Montag, 21. Mai 2018

Foursquare RUMble II - Principia / Destino / White

Liebe Rum Gemeinde,

heute möchte ich euch dazu einladen, nach doch recht langer Zeit einmal wieder einem meiner RUMbles hier auf Barrel Aged Thoughts beizuwohnen! Das heißt, ich werde mich zu den heute vorgestellten Rums wieder eher etwas kürzer fassen als gewohnt, im Gegenzug werdet ihr dafür aber auch meine Einschätzung zu gleich drei Rums erhalten, statt wie gewohnt nur zu einem.





Was liegt heute an? 

Ich habe mich dazu entschlossen, mich zum zweiten Mal zur barbadischen Destillerie Foursquare zu begeben (alles zur ersten Reise könnt ihr hier noch einmal nachlesen). Die Destillerie Foursquare und ihre Galionsfigur, Richard Seale, der gerade auch in den sog. sozialen Netzwerken in der Vergangenheit immer wieder stark polarisierte, haben in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hinter sich. Während die Insel Barbados unter Nerds vor einigen Jahren noch ausschließlich durch Rockley/ WIRD besetzt war und Foursquare durch Rums wie den Doorly's XO eher ein unbeachtetes Phänomen des Massenmarktes war, so hat sich das spätestens seit Veliers 2006er Abfüllung grundlegend geändert. Welche Gründe ich dafür in der Hauptsache sehe, habe ich im oben verlinkten ersten Ausflug ausführlicher dargelegt. Innerhalb des letzten Jahres zogen dann auch der Nachfolger, der Triptych, sowie die Originalabfüllung Criterion (s. ebenfalls erstes FS-RUMble) große Aufmerksamkeit auf sich. Der Triptych hat mir dabei gut gefallen, wenngleich er mir etwas zu teuer erschien, der Criterion war preislich attraktiver, leider hingegen geschmacklich gar nicht meins. Heute kommen dann der Velier Principia, der Velier Destino und der Foursquare White aus der Habitation Velier Serie zur Verkostung. Und da mir der Triptych, wie eben gesagt, durchaus gut geschmeckt hat, wird er heute für den Principia und den Destino als Referenz herhalten. Heute also Velier-Foursquare only! Und wer nun stutzig geschaut hat: der White läuft selbstverständlich außerhalb der Konkurrenz der beiden lange gelagerten Rums. Ein direkter Vergleich ergäbe keinen Sinn und das wäre auch nicht fair. Dennoch empfinde ich ihn als spannend genug, ihn hier einmal zu betrachten und werde daher auch meine Eindrücke schildern. 

Nun aber möchte ich auch gar keine Zeit mehr verlieren und direkt zu den Rums kommen...



Velier "Principia" 2008/2017 - 62% vol.:

Der Principia wurde im Jahr 2008 bei Foursquare destilliert, dann drei Jahre lang in Ex-Bourbon Fässern und noch einmal sechs Jahre lang in Ex-Sherry Fässern gelagert. Somit reifte der Rum insgesamt neun volle Jahre und er tat dies auf Barbados, ist also tropisch gereift. Es ergab sich ein Angels Share von >43%. Der Alkoholgehalt beträgt 62% vol. Er ist in Europa derzeit noch auf dem sog. 1. Markt erhältlich, also direkt in diversen Shops. Hier werden zwischen 140 und 160 Euro aufgerufen, was nochmal ein deutlicher Anstieg zum Triptych von vor einem Jahr ist, der ca. 130 Euro gekostet hat. Ihr wisst, ich habe schon beim Preis des Triptych skeptisch geschaut und dementsprechend darf man auch die Preisvorstellung beim Principia, meines Erachtens, durchaus als ambitioniert bezeichnen. Immerhin 5400 Flaschen wurden abgefüllt. Das Sample stammt aus einer Flaschenteilung eines netten Mitglieds des "Rum Clubs". Vielen Dank für's Teilen!

