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Freitag, 1. Mai 2026

The Virtues -Chastity- Hampden Jamaica Rum 1983

Liebe Rum Gemeinde,

Früher als ursprünglich geplant haben Distilia und Rob Bauer den neuesten Teil ihrer Virtues-Serie releast. Und da es sich dabei um nicht weniger als einen richtig alten, kontinental gereiften Old School Hampden handelt, war mein Interesse dementsprechend schnell geweckt!


Doch der Reihe nach: schon die gemeinsame "Sins"-Serie, deren Long Pond 1983 ich vor nicht ganz zwei Jahren als bislang letzten Rum überhaupt hier auf BAT auch besprochen habe, war für Distilia und Rob Bauer ein Riesenerfolg! Das Kobnzept war dabei klar: maximale Qualität ohne Kompromisse und bei jeder der gewählten Spirituosengattungen potenziellen Benchmark-Stoff in die Flasche bringen. Das ganze konzeptionell verknüpft mit den sieben Todsünden und einem dazu mehr als passenden Packaging, das Robs Leidenschaften für Spirituosen als auch Kunst zusammen brachte. Und so lag es nach den sieben Todsünden (von denen uns die Jungs eine aber noch schuldig sind ;-) nahe, sich nun den sieben Tugenden zu widmen: The Virtues!

Auch diese Serie umfasst inzwischen bereits vier Bottlings (den Hampden eingerechnet) und sie steht dem Vorgänger in nichts nach. Das wiederum liegt nicht zuletzt auch an einer exzellenten Arbeitsteilung: mit Rob Bauer ist einer der ganzheitlichsten Spirituosenkenner der Szene für die Fassauswahl verantwortlich. Ich kenne glaube ich keinen zweiten, der derart viele verschiedene Spirituosen auf diesem Level durchgespielt hat wie ihn. Dass der Pool an Spirits aus denen er dabei wählen kann wiederum absolut High End ist, dafür steht der polnische Abfüller Distilia, der sich neben Velier in den letzten Jahren zu einem der wahrscheinlich einflussreichsten Independent Bottlern überhaupt entwickelt hat. Kurz: für den Hampden, den ich heute besprechen möchte und der übrigens den Untertitel Chastity, also Keuschheit trägt, ist ein absolutes Dreamteam verantwortlich! Dieser Umstand ließ im Vorfeld zum einen meine Vorfreude auf das Bottling extrem steigen, zum anderen aber auch nahm er mir einen gewissen Teil einer nicht unerheblichen Skepsis die damit einher ging, denn der Hampden kommt mit gerade einmal 48,7% vol. daher. Eigentlich ist das nicht gerade ein Wert der mich sonderlich zuversichtlich stimmt, denn es ist kein Geheimnis, dass ich Hampden brachial und gerne oberhalb der 60% vol. Marke bevorzuge. Aber wenn Rob das Ding ausgewählt hat, dann kann da eigentlich nichts schief gehen! 

Und noch etwas ließ mich aufhorchen. Denn auch wenn die 1983er Hampden des Marks HGML die bisher so gebottled wurden zweifelsohne von hoher Qualität waren, so kamen sie für mich mit ihren 35 Jahren und mehr im Fass nie an die jüngeren 1990er Hampden des Marks C<>H heran. In diesem 1983er Hampden jedoch steckt nicht nur HGML eben jenes Jahrgangs, sondern auch noch ein nicht unerheblicher Anteil an C<>H des Jahrgangs 1982, vermählt im Fass zu Beginn der Reifung Anfang der 1980er Jahre. Mit 1983 steht aber natürlich der jüngste Part auf dem Label. Inwiefern sich der C<>H Anteil im Rum bemerkbar machen wird, werden wir uns gleich anschauen. Vorher aber noch ein kurzer Disclaimer:

Aus Gründen der Transparenz sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass ich ein Sample zur Verkostung dieses Rums, sowie zu Fotozwecken, gratis erhielt. Auf meinen Geschmack und die Bewertung hat dies selbstverständlich aber keinen Einfluss. 











Verkostung des The Virtues -Chastity- Hampden Jamaica Rum 1983:

Preis: die unverbindliche Preisempfehlung für den Hampden liegt bei 1050€. Der offizielle Releasetermin war ursprünglich der 28. Mai 2026.  Da Leben aber das ist was passiert wenn du Pläne machst, ist der Rum bereits jetzt erhältlich.

Alter: der Rum reifte von offiziell Dezember 1983 bis März 2026 für insgesamt 42 Jahre im Fass. 

