Sonntag, 27. Januar 2019

Velier FP Heavy Trinidad Rum 17 YO Caroni 1996

Liebe Rum Gemeinde,

heute habe ich eine Abfüllung von Caroni für euch zur Verkostung, die ich euch bereits im Frühjahr des letzten Jahres versprochen habe: das 30th Release aus dem Jahrgang 1996, welches 17 Jahre in den Tropen reifte und auf stolze 63% vol. kommt. Im April 2018 probierte ich das 31st Release, die High Proof Version, und war weniger begeistert. Damals versprach ich, den Vergleich zur Full Proof Abfüllung zu ziehen, sobald ich ihn ins Glas bekomme. Und dank Nicolas Kröger aus der Bar Wagemut in Berlin ist das  nun soweit, denn er hat die Abfüllung dort zur Verkostung stehen und mir für dieses Review freundlicherweise eine Probe zur Verfügung gestellt! Vielen Dank dafür!



Doch wir schauen zunächst noch einmal kurz zurück auf das 31st Release: zusammengefasst konnte man sagen, dass es dem Rum aus meiner Sicht etwas an Anspruch und Vielschichtigkeit fehlte, um auch einen Caroni-Liebhaber wie mich hinreichend abzuholen, bzw. vor allem auch um den enormen Preisen die da inzwischen aufgerufen werden auch gerecht zu werden. Denn das muss man ja immer auch im Verhältnis sehen. Es gibt einige Rums, wie eben auch das 31st Release, die sind zwar gut, aber eben meines Erachtens keine 300,- Euro gut, so dass ich nicht jede preisliche Entwicklung auch immer gleichermaßen sensorisch nachvollziehen kann. Insbesondere in der Nase und im Finish fehlte ihm da nämlich doch einiges, so dass der 21 YO Extra Strong für ca. 200,- Euro an der Stelle die meines Erachtens deutlich cleverere Wahl ist, wenn man es nicht ganz so extrem mag.

Das 30th Relase hingegen, die Abfüllung, um die es heute geht, kommt mit 63% vol. daher und stammt unter Umständen auch aus anderen Fassbeständen. Denn es ist meines Wissens nach noch immer nicht hinreichend klar, ob sich Full- und High Proof einzig im Alkoholgehalt unterscheiden, das 31st Release also ein verdünntes 30th Release ist, oder ob auch gänzlich andere Fässer zur Abfüllung gekommen sind. Letzteres nehme ich aber nach einigen Versuchen mit gezielter Verdünnung an, so dass ich heute prinzipiell erst einmal von einem anderen Rum ausgehe.
Der Rum wurde im Jahr 1996 auf Trinidad bei Caroni gebrannt und anschließend dort in Fässer abgefüllt und auch gelagert. Im Jahr 2003 gingen bei Caroni (1975) final die Lichter aus und letzten Endes kam es zum Verkauf der restlichen Fassbestände, bei denen sich unter anderem Luca Gargano und Velier einen beträchtlichen Anteil sichern konnten. Im Jahr 2008 lies Velier, zumindest ist das stand jetzt noch meine Information, alle seine Caroni-Fässer von Trinidad nach Guyana transportieren und lagerte sie dort bis zur jeweiligen Abfüllung weiter. Bei unserem heutigen Rum ist das im Jahr 2013 geschehen, nach einer 17 jährigen Reifung, an deren Ende der Rum eine Fassstärke von noch 63% vol. aufwies. Abgefüllt wurden insgesamt 1460 Flaschen bei einem Angel's Share von >80%. Auch wenn die Anzahl der Fässer nicht angegeben wurde, so können wir doch von ca. fünf Fässern ausgehen, wenn man grob mit etwas unter 300 Flaschen pro Fass rechnet, was wiederum bedeutet, dass während der 17 Jahre der Reife ca. 20 von 25 Fässern verdunstet sind.

Soweit die Theorie, kommen wir nun aber zum wichtigsten, der Verkostung!

Velier 17 YO Caroni 30th Release 1996 Full Proof vs. Velier 17 YO Caroni 31st Release 1996 High Proof

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Verkostung des Velier 17 YO FP Caroni 1996:

Preis: der Ausgabepreis im Jahr 2013 wird bei ca. 60,- bis 80,- Euro gelegen haben, vermute ich. Im Jahr 2019 kostet eine Flasche ca. 400,- bis 500,- Euro. 

