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Sonntag, 20. Oktober 2019

Velier Jamaica Rum EMB 24 YO Monymusk 1995

Liebe Rum Gemeinde,

erst im Juli diesen Jahres hatte ich euch den neuen Habitation Velier 9 YO EMB Monymusk aus 2010 vorgestellt, der alles was wir bisher zu Monymusk gesehen haben so ein wenig auf den Kopf gestellt hat. Nun hat Velier mit einem EMB aus 1995 direkt einen Nachfolger hinterher geschoben, bei dem alleine schon die Eckdaten für große Augen sorgen - und der gleichzeitig auch den Startschuss zu einer zweiten Khong-Serie markiert: der Velier Jamaica Rum 24 YO Monymusk 1995!



24 Jahre tropische Reife... nein, schon das allein sehen wir nicht sehr häufig, insbesondere seit es von Velier keine alten Demeraras mehr gibt. Auch die allermeisten Caronis reiften nicht so lange. Einen so lange tropisch gereiften Rum aus Jamaica kenne ich, abgesehen von wenigen Appleton Rums, glaube ich sogar überhaupt gar nicht. Insofern ist dieser neue Monymusk von Velier also schon so etwas wie eine kleine Sensation, die durchaus aufhorchen lässt. Veröffentlicht wird diese im Rahmen einer zweiten sechsteiligen Warren Khong Serie, also einer Serie an Veröffentlichung, dessen Label-Gestaltung in der Hand des Künstlers Warren Khong liegt, die zugleich aber auch eine Hommage an die Villa Paradisetto in Genua ist, in der Velier von 1988 an bis in dieses Jahr Quartier bezogen hat. Im nächsten Jahr steht dann, nach 32 Jahren in der Via G. Byron 14, ein Umzug an. Das Kunstwerk Khongs auf dem Frontlabel stellt dabei jeweils dessen Interpretation des Bildes vom Backlabel dar. Ebenfalls schon bekannt ist eine weitere Abfüllung der Serie, ein Savanna Traditionell aus dem Jahr 1999.




















Schon beim 9 Jahre alten EMB von Habitation Velier fiel mir auf, wie enorm reif Monymusk auch in jungen Jahren schon sein kann, wenn sie in den Tropen reifen. Und ehrlicherweise muss ich gestehen: nach der Verkostung des EMB 2010 hätte ich nicht gedacht, dass man die Reifung auf insgesamt 24 Jahre ausdehnen könnte. Ich empfand diesen schon sehr nah dran am Zenit, nach dem, wenn er überschritten wurde, sich Reife dann ja eher negativ auswirken würde, und war daher, als ich von diesem neuen Bottling hörte, sowohl euphorisch als auch skeptisch. Heute verkoste ich den Rum hier auf BAT und so werden wir gemeinsam feststellen, welches Gefühl sich da am Ende durchgesetzt hat. Eines aber scheint jetzt schon sehr klar zu sein: Velier hat in puncto Monymusk ganz offensichtlich noch einiges auf dem Plan, denn auch für 2020 kündigen sich schon neue Bottlings aus dieser Destillerie an. Das findet wiederum meine ausdrückliche Zustimmung, denn ich finde, gerade der EMB 2010 hat gezeigt, dass bei Monymusk noch viel mehr geht als wir bisher gesehen haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Rum aus 2010 und dieser heute aus 1995 das gleiche Mark tragen. So lässt sich doch einigermaßen aussagekräftig abschätzen, wie sehr sich der Stoff mit einem deutlichen Plus an mehr Reifejahren im Laufe der Zeit verändert. Folglich werde ich beide jetzt gleich auch nebeneinander verkosten. Das Mark EMB, hier hatte ich das ausführlicher erläutert, steht für die ehemalige Brennerei Bog Estate. Ein Dank geht heute an einen lieben Connaisseur, mit dem ich den Rum zusammen verkostet habe und von dem ich dankenswerter Weise auch das Sample samt Altglas und -papier für's Foto bekam. Vielen Dank! :-)


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Verkostung des Velier Jamaica Rum 20 YO Monymusk 1995:

Preis: der Rum war teilweise für unter 200,- Euro in einigen Shops zu finden, lag meist aber bei genau 200,- bis 240,- Euro. Das ist, bei aller Perversion der Preisexplosionen in den letzten Jahren, für einen 24 Jahre tropisch gereiften Rum im Jahr 2019 durchaus als Schnäppchen zu begreifen. 

