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Sonntag, 8. September 2019

Velier 1996 Single Cask Caroni 22 YO for Bar Lamp & Shinanoya

Liebe Rum Gemeinde,

gestern hatte ich sie in meinem Bericht vom German Rum Festival schon angekündigt und heute möchte ich euch dann auch meine Eindrücke dieses Rums hier in aller Ausführlichkeit schildern: die 1996er Velier Single Cask Caroni Abfüllung für Bar Lamp & Shinanoya in Japan! Mein Dank vorab geht dabei natürlich schon einmal an Dirk Becker, dafür, dass er das möglich gemacht hat! Und ja, ich weiß, nur ein Rum! 😉



Single Casks sind in Veliers Caroni-Linie inzwischen nichts ungewöhnliches mehr. Insgesamt zehn Abfüllungen des Jahrgangs 2000 und vier Abfüllungen aus 1996 waren bisher allein für diverse Shops oder Partner dieser Welt erschienen. Diese waren:

  • Velier (Italy)
  • La Maison Du Whisky (France)
  • Velier & LMDW Joint (Italy & France)
  • Juul's Vin & Spiritus (Denmark)
  • Paul Ullrich AG (Switzerland)
  • The Nectar (Belgium)
  • EATALY (Italy)
  • The Whisky Exchange (GB)
  • Lion's Whisky (Italy)
  • Whisky Antique (Italy)
  • Kirsch Whisky (Germany) 
  • Giuseppe Begnoni (Italy)
  • Old Whisky (Italy)
  • Stefano Cremaschi (Italy)
  • Bar Lamp & Shinanoya (Japan)

In diese Linie reiht sich also auch das neue Bottling for 15th Anniversary of Bar Lamp & Shinanoya in Japan ein, das vor wenigen Tagen im Land der aufgehenden Sonne erschienen ist und nach nur wenigen Minuten ausverkauft war. Zwar fand die Abfüllung bereits im letzten Jahr, also in 2018, statt, aber erschienen ist er jetzt erst ganz frisch. Es handelt sich dabei um das Fass #3812 aus dem Trinidad Stock Veliers, das heißt, der Rum reifte die gesamten 22 Jahre auf Trinidad. Wie die meisten Caroni von Velier, ist es ein Heavy Type Rum. Die Auflage ist, bedingt dadurch, dass es ein Single Cask ist, mit gerade einmal 210 Flaschen natürlich äußerst gering. Der Angel's Share ist mit >81% angegeben, was bei einem Fass der Menge von ca. vier Fässern entspricht. Das heißt, dass um dieses eine Fass Rum im Jahr 2018 herauszubekommen, im Jahr 1996 ca. fünf Fässer befüllt werden mussten. Das ist, nicht zuletzt wirtschaftlich gesehen, schon enorm! Der Alkoholgehalt beträgt bei diesem Bottling stolze 68,1% vol.





Die Single Casks von Velier, da erzähle ich vermutlich kaum einem Leser etwas neues, sind immer sehr rar und quasi mit Erscheinen sofort vergriffen. Mit Release in Japan kam nun noch einmal eine Komponente erschwerend hinzu, denn es brauchte Connections. Heißt im Klartext: vermutlich war es, trotz aller widrigen Umstände die ohnehin schon immer herrschen, noch nie schwieriger an eines der Single Casks heranzukommen wie bei dieser Abfüllung, mit Ausnahme vielleicht des Whisky Exchange Casks, das verlost wurde. Warum ich euch den Tropfen dennoch präsentieren kann? Das habe ich Dirk Becker zu verdanken, der eine dieser begehrten Flaschen auf dem German Rum Festival in Berlin bereits dabei hatte und auch geöffnet hat. Ich bekam einen Dram von ihm abgefüllt und konnte ihn dementsprechend zuhause in Ruhe verkosten und nun bekommt ihr von mir meine Eindrücke dazu. Nicht allerdings, ohne dir, Dirk, dafür noch einmal zu danken! Ganz, ganz coole Nummer! 

mit Dirk Becker (Picture by S.K.)


