Sonntag, 10. November 2019

The Hampden "Great House" Jamaican Rum

Liebe Rum Gemeinde,

mit dem Hampden "Great House" hat eine weitere sog. Originalabfüllung der Hampden Estate die europäischen Shops erreicht, nachdem man im letzten Jahr mit den beiden Premieren-Rums mit 46% und 60% vol. schon gut vorgelegt hatte. Mit der kolportierten Limitierung auf 3.066 Flaschen und einem optisch wirklich ansprechenden Packaging schwingt zudem erstmals auch ein Hauch von Exklusivität mit.


Bereits auf dem 9th German Rum Festival am 1. September konnte ich einen neuen Rum aus Hampden probieren, der es mir spontan sehr angetan hatte. Daniele Biondi schenkte mir den Inhalt eines unbeschrifteten Sample-Fläschchens ins Glas und ich war vor allem sehr überrascht als er meinte, dass es sich dabei um einen Blend handele, der zum größten Teil aus Rums des Marks OWH bestünde, also dem ester-ärmsten Mark, das Hampden herstellt. Denn so, sprich ester-arm, kam mir der Rum überhaupt nicht vor, kamen doch eindeutig starke Ester durch. Letztlich erfuhr ich von Daniele, dass sich auch ein kleiner Anteil Rum eines höheren Marks darin befindet, aber das war für mich an dieser Stelle dennoch ein Ausrufezeichen, denn meine Berührungspunkte mit OWH waren bis dahin sehr überschaubar. Leider klang es in Berlin noch so, als sei es eher unrealistisch, dass wir genau diesen Rum letztlich auch abgefüllt zu kaufen bekämen, aber schon bald erreichten mich unerwartet positive Rückmeldungen und schließlich die Bestätigung, dass es den Rum als Hampden "Great House" nun auch in Europa bald zu kaufen geben würde. Das ist, zu meiner großen Freude, nun passiert!





















Über den "Great House" erfuhren wir inzwischen, dass die verwendeten Rums wohl aus zwei verschiedenen Batches stammen: einmal zu ca. 80% aus Rums des Marks OWH aus dem Jahrgang 2012 und zum anderen wohl aus ca. 20% DOK aus dem Jahr 2016. Damit wäre der Blend insgesamt noch ein ziemlich junger und vor allem einer, den es in dieser Form so noch nicht gegeben hat und die bisherige Range also optimal ergänzt. Nicht ganz klar ist, wie Hampden selbst dieses Abfüllung nun eigentlich sieht. Ursprünglich, so scheint es, war das Bottling rein als Distillery Edition gedacht, also als Abfüllung, die es nur bei Hampden selbst zu kaufen geben würde. Dann hieß es, der Rum sei darüber hinaus auch für Messen und besondere Anlässe vorgesehen und schließlich wurde klar, dass er auch die ganz normalen Shopsysteme in ausreichender Menge erreichen wird. Offiziell ist von einer Limitierung auf 3.066 Flaschen die Rede, allerdings erscheint mir diese Anzahl an Flaschen fast ein bisschen niedrig dafür, dass es ihn inzwischen wirklich überall problemlos zu kaufen gab oder auch vielfach noch gibt. Der offizielle Ausgabepreis liegt in Deutschland bei 85,- Euro, allerdings war und ist er hier und da auch etwas günstiger zu haben. Mein Dank heute geht, wie so oft, an den Freddy, der die Flasche in größerer Runde geteilt hat!

In besonderer Weise muss ich tatsächlich heute das Packaging vorab loben. Da haben sie sich ernsthaft nicht lumpen lassen und der Einfluss von Velier und Luca Gargano auf Hampden Estate ist, sagen wir es einmal so, "spürbar". ;-) Aber das ist ausschließlich positiv zu verstehen, der Rum ist wirklich schick und das Prinzip der schwarzen Flasche geht auch hier einmal mehr voll auf, insbesondere im Kontrast zum weißem Label... doch, der sorgt schon für ein gewisses "Haben wollen"-Gefühl, das muss man einfach anerkennen.  Dazu eine toll designte Box und mit dem Great House Thema zieht sich da auch konzeptionell merklich ein roter Faden durch das ganze Bottling. Man kann sich die Flasche letztlich regelrecht vorstellen in diesem prachtvollen Anwesen, dem sie gewidmet ist und da hat man es dementsprechend einfach geschafft, mit dem Rum auch wieder einmal eine eigene kleine Geschichte zu erzählen und diese zu verkaufen. Das kann Velier wie niemand sonst am Markt und nicht zuletzt deshalb stehen sie jetzt aktuell dort wo sie stehen. Was der Rum im Glas kann, also dort wo es am Ende immer noch zählt, das sehen wir uns im Folgenden an!


