Sonntag, 30. August 2020

Barbados, Rockley 1986 - Silver Seal vs. Duncan Taylor

Liebe Rum Gemeinde,

seit Ewigkeiten möchte ich mich heute einmal wieder mit dem alten Rockley Style von Barbados auf BAT beschäftigen, der über all die Jahre eine heimliche Liebe von mir war und noch immer ist. Es gibt, da sind sich nahezu alle einig, die ich zur engen Nerd-Szene in Deutschland zähle, aus Barbados keinen besseren Rum als jenen so genannten Rockley Style aus der West Indies Rum Distillery, der so viel mehr zu bieten hat als alles andere was aus Blackrock selbst, aber auch von den weiteren Destillerien Barbados' kommt.



Es war ein kalter Spätnachmittag im November 2011, als ich zum ersten Mal das Ladengeschäft von Andreas Schwarz in Preetz betrat. Ich hatte im Netz herausgefunden, dass es hier ganz in meiner Nähe ein Geschäft gibt, welches weit mehr Rum im Sortiment führt als (selbst gut sortierte) Supermärkte und so machte ich mich dorthin auf den Weg, nicht wissend, was mich erwarten sollte. Ich war zu jener Zeit noch ganz am Anfang meiner Rum Laufbahn und hatte außer Jamaica Rum noch nicht viel gesehen. Diese hatten es mir seinerzeit sofort angetan und auf diesen lag dementsprechend auch mein Augenmerk, als ich mich im Geschäft umsah. Mit Herrn Schwarz kam ich direkt ins Gespräch und es stellten sich zwei Dinge schnell heraus: zum einen nämlich, dass weder Andreas Schwarz ein gewöhnlicher Händler, noch ich ein gewöhnlicher Kunde war. Denn es war sowohl er auf seinem Gebiet weit kompetenter, als ich das bis dahin je irgendwo im Handel erlebt hätte, noch zeigte ich an den (damals wie heute) üblichen Verkaufsschlagern Zacapa oder Diplomatico auch nur das geringste Interesse. So stimmte die Chemie also direkt.

Lieber wollte ich Jamaica Rums. Am besten in Fassstärke. Kein leichtes Unterfangen damals! Und so ergab es sich, dass Herr Schwarz mir eine Abfüllung zeigte, die ich bis heute als bahnbrechend in Erinnerung habe: es stand noch eine Flasche Cadenhead's Cask Strength BRS (Rockley) Barbados Rum 16 YO Blackrock 1986 ganz oben links in seinem Regal! Ein Ladenhüter (auch, wenn sich das heute niemand mehr vorstellen kann)! Ich war sofort sehr interessiert, denn alte Cadenheads Bottlings waren (und sind es bis heute) ein Synonym für Qualität. Glücklicherweise kann man bei Andreas Schwarz fast alles an Rums was er im Verkauf hat auch probieren, so auch diesen. Also rein damit ins Glas und: *BÄÄÄM*! "Was zur Hölle ist das denn für ein geiler Scheiß?!" Das oder etwas ähnliches müssen meine ersten Gedanken dazu gewesen sein. So viel Kraft, so viel Flavour, aber gleichzeitig ohne dieses so brutale eines Jamaicaners... Unfassbares Erlebnis, bis heute vermutlich eines der schönsten im Rum Bereich überhaupt, weil es so unerwartet kam! Später wurden diese Momente rar, weil einen mit zunehmender Erfahrung immer weniger komplett überraschen kann, weil man so vieles schon kennt, aber damals war sowas noch möglich. Das erste Mal Rockley, ohne jede Erwartung, ohne jedes Wissen, was da gleich kommt. Die Flasche habe ich selbstverständlich sofort eingepackt (für 80,- Euro damals eine durchaus nicht ganz günstige Anschaffung) und meine Liebe für Rockley war geboren. In der Folge hielten der damals noch sehr kleine Kreis an Nerds und ich unsere Augen nach solchen Rums offen. Bezeichnender Weise wurde dann aber nur noch ein Rum überhaupt released, der es mit dieser Cadenhead-Abfüllung aufnehmen konnte, nämlich der Duncan Taylor WIRD 1986 im Jahr 2012. Diesen konnte kein Rockley vor oder nach ihm bisher toppen, was auch daran lag, dass danach so gut wie nichts mehr überhaupt auf den Markt kam.

