Sonntag, 6. Mai 2018

Velier FP Heavy Trinidad Rum 18 YO Caroni 1994

Liebe Rum Gemeinde,

würden Wetten darüber abgeschlossen werden, aus welcher Destillerie der verkostete Rum im nächsten Review auf Barrel Aged Thoughts stammt, so würde man bei einem korrekten Tipp auf Caroni momentan nicht einmal seinen Einsatz zurückerhalten - allzu oft läge man damit derzeit richtig. So auch heute!

Ich habe an Caroni einfach einen Narren gefressen und so tobe ich mich gerade ganz intensiv dort aus. Glücklicherweise gibt es ja auch immer noch genug Rums von dort, die ich noch nicht probiert habe, so dass mir auch erst einmal weder langweilig wird, noch dass mir der Stoff ausgeht. Perfekt!
Heute werde ich mich an einen Velier Caroni heranwagen, den es schon seit längerer Zeit nicht mehr zu kaufen gibt: den 18 YO Caroni von 1994 mit 62,59% vol. aus der sog. "Hangar-Serie", die aus vier Abfüllungen besteht, auf denen jeweils der Caroni Hangar auf dem Label zu sehen ist. Zwei stammen aus 1994 und zwei aus 1992 und es gibt jeweils einen Full Proof und einen High Proof mit 55% vol.. Nebeneinander gestellt ergeben die Boxen der vier Rums dann ebenso das Bild des Hangars. Abgefüllt wurden alle vier im Jahr 2012. Soweit, so gut. 1994 ist darüber hinaus einer der ergiebigsten Jahrgänge von Velier, denn aus diesem Jahr kamen insgesamt schon sieben Releases heraus: das jüngste mit 17 Jahren, das älteste mit 23 Jahren. Eine vergleichbar weite Spanne der Entwicklung im Fass (6 Jahre) können wir unter den Velier Caroni bisher sonst nur noch beim Jahrgang 2000 nachvollziehen. Und die Entwicklung ist dann tatsächlich auch mein Stichwort, denn darauf werde ich im Fazit noch näher eingehen!
Bevor es hier dann aber auch schon mit dem Tasting losgeht möchte ich noch dem Mark herzlichst für's Sample danken! Hab Dank! :-) 


Verkostung des Velier 18 YO Caroni 1994:

Preis: ursprünglich wird der Rum vermutlich deutlich unter 100 Euro gekostet haben. Heute liegt er meist bei einem wohl vier- bis fünffachen davon. 

Alter: der Rum lag von 1994 an im Fass, bis er im Jahr 2012 abgefüllt wurde. Er ist damit 18 Jahre alt.

Lagerung: die Reifung fand von 1994 bis 2008 auf Trinidad statt, anschließend lag der Rum bis 2012 noch bei DDL in Guyana.

Fassnummern: die Fassnummern der 10 Fässer sind leider nicht bekannt. Insgesamt wurden aber 2633 Flaschen abgefüllt. 

Angel's Share: keine Angabe. Anhand der anderen Velier Caroni, bei denen dazu Angaben gemacht wurden kann man aber von einem Anteil mindestens zwischen 70 - 80% ausgehen. 

Alkoholstärke: Full Proof. Der Rum misst einen Alkoholgehalt von 62,59% vol.

Destillationsverfahren: unbekannt.

Mark: HTR

Farbe: tiefer, dunkler, ins braune gehender Bernstein. 

Viskosität: eher engere, unregelmäßige Schlierenbildung.

Nase:  Oh ja! Nach ca. 30 Minuten finde ich bereits ein ausgesprochen tiefes, reifes, komplexes und reichhaltiges Caroni-Bouquet vor. Große Qualität! Kein Standard heute. Sehr gediegen! Der Rum hatte ganz offensichtlich viele Fasseinflüsse, denn die Nase wird von ihnen geprägt. Zwar ist der Rum noch ohne Zweifel als Caroni zu identifizieren, aber der ursprüngliche Brennereicharakter versteckt sich dahinter schon merklich. Alkoholische Schärfe ist, trotz der 62,59% vol., nicht vorhanden.
Ich finde stattdessen karamellisierte Kokosflocken ebenso vor wie Tannine, frischen Teer, Phenole, verbranntes Gummi, Menthol. Dazu etwas gebackenes, Anis und muffiges Unterholz. Auffällig ist die Abwesenheit jeglicher Süße. Insgesamt sitze ich ca. eine Stunde vor dieser wirklich überragenden Nase, die ich in Worten nur unzureichend im Stande bin darzulegen. 

