Sonntag, 1. Juni 2014

Gordon & MacPhail Jamaica Rum Long Pond 1941

Liebe Rum-Gemeinde,

nach fast drei Monaten Pause melde ich mich heute zum drittletzten Mal zurück. Jawohl, ihr habt richtig gelesen. Meine Zeit hier auf Barrel Aged Thoughts geht zu Ende. Ich werde mich aus der Welt des Rums, zumindest öffentlich, zurückziehen, da ich den Spaß am Schreiben in den letzten Wochen mehr und mehr verloren habe und aus meiner Sicht auch alles zum Thema gesagt worden ist, was zu sagen war. Mein Themenspektrum war ja bekanntermaßen von Beginn an sehr limitiert und nachdem die Linie Mai Tai bereits vor zwei Jahren nahezu auserzählt war, ist auch zu den Rums aus Jamaica in meinen Augen alles gesagt. Alle Rums dieser Insel, die es aus meiner Sicht verdient haben hier auch vorgestellt zu werden, finden sich bereits auf Barrel Aged Thoughts. Naja, fast alle ;). Zwar haben mich mit dem Albion 1983 von Velier z.B. auch Rums rechts und links des Wegesrandes hin und wieder zu begeistern gewusst, jedoch sehe ich für mich keinen Sinn diese Rums hier zu besprechen, da Marco dazu deutlich mehr zu erzählen weiß und auf diesem Gebiet ungleich mehr Fachkompetenz auf sich vereinigen kann als ich.
Hinter den Kulissen, administrativ, werde ich Barrel Aged Thoughts erhalten bleiben und Marco an dieser Stelle weiter unterstützen, der hier, das möchte ich einmal klar so sagen, eine super Arbeit leistet und, spätestens mit dem Demerara Rum-Artikel, den Blog zu dem gemacht hat, was er heute ist: der wohl informativste und qualitativ hochwertigste Rumblog den ich kenne! Danke Marco!

Ich sagte, fast alle Rums aus Jamaica, die es wert waren hier gezeigt zu werden, wären hier vorgestellt worden. In der Tat, denn zwei Vertreter der Insel fehlen noch, die hier den krönenden Abschluss bilden sollen. Zum einen wird das der heute besprochene und 1999 abgefüllte Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum aus dem Jahr 1941 sein, zum anderen der The Whisky Agency Jamaica Rum 35 YO aus 1977 in Fassstärke, welcher vor zwei Jahren ca. auf den Markt kam.
Ich sagte aber auch, es wäre heute der drittletzte Post. Als letzten Post werde ich einen kleinen Ausblick auf eine mögliche Zukunft liefern und den ersten Rum komplett deutscher Produktion hier vorstellen, welcher seit einiger Zeit im Handel erhältlich ist und welchen ich sehr spannend fand. Die Entwicklung dieses Unternehmens werde ich sicher verfolgen. Doch zunächst heute zu dem Rum, der schon den zweiten Weltkrieg erlebt hat, dem Gordon & MacPhail.

Der Gordon & MacPhail ist wohl der Rum, von dem ich inzwischen am längsten gewartet und gehofft habe, ihn mal probieren zu können. Sagenhaft alt und dementsprechend auch sagenhaft teuer ist dieser Rum, welcher auf mich von Beginn meines Interesses für Rum an eine große Faszination auf mich ausübte. Wie schmeckt ein Rum, der so alt ist? Ist er verholzt und das viele Geld nicht mal im Ansatz wert? Schmeckt der Rum vllt. ganz anders als heutige Rums aus Long Pond und/oder generell?

