Montag, 17. April 2017

The Rum Cask Guadeloupe Rum 18 YO Bellevue 1998

Frohe Ostern, liebe Rum Gemeinde,

heute mache ich mal einen Ausflug nach Guadeloupe, einer 1628 qm² großen Insel der kleinen Antillen bzw. der Inseln über dem Winde und französisches Übersee-Departement. Somit verkoste ich heute ganz offiziell R(h)um aus der Europäischen Union! Die R(h)um-Abfüllung um die es heute geht, stammt aus der Destillerie Bellevue und wurde vom unabhängigen Abfüller The Rum Cask abgefüllt, der damit nach einem 14 YO, einem 16 YO und einem 17 YO bereits den vierten Rum dieses Batches anbietet. 

The Rum Cask Guadeloupe Rum from Bellevue Distillery 18 YO (1998 - 2016) - 56,6% vol.


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Verkostung des The Rum Cask Guadeloupe Rum 18 YO Bellevue 1998:

Preis: die 0,5 Liter Abfüllung dieses Rums kostet im Shop von The Rum Cask 65,90 Euro. Sie bieten dort aber auch 2, 4 und 10 cl Samples an. 

Alter: der Rum reifte von 1998 bis 2016 im Eichenholzfass und ist volle 18 Jahre alt. 

Lagerung: ich vermute eine kontinentale Reifung zu erheblichem Teil. 

Fassnummer: keine Angabe

Angel's Share: keine Angabe

Alkoholstärke: mit 56,6% vol. ist der Rum in Fassstärke abgefüllt worden. 

Destillationsverfahren: The Rum Cask geben auf dem Label eine Column Still als Urheber an. 

Mark: hier macht The Rum Cask keine Angaben. Bei Cadenhead hingegen wird bei Rums des selben Batches das Mark GMBV angegeben. Dieses steht vermutlich für Guadeloupe Main BelleVue. 

Farbe: dunkles, goldenes Bernstein im Glas. In der Flasche wirkt er noch deutlich dunkler. Da auch die ganz jungen Rums dieses Batches vor einigen Jahren schon dunkel waren, liegt eine Färbung durch die Destillerie Bellevue nahe. 

Viskosität: sehr weite, unregelmäßige Schlieren verlaufen sich langsam und gemächlich an der Glaswand. 

TRC Guadeloupe Rum 18YO Bellevue 1998 im Glas
Nase: nach ca. einer Stunde im Glas habe ich eine sehr dunkle, würzige, trockene und nach hinten heraus leicht süßliche Nase. Sehr verwoben, geballt und komplex. Sehr reifer Charakter! Ich nehme Teer, leicht rauchige Noten und Assoziationen von Tabak, Zigarren und > 90% Bitterschokolade wahr. Es gesellt sich auch Rosine dazu, ziemlich präsent sogar, und etwas Triple-Orangenmarmelade ist da auch. Ganz hinten, in der letzten Ecke, meine ich einen Hauch von Muffin mit Karamell auszumachen. Der Rum braucht sehr viel Zeit im Glas, bevor er auch voll da ist. Das ist nichts für Zwischendurch.

Gaumen: wenig alkoholische Schärfe, auch zu Beginn kaum vorhanden. Auch größere Schlücke sind problemlos möglich. Ohne Umwege geht es also an all das, was er zu bieten hat. Und das ist vor allem erst einmal ein prall gefüllter Gewürzschrank, in dem es mir schwer fällt mich zurechtzufinden. Nelke, Kardamom und sehr eindeutig Anis meine ich zu erkennen. Daneben gesellen sich Trockenfrüchte und Lakritz. Sehr präsent ist darüber hinaus auch Leder, und zwar in einer Weise, dass mich der Rum schon sehr an das 1999er Batch aus der John Dore Pot Still aus St. Lucia erinnert! Der Rum hat nicht ganz die Öligkeit, die ich erwartet hatte, aber er ist angenehm cremig. Tannine schwingen im Hintergrund immer mit, aber leider auch schon knapp an der Grenze des für mich wünschenswerten. Der Rum hat definitiv eine klare Bitterkeit, aber ich empfinde sie als gerade noch angenehm. Heißt aber auch: mehr hätte wirklich nicht gedurft! Auffällig: die vollkommene Abwesenheit von süßen Noten am Gaumen.

