Donnerstag, 16. Mai 2019

The Secret Treasures Trinidad Rum 6 YO Caroni 1996

Liebe Rum Gemeinde,

Caroni lässt mich einfach nicht los und heute verkoste ich die jüngste Abfüllung, die ich von dort jemals im Glas hatte: nur ganze sechs Jahre lag der Rum im Fass und der Rum kam sogar noch vor der endgültigen Schließung von Caroni (1975) auf den Markt!



Caroni-Releases aus aktiven Zeiten der Destillerie, ob Originalabfüllungen oder unabhängige Abfüllungen, sind heute, 16 Jahre nachdem die Firma für immer ihre Tore schloss, natürlich extrem selten anzutreffen und es gab meines Wissens nach auch nicht allzu viele davon, vor allem nicht von unabhängigen Abfüllern. Neben den The Secret Treasures Abfüllungen aus 1996 und 1991, die jeweils 2002 bzw. im Jahr 2000 abgefüllt wurden, fallen mir da spontan einzig die Moon Import Caroni aus den 1960er Jahren und ein Cadenhead Bottling aus 1991 ein - das ist übersichtlich! 

Viel ist es dann am Ende auch nicht, was wir über die heutige Abfüllung wirklich wissen. Die Firma hinter dem Label The Secret Treasures war damals die S. Fassbind S.A. aus der Schweiz. In den Jahren 2000, 2002 und 2003 veröffentlichte man Rumabfüllungen aus diversen Ländern unter diesem Namen. Im Jahr 2005 scheint das Label allerdings an Haromex übergegangen zu sein, die bisher allerdings auch nur sehr spärlich mit neuen Releases kommen. Zu nennen sind hier vor allem drei Abfüllungen aus St. Lucia. In Bezug auf den heute vorgestellten Rum sind die spannendsten Fragen sicherlich, wie so junger Caroni überhaupt schmeckt, denn wir kennen im Grunde ja sonst nur die sehr lange und vielfach auch tropisch gereiften Vertreter, welcher Art der Rum ist, also ob es ein Heavy-, ein Light- oder ein Blended Caroni ist und wo er gereift wurde. Das Label gibt an der Stelle leider keinerlei Auskunft, aber nach ein paar Caroni, die ich bisher schon so im Glas hatte, kann ich da geschmacklich hoffentlich ein paar Aussagen treffen. Die wirklich sehr helle Farbe deutet natürlich auf einen kontinental gereiften Caroni hin, denn bereits Rums mit einer solch kurzen Reifezeit haben, wenn sie in den Tropen lagen, einen deutlich kräftigeren Farbton. Das ist freilich kein hinreichender Beweis, aber durchaus ein deutlicher Hinweis. Zumal der Rum ja auch noch nicht aus den damaligen Trinidad Auktionen stammen kann, denn im Jahr 2002 war Caroni (1975) ja noch existent. Die Auktionen, aus denen beispielsweise die Bestände von Velier und Bristol Spirits stammen, fanden nach der Schließung der Firma statt. Bliebe noch ein Direktimport durch Fassbind damals, worauf das Backlabel sogar verweist, allerdings kann hier natürlich gleichermaßen der Import aus Großbritannien gemeint sein. Daher liegt genaueres hier leider im Unklaren. 



Verkostung des The Secret Treasures Trinidad Rum 6 YO Caroni 1996:

Preis: der Ausgabepreis dieses Rums lag bei ca. 15,- bis 20,- Euro. Ein exorbitant höher liegender Sammlerkurs in heutiger Zeit ist mir für diese Abfüllung zwar nicht bekannt, allerdings dürfte er dennoch deutlich darüber liegen. 

Alter: der Rum reifte von 1996 bis 2002 im Fass. 

Lagerung: unbekannt. Die Abfüllung stammt noch aus einer Zeit, in der Caroni (1975) noch existierte. Somit stammt der Rum sicher nicht aus den Trinidad Auktionen tropisch gereifter Fässer von Mitte der 2000er Jahre. Ob TST damals Fässer direkt aus Trinidad importierte, oder der Rum aus komplett in Großbritannien gereiften Fässern stammt, kann nicht sicher geklärt werden. Die Farbe allerdings deutet klar auf eine kontinentale Lagerung hin. 

Fassnummern: unbekannt. Es ist weder bekannt, wieviele Fässer in diesem Bottling aufgingen, noch wieviele Flaschen es gibt. 

