Sonntag, 2. April 2017

Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Rum 2005

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem sich die Wogen langsam wieder etwas glätten und sich die Aufregung um den The Rum Cask Hampden 1990 legt, soll hier nun auch wieder Raum für anderen Rum geschaffen werden, der momentan (noch?) weit weniger gehypt wird. Kurz: es geht um Jamaica Rum aus Worthy Park. 

Worthy Park, das war im Sommer 2013 noch der absolute Knaller. Da erschienen die ersten neuen Rums aus dieser seit 1670 bestehenden aber erst 2005 wiedereröffneten Destillerie und dementsprechend groß war die Neugierde unter den Connaisseuren. Den Startschuss gaben damals The Rum Cask mit dem 4 jährigen Worthy Park aus 2009. Seit dem sind fast vier Jahre vergangen und in der Zwischenzeit haben es viele Abfüllungen aus Worthy Park auf den Markt geschafft. Einen, den 9 jährigen The Rum Cask aus dem Jahr 2005, habe ich hier auf Barrel Aged Thoughts auch bereits vorgestellt, ziemlich genau zwei Jahre ist das her, aber es gab auch weitere, insbesondere aus eben diesem 2005er Batch, welches inzwischen recht häufig mal auftaucht. Zwei Abfüllungen, eine zehn, die andere elf Jahre gereift, die ich sehr spannend fand, möchte ich heute und beim nächsten Mal hier auf dem Blog besprechen und werde sie beide mit dem bekannten 9 jährigen TRC, den ich (zumal für seinen Preis) wirklich super fand und noch immer finde, und natürlich auch untereinander vergleichen. Haben sich die weiteren Jahre der Reife bemerkbar gemacht, und wenn ja, wie? Da alle drei Abfüllungen noch erhältlich sind und Worthy Park bei vielen Connaisseuren nicht ganz so sehr im Fadenkreuz steht wie Demerara Rum oder Jamaicaner aus Hampden oder Long Pond , genießt dieser Vergleich sogar den schon beinahe vergessenen Luxus der aktuellen Relevanz. Das ist selten geworden im Rum Single Cask Milieu! 


Zunächst etwas zum heutigen Rum: es wird um den 2005er Worthy Park von Habitation Velier gehen, der im Jahr 2015 mit 10 Jahren Fassreife abgefüllt wurde. Habitation Velier? Genau, da war kürzlich erst was! Vor ca. drei Wochen, Mitte März dieses Jahres, besprach ich hier auf BAT bereits den 6 jährigen Hampden 2010 HLCF dieses Abfüllers und habe an der Stelle auch ein paar Worte zu diesem verloren. 
Über den Rum selbst lässt sich sagen, dass er laut Label der erste der Destillerie überhaupt ist, seit 1962. Es handelt sich also um das erste Batch aus Worthy Parks Neuzeit. Darüber hinaus erfahren wir dort, dass der Angels Share bei über 64% gelegen hat, die Reifung komplett in den Tropen stattfand und dass zur Destillation ausschließlich Melasse der Worthy Park Destillerie verwendet wurde. Was selbstverständlich klingt, ist in Wahrheit zwar nicht gänzlich außergewöhnlich, aber dennoch einer Erwähnung wert, da es leider tatsächlich Destillerien gibt, die ihre Melasse aus anderen Ländern zukaufen. Velier legt viel wert auf die Feststellung dieser Qualitätsmerkmale und stellt sie dementsprechend heraus. Doch genug der blanken Theorie.

Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Pure Single Rum 2005 (Worthy Park) - Sample by "Casa"


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Verkostung des Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Pure Single Rum 2005


Preis: Für den Rum in 0,7 Liter Gebinde müssen ca. 85 bis 90 Euro auf den Tisch gelegt werden. 

Alter: Der Rum reifte von 2005 bis 2015 insgesamt zehn Jahre lang im Fass. 

Lagerung: Tropical Aging ist bei Velier bekanntlich das Zauberwort. 

Fassnummer: unbekannt.

Angel's Share: >64% gingen an die Engel.

Alkoholstärke: 57,8% vol. maß der Rum bei seiner Abfüllung noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: angegeben ist eine Double Retort Pot Still. Sie ist sogar auf dem Label zu sehen. 

Mark: unbekannt.

Habitation Velier Forsyths WP 2005 im Glas
Farbe: dunkles, kräftiges, Stroh.

Viskosität: weite, unregelmäßig verlaufende Schlieren laufen zunächst langsam, dann aber schnell werdend an der Glaswand herunter. 