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Verkostung des The Hampden "Great House" Jamaican Rum:

Preis: der Ausgabepreis liegt offiziell bei 85,- Euro in Deutschland, allerdings ist der Rum zum Teil auch günstiger zu haben. In Frankreich und Italien wurde er für 89,- Euro releast.

Alter: mutmaßlich enthält der Great House Rums der Jahrgänge 2012 (OWH) und 2016 (DOK).

Lagerung: der Rum reifte während der gesamten Zeit seiner Lagerung auf Jamaica bei Hampden in tropischem Klima.

Fassnummern: unbekannt. 

Angel's Share: keine Angaben.

Alkoholstärke: High Proof - der Rum kommt mit 59% vol. daher.

Destillationsverfahren: der Rum entstammt einer oder mehrerer der vier Double Retort Pot Stills von Hampden.

Mark: laut Auskunft am Stand von Velier auf der Whisky Live Paris 2019 enthält der Blend Rums der Marks OWH (ca. 80%) und DOK (ca. 20%).

Farbe: dunkles, intensives Gold. 

Viskosität: ungleichmäßige, aber eng parallel verlaufende Schlieren fließen zügig an der Glaswand herunter.

Nase: ich finde zunächst eine kräftige, intensive, aber nicht unbedingt tiefe und auch nicht brachiale Esternase vor. Das ist für Hampden, dessen Markenzeichen es durchaus ist seine Genießer im positiven Sinne zu erschlagen, erst einmal eher untypisch. Umso mehr erstaunt es, dass das grundsätzliche Profil und die damit einhergehenden Assoziationen im Kontrast dazu allerdings sehr eindeutig Hampden sind! Darin liegt dann auch zugleich der große Unterschied zu einem Produkt aus der eigenen Range. Ich habe mir zum Vergleich nämlich auch die Hampden Estate Originalabfüllung mit 60% vol. daneben gestellt, welche sehr viel weniger dieser typischen Elemente aufweist. Beim Great House aber sind diese vorhanden, ohne, dass der Rum anstregend wirkt. Das gefällt mir, denn bei aller Leidenschaft für Hampden zählen deren Rums meist nicht zu jenen, die es in einem ruhigen Moment in mein Glas schaffen. Zum Potpourri zählen beim Great House ganz klassisch ein schöner Strauß an Estern, Klebstoffnoten, Zitrone, Humus, gegrillte Ananas, überreife Banane, sowie etwas grasiges, aber peripher auch Erdnüsse. Blind würde ich wohl auf einen LROK oder einen verdünnten HLCF tippen. Für eine Art Standardbottling, auch wenn dieses nun limitiert sein soll, ist das sehr bemerkenswert, was ich hier vorfinde! Der Alkoholgehalt macht sich zudem nahezu überhaupt nicht bemerkbar, der Rum ist total smooth.

Gaumen: zunächst fällt mir die leichte Verdünnung auf, wenn auch nicht negativ. Die typische Verwässerungsnote ab dem ersten Tropfen Wasser, unter der Hampden schon so oft litt, bleibt hier glücklicherweise aus. Dafür ist der Rum sofort entspannt zu trinken! Der Rum kommt wunderbar vollmundig, sehr körperreich und intensiv und auch ölig daher und ist ganz eindeutig das, was ich unter einem guten Hampden verstehe. Na klar, ich mag es bei einer meiner Lieblingsdestillerien auch gern noch krasser, das ist bekannt, aber hier gelingt wirklich der Spagat aus Flavour und Power auf der einen Seite und Smoothness auf der anderen Seite! Sehr, sehr gelungen! Der Rum startet am Gaumen erst einmal mit einer schönen, natürlichen Süße und weckt schließlich Assoziationen zu gegrillter Ananas, Antipasti, Zitrone, Chorizo, Anis, Bourbon Vanille und Eichenholz vom Fass. Well ballanced! Alkoholische Schärfe findet man dementsprechend ebenso wenig wie irgendwelche Fehlnoten oder Hinweise darauf, dass dieser Rum gerne noch länger im Fass hätte liegen dürfen. Auch der Säure-Anteil, für viele Hampden Freunde oft ein K.O.-Kriterium, ist extrem ausgewogen. Fast könnte man beim Lesen vielleicht das Gefühl bekommen, dass der Rum langweilig ist. Aber nein, das passt hier nur einfach alles sehr, sehr gut zusammen! Wirklich beeindruckend und bemerkenswert!