Verkostung des Velier 1996 Caroni 22 YO for Bar Lamp/ Shinanoya:

Preis: die Abfüllung war für umgerechnet 340,- Euro in Japan zu erstehen und innerhalb wenigenr Minuten ausverkauft. 

Alter: 22 Jahre, von 1996 bis 2018 nämlich, verbrachte der Rum im Fass.

Lagerung: 100% tropical aged. Der Rum reifte von 1996 bis 2018 komplett in Trinidad.

Fassnummer: es handelt sich um eine 210 Flaschen starke Single Cask Abfüllung mit der Nummer #3812  

Angel's Share: >81% gingen an glückliche Engel

Alkoholstärke: 68,1% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: unklar. Vermutlich Column Still.

Mark: HTR (Heavy Trinidad Rum).

Farbe: Mahagoni, dunkelbraun. 

Viskosität: relativ eng und regelmäßig, satt und träge verlaufen die Schlieren an der Glaswand.

Nase: äußerst voll, reichhaltig und sehr Caroni-typisch gibt sich die Nase vom Shinanoya Caroni bereits nach relativ kurzer Zeit im Glas. Oh ja, das ist richtig gut! Ab dem ersten Moment ist klar, dass in diesem Fass so ziemlich alles steckte, was wir so sehr an Caroni lieben, mit Ausnahme vielleicht dieser feinen, natürlichen Süße, die ich so nur von den Guyana Stock Caronis kenne. Nahezu ohne alkoholische Schärfe (trotz der fast 70% vol.!), dafür aber mit ganz viel Milde biegt der Caroni um die Ecke, ohne dabei aber in irgendeiner Weise langweilig zu sein oder seine Ecken und Kanten verloren zu haben. Das ist einfach nur richtig gut gereift! Dementsprechend finde ich hier, neben den obligatorischen Assoziationen zu Teer, verbranntem Gummi, reifen tropischen Früchten, Lampen-Öl oder Linoleum, auch viele Tannine vom Eichenfass, die von über zwei Dekaden in den Tropen zu berichten wissen. Ich fühle mich immer wieder an den Trespassers-Caroni 1996 erinnert, empfinde die Shinanoya Single Cask Abfüllung dabei allerdings als um einiges stimmiger. Großes Kino!

Gaumen: am Gaumen kommt der Rum zunächst einmal sehr kraftvoll daher! Die fast 70% vol. Alkoholgehalt machen sich hier etwas stärker bemerkbar als noch in der Nase und schlagen schon gut ein. Der braucht einen Moment, wobei Kraft hier bitte nicht mit unerwünschter alkoholischer Schärfe zu verwechseln ist. Danach kommt dann sehr viel typisches 1996er Caroni Flair rüber. Der Rum ist sehr, sehr adstringierend, immer wieder zieht es mir den Mundraum zusammen. Ich habe Teer, Holzlack, Linoleum, etwas Rauch und viele Tannine, altes und frisch geschnittenes Holz kommt stark durch, eine gewisse Bitterkeit ist vorhanden, aber nie im unangenehmen Sinne.  Nach hinten heraus habe ich dann Anis und Menthol, allerdings weniger stark als z.B. bei John D Eversley. Zum Ende hin wird der Rum dann cremiger. Die eingeschlagene Richtung ist schon ganz klar der Trespassers-Caroni, aber hier ist das alles eine Stufe hochklassiger. 

Abgang: reich an Tanninen, trocken, dann kommt eine Note, die ich leider nicht zuordnen, bzw. benennen kann. Lang anhaltendes Finish.

