Montag, 20. Mai 2013

Cointreau

Liebe Rum Gemeinde,

heute gibt's nochmal einen Orangenlikör, und zwar den farblosen Klassiker aus Anger in Frankreich: Cointreau. Die Firma Cointreau gibt es seit 1849 und wurde von den Brüdern Adolphe und Edouard-Jean Cointreau gegründet. Der Sohn von letzterem, Edouard Cointreau Junior, erfand 1875 den Likör Cointreau. Hergestellt wird er aus den Schalen von bitteren und süßen Orangen. Cointreau hat seit je her 40% vol. und gehört zu den Triple Secs, die wiederum zur Gruppe der Curacaos gehören.
Heute gehört Cointreau zum großen Spirituosen-Konzern Remy Cointreau. Die Marke blickt also auf eine lange Geschichte zurück und gehört auch in der Bar schon seit sehr langer Zeit zur Grundausstattung. Nicht wegzudenken ist er vor allem aus dem Cosmopolitan oder aus der Margarita, wobei Cointreau bei letzterer in der jüngeren Vergangenheit auch immer häufiger durch andere Liköre substituiert wird, so dass er hier seine Alleinstellung eingebüßt hat. In nicht wenigen Mai Tai Rezepten wird Cointreau als Orangenlikör genannt, was auch der Grund dafür ist, dass ich Cointreau im Folgenden auf seine Fähigkeiten im Mai Tai hin überprüfen. Der verwendete Rum ist Berry's Own Selection Jamaica Rum from Hampden 1990.

Mai Tai mit Cointreau:

Fast weiß: Mai Tai mit Cointreau und Berry's Hampden  1990 
Farblich ist dieser Mai Tai der außergewöhnlichste bisher: er ist so gut wie weiß, etwas grünliches von der Limette schimmert noch durch, aber ansonsten ist der Drink weiß. Das ist ganz und gar untypisch für den Mai Tai, sieht aber auch sehr gut aus, wie ich finde. Das Weiß verleiht ihm etwas elegantes, nimmt ihm aber auch viel seines Südsee-Flairs.

Geschmacklich dominiert hier zunächst natürlich mal wieder die Berry's Hampden 1990 Note, das war zu erwarten. Der Unterschied zu Mai Tais mit Marie Brizard oder Pierre Ferrand Orange Curacao wird aber dennoch deutlich. Es fehlt die Fruchtigkeit, die der MB und der PF Orange Curacao sonst mit in den Drink hinein bringen. Diese gleicht der Berry's in diesem Fall zwar etwas aus, aber bei einem weniger fruchtigen Rum würde dem Drink hier schon was fehlen. An seiner statt wird der Drink aber trockener, da wirkt dann der Cointreau. Diese Trockenheit ist im Mai Tai eher ungewöhnlich, macht ihn aber in gewisser Hinsicht auch spannender. Doch lieber ist mir, offengestanden, am Ende dann doch eher die Fruchtigkeit. Die würde mir mit Cointreau leider immer fehlen.

Fazit: Cointreau war, ist und bleibt ein erstklassiges Produkt. Er hat seine Berechtigung im Backbord, aber im Mai Tai hat er das Nachsehen. Ich würde nach diesem Test bei Pierre Ferrand oder Marie Brizard bleiben. Sind diese allerdings einen Abend mal aus und man hat nur noch Cointreau im Haus, so kann dieser doch bedenkenlos verwendet werden, verhunzen tut er den Drink nicht. In diesem Fall sollte man allerdings darauf schauen, einen möglichst fruchtigen Jamaicaner (z.B. Robinson Cask Smooth 55) zu verwenden. Damit wirkt man der fehlenden Fruchtigkeit etwas entgegen.
Einmalig: die Farbe des Drinks! Wer das einmal erleben möchte, der kann sich mal daran versuchen. Letzten Endes und geschmacklich ist die Farbe aber natürlich eher zweitrangig. Daher gibt's keine Empfehlung für den Cointreau, aber er KANN verwendet werden.

Bis Morgen,
Flo

1 Kommentar:

  1. Stimme Dir voll und ganz zu.
    Ich habe meine "Mai-Tai Karriere" mit Cointreau begonnen und war beim Umstieg auf MB Orange Curacao umgekehrt vom Farbwechsel überrascht.
    Inzwischen verwende ich fast nur noch den Pierre Ferrand.

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