Der heute vorgestellte Silver Seal ist, von einer Japan-Abfüllung, die leider wirklich nicht gut und auch nur äußerst schwer erhältlich war abgesehen, der erste abgefüllte 1986er Rockley seit dem Duncan Taylor 2012! Das ist acht Jahre her und damit länger, als sich die allermeisten da draußen überhaupt zur Rum Szene dazu zählen, die in den letzten Jahren um viele 100% im Vergleich zu damals gewachsen ist. Dementsprechend sind zwei Faktoren festzuhalten. Zum einen haben wir es dadurch schon fast mit einer gefühlten Premiere zu tun, zum anderen ist der gute Stoff aber ja auch mit gealtert und inzwischen schon stolze 33 Jahre alt und für 80,- Euro, wie der Cadenhead damals, nicht mehr zu haben. Im Gegenteil, ca. 600,- (!) Euro muss man inzwischen hinlegen, wenn man eine der Flaschen kaufen möchte, die Max Righi in diesem Sommer abgefüllt hat. Ob er das wert ist? Nun, diese Frage wird im Grunde sehr einfach im Fazit zu beantworten sein. Wenn es ihm gelingt den Duncan Taylor zu schlagen, dann durchaus, denn für diesen muss man inzwischen mehr als diese 600,- Euro auf den Tisch legen. Also sehen wir uns den Guten jetzt einmal genauer an!


.
Vergleich der beiden Rockley Barbados Rums aus 1986 - Silver Seal 33 YO vs. Duncan Taylor 25 YO:

Preis: der Ausgabepreis für den Silver Seal bei Whisky Antique (gehört Max Righi, der gleichzeitig Inhaber von Silver Seal ist) liegt bei 603,90 Euro. Derzeit ist der zu diesem Kurs auch noch erhältlich. Der Duncan Taylor kostete damals ca. 90,- bis 110,- Euro ca. Heute kostet eine Flasche eher 800,- bis 1000,- Euro.

Alter: von Dezember 1986 bis Anfang 2020 reifte der Silver Seal 33 Jahre lang im Eichenfass. Der Duncan Taylor wurde schon im November 2012 abgefüllt und war somit zu diesem Zeitpunkt 25 (bzw. fast 26) Jahre alt.

Lagerung: die Reifung fand in beiden Fällen mutmaßlich vollständig in Europa statt.

Fassnummern: Silver Seal gibt als Fassnummer die #20 an, allerdings dürfte es sich dabei ausschließlich um eine interne Zählung handeln, was meinen Verdacht bestätigt, dass der Abfüller vermutlich keine bis kaum noch Fässer lagernd hat, sondern neue Bottling unmittelbar zuvor von Brokern erworben werden. Ergeben hat das Fass noch 179 Flaschen a 0,7 Liter, sowie 15 Magnum Flaschen. Duncan Taylor gab damals die Fassnummer #16 an, welches noch 244 Flaschen a 0,7 Liter ergab.

Angel's Share: unbekannt. Er dürfte aber bei jeweils ca. 30 bis 40% liegen. 

Alkoholstärke: der Silver Seal kommt mit einem Alkoholgehalt von 58,8% vol. um die Ecke. Diese dürften der Fassstärke nach 33 Jahren im Fass entsprochen haben. Der Duncan Taylor wies noch 52,7% vol. auf, was bedeutet, dass er wohl um mindestens 10% vol. "beraubt" wurde. 

