigem Artikel waren sowohl das Ursprungsland, als auch die Destillerie, ihr CEO Senor Matrinez, und der Rum frei erfunden und entstammten unserer Fantasie.

Einen schönen Start in die Woche,
euer Barrel Aged Thoughts-Team

Montag, 1. April 2013

Trimini&Colorado, Ultimate Sugar Estate: Zuca Ultra Reserva 12

Einen wunderschönen guten Morgen liebe Rumfreunde,

heute begeben wir uns auf eine Rum-Reise nach Trimini & Colorado, in eine mir leider nicht näher bekannte Insel in der Karibik. Heute wurde Barrel Aged Thoughts ein exklusives Samplepaket zugespielt, dessen Tasting wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Es handelt sich um einen Rum, der bereits in den USA verfügbar ist, aber in Europa nur sehr schwer zu bekommen ist.

Der Abfüller

Der heutige Abfüller ist das noch ziemlich unbekannte und vor einigen Jahren eröffnete Ultimate Sugar Estate. Sie verfügen über zwei neue und hochmoderne Column-Stills, mit jeweils bis zu 4 Rören. Laut Hersteller können damit bis zu 6 (!) verschiedene Rumsorten produziert werden. Die heute vorliegende Abfüllung hatte das Mark ZB auf dem Fass, welches auch diskret auf der Rückseite vermerkt ist. Leider ist es uns nicht gestattet Bilder online zu stellen. Wir bitten hier um euer Verständnis. Laut Don Alejandro Matrinez, dem CEO von Ultimate Sugar Estate, plant man derzeit eine ganze Serie von Veröffentlichungen auf dem europäischen Festland. Den Beginn macht der Zuca Ultra Reserva. Unsere amerikanischen Freunde haben schon seit einigen Jahren das Vergnügen, diesen Rum trinken zu dürfen. Laut Herrn Matrinez wird der Rum im Solera Verfahren gelagert und erhält dadurch seinen ganz besonders weichen und unnachahmlichen Geschmack. Das "B" im Mark ZB bedeutet hierbei, dass es sich um die unterste Solerastufe in Lager "B" handelt. Was es mit dem "Z" auf sich hat, dass wollte uns Herr Matrinez nicht verraten und bleibt wohl somit der eigenen Fantasie überlassen. Aber lassen wir doch den Rum einmal für sich selbst sprechen!

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Verkostung Zuca Gran Ultra Reserva 12 YO:

Preis: In den USA ist der Rum für günstige 25$ zu haben. Hierzulande muss man dagegen noch richtig tief in die Tasche greifen. Von 60 bis zu stolzen 100€ verlangen die wenigen verfügbaren Händlerportale für diese exklusive Rum-Abfüllung. Laut Herr Martinez ist diese Gewinnabschöpfung ein notwendiges Übel, um den Rum noch mehr Händlern schmackhaft zu machen und um die vielen Lagerhäuser zu finanzieren. Sollte der Rum erst einmal eine gewisse Popularität gewonnen haben, wird man den Preis verlässlich senken.

Alter: Die Angabe 12 auf der Flasche ist keine offizielle Altersangabe. Es heißt hier lediglich, dass die jüngsten Rums in diesem Blend bis zu 12 Jahre reifen durften. Ältere Rums werden leider nicht auf der Flasche erwähnt. 

Alkoholstärke: Der Rum hat eine geradezu sehr hohe Trinkstärke mit 40%vol.. Ein wenig mehr und der Rum wäre nur noch etwas für wahre Freaks mit einem Faible für Fassstärke. 

Destillationsverfahren: Laut dem Hersteller wurde der Rum mit einer Column-Still hergestellt. Leider fehlt diese Angabe auf der Flasche völlig. 

Farbe: Der Rum glänzt in einem geradezu goldenem Licht. Stellt euch einen hellen Bernstein vor, den ihr mit einem 5000W Halogenstrahler beleuchtet. Ein wahrliches Kunstwerk! 