Lagerung: keine Angaben. Vermutlich reifte er aber über weite Teile, wenn nicht sogar die gesamte Zeit seiner Reifung in Europa. 

Fassnummer: #9 - es handelt sich demzufolge um ein Single Cask. Dieses ergab noch 210 Flaschen a 0,7 Liter.

Angel's Share: unbekannt. Auf Grund des, auch für das Alter des Rums, geringen Alkoholgehalts kann man aber darauf schließen, dass er ungewöhnlich hoch ausfiel.

Alkoholstärke: der Rum kommt noch mit sehr smoothen 48,7% vol. daher. 

Destillationsverfahren: der Rum wurde bei Hampden mit einer Double Retort Pot Still gebrannt.

Mark: HGML & C<>H

Farbe: wunderschönes, leuchtend goldenes Stroh! Für 42 Jahre im Fass ist der Rum ungewöhnlich hell, selbst für einen kontinental gereiften Rum.

Viskosität: der Rum beißt sich beim Schwenken im Blenders Glas geradezu fest und liegt wie ein fetter, öliger Film über dem Glas. Satte, fette Schlieren fließen zäh an der Glaswand herab und künden bereits von einem über die Maßen öligen Rum.

Nase:
 sehr Hampden! Sehr geil! Eine überaus reichhaltige, frische und schon beinahe jugendlich anmutende Nase holen mich direkt dort ab, wo ich mich bei Hampden am liebsten aufhalte: im Bereich der High Ester! Dass hier C<>H am Start ist, darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Ich habe direkt ein Potpourri aus einem prall gefüllten Obstkorb mit sehr viel gegrillter Ananas, flambierten Bananen und Zitronen, sowie den typischen mediterranen Einschlägen von Antipasti und Chorizzo. Dazu kommen aber, destillerietypisch, natürlich auch noch Lacke, Lösungsmittel, Klebstoffe und feuchte Erde. Das Fass spielt vordergründig eine eher untergeordnete Rolle, denn Noten vom Eichenholz oder Vanille nehme ich eher dezent wahr. Der Rum wirkt nicht, wie man ihn nach 42 Jahren im Fass erwarten würde. Viele andere Rums sind nach einer derart langen Zeit im Fass längst verholzt. Und selbst bei den beiden Rums daneben, beim RA und beim TRC ist der Fasseinschlag spürbar ausgeprägter, und das obwohl insbesondere der TRC ja nochmal deutlich jünger ist. Dass man es hier aber nicht mit einem jugendlichen Rum zu tun hat merkt man wiederum dennoch sofort, denn sämtliches grobe und ungestüme, wie man es bei jungen Hampden findet, dieses wirklich brachiale, das hat das Fass über die vielen Jahre merklich geschliffen. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Einbindung des Alkoholgehalts aus, denn diesen, in Form von alkoholischer Schärfe, nehme ich schlicht nicht wahr. Dieser Hampden ist der vermutlich smootheste und entspannteste den ich je im Glas hatte!

Gaumen: tja, und hier wird's jetzt natürlich richtig spannend! 48,7% vol. incoming und die Frage, die sich vermutlich einige an dieser Stelle stellen: kann das reichen? Und ja, am Gaumen bemerkt man den geringen Alkoholgehalt deutlich weniger als ich befürchtet hatte. Da ich bei Hampden einfach auch sehr auf dieses brachiale stehe, habe ich den geringen ABV im Vorfeld als möglichen Knackpunkt für mich und diesen Rum gesehen - als den Punkt, der mir vor der Verkostung die größten Falten auf der Stirn bereitet hat und von dem ich am meisten gespannt war, wie sich das letztlich im Destillat zeigen würde. Und ich bin angenehm überrascht, wie gut das gelungen ist. Der Rum hat immer noch jede Menge Power, schießt aus allen Lagen die geballte Ladung Ester ab und geht quasi direkt ins adstringierende über und zeigt sich am Gaumen dann überaus cremig. Das ist ganz großes Kino! Allerdings muss man dazu sagen, dass ich größere Schlücke genommen habe. Wirklich deutlich größere Schlücke als die, die ich bei einer Verkostung sonst nehme. Danach verlangt der Rum eindeutig! Denn bei kleineren Schlücken, wie ich sie sonst nehme, mutet der Rum deutlich wässriger an und kommt auch mit einem etwas unangenehmen Säureeinschlag daher, was bei größeren Schlücken einfach überhaupt nicht auftritt und dann dementsprechend Spaß macht.
Nachdem die Adstringenz nachlässt ist dann der Moment gekommen, an dem der Rum seine wohl größten Stärken auf ganzer Linie auszuspielen beginnt: denn die Eindrücke am Gaumen setzen sich einfach zu einer wirklich wunderbaren, großen Sinfonie zusammen, um da auch ein gern genutztes Bild vom Rob selbst zu bemühen. Ich habe deutliche Assoziationen zu Humus, zu Zitronen und natürlich gegrillter Ananas und flambierter Banane. Dazu kommt frisch geschnittenes Geäst und auch etwas nussiges, vegetales. Insgesamt also nichts, was man bei Hampden nicht auch erwarten würde, aber es wird eben überaus smooth und derart rund und balanciert dargeboten, dass es eine wahre Freude ist! Da ist nicht ein Fehlton, nichts was den Genuss irgendwie trüben könnte. Der Alkohol ist vermutlich so gut eingebunden wie selten zuvor bei einem Rum. Wahnsinn!