Alter: von 1996 bis 2013 reifte der Rum 17 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Fässer des Rums reiften von 1996 bis 2008 auf Trinidad und vermutlich von 2008 bis 2013 bei DDL in Guyana.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden insgesamt 1460 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: > 80%

Alkoholstärke: Full Proof - der Rum kommt mit 63% vol. daher.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: HTR

Farbe: Mahagoni, dunkles Bernstein. 

Viskosität: gleichmäßige, releativ enge Schlieren laufen zügig an der Glaswand herunter, zurück ins Glas.

Nase: starke, dicht verwobene Nase. Den hohen Alkoholgehalt merkt man ihm deutlich an. Immer wieder sticht der Rum in der Nase, auch nach ca. einer Stunde noch, so dass ich meine Nase häufig wieder zurückziehen und mich auf das periphere Nosing beschränken muss. Im Vergleich dazu ist das 31st Release, das ich zum Vergleich parallel verkoste, doch deutlich milder und gefälliger. Schließlich mach aber auch der Full Proof noch auf und gibt dann einen Heavy Type Caroni par excellence preis, der noch sehr viel dreckiger daher kommt, als das bei vielen 1996er Caronis der Fall ist, die noch ein paar Jahre länger im Fass lagen. Hier steckt schon noch sehr viel Ursprünglichkeit der Destillerie drin. Dementsprechend habe ich im Bouquet dann auch Teer und Holzlack, Petroleum, Schrottplatz, Eichenholz, ein wenig Rosine und ganz hinten und nur minimal auch etwas Menthol. Letzterer Ton ist beim High Proof daneben wesentlich intensiver und dominanter ausgeprägt, allerdings sind sich beide Rums schon auch im Grundsatz recht ähnlich. Ich ziehe die Nase vom Full Proof aber vor, bewerte diese etwas besser als die des High Proof. 

Gaumen: Zu Beginn habe ich deutlich die schon beinahe unverwechselbare 1996er Caroni-Süße, die hier sehr präsent ausfällt und wirklich klasse kommt! Als nächstes fällt mir auf, dass der Rum deutlich weniger scharf daher kommt als erwartet. Für 63% vol. ist das tatsächlich außerordentlich smooth. Etwas kitzeln auf der Zunge habe ich, aber das gehört ja dazu und wird von mir hier auch als sehr stimmig empfunden. Der erste Eindruck ist also definitiv der eines äußerst leckeren Tropfens, zumal er wirklich auch sehr vollmundig daher kommt! Mit der zweiten Welle kommen dann bittere Noten vom Fass daher, Holzaromen verschiedener Art. Für 17 Jahre Reife, im Vergleich zu anderen Velier Caroni, ist das auch durchaus schon ein eher dominanter Fasseinschlag. Über seinen Zenit ist der Rum aber auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil, ich glaube, er ist kurz davor. Im Vergleich zum High Proof fällt eine geringere Fruchtigkeit auf. Tatsächlich sind sich beide Rums aber sehr ähnlich. 

Abgang: frisches, geschnittenes Holz , Anis und aber auch leicht spanisch. Lang anhaltend.

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Fazit: das 30th Release ist eine etwas stärkere, anspruchsvollere, 1996-typischere und damit für mich eben auch bessere Version des 31st Release, was ihn auf jeden Fall einen Schritt weiter dahin bringt, seinen doch auch enormen Preis im Gegensatz zum High Proof zu rechtfertigen. Allerdings werden für die Full Proof Version oft noch einmal über 100,- Euro mehr aufgerufen und dieser Umstand sorgt letztlich wiederum dafür, dass ich mich auch hier sehr schwer damit tue, eine direkte Verbindung zwischen Geschmack und Marktwert herzustellen. Anders als beim High Proof kann ich an dieser Stelle nicht den 21er Extra Strong als Alternative anführen, den steckt das 30th Release in die Tasche, aber ich würde wohl sehr viel eher das 34th Release kaufen, welches mit teilweise 230,- Euro doch noch vergleichbar moderat daher kommt. Dieses ist zwar auch nicht unmittelbar vergleichbar, da drei Jahre länger gereift und leicht geringerer Alkoholgehalt, aber die Qualität ist vergleichbar hoch und das Preis-Leistungs-Verhältnis definitiv hervorragend und um ein vielfaches treffender als jenes beim 30th Release, zumindest aus der Sicht eines Connaisseurs im Jahr 2019! Zum damaligen Ausgabepreis aber war das hingegen ein absoluter Top-Rum! Leider, sind diese Preise heute nicht mehr vorstellbar. Abschließend gilt mein Dank noch einmal Nicolas Kröger und auch an den Johannes, für die Vermittlung! Vielen Dank euch beiden!

-92/100-

Bis demnächst,
Flo

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