Als der G&M gebrannt wurde, am 5. März oder am 3. Mai 1941, herrschte in Europa Krieg. Gleichzeitig handelt es sich heute um einen der letzten Rums überhaupt, welcher nachweislich noch vor der ersten Zündung einer Atombombe auf der Erde hergestellt wurde und damit noch aus gänzlich unbelastetem Zuckerrohr besteht. Ob ich der Überzeugung bin, dass man das schmecken wird? Mitnichten ;) Aber ich finde, es ist schon etwas sehr besonderes, sich über derlei Randnotizen einmal wirklich vor Augen zu führen und zu begreifen, wie verdammt alt dieser Tropfen ist, was er schon alles erlebt und was und wen er auch schon überlebt hat.
1946, ein Jahr nach Kriegsende und fünf Jahre nach seiner Destillation, wurde der Rum dann nach Großbritannien verschifft, wo er wohl bei einem nicht weiter bekannten Bulkhändler einlagerte. 1967 erwarb dann Gordon & MacPhail das Fass und lagerte es in seinen Lagerhäusern in Elgin, Schottland. Dort reifte der Rum dann bis ins Jahr 1999, in dem er schließlich abgefüllt wurde; mit einem offiziellen Alter von 58 Jahren und einem Alkoholgehalt von 50% vol.!

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Verkostung des Gordon & MacPhail Long Pond Jamaica Rum 1941:

Preis: der Rum kostete ursprünglich umgerechnet ca. 450-500 Euro. Inzwischen liegt der Preis 100 bis 200 Euro über diesem Betrag. 


Alter: der Rum wurde 1941 destilliert, 1946 nach Großbritannien verschifft und 1999 abgefüllt. Der Tropfen ist also stolze 58 Jahre alt, fünf Jahre davon reifte er unter tropischer Sonne.

Alkoholstärke: der Alkoholgehalt beträgt 50% vol. Ob das die natürliche Fassstärke ist oder ob der Rum seitens Gordon & MacPhail noch einmal verdünnt wurde ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist aber eine geringfügige Verdünnung. 

Destillationsverfahren: wir dürften es hier mit einem Rum aus einer traditionellen Pot Still zu tun haben.

Farbe: leuchtender, heller, tiefer Bernstein, dunkles Stroh. Für 58 Jahre ist der Rum erstaunlich hell. 

Viskosität: weite Schlieren verlaufen am Glasrand und hinterlassen große Perlen am Glasrand, was auf einen schweren, körperreichen Rum schließen lassen lässt. 

Nase: eine sehr, sehr kräftige Nase! Sofort als Long Pond zu erkennen, sehr fruchtig und sehr tief. Wow! Ein echtes Rum-Monster, welches da im Glas wütet. Gegrillte Ananas, Banane, Cashewkerne, grasige Noten und leichte Zitrusaromen nehme ich wahr.

Gaumen: wunderbar weich legt sich der Rum ohne jedes Brennen auf die Zunge und erfüllt den gesamten Mundraum mit herrlichem Pot Still-Jamaica Aroma. Auch größere Schlücke lässt der Rum zu. Gleichzeitig ist der Long Pond sehr schön fett, cremig und ölig, was mir sehr gefällt! 
Der Rum ist wirklich heavy bodied und kommt daher, wie man auch heute noch einen Long Pond erwarten würde. 

Abgang: sehr langanhaltend und trocken, getoastetes Fass und das typische Long Pond Aroma kommen durch. 

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Fazit: als wäre auf Jamaica die Zeit stehen geblieben. Viele Vorstellung hatte ich von einem so alten Rum aus längst vergangenen Tagen und kaum welche davon trafen wirklich zu. War der Rum dreckig, insofern, als dass sich veraltete Technik in der Destillation geschmacklich feststellbar gewesen wäre? Nein, der 1941er war nicht dreckiger als es Rums aus weit späteren Jahrzehnten von Jamaica auch sind. Hier schmeckte man wohl vielmehr, wie traditionell die Rumherstellung dort noch heute ist. Ich fand diese Zeitreise auf jeden Fall ungemein spannend, wenn auch sehr kostenintensiv ;)
Kosten sind das nächste Stichwort. Der Preis für die Flasche liegt irgendwo jenseits von gut und böse und ist aus meiner Sicht nicht zu vertreten. Ja, der Rum schmeckt wirklich sehr gut, er ist das wohl sogar das beste, was ich aus Long Pond je im Glas hatte, und das Alter rechtfertigt einen solch hohen Preis auch irgendwo. Aber der Rum schmeckt einfach nicht viel besser, als heute verfügbares im Rahmen zwischen 100 und 150 Euro. Im Vergleich dazu ist der Aufpreis zu heftig. Nichts desto Trotz bin ich sehr glücklich, dass ich im Rahmen einer privaten Flaschenteilung über einen Connaisseur aus Hamburg an diesen Rum gekommen bin und bereue die Investition keine Sekunde. Ein geiler Rum und ein schönes, lebendiges Stück Zeitgeschichte, an dem ich noch viel Freude haben werde!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 9. März 2014

Panama in Ashes mit The Rum Cask Panama Rum 8 YO

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch kurz die Neuinterpretation eines Drinks vorstellen, den es erst seit ein paar Jahren gibt, sich seit dem aber großer Beliebtheit unter Cocktailliebhabern erfreut, dem Vienna in Ashes von Philip Bischoff.