Angel's Share: unbekannt. Wenn der Rum allerdings tatsächlich kontinental reifte, so dürfte nach gerade einmal sechs Jahren kaum etwas an Rum verloren gegangen sein. Anders sähe das bei tropischer Reifung aus, wo vermutlich um die 40% des Rums schon an die Engel verloren gewesen wäre. 

Alkoholstärke: der Rum kommt stark verdünnt und mit gerade einmal 42% vol. daher. 

Destillationsverfahren: unklar

Mark: unklar, vermutlich Blended.

Farbe: blasses Stroh. 

Viskosität: der Rum bildet enge, regelmäßige und schnell herablaufende Schlieren an der Glaswand. 

Nase: nach ca. zwei Stunden des Atmens des Rums im abgedeckten Glas habe ich zwar direkt Anklänge von Caroni, doch das ganz große Feuerwerk bleibt schon mal definitiv aus. Mein erster Eindruck ist, dass ich es hier mit einem Blended Caroni zu tun habe, also einem Mix aus Heavy und Light Type Rums. Ja, da sind diese typischen Assoziationen zu verbranntem Gummi und Lösungsmitteln, aber die übliche Aggressivität fehlt an der Stelle. Das liegt gewiss natürlich auch am sehr niedrigen Alkoholgehalt, der dem Rum sicher sehr vieles von seiner Kraft geraubt hat. Hier sticht nichts oder ähnliches, das kommt schon alles sehr, sehr glatt gebügelt daher. Und natürlich fehlt auch die Fassreife zu einem überwältigenden Teil, aber es würde mich trotz all dem doch arg wundern, wenn das hier das Rohmaterial für einen reinen Heavy Caroni wäre. Etwas ursprünglicher Brennereicharakter trifft auf zu starke Verdünnung - ich denke, so kann man die Nase ganz gut zusammenfassen.

Gaumen: Puh, hier muss ich aufpassen, dass ich zumindest einigermaßen fair bleibe. Mein erster Eindruck, so Leid mir das tut, ist aber, dass ich es mit aromatisiertem Wasser zu tun habe. Boah, ist der Rum wässrig dünn! Nicht, dass ich bei 42% vol. etwas wirklich anderes erwartet hätte, aber da fehlt doch wirklich schon einiges und dieser Rum gelangt nicht einmal in die Nähe jener weniger Caroni, die auch eine Verdünnung auf z.B. 46% vol. qualitativ überlebt haben (z.B. Bristol Caroni 1974!). Alkoholische Schärfe findet dementsprechend natürlich auch nicht statt, aber immerhin gibt es noch ein paar aromatische Eindrücke des Rums zu bewundern, die diese einzige Überflutung irgendwie überlebt haben. Mein Eindruck ist erneut, dass man Caroni zwar erkennen kann, aber ob ich das blind getippt hätte? Ihr seht mich im Zweifel! Der Geschmack selbst ist ja nicht mal schlecht, wenn man sich durch diese Menge an Wasser erst einmal durchgekämpft hat, dann sehe ich da einen zumindest soliden Rum, nur kann das hier einfach nichts retten. 

Abgang: etwas frisches Geäst bleibt, aber wirklich nachhaltig ist das nicht. Der Rum ist fix verschwunden und ich vermisse ihn nicht. 

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Fazit: das war leider gar nichts! Mit 50% vol. oder mehr wäre das hier vermutlich zumindest ein solides Bottling geworden, selbst wenn ihm auch dann noch viel Fass gefehlt hätte, aber 42% vol... Naja, das waren im Jahr 2002 eben noch andere Zeiten, könnte man argumentieren, aber dass das einfach nicht mehr schmeckt, das hätte einem meines Erachtens eigentlich zu jeder Zeit bereits auffallen können. Was die Reifung betrifft, so würde ich ziemlich sicher auf einen kontinental gelagerten Rum tippen. Tropisch gereift hätte der Rum, auch trotz der starken Verdünnung, anders geschmeckt, intensiver, da bin ich sicher! Nichts desto trotz empfand ich die Erfahrung eines so jungen Caroni als durchaus spannend, wenn gleich das bei einem echten Heavy Caroni, den ich hier heute sicherlich nicht vor mir hatte, mit höherem Alkoholgehalt sicher noch um einiges aufregender gewesen wäre. Aber derartigen Stoff dürfte es vermutlich nicht mehr geben, so dass ein solcher Tropfen wohl für immer ein Wunschtraum bleiben wird.

