Samstag, 7. Dezember 2019

Sonntag, 1. Dezember 2019

Bristol Classic Trinidad Rum 10 YO Caroni

Liebe Rum Gemeinde,

schon häufiger wurde ich gefragt, ob ich nicht auch öfter mal Reviews zu Caronis machen kann, die nicht von Velier abgefüllt wurden, schießlich gäbe es da ja auch einige Perlen, die zudem deutlich günstiger seien. Und ja, einige ganz wenige Perlen gibt es da tatsächlich, wenn auch manchmal auf ganz eigene Weise, und eine davon sehen wir uns heute mal genauer an, nämlich den Bristol Classic Trinidad Rum 10 YO Caroni mit 46% vol. aus dem Sherryfass!



Bristol Spirits Ltd., das ist bekannt, hat genau wie Velier Mitte/Ende der 2000er Jahre beträchtliche Mengen des damaligen Stocks der zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossenen Destillerie Caroni erworben. Viele dieser Fässer wurden ab dem Jahr 2008 auch abgefüllt und auf den Markt gebracht, andere wiederum lagern bis heute weiter bei John Barrett im Keller oder wurden zwischenzeitlich an andere Abfüller verkauft. Das besondere daran: diese Fässer sind, neben jenen von Velier, die so ziemlich einzigen, von denen ganz sicher gesagt werden kann, dass sie lange Zeit tropisch reiften. Klar, ab 2008 lag dann alles in Großbritannien in kontinentalem Klima, aber bis dahin eben nicht. Das einzige, was insbesondere Abfüllungen aus der Zeit um 2008, also wirklich von jenen von Velier unterscheidet, ist der Alkoholgehalt, der bei Bristol nahezu immer geringer als die Fassstärke ausfiel, meist sogar in beträchtlichem Maße. Aber: auch das ist soweit erstmal nichts neues.




















Heute allerdings sprechen wir über einen Rum, den man dazwischen so gar nicht, bzw. nur sehr unzureichend einordnen kann: den Bristol Classic Trinidad Rum 10 YO Caroni Sherrywood mit 46% vol.! Was macht diesen Rum so besonders, mag da manch einer vielleicht fragen. Nun, das "Problem" mit diesem Rum ist, dass nahezu gar nichts über ihn bekannt ist und er als eine Art "Blinder Passagier" in den Besitz von Bristol übergegangen zu sein scheint. Denn auf dem Etikett äußert man sich da spärlich und überaus unklar. Laut Label reifte der Rum 10 Jahre bei Caroni auf Trinidad, bevor er nach Großbritannien gelangte und dort in Sherryfässer wanderte. An anderer Stelle hieß es bereits, der Rum sei 2006 in den Besitz von Bristol gelangt und auf dem Fass hätten sich keine Angaben zum Alter befunden, oder diese seien unleserlich gewesen, weswegen Barrett an dieser Stelle, also 2006, ganz konservativ die Berechnung des Alters gestartet habe. Und tatsächlich finde ich diese Version sogar ziemlich plausibel, denn andernfalls wüsste man ja, in welchem Jahr der Rum gebrannt wurde. Zwar ergibt das auf den ersten Blick natürlich erstmal wenig Sinn, insofern als dass da nach 2002 definitiv kein Caroni mehr gebrannt wurde, aber wenn ich ein Fass erwerbe, über das ich keine Hinweise zum tatsächlichen Alter habe, dann ist diese die definitiv seriöseste Variante bei der Angabe zum Alter. All in all können wir also, abseits des Protokolls, ziemlich sicher davon ausgehen, dass es sich bei dem Caroni selbstverständlich nicht um einen 10 Jahre alten Rum handelt, sondern eher um einen ca. 20 Jahre alten oder älteren Kandidaten handelt. Die Preisgestaltung orientierte sich glücklicherweise aber am offiziell auf dem Label angegebenen, was ihn, im allgemeinen Caroni-Preis-Wahnsinn, angenehm von anderen Abfüllungen abhob. Leider ist der Rum inzwischen vergriffen, aber selbst auf dem Secondary läuft dieser Caroni definitiv noch unter dem Radar und zu deutlich günstigeren Konditionen als viele seiner Brüder. Ansonsten wissen wir über diese Abfüllung noch, dass es sich um einen Blended Caroni handeln muss, denn ein solcher, also ein Blend aus HTR und LTR, ist auf dem Backlabel angegeben. Wie viele Bristol vor ihm, so kommt auch der 10 YO Caroni mit einem Alkoholgehalt von 46% vol. daher, allerdings gibt es von dieser Abfüllung auch eine Variante mit 43% vol. Spoiler vorab: es hat Gründe, dass ich nur eine von beiden heute vorstelle. ;-)


