Sonntag, 29. November 2020

Velier Caroni Ceremony 2019 - Vintage 1998

Liebe Rum Gemeinde,

zum ersten Advent und zum Ausklang dieses Monats möchte ich euch noch einmal mitnehmen zur Caroni Ceremony 2019. Leider konnte ich, wie die meisten von euch, damals nicht dabei sein und so bleibt mir nur, dank der Hilfe der wenigen Glücklichen denen es besser erging, mir im Nachgang zumindest einen kleinen Überblick darüber zu verschaffen, was es dort seinerzeit zu verkosten gab. Den Anfang machte Ende Oktober der Jahrgang 2000 nun nun geht es hier, knapp einen Monat später, mit drei Vertretern aus 1998 weiter!




Dazu möchte ich eingangs natürlich auch heute erst einmal wieder den lieben Menschen danken, die es mir überhaupt erst möglich gemacht haben dieses spannende und exklusive Tasting durchzuführen! Das ist einfach ganz, ganz großes Kino und mir bedeutet das sehr viel! Vielen lieben Dank dafür! 

Ansonsten habe ich das meiste zum Rahmen der Ceremony am 12. April 2019 und auch zum status quo der verbliebenen Caroni Casks (die inzwischen Glas Ballons gewichen sind und nicht mehr weiter reifen), sowie zu den weiteren Plänen Veliers und Luca Garganos bereits im ersten Teil meiner Ceremony Tastings hier behandelt. Die Stichworte waren hier die Employee Serie, The Last & Tasting Gang, Single Cask Bottlings und der VSGB (Velier Small Great Bottles) Club mit seinen 10 cl Abfüllungen. Wer das gerne nochmal etwas detaillierter haben möchte, der möge gerne hierauf zurückgreifen. Was ich noch verraten kann ist, dass nach meinem heutigen Tasting der 1998er Caronis auch noch Sessions zu den 1996er Trinidad Stock, den 1996er Guyana Stock und den 1994er Guyana Stock Caroni Casks folgen werden. Wann ich dazu komme, muss ich aber schauen. Solange aber die unabhängigen Abfüller weiter so großartige Releases in der Schlagzahl wie in diesem Jahr veröffentlichen könnte sich das aber hinziehen... Glaubt einem ja kein Mensch, was sich da gerade diese Woche schon wieder angekündigt hat... 🙈 Doch bleiben wir für den Moment im hier und jetzt und widmen uns den drei 1998er Fassproben!



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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3909)

Nase: schöne volle, reichhaltige und intensive Caroni-Nase! Anders als bei vielen der 2000er Casks vom letzten Mal schreit einem Caroni hier schon fast ins Gesicht. Das Bouquet ist sehr ausbalanciert, hier überlagert nichts und hier fehlt auch nichts. Da ist Dreck, da ist Fruchtigkeit, da sind Tannine und dazu kommt noch eine ungewohnte aber sehr gut zum Potpourri passende Note aus Zitrusfrüchten und etwas medizinischem. Der Alkohol ist dazu sehr gut eingebunden und sticht nach etwas Atmen im Glas auch kein bisschen mehr. Für einen 1998er beeindruckt mich die Nase wirklich sehr und ich fühle mich da an den Buju oder auch den Yunkoo Employee erinnert.

Gaumen: am Gaumen erscheint mir der Rum zunächst etwas banal und weit weniger Caroni-typisch als es die Nase noch vermuten ließ. Der Alkohol ist schon sehr präsent und der Einschlag von Menthol, Medizin, Jod und Tanninen ist sehr krass! Da fehlt mir leider so ein wenig die Süße und die Fruchtigkeit, die gehen dem #3909 zu meinem Bedauern komplett ab. Sehr schade! Dieses könnte gefühlt auch einfach einer dieser 1997er oder 1998er Caronis der vielen anderen UA sein. 

Abgang: dreckiger Abgang mit viel Jod, aber wenig begeisternd. Das ganze schlägt schnell um auf eine sehr trocken werdende Seite. Auch hier gefällt mir das Fass #3909 leider nicht so. 


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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3911)

Nase: die Nase vom #3911 geht in eine ähnliche Richtung und gefällt mir ebenfalls, da besteht kein Qualitätsverlust im Vergleich zum #3909. Im Gegenteil, sie gefällt mir sogar eher noch besser. Die Balance und Einbindung des Alkohols stimmen hier, der Rum erscheint komplex, die Intensität ist ausgeprägt. Der Side-Kick aus Zitrusfrucht und Medizin fehlt hier, bzw. ist nicht vorhanden, wodurch der Caroni noch etwas typischer daher kommt als die #3909. Auch der gefällt mir sehr gut! Bis hier her sogar mein Favorit! 