Im Glas kommt der Rum in einem schönen, der tropischen Lagerung entsprechenden Bernstein daher. In der Nase kann mich der Principia zunächst dann sogar noch etwas mehr überzeugen als der Triptych. Letzterer braucht im Glas deutlich länger, während der Principia sehr schnell präsent ist. Das ungewöhnlich lange Finish macht sich beim Principia natürlich deutlich bemerkbar, unterstützt den Rum aber augenscheinlich, denn das gefällt mir hier schon wirklich gut. 
Am Gaumen ist der Rum dann trockener als ich ihn angesichts des Sherry-Finish erwartet hatte (und wie süß Sherry tatsächlich sein kann, stellte ich ja anfangs des Monats erst bei einem Tasting dreier sehr alter Sherrys fest) und er zeigt sich auch durchaus reifer, als ich das bei einem 9 YO vermutet hätte, denn es kommt sehr viel trockenes Holz durch. Gar nicht negativ, allerdings für meinen Geschmack sehr eindimensional. Irgendwie fehlt mir da einfach was. Komplexität und Vielschichtigkeit gehen ihm leider ab. Schade. Nach der Nase hatte ich da mehr erwartet. Der Alkohol, das möchte ich positiv festhalten, ist sehr gut eingebunden.
Im Finish kommt dann eben jenes vom Sherry wieder durch, denn ich habe die Nussmischung vom Studentenfutter sehr präsent. Dahinter dann eine deutliche Bitterkeit. 


Velier "Destino" 2003/2017 - 61% vol.: 

Der Destino ist der älteste Rum des heutigen RUMbles. Er reifte von 2003 bis 2015 in Ex-Madeira Fässern und anschließend noch zwei Jahre bis 2017 in sehr alten Ex-Rum Fässern. Auch der Destino reifte zu 100% auf Barbados in den Tropen. Er kommt mit 61% vol. daher. Leider ist nicht bekannt, wie hoch der Anteil der Engel gewesen ist. Der Destino wurde von Richard Seale zum 70th Anniversary Veliers abgefüllt und das Logo zieren daher auch genau 70 kleine bunte Tropfen. Es gibt ihn inzwischen leider nur noch auf dem sog. 2. Markt, d.h. über private Anbieter oder Shops, die sich auf Raritäten spezialisiert haben, da er im regulären Handel sehr schnell vergriffen war. Für ihn muss man mit mindestens 300 Euro rechnen, eher mehr. Hier wurden auch nur insgesamt 500 Flaschen abgefüllt, das heißt potente Sammler sind hier die primäre Zielgruppe. Mein Sample bekam ich von einem sehr netten Rum-Buddy aus Berlin. Auch dir einen herzlichen Dank dafür! 

Wie schon der Principia, überzeugt auch der Destino optisch durch einen klasse Bernsteinton! Er ist noch etwas dunkler als der Principia, allerdings reifte er ja auch fünf Jahre länger. 
In der Nase gefällt er mir sofort nochmal klar besser als der Principia! Er ist voller, reifer, komplexer und er wirkt im Vergleich nochmal deutlich hochwertiger. Das gilt auch für den Vergleich mit dem Triptych, den ich hier im direkten Vergleich am schwächsten sehe. Das Madeira Cask Aging prägt natürlich auch hier im Vergleich zu gewöhnlicher Ex-Bourbon Reifung den Rum und passt gut. 
Am Gaumen erlebe ich den Destino dann vollmundig, allerdings so ganz anders als z.B. den Principia. Das Profil ist hier ein ganz anderes als das aus 2008. Der Rum hat Klasse! Ich erkenne hier durchaus frühere 2003er Foursquare wieder, allerdings erlebe ich diesen hier wesentlich besser als andere vorherige. Da steckt wesentlich mehr Komplexität drin und auch Fruchtigkeit, die dem Principia z.B. leider auch fehlt. Der Alkohol ist beim Destino ebenso gut eingebunden wie beim Principia, er macht sich nicht negativ brennend bemerkbar.
Im Finish dann eine erstaunliche Parallele zum Principia, hier bleibt nämlich wieder vor allem Holz. Aber eben auch hier nicht im Sinne eines Tannine-Einschlags, sondern trockenes, gut gelagertes Holz. Sehr leckerer Rum!