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Fazit: ein wirklich tolles Single Cask, das es auch tatsächlich wert war, als solches abgefüllt zu werden! Ich bin bekannter Maßen ein großer Fan des Caroni Jahrgangs 1996 und dieser hier ist da definitiv einer der besten Vertreter. Nicht ganz heran kommt er für mich an die Guyana Stock Abfüllungen von Caroni, diese, und insbesondere das Kirsch Bottling, sind für mich nochmal eine andere Liga, aber wir sprechen bei diesem Rum nichts desto weniger von den letzten 5% in der Spitze! Dicker Wermutstropfen: die allermeisten von uns, inklusive mir, müssen sich keine Gedanken über einen Kauf machen, denn er ist auf dem 1. Markt ohnehin schon vergriffen und auf dem 2. Markt, so bin ich mir sehr sicher, wird diese Abfüllung mein Budget und sicher auch das vieler anderer, ganz gewiss sprengen.

Umso glücklicher und dankbarer, ja, ich kann es kaum oft genug herausstellen, bin ich Dirk Becker dafür, dass er eine Flasche aufgemacht und auf dem Rum Festival zur Verkostung angeboten hat. Denn andernfalls würdet ihr diese Zeilen nun nicht lesen. Für dich war es "nur eine Flasche Rum", wie du sagtest, aber für mich und für mit Sicherheit auch alle anderen, die ebenfalls probieren konnten, war das alles andere als selbstverständlich. Du hast dir da aber eine gewisse Selbstverständlichkeit in dem Ganzen bewahrt, ungeachtet aller Preise, die da inzwischen aufgerufen werden, und das hat mich, ich hatte es gestern schon gesagt, wirklich beeindruckt, denn das können nicht mehr viele! Vielen, lieben Dank, dir!

-95/100-



Bis demnächst,
Flo

Samstag, 7. September 2019

German Rum Festival - Tag 2

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte vorgestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet, sowie gestern über den ersten Messe-Tag. Heute gibt es daher auch noch meine Impressionen vom Sonntag, dem zweiten und leider auch schon letzten Messe-Tag. 



Sonntag, der 1. September 2019:

Endlich Sonntag! Insgeheim hatte ich mich auf den zweiten Messe-Tag fast am meisten gefreut, denn heute Vormittag, im Vorfeld des Rum Festivals, fand unser privates Tasting im Kreise der Rum Wankers statt. Der Beginn war für 11.00 Uhr angesetzt und, wie sich herausstellte, keine Minute zu früh. Als wir so alle zusammen saßen, blickte ich zunächst doch auch noch in das eine oder andere müde Gesicht. Vor allem der Typ im Spiegel sah übel aus. 😂🙈

Unser Line Up komplett aufzuführen wäre glaube ich kaum noch möglich, aber ich lasse einfach mal die Bilder sprechen, bzw. erzähle ein bisschen was dazu:



Am meisten hatte ich mich natürlich darauf gefreut, die letzten Tropfen J. Wray & Nephew 17 YO durch die Runde zu reichen, die ich noch habe. Marius von SCR nahm einen winzigen Schluck und bestätigte, warum ich den ansonsten nur zum Sniffen reiche: der Geschmack gibt einfach nichts mehr her. An ihm zu riechen ist da wesentlich spannender und ergiebiger. Daher durfte er nach dem kurzen Ausflug ins Glas dann auch sofort wieder in die Flasche zurück, damit ich ihn beim nächsten Mal wieder mitbringen kann, wenn auch Leute dabei sind, die ihn noch nicht gerochen haben.



Der Vorfreude in nichts nach stand auch dieses Tasting von insgesamt sieben Fassproben der Caroni Ceremony im April, welches uns drei Rum Lovers aus Frankreich ermöglichten, indem sie ihre Samples mit verschiedenen Leuten von uns geteilt haben. Wir wiederum haben dann mit unserer Gruppe geteilt. Merci beaucoup à L., M. et N.! :-) Meine Favoriten waren die beiden Heavy Type 1996er aus dem Guyana Stock.



Die Caroni-Trilogie wollte ich tatsächlich auch schon lange mal probieren und hatte am Wochenende dann die Gelegenheit dazu! Vielen Dank!