Destillationsverfahren: Pot Still.

Mark: BRS (Rockley)

Farbe: dunkles, goldenes Stroh beim Silver Seal, minimal aber merklich kräftiger als der Duncan Taylor. 

Viskosität: unregelmäßige aber parallele Schlieren fließen beim Silver Seal langsam und zähflüssig an der Glaswand herunter. Beim Duncan Taylor sieht es ähnlich, aber etwas öliger aus. Zudem fließen hier die Schlieren schneller.

Silver Seal Barbados Rockley 1986 im Glas
Nase: ich lasse beide Rums zunächst einmal eine gute Stunde atmen, bevor ich mich an die Verkostung setze. Dann aber sind beide auch direkt voll da! Der Silver Seal macht zunächst einen kräftigeren Eindruck als der Duncan Taylor, der eher etwas verhaltener und subtiler daher kommt. Dem Silver Seal merkt man auch die über 30 Jahre im Fass direkt an. Nicht negativ, aber eine gute Portion Holz kommt da schon direkt mit, während der Duncan Taylor eher noch diese klassische Rockley-Mischung aus Honig und Rauch aufweist und die in jüngeren Jahren natürlich eher weniger von Tanninen geprägt war. Beide Rums machen einen sehr tiefen, reichhaltigen und komplexen Eindruck und auch der Alkohol ist bei beiden jeweils exzellent eingebunden. So etwas wie alkoholische Schärfe findet für mein Empfinden nicht statt. Es braucht einige Momente und man muss sich so ein wenig an die beiden herantasten, bis sie ihr Bouquet in vollem Umfang offen legen. Der Honig kommt beim Silver Seal immer noch ganz gut durch, auch eine gewisse natürliche Süße ist vorhanden, den Rauch allerdings muss man schon sehr mit der Lupe suchen. Dieser scheint tatsächlich so ein wenig den Tanninen gewichen zu sein. Diese nehmen nämlich durchaus schon eine zentrale Rolle in diesem Orchester an Sinneseindrücken ein, das darüber hinaus auch noch eine sehr prägnante Assoziation zu Leder hervorzurufen vermag, sowie einiges an Vanille und Nelke für mich bereit hält. Erst ganz nach hinten heraus habe ich auch leichte Röstaromen und Rauch. Aber im Vergleich zu jüngeren Vertretern spielt dieser Part wirklich nur eine marginale Rolle. Anders der Duncan Taylor. Das ist an dieser Stelle noch wesentlich mehr klassischer Rockley als wir es nebenan beim Silver Seal sehen. Hier habe ich Rauch, hier habe ich Honig, hier habe ich Leder, hier habe ich alles was das Rockley-Herz begehrt! Einzig: im direkten Vergleich bilde ich mir ein, dass man die Verdünnung spürt. Der Silver Seal ist der zweifelsohne intensivere der beiden! Dieses Phänomen hatte ich ja auch bei den Port Mourants schon beobachtet. Damals fiel das nicht so auf, da es zu den Duncan Taylor Bottlings anno 2012 keine vergleichbare Konkurrenz gab, aber nun, wo es diese Jahrgänge auch noch einmal in Fassstärke gibt, kann man das nicht leugnen. Einen Sieger zu finden fällt mir in der Nase daher zunächst noch schwer, da ich zwar diesen Rockley-Rauch (nicht zu verwechseln mit Islay Rauch z.B.!) extrem feiere, aber gleichzeitig eben auch Tannine und die Intensität einer Fassstärke sehr, sehr, sehr schätze. Nach ca. zwei Stunden allerdings liegt der Silver Seal dann doch vorn in der Nase. Die klar stärkere Intensität und ein schlicht merklich volleres Bouquet geben den Ausschlag. Der Duncan Taylor hingegen retardiert in seiner Entwicklung im Glas und wirkt schließlich schon fast verhalten gegen den Silver Seal.