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Verkostung des Bristol Classic Trinidad Rum 10 YO Caroni:

Preis: ursprünglich lag eine Flasche bei ca. 60,- bis 70,- Euro. Heute ist der Rum dafür nicht mehr zu bekommen, aber so teuer wie viele andere Caroni ist er glücklicherweise nicht. 

Alter: unbekannt. Die 10 Jahre auf dem Label entsprechen aber lediglich der Mindestzeit an Reife. Abgefüllt wurde er im Jahr 2016.

Lagerung: laut Backlabel reifte der Rum mindestens 10 Jahre auf Trinidad, bevor er nach UK kam. Dort reifte er dann bis 2016 in Sherryfässern nach. Wie lange der Rum insgesamt reifen durfte ist leider vollkommen unklar.

Fassnummer(n): unbekannt.

Angel's Share: keine Angaben.

Alkoholstärke: 46% vol. - Trinkstärke

Destillationsverfahren: unklar

Mark: Blended (HTR & LTR)

Farbe: dunkles, tiefes Gold, ins Mahagoni gehend. 

Viskosität: der Rum bildet weite Schlieren am Glasrand und fließt dann zügig am Glas herunter.

Nase: mich empfängt gleich zu Beginn ganz unmittelbar eine sehr Caroni-typische, dreckige Nase, die mir eher "HTR" als "Blended" ins Ohr flüstert. Peripher ist da auch direkt der Einfluss vom Sherry auszumachen, der den Charakter vom Caroni aber toll unterstreicht und sich ins Bild einfügt, statt dass er den Rum in Geiselhaft nimmt, so wie viele andere Sherryfässer das leider tun. Das passt hier super! Im Vergleich zu einigen lange gereiften tropischen Brettern fällt natürlich auf, dass die Nase, nicht zuletzt ob der nur 46% vol., natürlich schon auch ein wenig zurückhaltend ist. Das ist nicht ganz die Intensität, Komplexität und die Tiefe, wie man sie bei Velier oft findet. Aber dafür ist dieser Caroni herrlich unkompliziert, ohne dabei zu langweilig daher zu kommen. Da ist dann das Finish tatsächlich auch ein super Twist, das die nötige Mehrdimensionalität mit hinein bringt. Schrottplatz-Assoziationen vom Caroni gehen eine tolle Liaison ein mit dem Studentenfutter des Sherrys. Dass der Rum älter, und vermutlich sogar wesentlich älter, ist als die angegebenen 10 Jahre kommt übrigens sehr deutlich heraus. Da schwingen auch schon reichlich Tannine und viel Wärme vom Fass mit. Ich gehe hier eher auf 20 Jahre oder mehr. 