Das Rezept des Drinks lautet folgendermaßen:

Vienna in Ashes 

  • 5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
  • 2 cl Grand Marnier Cordon Rouge
  • 1,5 cl Laphroaig 10 Years Old Single Malt Whisky
  • Orangenzeste


Nun steht hier seit geraumer Zeit mein Fläschchen The Rum Cask Panama Rum 8 YO (2004 - 2012) mit 54,5% vol. und überdeutlichem Islay Malt Finish herum. Leo hatte den Rum vor ca. einem dreiviertel Jahr auch hier vorgestellt und war sehr angetan. Meins war der Rum pur allerdings nicht so, zu wenig bin ich von Islay begeistert, welches diesen Rum so sehr geprägt hat. So blieb nur die Variante übrig, den Rum in einem Drink zu testen. Ich durchstöberte also die Datenbanken nach Drinks, welche einen Islay Malt verlangen und stieß so auf den Vienna in Ashes.
In Ermangelung an Grand Marnier Cordon Rouge ersetzte ich nicht nur den Laphroaig durch den Rum, sondern auch diesen durch Pierre Ferrand Orange Curacao, der, wie der Grand Marnier, auch auf Cognac Basis hergestellt wird. Das Rezept war nun dieses:


Schwarz wie die Nacht: der Panama in Ashes.
Panama in Ashes

  • 5 cl Mozart Black Chocolate Liqueur
  • 2 cl Pierre Ferrand Orange Curacao
  • 1,5 cl The Rum Cask Panama Rum 8 YO Cask Strength
  • Orangenzeste

Zugegeben, der Name irritiert, wurde doch der Wiener (bzw. Salzburger) Anteil garnicht substituiert, aber ich wollte den Drink nicht unter gleichem Namen vorstellen, das hätte ich noch unpassender gefunden.
Der Drink kommt zunächst, wenn man nur noch den Purgenuss von Rum gewöhnt ist, ziemlich süß daher, was sich mit zunehmender Verwässerung aber relativiert. Die Ballance der drei Zutaten stimmt, spielen sie doch wunderbar zusammen und ergänzen einander. Die Kombination aus dunkler Schokolade, Orange und Rauch überzeugt mich, ist aber nichts für jeden Tag!

Nächsten Sonntag erwartet euch wieder ein Review von Marco. Wir wünschen eine schöne und erfolgreiche Woche.

Bis dahin,
Flo

Sonntag, 2. Februar 2014

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO

Liebe Rum Gemeinde,

nach längerer Abstinenz, die ich sehr bedauere, geht's hier heute endlich mit der 13 jährigen The Rum Cask Abfüllung aus Long Pond, Jamaica weiter, welche im November letzten Jahres auf den Markt kam. Nachdem ich pur bereits begeistert war und den Rum auch im Mai Tai empfehlen konnte, machte ich mich als nächstes an einen klassischen Rum Sour. Den Drink mixte ich schon vor einiger Zeit, einzig zur Vervollständigung des Artikels bin ich lange nicht gekommen. Heute hat das zum Glück ein Ende und ich kann ihn euch hier endlich vorstellen.

Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO
Rum Sour mit The Rum Cask Long Pond Jamaica Rum 13 YO:

Sehr hell in der Farbe kommt der Sour daher, durch das Fehlen von Orgeat und Curacao fällt der Drink farblich auch noch heller aus als ein Mai Tai. 