Abgang: Mittellang, einige Minuten bleibt der Rum präsent. Tannine, würzig, sehr trocken und hinten raus mit einem angenehmen Touch Bitterorange und Anis.

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Fazit: Mal was anderes auf von mir! Auch wenn dies insgesamt natürlich nicht mein erster Rum aus der Bellevue Distillery war, ich hatte auch schon einen 15 YO von Rumdealers Selection, einen 16 YO von Cadenhead und mit dem 14 YO und dem 17 YO von The Rum Cask auch zwei der jüngeren Brüder dieser Abfüllung im Glas, so hat mich dieser 18 jährige doch aber in besonderer Weise überzeugt. Schon der Cadenhead und der 17er TRC gefielen mir besonders gut und ich kann sie im Grunde beide ebenfalls uneingeschränkt empfehlen, aber die heute verkostete 18 YO Abfüllung finde ich noch einmal einen Tick besser! Sie ist die reifeste der bisher verkosteten Abfüllungen dieses Batches. Der Preis geht mit knapp über 90,- Euro auf 0,7 Liter gerechnet in Ordnung. Da werden anderswo zwar teilweise weniger, sehr häufig aber auch mehr aufgerufen. Ich meine, der Rum ist sein Geld wert, denn das ist wirklich Guadeloupe, wie es mir gefällt. Das ist speziell in meinem Fall schon bemerkenswert, da ich den Rums der französischen Übersee-Departements normalerweise grundsätzlich eher weniger zugeneigt bin. Bei Bellevue hingegen kann ich mit größtem Vergnügen die von Leo damals hier besprochenen Rhum Agricoles um einen weiteren Vertreter würdig ergänzen, allerdings bin ich mir fast sicher, dass sich da kaum noch weitere Rums aus Bellevue dazu gesellen werden. Denn ich empfinde diesen Rhum wirklich sehr auf den Punkt und bin noch länger gereiften Vertretern des Batches daher erst einmal skeptisch gegenüber eingestellt. Aber das ist noch Zukunftsmusik und die Augen werde ich in jedem Fall offen halten.
Was mich letztlich noch interessieren würde ist, ob das hier ein Rhum Traditionnel auf der Basis von Melasse oder doch ein klassischer Agricole aus Zuckerrohrsaft ist. Verlässliche Angaben dazu habe ich keine gefunden, aber meine Geschmacksnerven würden sich beinahe auf Melasse festlegen. Bisher hatte jeder Zuckerrohrsaft-basierte Rhum eine ganz eigene Note inne, die ich einfach nicht mag und die mich dementsprechend im Destillat dann auch stört. In keinem der bisher von mir verkosteten Bellevues fand ich diese Note, was mich zu der Annahme verleitet, es hier mit einem Rhum Traditionnel zu tun zu haben. Das ist aber lediglich ein persönlicher Eindruck. Aber ein hinreichender Beweis fehlt, wie gesagt, leider.

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Und noch einmal: auch heute geht mein Dank an den guten RUMZ vom Rum Club, der auch diesen Rum dort geteilt hat und mir so erneut die Möglichkeit gab den Rum hier zu testen. Vielen Dank, abermals!