Auch einige alte Bristols fanden auf den Tisch. Spannend fand ich den Jamaica 16 YO. Es ist Ewigkeiten her, dass ich den im Glas hatte. Nun, nach vielen Jahren, und nachdem auch zu Long Pond viele Marks bekannt sind, würde ich ihn blind vermutlich dem Mark TECA zuordnen.



Kirsch Caroni - Schnappschuss am Rande ;-)



Der reich gedeckte Gabentisch.



Ein Sample New Make aus der Vulcan Still (eine Art Hybrid aus Pot- und Column Still) von W.I.R.D. - der hat, laut einhelliger Meinung in der Runde, ganz viel Potenzial! Vielen Dank an den edlen Spender! :-)



Diese Miniatur eines Barbancourts aus den 1950er Jahren fand ich bei einem örtlichen Händler. Ein richtig guter Rum, wie ich finde, sehr viel besser als die heutigen Bottlings aus diesem Hause. Hier findet ihr mein Review dazu: click



St. Lucia, mon amour! Dass ich auf die wenigen Bottlings die es da gibt total stehe ist, glaube ich, bekannt. Der Jahrgang 1999 ragt für mich dabei heraus und der Blackadder ist daher auch, zusammen mit dem Cadenhead 9 YO, für mich so ziemlich das beste, was es von dort je zu probieren gab.



Ganz etwas außergewöhnliches! Ein auf Zuckerrohrsaft basierender Rum aus Israel mit 53% vol.. Nimrod Rosenblatt aus der israelischen Rum Gruppe stellt diesen selbst her und verwendet dafür Zuckerrohr, das er in seinem eigenen Garten anbaut. Ihn zu beschreiben fällt mir schwer, zumal wir einfach so vieles im Glas hatten an diesem Vormittag, aber er gefiel mir gut und das Label versprach nicht zu viel! Well done!



Ein alter Demerara Versailles 1988 von Moon Import. Der Rum war nicht so meines, aber ich wollte zumindest eine Abfüllung aus meinem Baujahr mit in den Rückblick aufnehmen. ;-)



Endlich kam ich dazu, ihn mal zu probieren: den Bristol Caroni 1995. Hat er mich geflasht? Nicht wirklich. Aber spannend ist er! Auf der einen Seite klar Heavy Type, aber auf der anderen Seite hat er, nach hinten raus, auch extrem spanische Züge. Das ist nicht schlecht, aber die aufgerufenen Summen für ihn verstehe ich nicht.



Ein Caroni Bottling aus aktiven Tagen der Destillerie. Aber um es ganz geradeaus zu sagen: ich bevorzuge sehr deutlich die späteren Abfüllungen. Immerhin: angenehmer zu trinken als der ungelagerte Stallion Puncheon von gestern. 😄



Ein alter Rhum aus Martinique aus den 1920er Jahren. Definitiv eine Empfehlung, sowas mal zu probieren wenn man kann!



Eine alte Flasche Captain Morgan Black Label nebst 1920er Martinique. Der Captain ist aber aus den 1980er Jahren und damit um viele Jahrzehnte jünger.


Nach diesem doch sehr gediegenen Tasting machten wir uns dann erneut auf zum Messegelände, wo ich es an diesem Tage dann aber etwas ruhiger angehen ließ und nicht mehr viel probierte. Zwei Ausnahmen machte ich dabei aber doch noch. Zum einen probierte ich im Dunstkreis des Kirsch Whisky Standes noch den neuen Hampden Great House Rum, allerdings in einer höherprozentigen Version. Das ist zwar vom Stil her Hampden Light (OWH), aber ey, das hat mir richtig gut gefallen! Ein Klasse unkomplizierter Hampden, den ich mir in der Form auf jeden Fall kaufen würde! Super Klasse! Leider habe ich es komplett versäumt, davon ein Bild zu machen. 🙈