Duncan Taylor Barbados Rockley 1986 im Glas
Gaumen: am Gaumen macht sich das Plus an Reife beim Silver Seal zunächst kaum bemerkbar und wenn, dann auf keinen Fall negativ! Der Rum hat einen richtig geilen Rockley -Geschmack, wie er im Buche steht! Dieser kommt auch direkt voll heraus, denn alkoholische Schärfe oder ähnliches sind komplett abwesend. Selbst größere Schlücke sind kein Problem, im Gegenteil, hier legt der Rum nochmal zu! Beim Duncan Taylor sieht es tendenziell ähnlich aus, allerdings merkt man diesem zu Beginn seine Verdünnung an. Nicht stark oder gar störend, aber eben merklich. Das verwundert mich vor allem insofern, als dass mir das bisher nie so deutlich auffiel, aber im direkten Vergleich kommt das ganz eindeutig heraus. Der Silver Seal kommt geschmacklich erst einmal richtig schön süß daher, nicht künstlich natürlich, sondern das ist eher wie flüssiger Honig. Richtig genial! Der in der Nase noch so vermisste Rauch ist nun auch am Start und sorgt dafür, dass für Rockley Fans nun wirklich keine Wünsche mehr offen bleiben und diese voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Der 33 YO ist wahnsinnig intensiv! Mit zunehmender Verweildauer am Gaumen wird er darüber hinaus cremiger. Nun spielen auch die Tannine mit rein, die sich in Form von toll harmonierenden Röstaromen wunderbar passend ins Destillat mit einbringen. Man muss sich das vorstellen wie eine Art Funkenflug. Immer wieder prasseln kleine Funken in den Rockley hinein und sorgen so für zusätzliche Unterhaltung. Überhaupt passen die Tannine hier richtig gut hin, bringen den Rum nochmal voran und fügen Rockley als Stil noch einmal ein komplett neues Kapitel hinzu, denn die bisherigen Vertreter waren eben sehr viel jünger. Das ganze hat zeitweise was vom Velier Monymusk 1995 oder auch von einigen Worthy Parks. Nach hinten heraus habe ich ordentlich Anis, was ich von vielen lange gereiften Rums kenne. Sehr, sehr schön! Beim Duncan Taylor habe ich gleichsam positive Eindrücke. Hier bekommt man tatsächlich das komplette Rockley-Aromenfeuerwerk! Der Rum spielt seine seit vielen Jahren bekannten Vorzüge von vorne bis hinten aus, kann mit jeder Menge Waldhonig, Rauch, Anis, leichter Banane, Vanille und anderer Gewürze aufwarten. Am Gaumen habe ich hier nicht weniger als einen nahezu perfekten Rum vor mir! Wie der Silver Seal wird auch der Duncan Taylor mit der Zeit immer cremiger und leckerer. Der Rum hat viel Kraft, spielt diese aber sehr viel subtiler aus als beispielsweise Rums aus Jamaica. Judo statt Kickboxen. Dazu kommen auch beim Duncan Taylor schon gute Holznoten und eine dezente, angenehme Bitterkeit. Das Holz ist definitiv super eingebunden, ein richtig geiler Rum!

Abgang: ein schöner langer Abgang beim Silver Seal, mit zunächst noch ordentlicher Rest-Süße von Pfirsichen und von Waldhonig, dazu Anis. Erst dann wird der Rum trockener. Röstaromen gesellen sich nochmal dazu, wieder Funkenflug. Geil! Der Duncan Taylor dagegen kommt schon direkt zu Beginn gut tanninig und weniger süß daher als der Silver Seal. Honig und Rauch geben nochmal alles. Auch der Duncan Taylor verbleibt sehr lang, zeigt sich aber durchgehend bitterer und trockener als der Silver Seal.