Ich wünsche euch noch ein schönes Rest-Osterwochenende!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 9. April 2017

Cadenhead's CS Jamaica Rum Worthy Park 11 YO (05/17)

Liebe Rum Gemeinde,

heute folgt mit dem Review zum Cadenhead's Cask Strength Jamaica Rum Worthy Park 11 YO aus dem Jahr 2005 die Fortsetzung zum Review von letzter Woche, als es um den Habitation Velier WP 2005 ging, der wiederum mit dem The Rum Cask Worthy Park 9 YO, ebenfalls aus dem Jahr 2005, verglichen wurde. Heute werde ich den Cadenhead des mutmaßlich gleichen Batches mit diesen beiden vergleichen. Bevor man sich also an das heutige Review macht, sollte man die beiden vorherigen gelesen und vor Augen haben! Im Fazit wird dann spätestens klar, warum das so ist. 

Der Rum heute ist 11 Jahre gereift und wurde im Januar 2017 von Cadenhead's in Schottland abgefüllt. Damit ist er im Vergleich der drei Rums der älteste. Wie schon seine beiden jüngeren Brüder, so wurde auch dieser in Fassstärke abgefüllt: 57,9% vol. hat er laut Label noch. Über die Lagerung kann man nur mutmaßen, Cadenhead macht hier keine Angaben. Man kann aber von einer Teilreifung in den Tropen zu großem Teil ausgehen. Destilliert wurde der Rum in einer Pot Still. Es wird sich dabei vermutlich um die Double Retort Pot Still aus Worthy Park handeln, aus der auch die beiden anderen Rums stammen. Der Rum trägt das Mark JMWP und ist Teil der traditionsreichen Cadenhead Cask Strength Serie. 

Zum Abfüller Cadenhead muss an dieser Stelle glaube ich nicht mehr viel gesagt werden. Zahlreiche Rums dieses geschichtsträchtigen schottischen (vor allem Whisky-) Abfüllers sind hier bereits besprochen worden, seien es Rums aus der Cask Strength-, als auch der Green Label Serie. Einst zählte das Unternehmen zu den Giganten unter den Unabhängigen Abfüllern. Sie rühmten sich dafür, das größte Lager an Demerara Rums außerhalb von Guyana zu haben und brachten lange als so ziemlich einziger Abfüller die Rums auch in Fassstärke heraus. Bis Anfang des neuen Jahrtausends ging das so, allerdings wurde es danach doch eher ruhig um Cadenhead, zumindest im Rum Bereich. Zwar kamen immer mal wieder auch neue Rums, aber in der Anzahl war das schon sehr reduziert. Man merkte, dass das Lager erschöpft war und dass der Abfüller nun in gleicher Weise auf die Broker angewiesen ist, wie das bei anderen auch der Fall ist. Ihren Status als Gigant haben Cadenheads heute also leider eingebüßt. Abfüllungen wie die heutige erfahren nicht mehr diese Aufmerksamkeit bei der Neuerscheinung wie noch vor wenigen Jahren. Andere Abfüller haben diese Position eingenommen.

3 x  Jamaica Rum Worthy Park 2005 in Fassstärke: Cadenhead 11YO; Habitation Velier 10YO; The Rum Cask 9YO

Verkostung des Cadenhead's CS Jamaica Rum Worthy Park 11 YO (2005 - 2017):

Sample by RUMZ
Preis: Cadenhead ruft 57 Euro für die 0,7 Liter Flasche dieses Rums auf.

Alter: Der Rum wird als 11 jähriger verkauft, gelagert von 2005 bis 2017.  

Lagerung: keine Angabe, es kann aber auch hier, wie sich noch herausstellen wird, zu erheblichem Teil von Tropical Aging ausgegangen werden. 

Fassnummer: unbekannt.

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: 57,9% vol., also eine Abfüllung in Fassstärke.

Destillationsverfahren: eine Pot Still ist angegeben. Vermutlich handelt es sich um die selbe Double Retort Pot Still, die auf dem Label des Habitation Velier zu sehen ist. 

Mark: JMWP

Farbe: dunkles, kräftiges, Stroh.

Der Cadenhead Worthy Park 11 YO 2005 - 2017 - 57,9% vol. im Glas
Viskosität: weite, unregelmäßige Schlieren, langsames Fließen an der Glaswand.