Gaumen: ein ordentlicher erster Eindruck, der mir schon sehr viel mehr zusagt als es der #3909 am Gaumen vermochte. Caroni 1998 kommt hier sehr gut raus, allerdings hatten z.B. der Buju und der Yunkoo noch immer mehr Süße und Fruchtigkeit, als es auch dieses Fass hier aufweist. Der Rum ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Mir fällt hier das Beispiel mit dem ungeschmückten Weihnachtsbaum wieder ein (s. Caroni #4053) und fühle mich darüber hinaus einmal mehr darin bestätigt, dass 1998 einfach nicht mein Batch ist bei Caroni. Schade, insbesondere nach der tollen Nase!

Abgang: typischer 1998-Abgang mit ordentlich Dreck und einigem an Tanninen. Dann trockener und angenehm bitter werdend. Das Finish weiß zu gefallen! 


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Caroni 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3912)

Nase: dem #3912 merkt man am ehesten an, dass es sich bei ihm um einen 1998er Caroni handelt denn erinnert mich sehr an den Dennis "X" Gopaul Employee. Diese Nase braucht lange Zeit zum Atmen, ist dann aber sehr stark! Der Alkohol ist gut eingebunden, die Intensität hoch, einzig bei der Balance hat der Rum leicht Schlagseite, denn er tendiert schon sehr klar ins dreckige, weit stärker als die beiden anderen vor ihm. Das ist nicht ganz so meins, aber qualitativ ist spielt auch der #3912 auf ganz hohem Niveau! Der krasse Anis-Einschlag der mit der Zeit kommt, gefällt mir!

Gaumen: am Gaumen erinnert mich der Rum ebenfalls sehr an den Dennis "X" Gopaul. Von allen dreien hat er wohl die ausgeprägteste Süße (auch dieser Kontrast von Nase zu Gaumen war ja beim Dennis schon zu beobachten) und die am meisten ausgeprägte Balance am Gaumen. Der Alkohol ist zwar nicht ganz optimal eingebunden, aber der Rum in der Tendenz lecker und von den heutigen dreien wohl überraschend der beste am Gaumen. Doch selbst hier wieder: 1998 ist einfach nicht meine Präferenz No. 1! 

Abgang: trocken und bitter werdender Abgang, etwas Spekulatius bilde ich mir ein (?!), darüber hinaus aber unspektakulär. Der schwächste Part des Rums. 


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Gesamtfazit:

Mein Fazit fällt heute erstaunlich ähnlich aus wie beim letzten Mal, als ich die 2000er Fassproben der Ceremony im Glas hatte. Und das heißt zunächst einmal: keines der Fässer hätte ich am Ende des Tages für ein Single Cask ausgewählt! Das Fass #3912 ist sicher kein schlechtes, gerade wenn man auf diesen Stil steht, und kommt der Qualität für ein Single Cask ganz sicher am nächsten, aber kaufen würde ich ihn nicht. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass ich aus 1998 mit drei verkosteten Fässern eindeutig die wenigsten Fässer aller Jahrgänge probieren konnte, was sicher auch daran liegt, dass die Jungs von denen ich die Samples habe alles andere als große Fans von 1998 sind und da dementsprechend wenig mitgenommen haben. Ich kann es ihnen nachfühlen und das ist dann gleichsam auch der große Unterschied zu den verkosteten 2000er Fassproben: meine Erwartungen waren heute deutlich geringer, einfach, weil ich kein 1998er Fan bin. Die große Parallele wiederum zu den Fassproben des Jahrgangs 2000 ist aber vor allem, dass es mich fasziniert wie wenig mich die einzelnen Fässer für sich gesehen überzeugen, welch gute Blends es Luca aber schafft daraus zu kreieren! Immer wieder gelingt es ihm an der Stelle, Schwächen im Blend untergehen zu lassen und die jeweiligen Stärken herauszustellen. Das kann man gar nicht oft genug positiv bemerken! Gerade im Hinblick auf Buju oder Yunkoo bin ich da wirklich beeindruckt (über den Brigade mag ich an der Stelle gerade lieber den Mantel des Schweigens legen😉), bei denen ist der Blend eindeutig besser als es die Summe seiner Einzelteile gewesen sein dürfte. Das ringt mir den allergrößten Respekt ab! Andererseits wirft das aber natürlich auch die Frage auf, inwieweit 1998 nicht generell eher zum blenden taugt denn als Single Cask, auch ob der Tatsache, dass aus 1998 meines Wissens nach bisher noch nie ein einzelnes Fass von Velier abgefüllt wurde. Eventuell hat das ja gute Gründe... 

Ich wünsche euch nun noch einen schönen ersten Advent und eine besinnliche Vorweihnachtszeit! 

Bis demnächst,
Flo

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