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: Zwei mal Rockley 1986, zweimal absolute Weltklasse! So einfach kann es manchmal sein! Der Silver Seal als auch der Duncan Taylor sind (gemeinsam mit dem Rendsburger Bürgermeister Rockley 1986, den man allerdings nicht mehr bekommen wird) sind unstrittig das beste, was Rockley bisher insgesamt je zu bieten hatte und damit natürlich auch gleichzeitig das beste, was die gesamte Insel Barbados bisher je zu Gesicht bekommen hat! Wenn man diese beiden Vertreter dieses so einmaligen Stils im Glas hat, dann fällt es einem schon schwer zu verstehen, warum ansonsten nahezu nur langweiliger, austauschbarer Stoff von Barbados kommt. Und das bezieht sich sowohl auf die anderen Destillerien Barbados', als auch auf die West Indies Rum Distillery selbst, deren üblicher Rum im Vergleich zu den Rockleys leider auch null und gar nichts taugt. Warum W.I.R.D. ausschließlich in den Jahren 1986 und 2000 größere Mengen dieses Stils produziert hat ist leider nicht bekannt, aber es ist definitiv sehr schade! Diese Rums sind die einzigen Bajan Rums, die im absoluten High End Bereich mithalten können! Welcher der beiden heute verkosteten Rums nun der bessere ist, ist für mich schwer zu sagen. Der Silver Seal besticht auf jeden Fall durch seine enorme Intensität, seine Reife und mit dem damit einhergehenden Einfluss der Tannine. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass wer mit Tanninen seine Schwierigkeiten hat unter Umständen beim Duncan Taylor besser aufgehoben wäre. Dieser ist der definitiv stiltypischere Vertreter, der sich vermutlich am Zenit seiner Reifung befunden hat und für Rockley-Puristen schon seit Jahren nicht weniger als der Heilige Gral darstellt. Zurecht! In voller Fassstärke wäre der Duncan Taylor vermutlich nahe an die 100 Punkte Marke herangeklettert. Versteht mich nicht falsch, der Rum ist mitnichten Verwässert, aber ich stehe in aller Regel eben auf keinerlei Zugabe von Wasser und dem Duncan Taylor merkt man diese -wenn auch nur minimal- an. Das nimmt ihm etwas von der Intensität, die mir beim Silver Seal so gefällt, allerdings gleicht er das durch etwas mehr Komplexität, eine perfekte Ballance und totale Ausgewogenheit locker aus. Beide Rums für sich sind einfach der Hammer! Einziges Manko: die Preise und die Verfügbarkeit. Wir befinden uns hier eindeutig im Bereich über 500,- Euro und von beiden Abfüllungen zusammen gab es kaum etwas mehr als 400 Flaschen! Das ist extrem wenig, vor allem im Hinblick darauf, dass vom Duncan Taylor das allermeiste inzwischen ausgetrunken sein dürfte. Wer den Rockley Style richtig geil findet und voll drauf abfährt, dem lege ich eine Investition durchaus nahe, denn wer weiß ob man anders und vor allem günstiger nochmal dran kommt, aber andererseits würde ich auch jedem, der mit Rockley noch nie in Berührung kam auch empfehlen sich erstmal ein Sample zu besorgen. Denn Rockley ist speziell und gilt in Nerd Kreisen als einer der typischsten Vertreter der Kategorie "Love it or Hate it". Ich persönlich zähle, das ist zu guter Letzt keine Überraschung mehr, zu ersterer Gruppe. Ich liebe diesen Stoff!


Silver Seal:
 -95/100-

Duncan Taylor: 
-93/100-*


*Rating wurde nach Crosstasting mit dem Silver Seal 1986 und dem RA 1986 im Januar 2021 um zwei Punkte nach unten korrigiert.