Picture by S.K.
Und das Highlight des Messe-Tages, zumindest für mich war es das wohl auf jeden Fall, kam dann am Sonntag-Nachmittag noch von Organisator Dirk Becker selbst, als dieser nämlich eine Flasche des nagelneuen Velier Single Cask Caroni 1996 for Bar Lamp & Shinanoya in Japan öffnete und ausschenkte. Zwei Tage zuvor noch in Japan, und zur Messe dann bereits in Berlin. Ich habe selten, wenn überhaupt, je so schnell eine Menschentraube um eine Flasche Rum sich bilden sehen. Unglaublich. "Nur eine Flasche Rum", wie Dirk selbst mehrfach betonte, aber für so viele von uns, die Caroni hoffnungslos verfallen sind, eben doch mehr als das. Nichts desto weniger: die Einstellung dazu imponierte mir. Ich hab da noch lange drüber nachgedacht. Wenn man sich das noch komplett bewahren kann, in Zeiten dieses vollkommenen Preis-Wahnsinns, dann kann ich davor nur meinen Hut ziehen! Da ich an diesem Tage nicht mehr aufnahmefähig war, bekam ich meinen kleinen Schluck mit nach Hause, wo ich in Ruhe probieren konnte. Das habe ich getan und das Review dazu kommt dann morgen hier online! 😊👍 Vielen, vielen Dank, Dirk!

Glücklich gemachte Caroni-Lovers 😊😉:

Picture by S.K.
Picture by S.K.




















Das war es dann auch schon von mir zum German Rum Festival 2019 in Berlin! Ein geiles Fest war es, es war mir ein großes Vergnügen mal wieder Gast in Berlin gewesen sein zu dürfen und komme auch gern erneut wieder! Ein großes Dankeschön vor allem auch an meinen (und am heutigen Sonntag auch unserem) Gastgeber dieser Tage, bei dem ich unterkommen durfte. Vielen, vielen Dank! Ich würde mich freuen, mich dafür eines Tages hier bei uns im Norden revanchieren zu können. 😊

Bis morgen, zum Shinanoya Caroni Review!

Flo

Freitag, 6. September 2019

German Rum Festival 2019 - Tag 1

Liebe Rum Gemeinde,

am vergangenen Wochenende fand vom 31. August bis zum 1. September 2019 das 9. German Rum Festival in Berlin statt. Ich war in diesem Jahr auch am Start und hatte gestern ja bereits über das Warm Up am Tag zuvor berichtet. Heute berichte ich euch dementsprechend vom Samstag, dem ersten richtigen Messe-Tag. 


Samstag, der 31. August 2019:

Freunde - was war das denn noch für ein Abend gestern?! 😄😅 Mit einem trockenen Mund voller Kirsch-Caroni-Geschmack wachte ich zu fortgeschrittener Uhrzeit am Samstagmorgen (immerhin: es war noch morgen!) auf und der erste Gedanke war: "So, ich wäre dann mit der Messe jetzt eigentlich auch schon durch." Hammerhart, das war wohl gestern doch etwas mehr als ich dachte.😉 Nach einem kurzen Frühstück im Garten (ich kam für die Tage dankenswerter Weise bei einem befreundeten Rum Geek unter - vielen lieben Dank dir an dieser Stelle noch einmal!) machten wir uns zu zweit auf den Weg zur Messe, so dass wir pünktlich zum Start um 12.00 Uhr da waren. Unterwegs trafen wir dann auch noch Marius (SCR) und Maik (RUMBOOM), sowie kurz darauf auch den Rest unserer Truppe. Schnell zeigte sich, dass der gestrige Abend uns allen noch ganz gut in den Knochen steckte und so ließen wir es erst einmal langsam angehen. Als erstes schaute ich bei Rene van Hoven am großartigen Raritätenstand vorbei und sicherte mir dabei auch ein paar ganz feine Tropfen aus Guadeloupe (Gardel) und Jamaica (Wray & Nephew). Vielen lieben Dank dir, Rene, an der Stelle noch einmal! Es ist für mich immer wieder außergewöhnlich zu sehen, was für Schätze aus längst vergangenen Tagen du geschafft hast zusammen zu tragen. Wow! 