Alter: von 1995 bis 2019 reifte der Monymusk insgesamt 24 Jahre in Fässern. 

Lagerung: die Fässer lagerten auf Jamaica, direkt bei Monymusk, der Rum reifte also komplett tropisch. 

Fassnummern: unbekannt. 

Angel's Share: unbekannt. Ich vermute aber, anhand anderer Abfüllungen, die unter vergleichbaren Bedingungen reiften, dass er nicht unter 80% gelegen hat.  

Alkoholstärke: 67% vol. - Full Proof.

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer Single Retort Pot Still von Monymusk.

Mark: EMB, das Mark des alten Bog Estate. 

Farbe: tiefes, dunkles Mahagoni, der Rum wechselt schon beinahe ins rötliche. 

Viskosität: der Rum bildet weite, gleichmäßige Tränen an der Glaswand, die die enorme Reife des Rums geradezu visualisieren. 

Nase: hui, das ist mal Reife! Dass wir es hier und heute mit einem richtig lange und auch tropisch gereiften Rum zu tun haben, ist vom Start weg unübersehbar! So intensiv, mit solch einer Tiefe und Komplexität in der Nase... das sieht man selten. Ein Monster von einem Rum steht da vor mir! Ich habe mir den Monymusk EMB von 2010 einfach mal zum direkten Vergleich daneben gestellt und da fällt es dann direkt noch einmal noch mehr auf. Wahnsinn! Denn wir erinnern uns, schon der 9 Jahre alte Rum hatte eine extrem präsente Fassreife, aber das hier geht noch einmal meilenweit darüber hinaus, ohne, und das möchte ich von Beginn an klarstellen, dass auch nur entfernt der Eindruck entsteht, dass der Rum verholzt sein könnte. Ganz im Gegenteil, die intensive Reife steht ihm hervorragend! Ebenfalls auffällig ist, wie gut der Alkoholgehalt von 67% vol. in der Nase eingebunden ist. Klebstoffe und Lösungsmittel sind sehr präsent, der Rum hat gut Ester. Riecht man eine längere Zeit am Glas und wechselt dann aber unmittelbar zum 2010er EMB, dann riecht der erstmal nach gar nichts mehr. Puh! Ansonsten finde ich Anis und Tabak noch sehr ausgeprägt vor und eine leichte Zitrusnote schwingt mit. In dieses herrliche Potpourri weben sich dann in ausgezeichneter Manier die starken Tannine ein, die dem Rum ihren Stempel aufdrücken, ohne ihn dabei aber zu dominieren. Eine ausgezeichnete Nase! In dieser Disziplin hat der deutlich jüngere Bruder leider keine Chance! 

Gaumen: der Rum brennt am Gaumen zunächst einmal schon ganz gut. Hier verleugnet er seine 67% vol. ganz und gar nicht. Das geht schon ganz schön ab! Nach einer Weile legt sich das aber und der Rum beginnt, all sein Können zu zeigen. Der Rum macht, während man ihn sich auf der Zunge hin und her legt, eine klare Transformation durch.  Zum Einstieg nehme ich eine sehr präsente Zitrusnote wahr, dann aber habe ich vor allem Anis, ganz viel davon, reichlich Tannine vom Holz und eine leicht medizinische Assoziation. Er wird mit der Zeit natürlich auch immer trockener. Der Rum ist dabei zwar nicht unbedingt der komplexeste, am Gaumen, allerdings macht er das durch atemberaubende Intensität einfach locker wett. Hier liegt seine große Stärke! Und nicht zuletzt muss man festhalten: der Rum ist richtig, richtig lecker! Was auffällt ist, dass Assoziationen zu den bisherigen, europäisch gereiften Monymusk hier überhaupt nicht aufkommen, wie schon beim 2010er EMB, bei dem das auch schon so war. Grundverschiedene Rums! Stilistisch ist das alles viel, viel näher an Long Pond. Untereinander ist die Verwandtschaft der EMBs zueinander aber klar erkennbar. Der Stil ist grundsätzlich der gleiche, nur ist der 1995er eben sehr, sehr, sehr viel reifer. Davon profitiert er enorm!

Abgang: deutliches Anis, Tannine, angenehme Bitterkeit, frisch geschnittenes Geäst, würzig-trocken. Der Rum verweilt mittellang bis lang am Gaumen.

