Sonntag, 20. Januar 2019

Caroni Employees: 20 YO Velier 1998 - Dennis "X" Gopaul

Liebe Rum Gemeinde,

einige von euch haben vielleicht schon etwas länger drauf gewartet. In meinem Jahresrückblick 2018 waren die Flaschen darüber hinaus schon einmal bereits zu sehen und nun beginne ich auch endlich mit der Verkostung: die Rede ist von den Velier Caroni Employees!



Die Employee-Serie ist, nach den regulären Releases (bisher 1st bis 37th Release), der Extra Strong-Linie (bisher 12 YO bis 21 YO) und den Single Casks (bisher 14 Fässer), die vierte und vielleicht auch schon letzte größere Caroni-Serie, die Velier im Jahr 2018 gestartet hat, denn die Fass-Reserven neigen sich immer weiter und unweigerlich dem Ende entgegen. In einem Interview mit meinem Kollegen "Roger Caroni" berichtete Luca Gargano, dass Velier von ursprünglich 1600 Fässern inzwischen über insgesamt nur noch 142 Fässer Caroni Rum verfügt, wobei alleine 700 Fässer wohl auch dem Angels Share zum Opfer gefallen sind. Von 142 Fässern beinhalten sieben Fässer noch Caroni aus dem Jahrgang 1994, der aber laut Luca Gargano nicht für die Employee-Serie berücksichtigt werden wird. Für diese werden ausschließlich Caronis der Jahrgänge 1996, 1998 und 2000 verwendet.




















Aus den Jahren 1996 und 1998 stammen auch die beiden ersten Abfüllungen der Serie. Den Anfang wird heute der Caroni für Dennis "X" Gopaul machen, dem also eine der beiden ersten Abfüllungen dieser neuen Serie gewidmet und welcher auch auf dem Label der Abfüllung zu sehen ist. "X", so scheint es mir nach der Lektüre des oben bereits erwähnten Interviews, war anscheinend eine Art Spitzname des Employees. Auf dem Backlabel der Abfüllung erfahren wir, dass Dennis Gopaul von 1988 bis 2003, demnach bis zur Abwicklung von Caroni (1975), bei Caroni gearbeitet hat, also stolze 15 Jahre.
Die Idee zu der Employee-Serie kam Luca Gargano, laut des Interviews, während er über die Caroni Destillerie recherchierte und dazu, mit der Hilfe von Rudy Moore, dem ehemaligen Insolvenzverwalter Caronis, zu dem Luca Gargano seit der Zeit, als er die Caroni Stocks erwarb, auch mit den ehemaligen Arbeitern der Destillerie in Kontakt trat. Auf diese Weise erhielt einerseits Luca Gargano einige Einblicke in die damalige Arbeit bei Caroni und die Arbeiter wiederum erfuhren ein wenig über den aktuellen Hype um Caroni, von dem auf Trinidad selbst bis dahin kaum etwas bekannt war. Jeder der ehemaligen Arbeiter bekommt darüber hinaus eine Flasche mit seinem jeweiligen Konterfei auf dem Label, sowie ein Honorar für die Foto-Session mit Fredi Marcarini.
Gerüchten zur Folge sind insgesamt 16 verschiedene Employee-Bottlings geplant. Bei aller Romantik, der auch ich immer wieder geneigt bin zu verfallen, darf man darüber allerdings nicht das Ausmaß vergessen, welches die Schließung damals für die Employees hatte. Insgesamt 9.000 Caroni Employees verloren direkt ihre Arbeit und geschätzte weitere ca. 11.000 Menschen auf Trinidad verloren ihre Existenzgrundlage, weil sie zwar nicht bei Caroni (1975) angestellt, ihre Jobs aber letztlich von der Existenz des Unternehmens abhängig waren. Dazu mehr in einem separaten Artikel.

Die Auswahl der jeweiligen Fässer für die Abfüllung nahm Luca Gargano mit Hilfe meines Blog-Kollegen Olivier Scars von Who Rhum The World vor, dem die Ehre zu Teil wurde, hier seine Expertise mit einbringen zu können. Meinen Glückwunsch!

Best of Caroni 1998: Velier 20 YO Dennis "X" Gopaul & Cadenhead HTR 18 YO



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Verkostung des Velier 20 YO FP Caroni 1998 Dennis "X" Gopaul:

Preis: der Ausgabepreis lag bei 370,- Euro. Inzwischen bekommt man die Abfüllung aber nur noch wenn, dann mit einem Aufpreis zu ca. 450,- Euro. 

Alter: von 1998 bis 2018 reifte der Rum 20 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Fässer des Rums reiften von 1998 bis 2008 auf Trinidad und von 2008 bis 2018 bei DDL in Guyana.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 1151 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: > 78%

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum kommt mit 69,5% vol. daher.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: dunkles Bernstein, Mahagoni. 