Habitation Velier "White" 2015 - 59% vol.: 

Der White Rum ist streng genommen gar keiner, denn er hat sowohl ein Fass von innen gesehen, als auch darin schon etwas Farbe bekommen. Aber die Lagerzeit betrug hier nur wenige Monate im Jahr 2015, so dass die Charakteristik klar die eines rauen Ur-Produkts mit 100% Brennereicharakter ist! Die geringe Lagerzeit kam zustande, da Richard Seale Luca Gargano den Wunsch abgeschlagen haben soll, einen vollkommen ungelagerten Rum auf die Flasche zu bringen. Die wenigen Monate wären somit ein Kompromiss. Abgefüllt wurde der Rum mit 59% vol. Vom White existieren meines Wissens nach nur 400 Flaschen, was für die Habitation Velier Reihe schon sehr wenig ist und weswegen es auch ihn  nur noch auf dem sog. 2. Markt gibt. Der White stand zuletzt bei 70-80 Euro! Nochmal zur Erinnerung: wir reden über einen nahezu ungelagerten Rum! Verrückt! Abermals stammt das Sample, aber auch das Bild der Flasche, aus Berlin. Vielen Dank!

Dass der White im Vergleich zu den beiden anderen vollkommen aus der Rolle fällt war klar und deshalb bewegt er sich hier ja heute auch außer Konkurrenz. Zurecht, wie ich innerhalb von Bruchteilen von Sekunden feststellen muss, denn dieser reine Pot Still Rum ist mal so ganz anders als es seine Brüder sind. Hier ist Feuer in da House und in einem Blind Tasting könnte man den auch durchaus als gemäßigten Jamaicaner verordnen. Somit ist klar, dass wir es hier durchaus mit einem für Foursquare ungewöhnlichen Rum zu tun haben. 
In der Nase habe ich klare Ester und Anflüge von gebackener Banane und Ananas. Das ist eindeutig kein Hampden, aber ein ganz junger Worthy Park könnte es durchaus sein! Ich lege mich auch darauf fest, dass ich das blind getippt hätte! 
Am Gaumen fällt der Rum dann, gemessen an purem Vergnügen, natürlich ab, aber auch hier zeigt er deutlich sein Potenzial. Und damit meine ich vor allem, dass ich von Foursquare sehr gerne mal einen länger gelagerten reinen Pot Still Rum sähe! Das wäre sicherlich spannend und eine klare Bereicherung für deren Portfolio! Den White kann man durchaus auch pur trinken, aber in meinen Augen bietet er zu wenig Argumente dafür das zu tun, zu gut sind so viele andere Rums in meinem Bestand, die eine jahrelange Fassreifung hinter sich haben. Worauf ich aber ganz spontan Bock hätte bei diesem hier ist ein Daiquiri! Wer weiß, vielleicht probiere ich das in den nächsten Tagen mal aus. ;-) 

Fazit: 

Meinen heutigen Ausflug nach Foursquare empfand ich als sehr viel angenehmer als den ersten von vor ca. einem Jahr! Da mir zwei von drei Rums damals überhaupt nicht zusagten, war das seiner Zeit, vom Triptych abgesehen, doch ein ziemlicher Reinfall. Den klassischen Verlierer gab es im Vergleich dazu heute hingegen überhaupt nicht. Keinen der heute verkosteten Rums empfand ich als schlecht! Mir gefiel der Destino sowohl in der Nase als auch am Gaumen von den drei länger gelagerten am besten. In der Nase konnten sowohl der Principia, als auch sogar der White, den Triptych abhängen. Am Gaumen dann schlug der Triptych wiederum den Principia und natürlich auch den White. Hier hatte letzterer keine Chance, aber er fällt ja auch aus der Wertung. Nichts desto trotz hat mich der White dahingehend überzeugt, ihn die Tage mal zu vermixen. Ich glaube, der kann was! Nur: selbst wenn, so ist er leider viel zu teuer, weswegen eine ganze Flasche für mich nicht in Frage käme. Das trifft leider aber auch auf Destino und Principia zu, da mir hier für das aufgerufene Geld zu wenig Action geboten wird. Für den Destino gilt das, ob seines Sammlerpreises, natürlich noch einmal im Besonderen, trotz dessen, dass er im direkten Vergleich klar als Sieger der drei Rums hervorgegangen ist.