Gaumen: na klar, die Verdünnung ist sofort präsent und zu spüren. Das hat schon etwas sehr wässriges erstmal, was mir bekannter Maßen nicht so zusagt. Größere Schlücke sind dadurch allerdings problemlos trinkbar, das ist großes Easy-Sippin' Kino! Nur ganz selten erlebe ich es, dass man einen Rum so mir nichts, dir nichts trinken kann, ohne auch nur die geringste alkoholische Irritation. Geschmacklich dominiert, wie schon in der Nase, auch hier erstmal Heavy Caroni, mit all seinen so stiltypischen Komponenten wie Teer, verbranntem Gummi oder Lösungsmitteln, bevor er dann, nach einer Weile irgendwann, vom Sherry eingefangen und regelrecht ummantelt wird. Dirty Schrottplatz muss dann dem trockenen Sherry weichen, der hier für einen wirklich kurzweiligen Schlusspunkt sorgt, dominant ist, aber nicht negativ ins Bild fällt.

Abgang: hier dominiert der Sherry, aber total! Mittellang und nicht ewig verbleibt dieser noch, bis sich das ganze langsam aber sicher verflüchtigt. Vom Caroni spürt man hier nicht mehr viel.

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Fazit: die allermeisten Caroni, die nicht von Velier sind und die mit unter 50% vol. daher kommen finden hier keine Erwähnung. Das hat in den meisten aller Fälle leider schlicht mit der entsprechenden Qualität zu tun, die bedauerlicherweise kein anderer Abfüller in dieser Konsequenz bringen kann wie Velier. Das, so viel sei vorweg genommen, schafft leider auch dieser Bristol nicht, da sollte man sich keiner Illusion hingeben. Auch zwischen diesem Rum, obwohl er wahrlich nicht schlecht ist, und den Benchmarks liegen noch immer Welten. Das liegt in erster Linie aber eben nicht an fehlender Qualität des Bristols, sondern daran, dass die Caronis von Velier einfach so unfassbar viel besser sind. Aber bei diesem Bristol stimmt dafür etwas anderes sehr, was bei nahezu allen Non-Velier-Caroni längst nicht mehr stimmt: das Preis-Leistungs-Verhältnis! Während man sich bei Cadenhead, Compagnie Des Indes und vielen anderen unabhängigen Abfüllern preislich immer mehr den Kursen von Velier annähert, ohne dabei aber auch nur im Ansatz deren Qualität bringen zu können (meist sind es die stark unterdurchschnittlichen 1997 oder Januar 1998 Caronis), kam dieser Bristol, der unverdünnt sicher auch nochmal um einiges besser gewesen wäre, mit einem Preis daher, der der Qualität angemessen war. Denn, auch wenn das jetzt bisher nicht so durchklang, das ist ein guter Rum! Kein sehr guter, dafür fehlen ein paar %, sowie ein paar mehr Ecken und Kanten, aber ein guter, den man wunderbar als Everyday-Caroni (bitte nicht wörtlich verstehen!) nutzen kann. Darum habe ich ihn hier für euch vorgestellt, denn das ist noch Caroni zu schmalerem Kurs, der aus dieser ganzen Masse an Durchschnitts-Caronis durch ein anderes Profil noch etwas heraussticht. Damit ist er einer der ganz wenigen Non-Velier-Caroni, die ich auch nach wie vor kaufen würde! Allerdings, und da muss man aufpassen, nur die Variante mit 46% vol.! Es gibt auch noch eine ansonsten genau gleich aussehende Variante mit 43% vol., die leider genau das bisschen Alkohol zu wenig bekommen hat, was dann am Ende den Unterschied macht zwischen "geht gerade noch so" und "geht nicht mehr". 43% vol. geht nicht mehr! Also: wer sich den Rum besorgen möchte, der achte bitte auf die Version mit 46% vol.! Damit macht ihr, zu den aktuellen Kursen, wenig verkehrt.

Ein letzter Dank geht heute noch an den Niki, der den Rum vor einiger Zeit mal mit uns geteilt hat und nach Oberstaufen, wo mir ein netter Caroni-Head noch eine Flasche dieses schönen Rums überlassen hat. Vielen, lieben Dank!