Geschmacklich weiß der Rum Sour sofort zu überzeugen. Mit der Kraft und der Power, die Long Pond Pot Still Jamaicaner naturgemäß mitbringen, schlägt er im Mundraum ein wie eine Bombe. Nicht zu vergleichen natürlich mit diversen Abfüllungen aus Hampden, aber dieser hier hat auch schon sehr viel Ester und die zahlen sich aus. Trotz der Fassstärke ist der Drink sofort angenehm zu trinken, ohne dass sich der Alkohol in irgendeiner Weise störend bemerkbar machen würde. Ein Top Rum macht eben einen Top Rum Sour! Der Sour ist für mich ein reduzierter Mai Tai auf das Wesentliche. Nur Rum, Sweet & Sour. Hier wird nichts verfälscht oder kaschiert. Ein sehr, sehr guter Rum im Vordergrund, ein dezenter Background und daneben nichts. Ich habe ihn im Verhältnis 6/3/1,5 gemixt, 6/2/1 würde allerdings auch noch gut funktionieren, er wäre dann nur etwas stärker, aber noch nicht zu stark. Dieser Sour macht Lust auf den Sommer und er entführt einen zu dieser Jahreszeit für wenige Minuten in wärmere Gefilde. Schön! 

Fazit: der Rum ist pur sehr gut, er macht im Mai Tai eine spitzen Figur und er gefällt mir im Rum Sour sogar noch etwas besser, da er nicht ganz die Power von Hampden hat und im Sour daher noch besser herauskommt als im Mai Tai. Der Preis (44,90€/0,5l) ist nach wie vor mehr als akezeptabel für das Gebotene und die uneingeschränkte Empfehlung bleibt klar bestehen. Recommended by Barrel Aged Thoughts! Für mich, zusammen mit dem Isla del Ron Jamaica 30 YO, der Rum des Jahres 2013!

Einen Schönen Sonntag noch,
Flo

Samstag, 11. Januar 2014

Four Roses: Single Barrel vs Single Barrel Limited Edition 2013

Sehr geehrte Leser,

heute gehen wir auf unsere erste Exkursion ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in die Vereinigten Staaten. Werden die Möglichkeiten auch ausgeschöpft und finden in liquider Form ihren Weg in die Flasche? Ich möchte hier nicht lange damit hinter dem Berg halten: Und wie! American Whiskey hat mich, neben Rum, schon seit einiger Zeit in seinen Bann gezogen und heute starten wir mit zwei Single Barrel Bourbon Whiskeys von Four Roses.

Zu Four Roses:

Die Destillerie liegt, wie die meisten (Microdistillers einmal ausgenommen) Brennereien im Bundestaat Kentucky. Die Marke besteht seit 1888 und die Destillerie, welche noch heute opreriert, wurde in der Näche von Lawrenceburg im Bundesstaat Kentucky Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Als eine der wenigen Brennereien wurde auch während der Prohibitionszeit Whiskey hergetsellt, allerdings durfte dies nur zu "medizinischen" Zwecken geschehen. In den frühen 1940ern kaufte Seagram's Four Roses auf. Zu dieser Zeit war Four Roses der meistverkaufte Bourbon in den USA. Mit Kauf gingen drastische Schritte einher. Seagram's entschloss sich, Four Roses Bourbon in den USA vom Markt zu nehmen und stattdessen unter dem Namen Blended Whiskey zu verkaufen. Die Bourbon-Produktion wurde zwar nicht eingestellt, allerdings wurde dieser ausschließlich nach Japan und Europa exportiert. Der heutige Master Distiller Jim Rutledge, war ab den später 1960ern für Seagram's tätig und kam 1992 nach Kentucky auf eigenen Wunsch zur Four Roses Distillery. Er setzte sich immer dafür ein, den Verkauf des Blended Whiskey einzustellen. Allerdings blieb dies ohne erfolg, bis 2001 Kirin, eine der gößten japanischen Brauereien, Four Roses (den meistverkauften American Whiskey Asiens zu dieser Zeit) übernahm. 2004 kam Four Roses Bourbon schließlich zurück auf den amerikanischen Markt.

Eine Besonderheit bei Four Roses ist, dass sie sehr viel Wert auf Ihre Hefestränge legen und 5 verschiedene dieser für die Gärung verwenden. Zusammen mit den 2 verschiedenen Mashbills, welche sich im Roggenanteil unterscheiden (25% bzw 35%), ergeben sich daraus 10 unterschiedliche "Bourbon-Rezepturen". Für den Yellow Label Bourbon werden Bourbons aus allen 10 Rezepturen geblendet. Bei den Small Batches werden entsprechend weniger verschiedene verwendet und für die Single Barrels wird entsprechend eine gewählt.