Nase: wie beim letzten Mal standen die Rums auch heute ca. 30 Minuten im Glas atmend bevor ich zum eigentlichen Tasting überging. Im ersten Eindruck, wenn man nur eben die Nase rein hält, hat der Cadenhead die klar fruchtigste Nase, allerdings verfliegt dieser Eindruck auch sehr bald wieder. Um dann wiederzukommen. Das ist wirklich heavy heute! Nicht, weil die drei die Rums, der TRC, der Habitation Velier und der Cadenhead an und für sich so unglaublich fordernd wären, sondern weil sie sich wirklich wahnsinnig ähnlich sind. Beim Verweilen der Nase im Glas, wenn man alle drei Rums von vorne bis hinten erlebt, wird das noch deutlicher. Hier Unterschiede festzustellen klappt eigentlich nur beim Habitation Velier, der eine noch etwas vollere, würzigere Nase hat als die beiden anderen Rums. Aber wie auch letzte Woche: für mich sind die Unterschiede hier marginal. Eine gesteigerte Reife zum Habitation Velier, der ein Jahr jünger ist, kann ich nicht feststellen, im Gegenteil, der Rum wirkt in der Nase jünger, vergleichbar mit dem TRC.

Gaumen: eine natürliche Süße zu Beginn, danach kommt erst einmal der Alkohol, der kurz gezügelt werden muss. Ist das passiert, zeigt sich der Rum angenehm cremig am Gaumen und erinnert auch hier an die beiden zuvor verkosteten Rums. Was auffällt ist, dass die Anis-Note die ich beim TRC und noch einmal mehr beim Habitation Velier hatte, hier sehr viel geringer ausfällt. Ansonsten gleichen sich auch hier die Eindrücke am Gaumen sehr. Nach Hinten heraus wird der Rum würzig-pfeffrig. 

Abgang: die pfeffrige Note zieht sich in den Abgang und verhallt dort auch recht schnell. Hier konnte der Rum weniger als seine beiden Vorgänger hier auf dem Blog.

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Der Sieger für mich im Gesamtvergleich: der Habitation Velier WP 2005
Fazit: Ich habe die drei Rums in zwei Sessions je nebeneinander gehabt und spätestens nach 45 bis 60 Minuten im Glas, der Velier braucht etwas länger im Glas als der TRC und der Cadenhead, fällt es wirklich unglaublich schwer noch markante Unterschiede zu finden. Sie sind da, fallen aber vergleichbar gering aus.
Heißt im Klartext: der Habitation Velier ist meines Erachtens der stärkste der drei, auch wenn er im Glas länger braucht, gefolgt vom The Rum Cask und mit nur wirklich geringem Unterschied vom Cadenhead. Selten hatte ich drei solch ähnliche Rums im Glas. Ein Batch so unmittelbar miteinander zu vergleichen ist nicht ganz einfach, aber sehr spannend. Erkenntnis für mich: im Vergleich aller drei Rums zeigt sich deutlich, dass der Habitation Velier wohl noch etwas länger in den Tropen gelegen haben dürfte als die beiden anderen und vermutlich auch als die anderen Worthy Parks, die von anderen unabhängigen Abfüllern noch so am Markt zu finden sind, wie z.B. der RA. Da ist einfach ein Vorsprung in der Reifung auszumachen, der eigentlich nur tropisch gereift zustande kommen kann. Ich vermute, dass um 2012/2013 herum, als die ersten Worthy Parks auftauchten, eine große Fuhre aus der Karibik nach Europa an die Bulkhändler verschickt wurde. Bis dahin werden sie wohl tropisch gereift sein, sonst wären die Unterschiede größer und auch der 2013 abgefüllte 4 YO von The Rum Cask spricht von seinem Reifegrad her im Vergleich klar dafür. Heißt: der Habitation Velier lag mutmaßlich ein bis zwei Jahre länger in den Tropen als die anderen aus dem Batch. Das merkt man im Glas und das merkt man, leider, auch im Portemonnaie. Der Habitation Velier ist mit 85 bis 90 Euro klar teurer als der The Rum Cask (ca. 56 Euro auf 0,7 Liter) und der Cadenhead (57 Euro). Ist er das wert? Objektiv: meines Erachtens ja! Wen dieser Stil kitzelt, wie mich beispielsweise Hampden kitzelt, dem sei der Habitation Velier ans Herz gelegt. Er ist sein Geld, objektiv, auf jeden Fall wert, finde ich. Mir persönlich, also streng subjektiv, ist er das Geld nicht wert. Warum? Ich finde, Worthy Park 2005 ist ein toller "All Day Rum Stil" (bitte auf keinen Fall zu wörtlich nehmen! :) ), den ich sehr gerne entspannt trinke! Da brauche ich für mich ganz persönlich nicht das höchste Level beim entsprechenden Aufpreis. Dafür sind die beiden anderen für deutlich weniger Geld nur unwesentlich hinten an und bieten mir bei dem, was für mich Worthy Park ausmacht, den gleichen Spaß.