Abgang: nicht ewig lang, wie manch andere Hampden in der Vergangenheit, aber doch lange genug, um sich wirklich nachhaltig an diesem tollen Tropfen zu erfreuen. Gegrillte Ananas und Anis begleiten den guten Tropfen in der Hauptsache hinunter.

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Fazit: ihr werdet das kennen: auf Messen und Events schmeckt fast jeder Rum wahnsinnig toll! Und nur allzu oft ist es so, dass man Rums, die man zu solchen Gelegenheiten probiert und für gut befunden hat, am Ende und zuhause in Ruhe dann doch gar nicht so toll findet - dieser "beliebte" Klassiker lässt sich auf den Hampden "Great House" allerdings in keiner Weise anwenden! Um ehrlich zu sein mischte sich in meine Euphorie, die ich verspürte als ich hörte, dass der Rum den ich in Berlin so mochte tatsächlich abgefüllt werden würde, auch sofort ein wenig die Angst, an meinen nun hohen Erwartungen zu scheitern. Immer wieder sagte ich mir: cool bleiben, Flo, es war nur ein Messe-Eindruck... aber eben auch einer, der mich nachhaltig beschäftigte. Irgendwas sagte mir, dass ich mich in diesem Rum nicht geirrt haben kann, zu sicher war ich mir bei ihm. Und ich sollte zu meinem großen Glück Recht behalten! Für mich ganz persönlich ist dieser Hampden ein Knaller! Weil er auf der einen Seite alles hat was ich an Hampden mag und charakteristisch finde, das aber auf der anderen Seite in einer Weise transportiert, die mich wesentlich häufiger erreichen kann, als die ganzen Bomben, die zurecht als das Beste zählen, was Hampden je hervorgebracht hat (Stichwort: TRC Hampden 1990; Samaroli Hampden 1993;...). Somit ist diese Abfüllung zwar absolut gesehen nicht die Creme de la Creme der Destillerie, situationsbedingt denke ich hingegen, schlägt sie die meisten dieser Rums an den allermeisten Tagen aber. Oder wie hätte es Peter Lustig ausgedrückt? "Klingt komisch, ist aber so!". Das heißt im Endeffekt, dass hier endlich einmal passiert, was ich von Originalabfüllung, bzw. Standardbottling im Grunde genommen erwarte: volle Qualität, ohne das GANZ besondere, aber auch ohne dabei auch nur irgendwie langweilig oder beliebig zu werden. Diesen Spagat packt der Great House!
Das ganze kommt dann auch noch in einem Packaging daher, was man meines Erachtens als nicht weniger als absolut gelungen bezeichnen kann. Schlicht, schick, auf den Punkt, einem roten Faden folgend, mit kleinen Akzenten und sehr hochwertig anmutend. Kurz: das Teil möchte man nicht zuletzt auch optisch in seiner Bar stehen haben! Bleibt im Grunde nur der Preis. Und ja, der ist nicht ohne. Selbst wenn man den Rum für 80,- Euro bekommen hat, ist das für einen Blend aus sieben und drei Jahre alten Rums, tropische Reifung hin oder her, kein Schnäppchen! Würde ich den Rum dennoch kaufen? Auf jeden Fall! Die gebotene Qualität in Kombination mit dem anspruchsvollen und ansprechenden Packaging, sowie der Limitierung geben das einfach her! Und vom Alter der enthaltenen Rums mal losgelöst fällt mir ad hoc schlicht auch kein besserer Hampden für weniger Geld ein. Also lasst euch da nicht abschrecken. Wer Hampden liebt, der kann hier wirklich nichts falsch machen in meinen Augen! Und wenn das der Weg ist, den Hampden Estate für die Zukunft gedenkt einzuschlagen, dann haben sie dafür meinen Segen. ;-) Great House? Great Rum!

-91/100-

Bis demnächst,
Flo

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