Four Roses füllt seit ein paar Jahren regelmäßig eine Limited Edition ihrer Small Batch und Single Barrel Bourbons ab, welche jeweils in Faßstärke daherkommen. Heute widme ich mich zum einen der Standardabfüllung des Single Barrel Bourbons als auch der Limited Edition des letzten Jahres, 2013.

Verkostung:

Preis: Die Standardabfüllung des Single Barrels bekommt man ohne Probleme in den meisten Onlineshops für um die 30€. Limited Editions hingegen habe ich bisher noch keine in Deutschland gesichtet. Den hier verkosteten 2013er Single Barrel habe ich in den Niederlanden erstanden, bei bestofwhisky.nl, für ca 79€ ohne Versand. Ein deutlicher Preisunterschied und die Frage stellt sich direkt, ob die Limited Edition wirklich einen Mehrwert oder anderes bietet.

Alter: Die Standardabfüllung ist ein sogenannter NAS (No Age Statement) Bourbon, dh. es wird kein Alter angegeben, nach Geschmacksprofil abgefüllt und nicht auf Grund eines bestimmten Reifezeit. Dennoch findet man diverse Aussagen im Netz. Die einen sprechen von mindestens 7 Jahren, andere Quellen von einer Mindestdauer von 8 Jahren.

Bei der Limited Edition wird das Alter stets angegeben. Bei der vorliegenden Version durfte der Whiskey 13 Jahre im Faß verbringen, bevor er abgefüllt wurde.

Die Whiskeys unterscheiden sich allerdings auch von der "Rezeptur": Standard Single Barrel -> OBSV und Limited Edition 2013 -> OBSK. Die verwendeten Mashbills sind zwar gleich - jeweils 60% Mais, 35% Roggen und 5% Gerste - die verwendeten Hefestämme unterscheiden sich allerdings. Beim Standard Single Barrel ändert sich die Rezeptur nicht, für die Limited Editions werden allerdings immer wieder andere ausgewählt.
Alkoholstärke: Der "normale" Single Barrel kommt mit einer Trinkstärke von 50% in die Flasche. Die Limited Edtitions hingegen in Faßstärke. Es wurden etliche Fäßer für die 2013er Edition abgefüllt und jedes Faß wird andere Geschmacksnoten vorweisen. Die hier besprochene Abfüllung, welche nur in den Niederlanden verfügbar ist, weißt einen Alkoholgehalt von 62,9% auf.

Destillationsverfahren: Destilliert wird bei Four Roses in Column Stills, wie bei den allermeisten American Whiskeys üblich.

Farbe: American Whiskey darf nicht gefärbt werden, somit kommt die Färbung beider Bourbons ausschließlich von der Faßlagerung in frischen, ausgebrannten Eichenfässern, aus amerikanischer Weißeiche. Schon die Erscheinung im Glas lässt einen Altersunterschied erahnen. Der 13 jährige hat eine dunkle Bernstein-Farbe mit rötlichen sowie grünlichen Reflexen wohingegen der NAS Four Roses deutlich heller im Glas und mehr golden erscheint.

Viskosität: Beide Whiskeys bilden vereinzelt dünne Schlieren an den Glaswänden, welche recht schnell zurückrinnen.

Nase: Hier zeigen sich große Unterschiede. Der 50%-ige, jüngere Bourbon wirft mir direkt eine volle Ladung Gewürze und Minze entgegen. Vor allem Muskatnuss, weißer Pfeffer, Piment und etwas Zimt. Dahinter folgt Vanille-Honig und dezent die für Four Roses typische blumige Note sowie frische Eiche. Der Geruch lässt einen frischen, komplexen Bourbon erwarten: gefällt!

