Samstag, 11. Januar 2014

Four Roses: Single Barrel vs Single Barrel Limited Edition 2013

Sehr geehrte Leser,

heute gehen wir auf unsere erste Exkursion ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in die Vereinigten Staaten. Werden die Möglichkeiten auch ausgeschöpft und finden in liquider Form ihren Weg in die Flasche? Ich möchte hier nicht lange damit hinter dem Berg halten: Und wie! American Whiskey hat mich, neben Rum, schon seit einiger Zeit in seinen Bann gezogen und heute starten wir mit zwei Single Barrel Bourbon Whiskeys von Four Roses.

Zu Four Roses:

Die Destillerie liegt, wie die meisten (Microdistillers einmal ausgenommen) Brennereien im Bundestaat Kentucky. Die Marke besteht seit 1888 und die Destillerie, welche noch heute opreriert, wurde in der Näche von Lawrenceburg im Bundesstaat Kentucky Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet. Als eine der wenigen Brennereien wurde auch während der Prohibitionszeit Whiskey hergetsellt, allerdings durfte dies nur zu "medizinischen" Zwecken geschehen. In den frühen 1940ern kaufte Seagram's Four Roses auf. Zu dieser Zeit war Four Roses der meistverkaufte Bourbon in den USA. Mit Kauf gingen drastische Schritte einher. Seagram's entschloss sich, Four Roses Bourbon in den USA vom Markt zu nehmen und stattdessen unter dem Namen Blended Whiskey zu verkaufen. Die Bourbon-Produktion wurde zwar nicht eingestellt, allerdings wurde dieser ausschließlich nach Japan und Europa exportiert. Der heutige Master Distiller Jim Rutledge, war ab den später 1960ern für Seagram's tätig und kam 1992 nach Kentucky auf eigenen Wunsch zur Four Roses Distillery. Er setzte sich immer dafür ein, den Verkauf des Blended Whiskey einzustellen. Allerdings blieb dies ohne erfolg, bis 2001 Kirin, eine der gößten japanischen Brauereien, Four Roses (den meistverkauften American Whiskey Asiens zu dieser Zeit) übernahm. 2004 kam Four Roses Bourbon schließlich zurück auf den amerikanischen Markt.

Eine Besonderheit bei Four Roses ist, dass sie sehr viel Wert auf Ihre Hefestränge legen und 5 verschiedene dieser für die Gärung verwenden. Zusammen mit den 2 verschiedenen Mashbills, welche sich im Roggenanteil unterscheiden (25% bzw 35%), ergeben sich daraus 10 unterschiedliche "Bourbon-Rezepturen". Für den Yellow Label Bourbon werden Bourbons aus allen 10 Rezepturen geblendet. Bei den Small Batches werden entsprechend weniger verschiedene verwendet und für die Single Barrels wird entsprechend eine gewählt.

Four Roses füllt seit ein paar Jahren regelmäßig eine Limited Edition ihrer Small Batch und Single Barrel Bourbons ab, welche jeweils in Faßstärke daherkommen. Heute widme ich mich zum einen der Standardabfüllung des Single Barrel Bourbons als auch der Limited Edition des letzten Jahres, 2013.

Verkostung:

Preis: Die Standardabfüllung des Single Barrels bekommt man ohne Probleme in den meisten Onlineshops für um die 30€. Limited Editions hingegen habe ich bisher noch keine in Deutschland gesichtet. Den hier verkosteten 2013er Single Barrel habe ich in den Niederlanden erstanden, bei bestofwhisky.nl, für ca 79€ ohne Versand. Ein deutlicher Preisunterschied und die Frage stellt sich direkt, ob die Limited Edition wirklich einen Mehrwert oder anderes bietet.

Alter: Die Standardabfüllung ist ein sogenannter NAS (No Age Statement) Bourbon, dh. es wird kein Alter angegeben, nach Geschmacksprofil abgefüllt und nicht auf Grund eines bestimmten Reifezeit. Dennoch findet man diverse Aussagen im Netz. Die einen sprechen von mindestens 7 Jahren, andere Quellen von einer Mindestdauer von 8 Jahren.

Bei der Limited Edition wird das Alter stets angegeben. Bei der vorliegenden Version durfte der Whiskey 13 Jahre im Faß verbringen, bevor er abgefüllt wurde.

Die Whiskeys unterscheiden sich allerdings auch von der "Rezeptur": Standard Single Barrel -> OBSV und Limited Edition 2013 -> OBSK. Die verwendeten Mashbills sind zwar gleich - jeweils 60% Mais, 35% Roggen und 5% Gerste - die verwendeten Hefestämme unterscheiden sich allerdings. Beim Standard Single Barrel ändert sich die Rezeptur nicht, für die Limited Editions werden allerdings immer wieder andere ausgewählt.
Alkoholstärke: Der "normale" Single Barrel kommt mit einer Trinkstärke von 50% in die Flasche. Die Limited Edtitions hingegen in Faßstärke. Es wurden etliche Fäßer für die 2013er Edition abgefüllt und jedes Faß wird andere Geschmacksnoten vorweisen. Die hier besprochene Abfüllung, welche nur in den Niederlanden verfügbar ist, weißt einen Alkoholgehalt von 62,9% auf.

Destillationsverfahren: Destilliert wird bei Four Roses in Column Stills, wie bei den allermeisten American Whiskeys üblich.