Ein Dank geht abschließend an Malte, der den Silver Seal und an Niki, der den Duncan Taylor geteilt hat. Vielen Dank an euch beide!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 23. August 2020

Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989

Liebe Rum Gemeinde,

ich bin mal wieder auf Abwegen und folge der Spur von gutem Demerara Rum, wobei Abwege vielleicht nicht einmal mehr ganz die treffende Bezeichnung ist - denn diese Nebenpfade entwickeln sich inzwischen mehr und mehr zu echten Hauptstraßen. Ja, ich bin über die letzten Monate zu einem kleinen Fan dieser Rums geworden, gleich wohl das längst nicht auf alle Stile zutrifft.



Zutreffend ist das allerdings ganz eindeutig, wenn wir über alte, lang gereifte Port Mourants sprechen, so wie heute. Die Rums aus den 1970er Jahren, zu vorderst natürlich die Jahrgänge 1974 und 1975, habe ich in den letzten Monaten immer mehr zu schätzen gelernt und so lag es nahe, dass ich mich auch bei anderen Rums langsam begann durchzuprobieren. Positiv aufgefallen war mir dabei auch eine Abfüllung von Duncan Taylor aus dem Jahr 2012, nämlich der Uitvlugt 1989 aus einer Pot Still. Das wiederum heißt: in Wahrheit haben wir es nicht mit einem Uitvlugt Rum zu tun, sondern eben mit einem aus Port Mourant, dessen alte Still, die Double Wooden Pot Still, zum Zeitpunkt der Destillation bei Uitvlugt stand. Da es die einzige Pot Still war die sich zu diesem Zeitpunkt dort befand besteht über die Herkunft des Rums also auch keinerlei Unklarheit. Duncan Taylor, das sei an dieser Stelle noch erwähnt, hat damals, 2012, mit einer Wahnsinns-Rum Serie für Furore gesorgt und auf sich Aufmerksam gemacht. Neben dem Uitvlugt erschienen unter anderem auch noch ein Hampden 1990, ein Rockley 1986 und ein Versailles 1985. Diese Rums sind sämtlichst Legenden! Seitdem ging die Kurve dieses Abfüllers, mindestens im Rum Bereich, allerdings auch wieder steil nach unten. Es kommt kaum etwas nach und wenn, dann passiert das nicht annähernd in dieser Qualität. Schade!




















Doch zurück zum Jahrgang 1989 von Uitvlugt/Port Mourant. Dieses ähnelt den alten PMs aus den 1970er Jahren in vielerlei Hinsicht. Zum einen natürlich im geschmacklichen Stil, zum anderen haben sie aber auch die Färbung gemeinsam, die schon bei der Befüllung des Fasses stattgefunden hat. Während der Uitvlugt mit seinen 23 Jahren im Fass aber natürlich noch bedeutend jünger daher kam als viele der Rums aus den 1970er Jahren, diese waren fast sämtlichst 30 Jahre oder älter zum Zeitpunkt ihrer Abfüllung, hat der heute vorgestellte Rum von Silver Seal in dieser Hinsicht aufgeholt. Dieser hat im Oktober letzten Jahres ebenfalls die 30 Jahre vollgemacht und eignet sich daher durchaus schon, um nun deutlichere Parallelen zu den 70s zu ziehen und zu schauen, inwieweit sich das auch praktisch annähert. Daher galt diesem Bottling natürlich meine besondere Aufmerksamkeit, als ich vor ein paar Monaten hörte, dass ein solches wohl erscheinen wird, denn weitere 1989er PMs blieben nach dem Duncan Taylor Bottling in der Folge aus.