Der Limited Edition 2013 hingegen versteckt weder seine längere Reifezeit noch seine höheren Volumenprozente: was ihm allerdings absolut nicht zu seinem Nachteil gereicht. Die Blumigkeit nimmt hier einen deutlich anderen Platz ein, sie prescht einhergehend mit einer vollen Ladung an Frucht und Zartbitterschokolade aus dem Glas: mit Zarbitterschokolade umhüllte Sauerkirschen. Hinterhergeschoben werden Vanille und Honigsüße. Die hellen Minzenoten sind hier nicht vorhanden. Muskat und Pfeffer kommen nur gegen Ende etwas hervor. Hier habe ich einen Gentleman im besten Alter vor mir, der es allerdings nicht scheut Gas zu geben! Für mich eine, wenn nicht die schönste Nase, die mir bisher bei einem Bourbon untergekommen ist! Mit etwas Wasser kommen die Gewürze etwas mehr zur Geltung, inbesondere eine Pfeffrigkeit.

Gaumen: Die Nase beim Standard Single Barrel setzt sich am Gaumen fort. Sehr würzig mit Pfeffer, Piment, Muskat, abgerundet durch die Honigsüße welche von etwas Vanille und Minze begleitet wird. Getragen und abgerundet wird es von der typischen Four Roses Note (blumig). Die 50% kommen zur Geltung, aber es stellt sich auch ein sähmiges Mundgefühl ein. Sehr ansprechend!

Mit vollem Anlauf katapuliert der Limited Edition seine Aromen in jeden Mundwinkel. Blumen, Honig, Kirschen, Bitterschokolade, Vanille, Gewürze. Das ist großes Kino! Alle Aromen verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, bei dem nicht jeder Teil einzeln heraussticht sondern sich zu einem Ganzen vermengt. Mit etwas Wasser lassen sich die Teile etwas mehr aufgliedern und separieren, er wird pfeffriger, die Eiche kommt etwas hervor und er wird trockener.


Abgang: Im Abgang wird der jüngere Four Roses etwas trockener und die Eiche kommt mehr zum Vorschein. Was bleibt ist danach der Honig, sowie die Muskatnuss und Minze.

Wie bei einem Fassstärkebourbon und den vorhergehenden Eindrücken zu erwarten, bleibt der Whiskey lange präsent. Hier zeigt sich nun auch die, für Bourbon recht lange, Reifezeit. Allerdings zu keiner Zeit unangenehm. Zartbitterschokolade und Sauerkirschen dominieren, die blumigen Noten verblassen zunehmend. Mit der Zugabe von Wasser kommt auch hier der Pfeffer und die Muskatnuss hervor und es lässt sich zudem eine Chilischärfe ausmachen.

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Fazit: Diese Whiskeys sollten es vermögen, jeden Spirituosenliebhaber zu begeistern. Der Standard Single Barrel glänzt mit Frische, Süße und einem hervorragendem PLV. Ich verwende ihn gerne für Juleps und Sours, aber auch pur weiß er durchaus zu überzeugen.

Das Faß, welches ich vom Limited Edition 2013 hier verkostet habe, ist sicherlich preislich kein Pappenstil, aber ich kann ihn jedem Whiskey-Liebhaber nur ans Herz legen. Für mich ist dies der American Whiskey des Jahres 2013 (und ja, ich habe auch unter anderem den Elijah Craig Barrel Proof probiert, welchen ich allerdings eher zum mixen verwenden würde). Auch wer einen Single Barrel Limited Edition 2012 bereits probiert hat und hier eventuell nicht absolut überzeugt war: Zwischen den Abfüllungen die ich probiert habe liegen Welten, zugunsten des 2013er Release. Der Four Roses weiß sowohl pur als auch im Old Fashioned absolut zu überzeugen, wobei ich hier den Purgenuß wohl meist bevorzugen werde. Jim Rutledge: Chapeau, ich freue mich auf die nächsten 125 Jahre;) Was Four Roses insbesondere mit der limitierten Auflage hier abliefert ist erste Sahne und wenn man den Preis zu diversen anderen jährlichen Auflagen von diversen American Whiskeys vergleicht, welchen wir hier in Europa zu zahlen haben, sind die knapp 80€ sogar noch ein Schnäppchen. Ich für meinen Teil habe mit nach meinem ersten Glas dieses Tropfens 3 weitere Flaschen gesichert.

Beste Grüße aus dem Breisgau,
Euer Leo