Farbe: American Whiskey darf nicht gefärbt werden, somit kommt die Färbung beider Bourbons ausschließlich von der Faßlagerung in frischen, ausgebrannten Eichenfässern, aus amerikanischer Weißeiche. Schon die Erscheinung im Glas lässt einen Altersunterschied erahnen. Der 13 jährige hat eine dunkle Bernstein-Farbe mit rötlichen sowie grünlichen Reflexen wohingegen der NAS Four Roses deutlich heller im Glas und mehr golden erscheint.

Viskosität: Beide Whiskeys bilden vereinzelt dünne Schlieren an den Glaswänden, welche recht schnell zurückrinnen.

Nase: Hier zeigen sich große Unterschiede. Der 50%-ige, jüngere Bourbon wirft mir direkt eine volle Ladung Gewürze und Minze entgegen. Vor allem Muskatnuss, weißer Pfeffer, Piment und etwas Zimt. Dahinter folgt Vanille-Honig und dezent die für Four Roses typische blumige Note sowie frische Eiche. Der Geruch lässt einen frischen, komplexen Bourbon erwarten: gefällt!

Der Limited Edition 2013 hingegen versteckt weder seine längere Reifezeit noch seine höheren Volumenprozente: was ihm allerdings absolut nicht zu seinem Nachteil gereicht. Die Blumigkeit nimmt hier einen deutlich anderen Platz ein, sie prescht einhergehend mit einer vollen Ladung an Frucht und Zartbitterschokolade aus dem Glas: mit Zarbitterschokolade umhüllte Sauerkirschen. Hinterhergeschoben werden Vanille und Honigsüße. Die hellen Minzenoten sind hier nicht vorhanden. Muskat und Pfeffer kommen nur gegen Ende etwas hervor. Hier habe ich einen Gentleman im besten Alter vor mir, der es allerdings nicht scheut Gas zu geben! Für mich eine, wenn nicht die schönste Nase, die mir bisher bei einem Bourbon untergekommen ist! Mit etwas Wasser kommen die Gewürze etwas mehr zur Geltung, inbesondere eine Pfeffrigkeit.

Gaumen: Die Nase beim Standard Single Barrel setzt sich am Gaumen fort. Sehr würzig mit Pfeffer, Piment, Muskat, abgerundet durch die Honigsüße welche von etwas Vanille und Minze begleitet wird. Getragen und abgerundet wird es von der typischen Four Roses Note (blumig). Die 50% kommen zur Geltung, aber es stellt sich auch ein sähmiges Mundgefühl ein. Sehr ansprechend!

Mit vollem Anlauf katapuliert der Limited Edition seine Aromen in jeden Mundwinkel. Blumen, Honig, Kirschen, Bitterschokolade, Vanille, Gewürze. Das ist großes Kino! Alle Aromen verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, bei dem nicht jeder Teil einzeln heraussticht sondern sich zu einem Ganzen vermengt. Mit etwas Wasser lassen sich die Teile etwas mehr aufgliedern und separieren, er wird pfeffriger, die Eiche kommt etwas hervor und er wird trockener.


Abgang: Im Abgang wird der jüngere Four Roses etwas trockener und die Eiche kommt mehr zum Vorschein. Was bleibt ist danach der Honig, sowie die Muskatnuss und Minze.

Wie bei einem Fassstärkebourbon und den vorhergehenden Eindrücken zu erwarten, bleibt der Whiskey lange präsent. Hier zeigt sich nun auch die, für Bourbon recht lange, Reifezeit. Allerdings zu keiner Zeit unangenehm. Zartbitterschokolade und Sauerkirschen dominieren, die blumigen Noten verblassen zunehmend. Mit der Zugabe von Wasser kommt auch hier der Pfeffer und die Muskatnuss hervor und es lässt sich zudem eine Chilischärfe ausmachen.

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Fazit: Diese Whiskeys sollten es vermögen, jeden Spirituosenliebhaber zu begeistern. Der Standard Single Barrel glänzt mit Frische, Süße und einem hervorragendem PLV. Ich verwende ihn gerne für Juleps und Sours, aber auch pur weiß er durchaus zu überzeugen.

Das Faß, welches ich vom Limited Edition 2013 hier verkostet habe, ist sicherlich preislich kein Pappenstil, aber ich kann ihn jedem Whiskey-Liebhaber nur ans Herz legen. Für mich ist dies der American Whiskey des Jahres 2013 (und ja, ich habe auch unter anderem den Elijah Craig Barrel Proof probiert, welchen ich allerdings eher zum mixen verwenden würde). Auch wer einen Single Barrel Limited Edition 2012 bereits probiert hat und hier eventuell nicht absolut überzeugt war: Zwischen den Abfüllungen die ich probiert habe liegen Welten, zugunsten des 2013er Release. Der Four Roses weiß sowohl pur als auch im Old Fashioned absolut zu überzeugen, wobei ich hier den Purgenuß wohl meist bevorzugen werde. Jim Rutledge: Chapeau, ich freue mich auf die nächsten 125 Jahre;) Was Four Roses insbesondere mit der limitierten Auflage hier abliefert ist erste Sahne und wenn man den Preis zu diversen anderen jährlichen Auflagen von diversen American Whiskeys vergleicht, welchen wir hier in Europa zu zahlen haben, sind die knapp 80€ sogar noch ein Schnäppchen. Ich für meinen Teil habe mit nach meinem ersten Glas dieses Tropfens 3 weitere Flaschen gesichert.

Beste Grüße aus dem Breisgau,
Euer Leo

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