Nase: nach ca. 30 Minuten des Atmens im Glas habe ich zunächst leichte Anflüge von Klebstoff (wer mit Jamaica keine besonders lange Vorgeschichte hat, der könnte das hier u.U. als eine Untertreibung empfinden!) in der Nase. Das Ganze dabei im ersten Eindruck schon wesentlich reifer anmutend als beim 9 jährigen TRC, die Anis-Note im Bouquet ist bereits wesentlich ausgeprägter. Klare Verwandtschaft zu diesem und anderen Worthy Park erkennbar. 
Eine Nase, die ich als sehr angenehm empfinde, als überaus kräftig, aber auch als etwas eindimensional. Klar, da sind schon noch die ganzen Bananen, die Vollmilchschokolade, da ist tatsächlich auch immer noch die Jugendlichkeit von Worthy Park erkennbar, die vor allem im 4 jährigen damals zu finden war, das alles gepaart mit wunderbarem Anis, aber darüber hinaus geht es da einfach nicht weiter. Die Steigerung zum 9 jährigen ist aber ganz klar da, wenn auch nicht um Welten. Im peripheren Nosing ist da vor allem eine sehr angenehme rumig-bananige Note, die ich mit Rumkugeln assoziiere.

Gaumen: alkoholische Schärfe ist zunächst vorhanden, aber sie ist nicht unangenehm präsent. Hat es sich der Rum dann auf der Zunge bequem gemacht, was relativ schnell geht, so kann man diesen cremigen Tropfen in vollen Zügen genießen. Hier ist der Rum dann auch nicht mehr eindimensional, sondern stellt sich in mehreren Ebenen dar. Da ist die fruchtig-bananige und eher schokoladig-süße Ebene, die Ebene, in der vor allem der Einfluss vom Fass sehr schön durchkommt und auf weit mehr als zehn Jahre der Reifung schließen lässt (jedoch niemals überreift oder verholzt) und da ist diese richtig schön kräftige Anisnote auf der letzten Ebene. Das alles bildet zusammen eine sehr gelungene Einheit, die zu entdecken hier wirklich Spaß macht. 

Abgang: Ui, frisches Holz und Anis bilden hier eine sehr schöne Liaison mit einer Hand voll Cashew Kernen! Vor allem ersteres bleibt zunächst präsent, als letztes allerdings habe ich die Cashew Kerne. 

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TRC Worthy Park 9 YO  und Habitation Velier Worthy Park 10 YO 
Fazit: auch der 2005er Worthy Park von Habitation Velier ist absolut gelungen! Das eine Jahr mehr Reife im Vergleich zum TRC kommt vor allem in der Nase durch, aber die Unterschiede sind letztlich marginal. Am Gaumen hat der TRC noch etwas mehr vegetales als der Velier, dafür ist der Velier schon insgesamt etwas abgerundeter. Ich würde mich daher dazu hinreißen lassen zu sagen, dass der Velier leicht die Nase vorn hat, aber das wirkt in der reinen Aussage eigentlich schon größer, als es die Unterschiede wirklich hergeben. Qualitativ sind sie in meinen Augen ohnehin nicht vorhanden, das sind beides großartige Rums, die Frage welcher einem besser gefällt liegt also im Bereich der persönlichen Vorliebe. Bei mir ist es hauchdünn der Habitation Velier. Vergleicht man allerdings die preislichen Unterschiede, so stehen den knapp unter 40 Euro für 0,5 Liter vom TRC ca. 85-90 Euro für 0,7 Liter vom Habitation Velier gegenüber. Oder anders gesagt: für zwei Flaschen TRC (1 Liter) bekomme ich nicht einmal ganz eine Flasche (0,7 Liter) vom Velier. Das wiegt dann doch etwas schwerer als die geringfügigen Unterschiede, weswegen ich hier eher zwei Flaschen als eine kaufen würde.
Und das liegt auch an folgendem: beide Rums sind keine Lehrstücke in Komplexität, hingegen beiden gemein ist, dass das auch überhaupt nicht schlimm ist. Beide Rums sind leicht zugänglich, dabei aber aufregender als viele andere Rums aus z.B. Panama, Haiti oder Cuba. Sie bieten für ihr junges Alter schon vergleichsweise viel. Man kann sie entspannt trinken, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen natürlich geschmacklich, zum anderen aber auch, weil die Destillerie Worthy Park noch nicht so überlaufen ist wie vieles andere und extremere aus Jamaica und Guyana. Hier kann man derzeit noch entspannt probieren und sich dann bequem einen Vorrat schaffen. Und dass sich daran so schnell etwas ändert kann ich mir auch kaum vorstellen, da das breite Interesse klar in den Extremen liegt: und das bedient Worthy Park nun einmal einfach nicht. Im Gegenteil, sie haben eine bis dahin bestehende Lücke im Portfolio jamaicanischer Aromabomben logisch geschlossen. Denn das, was Worthy Park da macht gefällt mir allemal besser als die Low-Extreme-Sachen, die ich z.B. bisher aus Long Pond im Glas hatte. Da gibt es auch Stile abseits der bekannten und beliebten High Ester Bomben, die jedoch in meinen Augen sämtlichst durchfielen. Worthy Park macht das sehr viel besser und sehr viel konsequenter und ich hoffe, dass da auch weiterhin einiges kommt. Ich denke, dass diese Rums ihren Reifezenit noch lange nicht erreicht haben. 

PS: Danken möchte ich an dieser Stelle heute einmal mehr dem Casa vom Rum Club, der mir dieses Sample zukommen ließ und es mir somit ermöglichte, den Rum zu probieren. Danke! 

Bis demnächst (mit einem weiteren Worthy Park),
Flo

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