-84/100-

Und damit wünsche ich euch allen noch einen schönen und besinnlichen 1. Advent!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 24. November 2019

RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000

Liebe Rum Gemeinde,

nachdem wir uns schon vorletzte Woche auf Jamaica so wohl gefühlt haben, habe ich beschlossen, noch ein wenig länger zu bleiben und euch einen Rum vorzustellen, den ich euch schon seit Wochen unbedingt näher bringen möchte: den RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000!



Im Sinne der Transparenz möchte ich gerne darauf hinweisen, dass mir, anders als auf meinem Blog üblich, dieser Rum von der Heinz Eggert Spirituosen Manufaktur (HEB-RA) kostenlos für eine Review zur Verfügung gestellt wurde. Es wurde sich seitens des Abfüllers meine ehrliche Meinung gewünscht, aber Verpflichtungen gleich welcher Art sind daraus nicht entstanden. Weder erwartet man eine positive Bewertung, noch bin ich in irgendeiner Weise verpflichtet den Rum überhaupt vorzustellen. Das passiert gänzlich auf freiwilliger Basis. Da ich mich mit HEB-RA allerdings im regelmäßigen Austausch befinde und eine große gegenseitige Wertschätzung besteht, weiß man dort zugegebener Maßen wohl so ein wenig um meinen Geschmack. ;-) Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass mich Rums aus diesem Hause begeistern. Im Grunde genommen, hat das alles ja sogar bereits im Jahr 2012 durch den LPS Long Pond 2nd Release 1993 seinen Anfang genommen. Aber ich komme ab...

















Genug also der Förmlichkeiten und des Schwelgens in Erinnerungen, kommen wir lieber zum heutigen Rum! Denn der ist es wahrlich wert, sich einmal genauer mit ihm auseinander zu setzen, denn wir haben es dabei mit nicht weniger als einer Vermählung der zwei unter Rum-Nerds wohl beliebtesten Destillerien Jamaicas zu tun, Hampden und Long Pond.

Dabei beim Release-Start des Trelawny Double Cask auf dem GRF:
Dominik (RA), Marius (SCR) & ich 
Das verwendete Hampden-Fass stammt aus dem Jahr 1998 und war aber keines aus jenem Batch, welches auch bei anderen Unabhängigen Abfüllern bereits erschien. Während die Hampden 1998 üblicherweise nämlich Rums mit dem Hampden-Mark HLCF sind, ist dieser hier ein C<>H, also ein Rum mit wesentlich höherem Estergehalt (Bei Fragen zu Hampden, den Marks, Estern, etc.: klicke hier!). Das macht ihn zu einer krassen und leider wohl auch einzigartigen Ausnahme. Denn die ca. 50 Liter, die der Hampden-Anteil des Double Casks ausmacht waren die letzten aus den 1998er Beständen bei RA.
Das zweite zum Einsatz gekommene Fass ist ein Long Pond aus dem Jahr 2000. Dabei handelte es sich um ein Fass des Batches, aus welchem auch die anderen Long Pond 2000 am Markt stammen. Das Mark wird von Main, also vom Broker, nur mit JMLW angegeben, was sehr sicher für Jamaica Main Long Pond Wedderburn steht. Geschmacklich passt diese Definition auf alle Fälle und da sich Main nicht selten auch an den tatsächlichen Marks orientiert und es mit IRW und VRW zwei Wedderburn Marks gibt, die eben jenes W enthalten, ist davon auszugehen, dass 1 + 1 auch hier = 2 ergibt.
Beide Fässer lagen jeweils für sich bis 2018 in ihrem ursprünglichen Fass, ehe man sie seitens RA in einem separaten Hogshead-Fass miteinander vermählt und noch ein weiteres Jahr hat reifen lassen. Im August 2019 füllte man den Rum dann schließlich mit einem Alkoholgehalt von 51,9% vol. zu 225 Flaschen a 0,5 Liter ab und stellte ihn auf dem 9th German Rum Festival offiziell vor. Dort gewann der Rum in seiner Kategorie gar die Goldmedaille. Ich muss zwar ehrlich gestehen, dass ich solchen Awards keine allzu große Bedeutung beimesse, aber nichts desto weniger habe ich mich vor allem für Dominik und das gesamte RA-Team natürlich sehr gefreut, denn verdient war's allemal! 