Und da bin ich dann auch schon bei, für mich, DEM Thema bei Foursquare, denn ich habe nach wie vor das Problem mit Foursquare, dass mir deren Rums zu wenig aus dem Durchschnitt ausbrechen. Dort bleiben sie für mich zumeist verhaftet, wenn auch auf unbestritten ganz, ganz hohem Niveau! Das reicht für mich aber nicht, um die aufgerufenen Preise in dieser Weise zu rechtfertigen. Für das Geld was die Foursquare von Velier kosten erwarte ich noch immer deutlich mehr als ich bekomme. Allerdings gibt es, auch wenn das eben ziemlich abwertend klang, doch auch eine eindeutig positive Aussicht. Denn in genau dem von mir beschriebenen Durchschnitt auf hohem Niveau liegt ironischerweise auch eine Chance, etwas, das die Rums in meinen Augen tatsächlich auszeichnet, weil sie damit eine Nische besetzen, die ich bisher deutlich zu unterrepräsentiert finde! Denn auf hohem Niveau anspruchslos sind nur ganz wenige Rums, wie ich finde. Und nochmal, nein, da steckt tatsächlich keine Häme drin, ich meine das ganz ernst. Entweder, einem Rum fehlen Anspruch UND Niveau, oder aber sie haben beides. Ich kenne kaum einen Rum, der anspruchslos wie ein 20-30 Euro Rum ist, aber die Qualität eines 70 Euro Rums hat. Die Velier Foursquare hingegen könnten das (kosten nur eben nicht das)! Schon beim Triptych war ich der Meinung, dass das ein perfekter Begleiter zu einem gepflegten Barbecue wäre: hochwertig, ungesüßt und unbearbeitet, lecker und überhaupt nicht fordernd. Ich könnte ihn nebenher trinken, ohne dass er die Aufmerksamkeit gegenüber meinen Gästen auf sich lenken würde, denn weder müsste ich mich besonders auf ihn konzentrieren, noch würde mich fehlende Qualität stören, so wie es bei vielen anderen günstigeren Rums zu solchen Anlässen der Fall wäre. Und für meine Gäste würde natürlich das gleiche gelten. Den könnte ich auf den Tisch stellen, ohne, dass danach der Rum das Gesprächsthema des Abends wäre, sondern der würde einfach nur getrunken werden und den Leuten schmecken. Aber da waren wir eben dann auch schon beim Stolperstein, dem Preis. Der passt nicht in die ansonsten perfekte Szenerie. Dass Foursquare gute Preise grundsätzlich aber machen kann, beweisen die Originalabfüllungen für jeweils +/- 70 Euro! Das ist ein Preis, den ich für die heute verkosteten Rums gerne ausgeben würde und dann auch nicht nur eine Flasche holen würde. Es geht also! Leider können mir diese wiederum aber nicht den tollen Geschmack der Rums bieten, die bisher für Velier abgefüllt wurden. Womit das zu tun hat ist für mich leider nicht offensichtlich. Da alles aus einem Haus kommt würde ich erstmal von Zufall ausgehen, allerdings häufen sich diese Zufälle inzwischen. Über eine stichhaltige Erklärung dazu, warum das so ist oder vielleicht sogar, warum es gar nicht anders sein könnte, würde ich mich sehr freuen, aber im Grunde glaube ich nicht, dass es nicht funktionieren kann! Bis dahin hoffe ich also darauf, dass wir einen solch tollen Foursquare wie wir sie bisher von Velier sahen auch bald einmal als Originalabfüllung bekommen. Und, Stichwort Habitation Velier FS White, der dürfte dann auch gerne mal rein aus der Pot Still kommen! Da wiederum, und da schließt sich der Kreis, sehe ich nämlich sogar das Potenzial für Rums, die dann auch das kosten dürften und die Preise vielleicht rechtfertigen könnten, die heute noch für die "Barbeque Foursquare" aufgerufen werden. Das wäre dann eine ganz andere Hausnummer! Diese Meinung vertrete ich in dieser Form schon seit dem Triptych und sie hat sich heute und mit diesem Tasting noch einmal verfestigt. Dennoch oder gerade deshalb hatte ich bei dem Tasting heute ganz viel Spaß und wünsche euch noch eine schöne Woche!

Bis demnächst,
Flo

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