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Fazit: ganz, ganz großer Rum zu einem, zumindest wenn man den Ausgabepreis heranzieht, unfassbar guten Preis! Richtig stark! Der Rum toppt seinen kleinen Bruder, den EMB 2010 von Habitation Velier, spielend. Das hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet, hatte den 2010er gar schon am Zenit gewähnt, allerdings gibt es da einfach kein Vertun. Ich gehe hier klar mit dem älteren Bruder. Wer ihn zu einem guten Preis noch bekommen kann, sollte zuschlagen. Klasse, dass es Velier schafft solche Schätze immer und immer wieder auszugraben.
Doch so hervorragend das alles klingt: für die allerhöchste Kategorie reicht es für mich persönlich nicht ganz, dafür fehlt mir etwas die Komplexität und gleichzeitig etwas weniger alkoholische Schärfe am Gaumen. Ich könnte stundenlang an ihm riechen und ihn auch trinken, wenn ich nicht nur ein kleines Sample hätte, und mich von dieser intensiven Leckerheit wirklich berauschen lassen, aber da müsste für die letzten % einfach noch etwas mehr kommen. Ich denke, gemessen am eigenen Potenzial, wäre hier noch mehr möglich. Aber was ist das? Richtig! Meckern auf unglaublich hohem Niveau! Daher nicht beirren lassen: für mich einer der Rums des Jahres und der neuerliche Beweis, was Monymusk alles kann! Und am Ende ist genau das dann wahrscheinlich auch schon so ein kleines Foreshadowing für das, was uns in 2020 erwartet, das ein wahres Monymusk-Jahr werden könnte. Beim 2010er EMB hatte ich gesagt, dass er das klare Potenzial dazu besitzt, Monymusk aus dem Schatten der anderen Brennereien zu ziehen. Der 1995er allerdings hat das Potenzial, Monymusk nicht nur neben die anderen, sondern es gar auf die große Bühne zu stellen. Ich bin neugieriger denn je, wie der 1984er Monymusk schmeckt, der nächstes Jahr kommt. Es sind aufregende Zeiten in der Rum-Szene!

-93/100-

Bis demnächst,
Flo

Montag, 11. Juni 2018

Velier < H > 7 YO Hampden 2010

Liebe Rum Gemeinde,

heute widme ich mich, wenn man vom DOK im April einmal absieht, seit sehr langer Zeit einmal wieder meiner alten und langjährigen Liebe, der Hampden Distillery, und der Rum den ich mir einmal genauer ansehen werde ist der Velier <H> (sprich: Diamond H) 7 YO Hampden aus 2010 mit 62% vol.! 

Ich hatte diesen Rum hier auf BAT bereits schon einmal erwähnt und sogar ein kurzes Statement zu ihm da gelassen, nämlich als ich meinen Jahresrücklich 2017 vorgestellt hatte. Da er es in meine Top 10 2017 geschafft hat ist also klar, dass heute nicht unbedingt mit einem Verriss zu rechnen ist. Darüber hinaus hatte ich auch den Habitation Velier HLCF 6 YO Hampden 2010 hier schon im Glas. Dies war die meines Wissens nach erste Hampden Abfüllung von Velier überhaupt und mit nur einem Jahr Reife weniger (allerdings auch einem wesentlich geringeren Anteil Ester) drängt sich hier natürlich auch ein kleiner Vergleich auf. Nun ist bekannt, dass mir der HLCF noch deutlich zu unrund war, um in dieser Preisliga mitzuspielen und dementsprechend kritisch werde ich daher auch den <H> heute beäugen. 
Der heutige Rum entstammt einem riesigen Stock von 2700 Fässern aus Hampden, den Velier laut Luca Gargano dort gekauft hat. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass hier in den nächsten Jahren immer wieder auch nachgelegt werden und die <H>-Abfüllung nur der Auftakt zu einer großen Serie aus Hampden Bottlings gewesen sein wird. Überhaupt scheint Luca Gargano ein großer Fan der Destillerie zu sein, was wiederum zum einen dazu beitragen dürfte, dass die Zukunft und der Nachschub ein Stück weit gesichert ist, zum anderen aber auch dazu, dass abzuwarten bleibt, welche Auswirkungen das auf die Preise der Bottlings hat. Denn schon jetzt werden Hampden Abfüllungen immer teurer und das wird in einer schwarzen Flasche erfahrungsgemäß schon gar nicht weniger werden. Ich bin also zuversichtlich und skeptisch zugleich.
Was kann ich speziell über die heutige Abfüllung sagen? Der <H> ist der fünfte von sechs Rums der sogenannten Khong-Serie, einer Serie von Rums zum 70. Geburtstag von Velier in 2017, deren Label von Warren Khong maßgeblich mitgestaltet wurden. Auch Rums der St. Lucia Distillers, von Bielle, von Mount Gilboa, von Chamarel und ein Nine Leaves wurden abgefüllt. Der <H> lagerte 7 Jahre, von 2010 bis 2017, auf Jamaica in den Tropen und wurde mit 62% vol. unverdünnt abgefüllt. Über den Angels Share machen die Label keine Angabe, dafür erfahren wir mit <H> das Mark des Hampden. Dieses verwendet die Destillerie für seine Rums mit einem Estergehalt von 900-1000 Estern (gr/hlpa). Nach der allgemeinen Deklaration von Jamaica Rums handelt es sich dabei also um einen Continental Flavoured Rum, sprich um einen Rum, der eigentlich mal zur Herstellung von Verschnitt gedacht war. Dafür ist er aber natürlich viel zu schade und zahlreiche Rum Nerds rund um den Erdball haben längst das außergewöhnliche Potenzial erkannt, welches diese Rums pur bieten. Und inwieweit auch der heutige Rum dieses Potenzial im Stande ist abzurufen, das sehen wir jetzt!