-71/100-



Bis dahin!
Flo

Sonntag, 5. Mai 2019

Velier Blended Trinidad Rum 17 YO Caroni 1993

Liebe Rum Gemeinde,

nach zwei doch sehr unterschiedlichen Blended Caroni der Jahrgänge 1988 bzw. 1991, kommt mit 1993 heute ein weiteres Jahr dazu, aus dem Velier einen solchen Rum abgefüllt hat. 



Genau wie 1988 und 1991 ist der Jahrgang 1993 kein klassischer Caroni Jahrgang. Von Velier gibt es nur genau dieses eine Bottling (dieses findet man allerdings noch sehr viel häufiger als die 1991er) und auch von anderen Unabhängigen Abfüllern kam hier über all die Jahre nicht gerade viel. Im Grunde stehen da nur ein paar Abfüllungen von Compagnie Des Indes, Origin R und von Bristol Spirits zu Buche, sowie jetzt ganz frisch neu auf dem Markt eine Abfüllung von 1423 Spirits. Das war es dann aber auch schon. Was ich vorab verraten kann: die 1993er Abfüllungen von Compagnie Des Indes, von Origin R und von Bristol, die ich im Glas hatte, waren aus unterschiedlichen Gründen so gar nicht mein Fall, weswegen es auch keiner von ihnen bis hier her auf den Blog geschafft hat. Ob Velier es mit seiner Abfüllung einmal mehr besser kann, auch wenn der Alkoholgehalt mit 44,4% vol. für einen Caroni ungewöhnlich niedrig ausfällt, werden wir gleich sehen. Mein Sample erhielt ich dankenswerter Weise von Marius (SCR). Vielen Dank!



Verkostung des Velier 17 YO Blended Caroni 1993:

Preis: der Ausgabepreis im Jahr 2010 lag vermutlich bei ca. 50,- bis 60,- Euro. Heute kostet eine Flasche ca. 500,- Euro. 

Alter: von 1993 bis 2010 reifte der Rum 17 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand von 1993 bis 2010 auf Trinidad statt.

Fassnummern: unbekannt. Es wurden 1850 Flaschen abgefüllt 

Angel's Share: ohne Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum hat eine Stärke von 44,4% vol.

Destillationsverfahren: unklar.

Mark: Blended Trinidad Rum

Farbe: leuchtendes Mahagoni. 

Viskosität: regelmäßige, zäh fließende und eher weitere Schlieren bilden sich beim Rücklauf des Rums an der Glaswand.

Nase: wuuhh, was ist das denn?! Ich bin hier, und das kommt nicht allzu häufig vor bei Caroni, richtig gehend irritiert! Heftiger Grundcharakter, und ja, irgendwie auch Caroni-like, aber irgendwie auch so überhaupt nicht. Ganz, ganz eigen! Entfernt erinnert das an ein Islay-Finish. Es werden auch Erinnerungen an die Bristol Abfüllung für 1423 Spirits, ebenfalls aus 1993, wach, da erkenne ich klare Parallelen. Die Nase ist auch bei diesem Blended Caroni weniger voll als ich es von den Heavys gewohnt bin, aber hier ist durchaus was los. Im Bouquet finde ich, neben typischen Caroni-Assoziationen von Teer, verbranntem Fahrradschlauch (hier schon eher verrußt) und Petroleum vor allem Tannine und Rückstände vom Fass. Nach hinten heraus geht eine spannende Süße, die hier ein Stück Komplexität mit in das ganze Potpourri bringt. In der Nase hat er von den drei hier vorgestellten Blended Caroni klar die meisten Berührungspunkte mit Caroni wie wir es kennen. 

Gaumen: erstaunlicherweise hat auch dieser Caroni einen überraschend viskosen Körper für seine unter 45% vol. Es brennt dann auch so gar nichts auf der Zunge, man kann den Rum problemlos und unangestrengt trinken. Am Gaumen zieht sich dann dieser extrem ungewöhnliche Eindruck aus der Nase fort. Wieder denke ich an ein Islay-Finish. Ich vermute nicht, dass es eines gegeben hat, das wäre der erste Caroni von Velier von dem ich das wüsste, und wenn es eines wäre, dann würde es erfahrungsgemäß auch noch deutlich krasser ausfallen, aber wie eine schwächere Version eines Islay Finishs kann man es sich ungefähr vorstellen. Von Caroni wiederum finde ich nur wenig am Gaumen wieder. Es geht hier jetzt eher in die Richtung eines Spaniers. Ich habe trockenes Holz und etwas muffiges. Dazu etwas Leder vielleicht. Insgesamt leider eher ein Leichtgewicht.