Viskosität: es bilden sich langsam kleine Tröpfchen an der Glaswand, die dann peu a peu träge und gemächlich in engen Schlieren am Glas herunterlaufen.

Nase: Puh, das wird heute wieder etwas dauern! Die 69,5% vol. machen sich klar und deutlich bemerkbar, die Nase ist zunächst komplett dicht und verwoben und der Alkohol sticht brutal. Über das periphere Nosing ist allerdings bereits erkannbar, dass es sich doch um einen stiltypischen 1998er Caroni zu handeln scheint. Der Cadehead HTR 18 YO aus 1998, den ich mir heute als Referenz daneben gestellt habe, bestätigt diesen Eindruck. Dieser ist allerdings deutlich weniger scharf in der Nase. Nach ca. einer Stunde macht die Nase dann auf und gibt einen Caroni frei, der mir spontan richtig gut gefällt! Ui! Ich bin nicht der allergrößte Fan des Jahrgangs 1998, das muss ich zugeben, aber dieser hier hat was. Er hat nicht ganz so extrem dieses fleischige, das der Cadenhead und andere 1998er z.B. haben, dafür hat er etwas mehr Holzlack als das bei 1998 üblich ist und auch ein wenig Süße. Ich finde im Bouquet außerdem einiges an Eichenholz und Gewürzen. Der Alkohol bleibt davon abgesehen aber zu jeder Zeit präsent. Auch nach über zwei Stunden ist deutlich, dass ein Rum von weit über 60% vol. vor mir steht. Extrem, aber gut! Dazu gesellt sich nach ca. zweieinhalb Stunden auch noch eine leichte Süße dazu. Ein Rum, der lange Zeit im Glas benötigt, der einen für die Geduld aber auch fürstlich belohnt. 

Gaumen: den ersten Schluck nehme ich nach ca. zwei Stunden des Atmens im Glas und habe als erstes eine sehr präsente fruchtige Süße zu Beginn, die mich leicht überrascht bei einem 1998er Caroni. Gleichzeitig setzt ein ordentliches aber kurzes Brennen ein, das ich allerdings nicht unangenehm empfinde, zumindest nicht bei kleineren Schlücken. Bei größeren Schlücken dagegen ist das schon ein kleiner Kampf! Der Gedanke, der sich dann festsetzt ist vor allem erstmal: lecker! Bittere Töne vom Holz schlagen durch. Holzlack und Süße bleiben präsent, dazu gesellen sich dunkle, dreckigere Töne, aber sie dominieren den Rum nicht so stark, wie das bei anderen Caronis der Fall ist. Der Cadenhead HTR ist im Vergleich dann z.B. auch sehr viel weniger süß und dafür etwas dreckiger als der Velier Employee. Letztlich bleibe ich bei lecker, der gefällt mir auch am Gaumen wirklich gut! Der Rum hat eine doch merklich stärkere Komplexität als der Cadenhead und ist, nicht zuletzt durch den süßen Part, um einiges vielschichtiger.

Abgang: Holzlack und frisch abgeschnittenes Geäst, trocken und bitter werdend. Eher unspektakulär.

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Fazit: der Velier Caroni Dennis "X" Gopaul hat hier für mich im Duell der beiden 1998er die Nase vorn. Beides sind ausgezeichnete Rums, aber der Velier überzeugt mich durch die zusätzliche Ebene der Süße doch noch eine Spur mehr, was ihn für mich auch zum besten Caroni aus 1998 macht - eine wirklich hervorragende Fassauswahl, Olivier! Gleichzeitig war dieser Rum auch eine positive und schöne Überraschung, denn ich hatte eigentlich nicht erwartet, dass mich nochmal ein 1998er Caroni derart begeistern könnte. Hier würde mich interessieren, aus welchem Monat in 1998 die Fässer stammten. Denn aus dem Dezember-Batch, welches ich bisher für das beste aus 1998 hielt, können sie nicht stammen, da sie schon im Herbst 2018 releast wurden und die Altersangabe von 20 Jahren tragen.  Eventuell gab es hier also weitere Batches.
Der einzige Haken an diesem tollen Rum ist der horrende Preis. Schon die 370,- Euro zu Ausgabe taten weh, aber inzwischen werden ja sogar noch größere Summen aufgerufen. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, woher diese Preise rühren und auch darüber, dass das gemessen an den Preisvorstellungen anderer Abfüller und im Verhältnis zu deren Qualität dann wieder alles sehr relativ ist, aber mir fällt es schwer bei Preisen deutlich über 300,- Euro noch mitzugehen. Somit freut es mich, den Rum einmal im Glas gehabt zu haben und bedanke mich bei Kenneth dafür, dass er mir mit seiner Flaschenteilung die Möglichkeit dazu gegeben hat, aber von einer ganzen Flasche habe ich abgesehen.

-93/100-

Bis demnächst,
Flo

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