Verkostung des Velier <H> 7 YO Hampden 2010:

Preis: der Ausgabepreis lag bei ca. 100 Euro. Die Regel waren in den Shops dann aber eher 130 bis 150 und zum Teil auch bis 180 Euro. Heute liegt er auf dem 2. Markt noch einmal höher. 

Alter: der Rum reifte sieben Jahre, von 2010 bis 2017, lang im Fass. 

Lagerung: die Reifung fand komplett in tropischem Klima statt. Verwendet wurden Ex-Bourbon Fässer. 

Fassnummern: unbekannt. Die Abfüllung setzt sich aber aus dem Inhalt von fünf Fässern zusammen. 

Angel's Share: unbekannt. Beim nur ein Jahr jüngeren HLCF betrug er aber 40%, so dass man in diesem Fall von vielleicht 45% ca. ausgehen kann. 

Alkoholstärke: 62% vol. - das entspricht, laut Label, Barrel Proof, was bedeutet, dass keine Verdünnung stattgefunden hat. 

Destillationsverfahren: Multicolumn. Keep cool, just a little joke! ;-) Natürlich kam eine Double Retort Pot Still zum Einsatz. 

Mark: <H>

Farbe: tief golden. 

Viskosität: der <H> setzt sich fett an der Glaswand fest und verhaftet dort, ehe er dann hinabfließt. Sehr ölig!

Nase: Hampden! Und nicht einfach nur Hampden, sondern es wird vom ersten Augenblick an klar, dass der Griff heute sehr weit nach oben ins Regal geht. Und das bezieht sich sowohl auf die Qualität des Rums als auch auf seinen Estergehalt, der, das merkt man sofort, sehr, sehr hoch ist! Ich erlebe die Nase als überaus voll, reichhaltig, komplex und intensiv! Die Ester sind sehr präsent, aber sie überrollen mich nicht. Der Rum präsentiert sich für Hampden, und noch dazu bei diesem Estergehalt, ungewöhnlich ausgeglichen. Der Säuregehalt ist geringer als bei einigen anderen Hampden. Das Potpourri hingegen ist so typisch Hampden wie man es sich nur vorstellen kann. Da sind natürlich vergorenes Obst, gegrillte Banane, ätzender Flüssigkleber, sehr süßes Marzipan und der mediterrane Pepperoni-Einschlag. Eingefasst wird das alles in eine schon sehr beachtliche Note vom Fass, bei denen hier nach sieben Jahren Reife schon wesentlich mehr rüberkommt, als man es von vergleichbar alten Hampden mit kontinentaler Reifung kennt und gewohnt ist. 

Gaumen: Puhh! Der ist zunächst schon erst einmal sehr scharf und brennt auch ordentlich auf der Zunge! Der kommt zunächst wirklich heftig! Ca. 10-20 Sekunden dauert es, bis der Hampden sich im Mund wohlfühlt und es schafft, sich bequem auf die Zunge zu legen. Der <H> ist unglaublich mundfüllend und heavy bodied und wartet mit der für Hampden so typischen Adstringens auf. Dann allerdings hält er, ähnlich wie in der Nase, ein ebenso stiltypisches Aroma-Spektrum bereit. Da sind Humus, etwas Limette, Chorizo, gegrillte Ananas und Banane. Aber auch wiederum mediterrane Anklänge von Pepperoni und Olive kommen durch. Zum Ende hin wird er dann immer trockener und erdiger. Was unerwartet fehlt, im Vergleich zu anderen Hampden, ist Anis. Habe ich bei Hampden eigentlich immer, suche ich hier aber vergebens. 