Abgang: gegrillte Ananas, frisch geschnittenes Geäst, Antipasti, aber schon auch ein merklicher Einschlag vom Fass dominieren den -comme toujours, Hampden- ewig langen Abgang. 

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Fazit:
 mit einem Wort? Opulent! Ein wirklich außergewöhnlicher Rum, selbst für Hampden-Verhältnisse. Meine Hampden Benchmarks kamen bisher samt und sonders aus der brachialen Ecke: TRC 1990, RA 1989, Nobilis 1993. Sehr hoher Estergehalt und deutlich über 60% vol. Deutlich gereift, aber noch nicht rund. Der Chastity Hampden 1983 fällt da, bis auf den Estergehalt, erst einmal auffallend aus dem Rahmen und tatsächlich eignen sich die Rums deshalb auch nicht wirklich für einen Vergleich. Und doch sind eben diese Rums genau die Liga in der der neue Hampden spielt und weswegen ich den TRC z.B. auch crossgetasted habe: weil ich ein face to face mit meiner Benchmark wollte. Für mich bleibt er, der 26 jährige TRC Hampden 1990, letztlich ganz vorne, aber die Präferenz ist minimal. Beide ergänzen sich eher, als dass sie in Konkurrenz zueinander stehen. Denn so sehr ich auch auf dieses brachiale eines TRC z.B. stehe, aber es sorgt am Ende auch dafür, dass man sich einen solchen Rum unterm Strich eher selten mal einschenkt. Und da hat man das entspannte Easy Sippin' nun mal einfach mit dem Virtues, der noch dazu auch zu größeren Schlücken einlädt. Dem entgegen steht dann wiederum eigentlich nur noch der Preis, der wirklich happig ist! Nicht, dass dieser nicht gerechtfertigt wäre, insbesondere wenn man sich die Bestände an alten Rums bei Main anschaut, die immer mehr in Richtung nicht mehr vorhanden tendieren. Was wir hier gerade erleben sind also die letzten Reste aus einer Zeit, die so vermutlich nie wieder kommen wird und die Broker wissen das. Und doch sind 1050,- Euro einfach eine richtig dicke Stange Geld, das auch erstmal in die Brieftasche kommen muss. Wenn das aber der Fall ist, darf man sich über einen wirklich herausragenden Tropfen freuen! So, und ganz kurz noch, bevor wir zur finalen Wertung kommen: ich habe die Bewertung des Virtues Hampden 1983 genutzt und endlich mal in weiten Teilen meine Wertungen zu den meisten auf BAT besprochenen Hampden angeglichen, da sie nach meinem heutigen Dafürhalten in der Vergangenheit fast durchgängig zu hoch ausfielen. Der von mir am höchsten bewertete Hampden, der 26 YO TRC 1990, liegt jetzt bei 95/100 Punkten. Der Nobilis 1993 liegt bei 93/100 Punkten und der heute parallel verkostete RA 1983 bei 90/100. Mit Blick auf die Wertung für den Virtues Hampden 1983 bleiben dann auch glaube ich keine Fragen mehr offen ;-)
 
-94/100-



PS: da ich in den letzten Monaten und Jahren immer mehr Texte lese die ganz offensichtlich von KI wie Chat GPT o.ä. geschrieben oder mindestens bearbeitet wurden und ich dessen mehr als überdrüssig bin, hatte ich selbst einfach mal wieder Bock drauf was zu schreiben - garantiert zu 100% mit natürlicher Intelligenz! :-)