Abgang: hier erinnert der Rum dann wiederum an einen Spanier. Frisch geschnittenes Holz habe ich noch. Sehr Caroni-unlike. Ganz hinten heraus kommt eine unheimlich medizinische Note.

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Fazit: nicht schön, aber selten! Das ist kein Caroni, den ich als in irgendeiner Weise stiltypisch bezeichnen würde - in der Nase noch, ja, aber danach eigentlich nicht mehr. Zu den Abfüllungen von Compagnie Des Indes und Origin R, auch sie waren nicht Caroni-typisch und erinnerten in Teilen eher an Orangenlikör, bestehen mal so überhaupt keine Verwandtschaften, zum Bristol 1993 (abgefüllt für 1423) dagegen sehr wohl. Der Bristol war da allerdings noch krasser, wesentlich holzlastiger und sehr unballanciert. Auf der einen Seite sehr scharf und alkoholisch und auf der anderen Seite aber mit vollkommen fragilem Körper - kein Caroni, dem ich eine hohe Qualität bescheinigen könnte. Beim Velier fällt mir ein echtes Fazit und eine Wertung dagegen sehr schwer. Der ist nicht schlecht, die Qualität kann ich ihm unmöglich absprechen, aber ich kann auch nicht behaupten, dass ich ihn mochte. Er entspricht einfach so gar nicht meinem Geschmack. Eine faire Wertung erscheint mir daher unmöglich heute. Folglich:

-ohne Punkte-Wertung-




Insgesamt, wenn ich auf die drei Blended Caroni zurückschaue, fällt mein Fazit leider eher ernüchternd aus. Der 1988 war eine riesige Enttäuschung. Ja, der 1991 war dagegen wirklich nicht verkehrt, allerdings auch nicht das, was ich möchte, wenn mir nach einem Caroni ist. Von den dreien war er aber mit Sicherheit der beste. Mit dem heutigen Kandidaten aus 1993 konnte ich wiederum nicht wirklich etwas anfangen. Auch das soll es geben. Wer da draußen noch einen Blended Caroni meint zu kennen, der ganz sicher sehr viel besser sei als die drei, die ich hier nun vorgestellt habe in den letzten drei Wochen, der lässt mich das bitte gerne wissen! Das würde mich interessieren. Bis dahin aber, bin ich mit dem Thema Blended Caroni vermutlich erstmal durch. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, werde ich mir natürlich auch noch ein paar Light Types ansehen, aber grundsätzlich bleibe ich wohl eher bei den Heavys.

Bis demnächst,
Flo

Mittwoch, 1. Mai 2019

Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E

Liebe Rum Gemeinde,

auch wenn es momentan im Game of Thrones Fieber (ja, auch ich bin infiziert😁) kaum einer auf dem Zettel hat, aber nicht der Winter, sondern der Sommer naht! Und Sommerzeit ist ja immer auch Longdrink-Zeit und daher kommt hier der Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E!

Das Long Pond Mark STC❤E, die Kennung des alten Cambridge Estate, haben wir erstmals im Herbst letzten Jahres kennengelernt, als Velier eine 13 Jahre tropisch gereifte Version dieses Rums abgefüllt hat, die mir sehr gut gefallen hat. Es sagt aus, dass wir einen Rum mit einem Estergehalt von 550 bis 700 gr/hlpa vor uns haben. Nähere Infos zu Cambridge Estate findet ihr bei Interesse im verlinkten Review. Nun hat Velier nachgelegt und im Rahmen der Habitation Velier Serie auch noch eine ungereifte Variante dieses Marks an den Start geschickt. Die Unterschiede sind natürlich eklatant und man erkennt sofort ganz wunderbar, wie viel Fasseinfluss am Ende tatsächlich in einer so intensiv gereiften Spirituose stecken. Zurecht verweist der Abfüller auf dem Backlabel darauf, dass es sich einmal mehr um eine Weltpremiere handelt, wenn gleich die Wirkung dieses Hinweises aus meiner Sicht inzwischen schon etwas leicht inflationäres hat.
Die weiteren Infos zur Abfüllung sind schnell abgehandelt. Der Rum ist, wie gesagt, ungelagert, weist einen Estergehalt von 674 gr/hlpa und einen Alkoholgehalt von 62,5% vol. auf, was aber nicht der Fassstärke entspricht und stammt zu 100% aus einer Double Retort Pot Still von Long Pond. Ob es die Original Brennanlage aus Cambridge ist, ist mir leider nicht bekannt, aber mit ihr ist auf jeden Fall dieser Stil möglich zu produzieren. 




