Und last but not least: Heute geht mein Dank an RUMZ vom Rum Club, der diesen Rum dort geteilt hat und mir so die Möglichkeit gab den Cadenhead hier zu testen. Danke!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. April 2017

Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Rum 2005

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem sich die Wogen langsam wieder etwas glätten und sich die Aufregung um den The Rum Cask Hampden 1990 legt, soll hier nun auch wieder Raum für anderen Rum geschaffen werden, der momentan (noch?) weit weniger gehypt wird. Kurz: es geht um Jamaica Rum aus Worthy Park. 

Worthy Park, das war im Sommer 2013 noch der absolute Knaller. Da erschienen die ersten neuen Rums aus dieser seit 1670 bestehenden aber erst 2005 wiedereröffneten Destillerie und dementsprechend groß war die Neugierde unter den Connaisseuren. Den Startschuss gaben damals The Rum Cask mit dem 4 jährigen Worthy Park aus 2009. Seit dem sind fast vier Jahre vergangen und in der Zwischenzeit haben es viele Abfüllungen aus Worthy Park auf den Markt geschafft. Einen, den 9 jährigen The Rum Cask aus dem Jahr 2005, habe ich hier auf Barrel Aged Thoughts auch bereits vorgestellt, ziemlich genau zwei Jahre ist das her, aber es gab auch weitere, insbesondere aus eben diesem 2005er Batch, welches inzwischen recht häufig mal auftaucht. Zwei Abfüllungen, eine zehn, die andere elf Jahre gereift, die ich sehr spannend fand, möchte ich heute und beim nächsten Mal hier auf dem Blog besprechen und werde sie beide mit dem bekannten 9 jährigen TRC, den ich (zumal für seinen Preis) wirklich super fand und noch immer finde, und natürlich auch untereinander vergleichen. Haben sich die weiteren Jahre der Reife bemerkbar gemacht, und wenn ja, wie? Da alle drei Abfüllungen noch erhältlich sind und Worthy Park bei vielen Connaisseuren nicht ganz so sehr im Fadenkreuz steht wie Demerara Rum oder Jamaicaner aus Hampden oder Long Pond , genießt dieser Vergleich sogar den schon beinahe vergessenen Luxus der aktuellen Relevanz. Das ist selten geworden im Rum Single Cask Milieu! 