Abgang: Pepperoni, Olive, erdig, leichte Zitrone, frisch geschnittene Äste... ein etwas muffig-frischer-säuerlicher Abgang also. Sehr lang, natürlich. 

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Fazit: Chapeau! Mit nur einem Jahr Reife mehr als beim 6 YO HLCF hat Velier es geschafft, hier einen sehr viel runderen und insgesamt kompletteren Rum hinzulegen, dessen Verwendungszweck nicht einzig und allein in einem Einsatz im Mai Tai bestehen muss. Er kommt insgesamt schon deutlich smoother daher und macht mir auch pur im Glas Spaß. Das hatte ich so in dieser Form beim HLCF nicht! Ansonsten nähert sich mein Fazit doch sehr jenem an, welches ich schon Ende 2017 im oben erwähnten und verlinkten Jahresrückblick gezogen habe:

"[...]Es zeigt sich immer mehr, dass tropische Reifung Hampden in einigen Jahren in neue Sphären katapultieren könnte. Ich ziehe länger gelagerte Hampden mit deutlich stärkerem Fasseinfluss vor und noch werde ich da eher bei alten Stocks mit kontinentaler Reife fündig, aber die Zukunft ist eindeutig gesichert und in ca. 10 Jahren spätestens werden tropisch gereifte Hampden die alten Stocks in Sachen Fasseinfluss vermutlich abgelöst und überholt haben!"


Das kann man im Wesentlichen so stehen lassen. Ich sehe die kontinental gereiften Hampden nach wie vor noch ein Stück weit im Vorsprung. An ca. 20 Jahre oder noch länger gereifte Hampden kommen die Rums der neuen Stocks in meinen Augen noch nicht heran, auch der <H> nicht, aber das Potenzial ist auf längere Sicht eindeutig vorhanden und ich bin sicher, dass es auch genutzt werden wird. Was sich deutlich zeigt ist, dass die tropische Reifung zwar natürlich deutlich intensiver ist, im Vergleich zu kontinental gereiften Hampden, aber auch meines Erachtens Komponenten bei diesem beschleunigten Reifeprozess auf der Strecke bleiben. So werden in Europa gelagerte Hampden z.B. deutlich weicher und damit für mich grundsätzlich zugänglicher und leichter zu genießen. Das heißt, der sieben Jahre tropisch gereifte <H> hat zwar schon klare Charakteristika eines ca. 15 Jahre in Großbritannien gelagerten Hampden, aber man merkt ihm die erst sieben Jahre spätestens am Gaumen an, wo er wirklich noch sehr scharf ist und es ihm auch noch ordentlich an Tiefe fehlt. Daher kann ich mich Luca Gargano z.B. auch nicht anschließen wenn er sagt, dass ein sechs tropisch gereifte Jahre alter Rum quasi das Äquivalent zu einem 24 Jahre kontinental gelagerten Rums sei.
Tropical Aging besitzt meines Erachtens immer nur einen Vorsprung gegenüber vergleichbar lange erfolgter kontinentaler Reifung, nicht aber zu deutlich länger erfolgter kontinentaler Reifung, bzw. zu deutlich älteren Rums. So hat ein z.B. sieben Jahre tropisch gereifter Rum zwar einen Vorsprung gegenüber einem ebenfalls sieben Jahre kontinental gelagerten Rum, vielleicht auch noch gegenüber einem acht oder neun Jahre in Europa gereiften Rum, aber eben nicht mehr zu einem z.B. zwölf oder dreizehn Jahre kontinental gelagerten Rum oder gar noch länger gereiften Qualitäten, zumindest nicht in so jungen Jahren. Vielleicht relativiert sich das mit zunehmenden Jahren, aber das wäre an dieser Stelle noch pure Spekulation. Sicher ist heute nur, dass auch die Zukunft Hampden Rums bereit halten wird, sowohl tropisch als auch kontinental gelagert, und darum bin ich, als großer Fan der Destillerie, wirklich froh!

-88/100-

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen entspannten Wochenstart und eine erfolgreiche Woche!

Bis dahin,
Flo