Als nächstes blieb ich für längere Zeit am Stand von Kirsch Whisky hängen. Ob das an den hervorragenden Caroni-Abfüllungen, u.a. hatten sie alle vier Employees dabei, dem sympathischen Team, dem dort angebotenen frisch (und selbst) gepressten Zuckerrohrsaft mit J.M. Blanc oder daran lag, dass ich auch einen alten Freund dort wiedergetroffen und lange mit ihm geschnackt habe... ich tippe mal auf alles zusammen. 😊 Aber ganz im Ernst: J.M. mit Cane Juice... ich bin wirklich kein großer Fan von Agricole, aber DAS könnt ich den ganzen Tag trinken! Unfassbar süffig und lecker! Für mich ein heimliches Highlight der Messe! Das ganze kippte dann so ein wenig, als der Steffen, momentaner Autor eines Buches über Caroni, dazu kam, und seine Flasche Caroni Stallion Puncheon Rum, eine ungelagerte Originalabfüllung der Destillerie (zu aktiven Zeiten für den heimischen Markt bestimmt) mit 75% vol. den Jungs von Kirsch zum Vermixen zur Verfügung stellte. Ich dacht, ich werd blind! Unfassbar scharf und alkoholisch, aber es war super, sowas mal im Glas zu haben und es ist ja auch nicht unwahrscheinlich, dass der auch auf Trinidad mal in dieser Kombination über die Theken ging. Aber nach dem Drink und in der Kombination mit der Hitze in der Halle und auch draußen hatte ich gefühlt meinen Pegel vom Abend davor mit einem Schlag zurück! 😂 Es war wirklich unfassbar heiß an diesem Tag! Dass mir die Caroni Employees ansonsten natürlich zusagten, wird vermutlich niemanden hier ernsthaft überraschen. Vom neuen 1998er war ich zwar etwas enttäuscht, aber insbesondere die beiden 1996er sind einfach eine Macht! Viel besser geht es nicht. 

Die Zuckerrohr-Presse: Cane-Juice gegen Muskelkraft - ein fairer Deal!

Velier Caroni Employees 1. & 2. Serie; daneben der Vale Royal 2006

Caroni Stallion Puncheon Rum mit 75% vol. in einem Bett aus Zuckerrohr


Im weiteren Verlauf machte ich selbstverständlich auch Halt bei Joshua und Gregers am Stand von 1423 World Class Spirits. Von den aktuellen Releases hatte mich zwar nichts so richtig angesprochen und auch den DOK 2.0 brauchte ich nicht noch einmal, zumal ich ihn für einen fast ungelagerten Rum doch ziemlich ambitioniert im Preis empfinde, aber es gab dort zwei Rums aus Ghana, die meine Aufmerksamkeit erregten. Seeeehr spannender Stoff, hat mir sehr gut gefallen! Ich hoffe, dass da noch was nachkommen wird. Darüber hinaus hatte Gregers dann aber auch noch einen alten Lemon Hart Rum aus den 1970s am Start, der wirklich lecker und eine super Erfahrung war! Vielen Dank dir dafür! 

Hier sehen Sie das wichtigste Bottling des Samstags.
Rechts daneben im Vordergrund: die hervorragenden zwei Ghanaer ;-)
Source: C.S. Thx :-)

Mange tak, Gregers! 