Zunächst etwas zum heutigen Rum: es wird um den 2005er Worthy Park von Habitation Velier gehen, der im Jahr 2015 mit 10 Jahren Fassreife abgefüllt wurde. Habitation Velier? Genau, da war kürzlich erst was! Vor ca. drei Wochen, Mitte März dieses Jahres, besprach ich hier auf BAT bereits den 6 jährigen Hampden 2010 HLCF dieses Abfüllers und habe an der Stelle auch ein paar Worte zu diesem verloren. 
Über den Rum selbst lässt sich sagen, dass er laut Label der erste der Destillerie überhaupt ist, seit 1962. Es handelt sich also um das erste Batch aus Worthy Parks Neuzeit. Darüber hinaus erfahren wir dort, dass der Angels Share bei über 64% gelegen hat, die Reifung komplett in den Tropen stattfand und dass zur Destillation ausschließlich Melasse der Worthy Park Destillerie verwendet wurde. Was selbstverständlich klingt, ist in Wahrheit zwar nicht gänzlich außergewöhnlich, aber dennoch einer Erwähnung wert, da es leider tatsächlich Destillerien gibt, die ihre Melasse aus anderen Ländern zukaufen. Velier legt viel wert auf die Feststellung dieser Qualitätsmerkmale und stellt sie dementsprechend heraus. Doch genug der blanken Theorie.

Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Pure Single Rum 2005 (Worthy Park) - Sample by "Casa"


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Verkostung des Habitation Velier Forsyths WP Jamaica Pure Single Rum 2005


Preis: Für den Rum in 0,7 Liter Gebinde müssen ca. 85 bis 90 Euro auf den Tisch gelegt werden. 

Alter: Der Rum reifte von 2005 bis 2015 insgesamt zehn Jahre lang im Fass. 

Lagerung: Tropical Aging ist bei Velier bekanntlich das Zauberwort. 

Fassnummer: unbekannt.

Angel's Share: >64% gingen an die Engel.

Alkoholstärke: 57,8% vol. maß der Rum bei seiner Abfüllung noch. Fassstärke.

Destillationsverfahren: angegeben ist eine Double Retort Pot Still. Sie ist sogar auf dem Label zu sehen. 

Mark: unbekannt.

Habitation Velier Forsyths WP 2005 im Glas
Farbe: dunkles, kräftiges, Stroh.

Viskosität: weite, unregelmäßig verlaufende Schlieren laufen zunächst langsam, dann aber schnell werdend an der Glaswand herunter. 

Nase: nach ca. 30 Minuten des Atmens im Glas habe ich zunächst leichte Anflüge von Klebstoff (wer mit Jamaica keine besonders lange Vorgeschichte hat, der könnte das hier u.U. als eine Untertreibung empfinden!) in der Nase. Das Ganze dabei im ersten Eindruck schon wesentlich reifer anmutend als beim 9 jährigen TRC, die Anis-Note im Bouquet ist bereits wesentlich ausgeprägter. Klare Verwandtschaft zu diesem und anderen Worthy Park erkennbar. 
Eine Nase, die ich als sehr angenehm empfinde, als überaus kräftig, aber auch als etwas eindimensional. Klar, da sind schon noch die ganzen Bananen, die Vollmilchschokolade, da ist tatsächlich auch immer noch die Jugendlichkeit von Worthy Park erkennbar, die vor allem im 4 jährigen damals zu finden war, das alles gepaart mit wunderbarem Anis, aber darüber hinaus geht es da einfach nicht weiter. Die Steigerung zum 9 jährigen ist aber ganz klar da, wenn auch nicht um Welten. Im peripheren Nosing ist da vor allem eine sehr angenehme rumig-bananige Note, die ich mit Rumkugeln assoziiere.

Gaumen: alkoholische Schärfe ist zunächst vorhanden, aber sie ist nicht unangenehm präsent. Hat es sich der Rum dann auf der Zunge bequem gemacht, was relativ schnell geht, so kann man diesen cremigen Tropfen in vollen Zügen genießen. Hier ist der Rum dann auch nicht mehr eindimensional, sondern stellt sich in mehreren Ebenen dar. Da ist die fruchtig-bananige und eher schokoladig-süße Ebene, die Ebene, in der vor allem der Einfluss vom Fass sehr schön durchkommt und auf weit mehr als zehn Jahre der Reifung schließen lässt (jedoch niemals überreift oder verholzt) und da ist diese richtig schön kräftige Anisnote auf der letzten Ebene. Das alles bildet zusammen eine sehr gelungene Einheit, die zu entdecken hier wirklich Spaß macht. 