Verkostung des RA Jamaica Rum "Trelawny Double Cask" 1998/2000:

Preis: zu Ausgabe lag der Rum bei ca. 45,- Euro. Das war, im Jahr 2019, für einen Rum mit solchen Eckdaten nicht weniger als ein absolutes Schnäppchen! Inzwischen muss man auf dem Secondary Market eher schon über 60,- Euro dafür ausgeben.

Alter: der Hampden-Bestandteil reifte von 1998 bis 2018 und der Long Pond-Anteil von 2000 bis 2018 im Eichenfass. In einem gemeinsamen Fass reiften sie miteinander vermählt dann nochmals ein Jahr weiter bis zur Abfüllung 2019.

Lagerung: beide Fässer lagen die gesamte Zeit der Lagerung über in kontinentalem Klima.

Fassnummer: #1 ; die Abfüllung ist 225 Flaschen stark. 

Angel's Share: unbekannt.

Alkoholstärke: der Double Cask weist einen Alkoholgehalt von 51,9% vol. - Full Proof!

Destillationsverfahren: beide Rums wurden in einer Pot Still destilliert.

Mark: C<>H (Hampden) und JMLW (Long Pond) gibt RA in einer Info-Schrift an. Letzteres steht wohl für Jamaica Main Long Pond Wedderburn. Somit ist das Destillerie-eigene Mark vermutlich IRW oder VRW. 

Farbe: in der Flasche noch kräftig kurkuma-golden, kommt der Rum im Glas dann in einem blassen Goldton daher, der für ca. 20 Jahre kontinental gereifte Rums als durchaus üblich zu bezeichnen ist. 

Viskosität: der Rum bildet eher unregelmäßige und weite Schlieren an der Glaswand und fließt recht träge an ihr zurück.

Nase: ja, kein Zweifel, in welche Richtung das heute geht - Jamaica Time! Mich empfängt eine sehr volle und reichhaltige Ester-Nase, die eindeutig auf die Hampden Distillery hinweist. Vom Long Pond Anteil bemerke ich zunächst einmal gar nichts, was aber angesichts der ungleichen Estergehalte beider Rums auch nicht sonderlich verwunderlich ist. C<>H ist ein sehr dominantes Mark mit hohem Wiedererkennungswert. Und doch kann ich nicht leugnen, dass das hier schon auch etwas eigenes ist, denn auf einen reinen C<>H würde ich sicher ebenso wenig tippen, einfach, da es dem Rum dafür etwas an Tiefe und Intensität fehlt, die dieses Mark auszeichnen. Da nimmt ihm der Long Pond also schon einiges, ohne darüber aber wirklich aktiv aufzufallen oder in Erscheinung zu treten. Der Alkoholgehalt ist mit 51,9% vol. sehr entspannt, daher ist etwaige Schärfe hier auch kein Thema. Im Bouquet finde ich Ester in Form von Flüssigklebstoffen, sowie gegrillte Ananas,  Bananen, die Säure von Zitrusfrüchten und auch etwas Eiche. Alles in allem ist das zwar nicht sonderlich spektakulär, aber ich habe alles im Glas versammelt, was für mich einen guten und soliden Jamaicaner aus Trelawny ausmacht. Da meine Sympathien hier zu Hampden tendieren hätte mich da natürlich der C<>H pur und unvermählt auch interessiert.