Gaumen: Yihaa! Sehr genial! Der Rum legt am Gaumen gleich so richtig los und verbreitet Caroni-Flavour pur in der gesamten Mundhöhle. Auch hier fehlt die alkoholische Schärfe vollkommen, so dass sich der Rum butterweich auf den Gaumen legt und ungestört genossen werden kann, selbst bei etwas größeren Schlücken. Auch hier sind die Fasseinflüsse unübersehbar. Tannine vom Fass und weitere Holzeinflüsse wie Kaffee und Bourbon Vanille schmeicheln diesem Schrottplatz aus Teer, Altöl, brennenden Autoreifen  und Petroleum. Geil! Nach hinten heraus kündigt sich dazu eine ganze Kiste Sternanis an, von der ich das Gefühl habe, dass sie sich gleich beim Finish erst vollkommen entleeren wird. Dazu frisches, geschnittenes Holz und etwas feuchtes Gras. 

Abgang: ganz viel Anis. Erst dahinter kommen die dreckigen Noten von Teer und Gummi, die sich mit frisch geschnittenem Geäst ergänzen. Ganz am Ende bleiben aber die Tannine hängen. Ein großartiges, dem Rum würdiges Finish!

-------------------------------------------------------------------------------------------------

18 YO Caroni 1994 Full Proof vs. 23 YO Caroni 1994 High Proof
Fazit: einer der ganz großen Caroni, die ich bisher schon im Glas hatte. Ich bin mit Prognosen ja nach wie vor sehr Vorsichtig, da ich noch immer sehr viele ältere Caroni nicht probieren konnte, aber ich denke, dieser hier wird, wenn, dann nur sehr schwer aus den Top 10 zu verdrängen sein!
Als ich das fünf Jahre ältere 36th Caroni Release probiert und vorgestellt hatte wagte ich die These, dass der mit einigen Jahren weniger sehr viel besser gekommen wäre. Nun steht ein 18 jähriger vor mir. Lag ich damit also letztlich richtig? Jein! Ja, dieser 18 YO hat natürlich weniger Reife als der 23 YO und insofern erfüllte der 18er da in dieser Hinsicht meine Erwartungen. Aber ganz grundsätzlich muss ich gestehen, dass ich den 23 YO inzwischen, und mit ein paar Monaten Abstand zur Erstverkostung, tatsächlich vollkommen anders bewerte! Ich empfinde diesen mittlerweile als nahezu perfekt ausgereiftes Destillat und mitnichten als fast verholzt, so wie ich es im vergangenen Sommer noch beschrieben habe. Dass sich meine Sicht auf einen Rum so elementar verändert passiert mir nicht häufig, aber hier ist das wirklich mal geschehen. Und von dem her steht der These andererseits also auch ein klares Nein entgegen, denn die zusätzlichen fünf Jahre geben dem Jahrgang 1994 noch einmal etwas ganz besonderes oben drauf, das ich nicht mehr missen möchte.
Beide Rums, der 18 YO, als auch der 23 YO, weisen einen bemerkenswerten Reifegrad mit deutlicher Dominanz des Fasses auf und rangieren auf sehr, sehr hohem Niveau! Ich glaube sogar beinahe, dass der 23er bei mir noch leicht die Nase vorn hat, aber das ist wenn, dann nicht viel. Sie ergänzen sich, nebeneinander verkostet, perfekt und können beide ohne jede Einschränkung überzeugen. Welchen der beiden man persönlich bevorzugt dürfte aber kaum vorherzusagen sein. Konsensfähiger ist vermutlich der 18 YO, aber eine klare Aussage in eine Richtung ist heute nicht möglich. Und ich möchte fast anhängen: zum Glück! Ich empfehle jedem, nach Möglichkeit, beide mal ins Glas zu geben und ihnen jeweils viel Zeit zu geben. Diese Tropfen werden einen nicht enttäuschen!
Vor kurzem, allerdings erst nach der Parallelverkostung dieser beiden hier, war es mir möglich, auch den 23 YO Full Proof (der orangene mit 59% vol.) zu probieren. Sowohl im Vergleich zum 18 YO Full Proof, als auch zum 23 YO 100° Proof und an einem anderen Tag nochmal neben dem 100° Proof hatte ich ihn im Glas. Und da dürft ihr sehr gespannt auf meine Eindrücke sein, denn auch dazu wagte ich ja im Sommer eine Prognose und ich werde in jedem Fall berichten, inwieweit sich das ausgegangen ist!

Euch wünsche ich allen noch einen schönen Tag und ein angenehmes und erholsames Restwochenende und wir lesen uns hier demnächst wieder!

Bis dahin,
Flo

Keine Kommentare:

Kommentar posten