Gänzlich ungereift allerdings fehlen einem Rum in meinen Augen leider immer die Vorzüge. Da fehlt für mich eben etwas. Einige mögen das, das weiß ich, aber ich persönlich mag eine Spirituose lieber lange gereift, weswegen sich hier für mich ein Drink natürlich aufdrängt. Da ich Collinses im Sommer sehr, sehr gerne trinke und einen solchen meist auch einem klassischen Daiquiri vorziehe, war dies heute mein Drink der Wahl und wird es auch die nächsten Wochen immer mal wieder sein, denn ich habe die gesamte neue White High Ester Serie von Habitation Velier probieren können, inklusive des <>H für Whisky Live Paris 2018. Ich freue mich darauf!

Ester-Parade


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Rum Collins mit Habitation Velier Long Pond STC❤E:

Fast farblos und an Bitter Lemon erinnernd, kommt der Rum Collins im Glas daher, das einzige an Farbgebung kommt hier von der Limette und das ist bekanntlich nicht viel. 
Geschmacklich ist der Drink dann ungefähr das, was ich mir auch von ihm erwartet habe. Das heißt, er schmeckt äußerst frisch, sehr fruchtig und passt perfekt in die ersten wirklich warmen Tage des Jahres hinein. Dementsprechend sitze ich beim Schreiben dieser Zeilen auch gerade auf meinem Balkon in der Sonne, genieße meinen Drink und bringe euch den Drink näher. Der Long Pond kommt natürlich kräftig durch und geht mit der Süße/Säure Ballace eine schöne Kombination ein. Der Rum hat schon ordentlich Ester, das merkt man. Auch ungelagert und im Drink stünde blind fest, dass ich hier etwas aus Jamaica im Glas habe. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie weit das ungelagerte Destillat noch vom 13 Jahre tropisch gereiften Cambridge mit gleichem Mark entfernt ist. Mein Drink der Wahl mit diesem wäre wohl eher ein Mai Tai und ich würde ihn tendenziell auch nicht mit Soda auffizzen. Apropos: das Sodawasser verleiht dem ganzen dann noch ein wenig Pepp und verlängert den Daiquiri dahingehend, dass er noch ein wenig einfacher zu trinken ist. Und tatsächlich mag ich persönlich das ziemlich gern. Einen klassischen Daiquiri mache ich mir deutlich seltener als einen Collins. Mit ein wenig Schmelzwasser gewinnt der Drink tendenziell noch, was ihn zu einem angenehmen Begleiter an warmen Tagen natürlich besonders prädestiniert. 

Fazit: den Drink würde ich grundsätzlich wieder mixen, da er einfach sehr, sehr lecker ist, aber dafür eine ganze Flasche des Rums zu diesen Kursen kaufen? Das wird bei mir echt schwierig! Ich bin ja durchaus dafür zu gewinnen, dass tropisch gereifte Rums ein wenig mehr kosten als europäisch gereifte Rums, schlicht, da der Angels Share wesentlich höher ausfällt, aber 45,- bis 50,- (!!) Euro für einen ungelagerten Rum? Ernsthaft?! Hier stimmt für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis leider überhaupt nicht, weswegen sich diese Empfehlung hier eher an Rum Liebhaber richtet, die ein Sample zuhause stehen haben (und vielleicht nicht wissen, was sie damit anstellen sollen) oder einen Goldesel oder beides. Nichts desto weniger hoffe ich, dass wir in der Zukunft weitere ungelagerte Rums auf dem Markt sehen werden, weil ich es spannend finde zu sehen, welchen Ausgang ein Destillat einmal hatte, bevor es lange gereift in mein Glas gelangte!

Abschließend wünsche ich euch allen noch einen schönen 1. Mai und bedanke mich natürlich auch nochmal beim Freddy für's Teilen der Flaschen und dafür, dass ich das Altglas für die Fotos bekommen konnte! Vielen Dank dafür!

Bis demnächst,
Flo