Gaumen: am Gaumen ist die Verwirrung dann zunächst einmal groß. War in der Nase noch ganz klar der Hampden alles dominierend, so habe ich jetzt das Gefühl, dass es der Long Pond ist, der sich in den Vordergrund versucht zu spielen, so sehr wie das bei einem derart starken Gegenpart wie dem Hampden eben möglich erscheint. Der Rum brennt kurz, aber nicht unangenehm auf der Zunge, der Alkohol ist super eingebunden, der Rum total smooth, das macht Laune. Für meinen persönlichen Geschmack könnte der Double Cask zwar noch ein wenig potenter daher kommen, aber der leicht dünne Eindruck währt nur kurz. Er geht dann ins vollmundige und cremige über, was mir wieder sehr gefällt. An Assoziationen habe ich Bananen, gegrillte Ananas, etwas erdiges, Bourbon Vanille und Eiche. Der Rum kann sich insgesamt nicht so richtig entscheiden, ob er letztlich doch eher ein Hampden war oder nicht doch ein Long Pond. 

Abgang: gewohnt lang, wenn auch nicht so ewig, wie man es z.B. von reinen Hampden Rums kennt. Im Vergleich zu anderen Stilen zeigt sich hier aber immer noch ein gewaltiger Vorsprung.

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Fazit: das beste aus beiden Welten funktioniert, aber auch nur bedingt! Insgesamt merkt man doch, dass hier zwar zwei Rums miteinander vermählt wurden und diese auch zueinander gefunden haben, aber man merkt auch, dass es nicht ein Rum ist. Sie sind nicht miteinander verschmolzen. Ich bleibe da so ein wenig bei meinem Eindruck, den ich schon in der Nase gewonnen hatte, dass mich der C<>H solo wohl sehr interessiert hätte und auch noch mehr interessiert hätte als dieser Blend. Versteht mich nicht falsch, der Rum ist gut, ohne Diskussion, er bringt alles mit was ich an kräftigen Jamaicanern einfach liebe, aber er ist meines Erachtens nicht ganz rund und daher eben auch "nur" gut. Pur würde er vermutlich selten bis gar nicht in meinem Glas landen, einfach weil die Konkurrenz in meinem Sampleschrank so unglaublich groß ist und ich vermutlich immer irgendwo einen Rum finden würde, der mich in diesem Augenblick mehr reizen würde. ABER, und da kommt jetzt ein riesen großes Aber: der Rum bringt nichts desto weniger eine unfassbare grundsätzliche Qualität mit und das zu einem wirklich unschlagbaren Preis in diesen Zeiten! Wir sprechen hier über ~20 Jahre in Europa gereiften Rum aus Hampden und Long Pond für unter 100,- Euro auf den Liter gesehen! Soll heißen: das Preis-Leistungsverhältnis ist hier nicht einfach nur top, sondern es fliegt geradezu aus den Angeln! Das ist im Grunde vollkommen unrealistisch! So, und dann kommt noch dazu, dass ich das ganze ja auch noch als Jamaica-Nerd beurteile, der aus diesen beiden Destillerien wohl schon nahezu alles gesehen hat, was man sehen musste, das muss man mit bedenken. Soll heißen: auf wen das nicht zutrifft, und das werden da draußen doch eher die meisten sein, der kann und wird hier pur sehr wohl auch seinen Spaß haben! Und wisst ihr was ich mit dem Rum mache? Ich mixe mir damit ein paar richtig geile Drinks zum schmalen Kurs! Denn das ist endlich mal wieder ein richtig guter Jamaicaner für einen Preis, der einen bedenkenlos zum Shaker greifen lassen kann! Wann hatten wir denn das zuletzt? Ich erinnere mich gerade nicht. Unterm Strich kann man also einzig konstatieren, dass es so ziemlich niemanden gibt, der mit diesem Rum zu diesem Preis auch nur irgendetwas falsch machen kann! Auch das weiß ich nicht, wann ich das zuletzt hatte... Bleibt mir nur mich bei dir, Dominik, nochmal dafür zu bedanken und begierig zu warten, bis die nächsten Releases am Start sind.

-85/100-

Bis demnächst,
Flo