Abgang: Ui, frisches Holz und Anis bilden hier eine sehr schöne Liaison mit einer Hand voll Cashew Kernen! Vor allem ersteres bleibt zunächst präsent, als letztes allerdings habe ich die Cashew Kerne. 

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TRC Worthy Park 9 YO  und Habitation Velier Worthy Park 10 YO 
Fazit: auch der 2005er Worthy Park von Habitation Velier ist absolut gelungen! Das eine Jahr mehr Reife im Vergleich zum TRC kommt vor allem in der Nase durch, aber die Unterschiede sind letztlich marginal. Am Gaumen hat der TRC noch etwas mehr vegetales als der Velier, dafür ist der Velier schon insgesamt etwas abgerundeter. Ich würde mich daher dazu hinreißen lassen zu sagen, dass der Velier leicht die Nase vorn hat, aber das wirkt in der reinen Aussage eigentlich schon größer, als es die Unterschiede wirklich hergeben. Qualitativ sind sie in meinen Augen ohnehin nicht vorhanden, das sind beides großartige Rums, die Frage welcher einem besser gefällt liegt also im Bereich der persönlichen Vorliebe. Bei mir ist es hauchdünn der Habitation Velier. Vergleicht man allerdings die preislichen Unterschiede, so stehen den knapp unter 40 Euro für 0,5 Liter vom TRC ca. 85-90 Euro für 0,7 Liter vom Habitation Velier gegenüber. Oder anders gesagt: für zwei Flaschen TRC (1 Liter) bekomme ich nicht einmal ganz eine Flasche (0,7 Liter) vom Velier. Das wiegt dann doch etwas schwerer als die geringfügigen Unterschiede, weswegen ich hier eher zwei Flaschen als eine kaufen würde.
Und das liegt auch an folgendem: beide Rums sind keine Lehrstücke in Komplexität, hingegen beiden gemein ist, dass das auch überhaupt nicht schlimm ist. Beide Rums sind leicht zugänglich, dabei aber aufregender als viele andere Rums aus z.B. Panama, Haiti oder Cuba. Sie bieten für ihr junges Alter schon vergleichsweise viel. Man kann sie entspannt trinken, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen natürlich geschmacklich, zum anderen aber auch, weil die Destillerie Worthy Park noch nicht so überlaufen ist wie vieles andere und extremere aus Jamaica und Guyana. Hier kann man derzeit noch entspannt probieren und sich dann bequem einen Vorrat schaffen. Und dass sich daran so schnell etwas ändert kann ich mir auch kaum vorstellen, da das breite Interesse klar in den Extremen liegt: und das bedient Worthy Park nun einmal einfach nicht. Im Gegenteil, sie haben eine bis dahin bestehende Lücke im Portfolio jamaicanischer Aromabomben logisch geschlossen. Denn das, was Worthy Park da macht gefällt mir allemal besser als die Low-Extreme-Sachen, die ich z.B. bisher aus Long Pond im Glas hatte. Da gibt es auch Stile abseits der bekannten und beliebten High Ester Bomben, die jedoch in meinen Augen sämtlichst durchfielen. Worthy Park macht das sehr viel besser und sehr viel konsequenter und ich hoffe, dass da auch weiterhin einiges kommt. Ich denke, dass diese Rums ihren Reifezenit noch lange nicht erreicht haben. 

PS: Danken möchte ich an dieser Stelle heute einmal mehr dem Casa vom Rum Club, der mir dieses Sample zukommen ließ und es mir somit ermöglichte, den Rum zu probieren. Danke! 

Bis demnächst (mit einem weiteren Worthy Park),
Flo