Fündig auf meiner Suche nach gutem Stoff wurde ich natürlich auch am Stand von RA. Schon gestern auf der Bootstour gab es das eine oder andere ins Glas, aber heute wurde nochmal probiert. Mein Augenmerk fiel dabei erneut auf den "Unshared Cask" Savanna exklusiv für RA, der schon sehr untypisch daher kommt und der als Traditionel von den Grand Aromes natürlich ein ganzes Stück weit weggeht. Gespannt war ich außerdem darauf, den Trelawny Double Cask noch einmal zu probieren. Hampden C<>H 1998, sowie Long Pond 2000 geblendet und das für unter 50,- Euro? Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und Neugierde gleichermaßen. Als Ester-Fetischist hätte ich mir den C<>H natürlich als Single Cask gewünscht, aber man kann eben nicht immer alles haben. 😉 Davon abgesehen weiß der Rum für seinen Preis aber absolut zu überzeugen und die unterschiedlichen Einflüsse der beiden Fässer kommen klar heraus. Dominiert in der Nase noch der Hampden, so ist es am Gaumen dann der Long Pond und im Finish wieder Hampden. Gerade im Drink könnte das mal wieder ein echter PLV-Kracher sein, denn der Preis machts möglich. Ich bin gespannt und werde das die nächsten Wochen über mal ausprobieren. Ich stell' schon mal das Tonic kalt. 😎 Nunja, und dann war da ja noch der 12 jährige Inner Circle Rum aus Australien. Ich hatte aus Down Under bisher noch nicht viel, aber der Inner Circle Green Dot vor einigen Jahren war gut und dieser hier ist ebenfalls einen Blick wert, auch, oder gerade weil das schon sehr krasser Stoff ist! In der Nase merkt man ihm sein junges Alter noch sehr an, aber am Gaumen macht er dann richtig was los und gefällt mir dort super! Birnen-Bombe! Was kostet der? Unter 40,- Euro? Klare Kaufempfehlung! 
Als Highlight konnten wir dann auch noch den RA Hampden HGML aus 1983 mit der neuen Abfüllung von Valinch & Mallet aus gleichem Jahrgang direkt miteinander vergleichen. Da schlägt das Nerd-Herz natürlich höher. Für mich war der RA der bessere Rum, zwei andere Nerds, die noch mit verkosteten, sahen das genauso. Am Ende sind das natürlich nur Nuancen, aber bei den Summen, die da im Raum stehen, entscheiden diese dann oft und hier würde ich mich eben für den RA entscheiden. 





















Ansonsten verbrachte ich an diesem Tag auf der Messe ganz viel Zeit damit, mich mit netten Menschen, Gleichgesinnten und alten Weggefährten lange zu unterhalten und mich auszutauschen und gleichzeitig neue Kontakte zu knüpfen. Ich war darüber hinaus aber doch auch positiv überrascht davon, wie stark die Messe, auch aus dem Ausland, angelaufen wird, was dem ganzen ein wahnsinnig tolles Flair gibt. Insbesondere wie viele meiner Nachbarn aus Dänemark auch dort waren hat mich sehr gefreut. Mein Dank und meine Gratulation gehen dazu dementsprechend an Dirk Becker und sein Team, die das nun in vielen Jahren aufgebaut und zu dem gemacht haben. Super Klasse!

Caroni for Danish Caroni Fanclub


1,5 Std. Warten haben sich doch noch gelohnt!
Stärkung am Mittag - Vielen Dank nach HH! :-) 
Catch of the Day!

Am Abend nach der Messe ging es dann weiter und abermals in den Lebensstern. Zuvor allerdings aßen wir eine Etage tiefer im Garten vom Einstein in einer super entspannten und ausgelassenen Runde alle noch ein riesiges, leckeres Wiener Schnitzel! Anschließend ging es dann weiter, noch ein paar Cocktails trinken - und hoffen, dass es endlich abkühlen würde. Für heute allerdings sollte dieser Wunsch, als wohl so ziemlich einziger an diesem Tage, offen bleiben. Was für ein geiler Tag! Vielen Dank an alle von euch da draußen, die ihn dazu gemacht haben! Es war mir eine Ehre!

To be continued... 

Flo