Viskosität: Der Rum klebt förmlich am Glas und beißt sich regelrecht daran fest. Diese Öligkeit ist geradezu erstaunlich. Da können nur ganz, ganz alte Demeraras mithalten!

Nase: Wow! Ich rieche Noten eines explodierenden Airbags, gemischt mit einem Aroma, welches man für gewöhnlich nur in ein einem Gewürzwarenladen vorfindet. Vanille, Nelke... hier ist absolut alles drin. Stellen sie sich vor, sie stehen auf einem orientalischen Basar der ausschließlich mit Gewürzen handelt. Auch feine Holznoten sind enthalten. Ich fühle mich hier an meine Jugend auf einem Bauernhof erinnert, wo ich gelegentlich Holz hacken durfte. Frisches Holz wohlgemerkt, nicht diese toten Holzaromen, welche man in vielen zu lang gereiften Rums vorfindet. Ein wahrlich unglaubliche Nase. Die Süße ist fein und stark präsent. Stellen Sie sich vor, sie beißen in eine Zuckerwatte und schnuppern gleichzeitig an der Schweißprobe eines Erzengels. Was für ein Erlebnis! 

Gaumen: Der Gaumen bestätigt schon was wir gerochen haben. Eine dicke, fette Süße klebt am Gaumen, vermischt mit angenehmer Vanille, die von der amerikanischen Weißeiche kommen muss. Wie ein Kinnhaken seiner Majestät Mike Tyson zu seiner Glanzzeit drescht dieser Rum auf den Gaumen ein. Um diesen Geschmack hinzubekommen dürfen die Fässer wohl nicht zu lange in Gebrauch sein und müssen schnell ausgetauscht werden, um den Rum sein wirklich unglaubliches Aroma zu verleihen. Herr Martinez reagierte nur mit einem Schmunzeln auf diese Vermutung und bestätigte, dass Fässer mit einem sehr geringen Volumenanteil verwendet werden, um genau diesen Effekt zu erzielen. Deswegen die vielen Lagerhäuser und Solera-Systeme. Logisch. Je kleiner das Fass, desto größer ist der Kontakt zwischen Rum und Holz. Da wir gerade von Holz sprechen... ich fühle mich hier an eine kleine Sägemühle im Schwarzwald erinnert, die ich einmal vor wenigen Jahren auf einer Fahrradtour besuchen durfte. Und ja, ich schmecke frisches Holz. Fast schon eine Art Süßholz. Einfach und wahrhaftig unglaublich! 

Abgang: Wer jetzt ernsthaft glaubt, dass dies schon alles ist wird am Ende überrascht. Als die Süße immer mehr verblasst, es dauert geradezu eine kleine Ewigkeit, schmecke ich Spuren von Schießpulver, süßer Kokosnusscreme und zarte Noten von Mangos, welche man für einige Minuten in ein Pariser Nuttenparfum eingelegt hat. Was für eine geradezu außergewöhnliche und gelungene Komposition.

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Fazit: Verbeugt euch Rum-Connaisseure und lasset die Trompeten blasen: Der neue Rum-Messias wurde gefunden! Gegen diesen Rum verblassen geradezu alle bisher auf diesen Blog vorgestellten Abfüllungen. Nehmt was ihr kriegen könnt und genießt das süße Leben. Laut Herrn Martinez wird es noch weitere Rums dieser Art geben. Details wollte er uns allerdings leider nicht verraten. Hier bleibt uns wohl oder übel nichts anders übrig als abzuwarten. Zum Glück kann dieser Rum die Wartezeit versüßen und so gerade noch erträglich gestalten. Schade, dass hier viel zu wenig Gewinn abgeschöpft wird, da, wie gesagt, in Deutschland gerade einmal das vierfache des US-Preises draufgeschlagen wird. Hier wäre mehr drin, um die Lagerhäuser schneller abzubezahlen.

Einen schönen Ostermontag noch,
euer Barrel Aged Thoughts-Team