Im Juli diesen Jahres ist das nun auch endlich passiert und wie es zu erwarten war, war der PM auch sehr schnell ausverkauft. Neben einer Anzahl von gerade einmal 206 Flaschen insgesamt ist dies allerdings wohl auch der Tatsache zu verdanken, dass er mit seinem Ausgabekurs von ca. 350,- Euro ein für Silver Seal Verhältnisse fast schon phänomenales Preis-Leistungs-Verhältnis hatte, gerade im Vergleich zu seinen Brüdern in der 2020er Release Serie. Für den Rockley 1986, noch ein Duncan Taylor 2012 Bottling, an das Silver Seal angeschlossen hat, muss man schon ca. 600,- Euro hinlegen und für den tropisch gereiften Monymusk 1984 dann sogar schon fast 1000,- Euro. Dagegen mutete der PM dann natürlich sehr erschwinglich an. Ein österreichischer Shop führt den Rum kurze Zeit sogar noch für ca. 320,- Euro, was vermutlich der günstigste Preis für diesen Rum gewesen ist. Ja, das ist immer noch sehr viel Geld, aber was man Silver Seal wirklich lassen muss, und das machen sie seit jeher besser als andere: sie liefern ein verdammt hochwertiges Packaging! Diese Boxen sind schon a la bonheur, das muss man wirklich sagen. Es heißt so oft es käme auf den Inhalt an, und ja, das stimmt auch, gleichwohl bin ich auf diesem Qualitätslevel aber auch ein Fan davon, wenn man einer Flasche diese Qualität auch unmissverständlich ansieht! Insofern: well done! Ansonsten lässt sich sagen, dass der Silver Seal Uitvlugt 1989, anders als der 2012er Duncan Taylor, unverdünnt und in Fassstärke in die Flasche kam und noch immerhin einen Alkoholgehalt von 55,8% vol. aufweist. Das wiederum demonstriert uns eindrucksvoll, dass der Duncan Taylor damals doch schon sehr viel mehr verdünnt wurde, als ich lange Zeit dachte. Denn dieser hatte damals schon nur noch 54,9% vol., trotz sieben Jahre kürzerer Reifung. Er müsste demnach wohl noch original über 60% vol. gehabt haben in 2012. Und inwieweit sich diese und noch weitere Unterschiede direkt und im Vergleich bemerkbar machen, das sehen wir uns jetzt an!



.
Verkostung des Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989:

Preis: der Ausgabepreis bei Whisky Antique (gehört Max Righi, der gleichzeitig Inhaber von Silver Seal ist) lag bei ca. 350,- Euro. In einem Shop in Österreich war er für kurze Zeit aber auch für ca. 320,- Euro zu haben. Er war allerdings zuvor schon bei Whisky Antique ausverkauft, so dass er inzwischen nur noch auf dem Secondary zu haben ist.

Alter: von Oktober 1989 bis Anfang 2020 reifte der Rum 30 Jahre lang im Eichenfass.

Lagerung: die Reifung fand mutmaßlich vollständig in Europa statt. Die dunklere Farbe kommt durch die Färbung, die einige Demerara Rums traditionell erhalten.

Fassnummern: Silver Seal gibt als Fassnummer die #7 an, allerdings dürfte es sich dabei ausschließlich um eine interne Zählung handeln, was meinen Verdacht bestätigt, dass der Abfüller vermutlich keine bis kaum noch Fässer lagernd hat, sondern neue Bottling unmittelbar zuvor von Brokern erworben werden. Ergeben hat das Fass noch 206 Flaschen a 0,7 Liter, sowie einige wenige Magnum Flaschen.

Angel's Share: unbekannt. Er dürfte aber bei ca. 30 bis 40% liegen. 

Alkoholstärke: der Rum kommt mit einem Alkoholgehalt von 55,8% vol. um die Ecke. Diese dürften der Fassstärke nach 30 Jahren im Fass entsprochen haben. 

Destillationsverfahren: der Rum entstammt der Double Wooden Pot Still, die einst bei Port Mourant stand. Nach der Schließung Port Mourants im Jahr 1955 kam dessen Still zu Uitvlugt. Als auch Uitvlugt Ende 1999 geschlossen wurde und damit Diamond zur einzig verbliebenen Destillerie Guyanas machte, zog die Still neuerlich um und produziert bis heute Rum! 

Mark: PM (Port Mourant)

Farbe: sehr dunkles Rosé, klar ins bräunliche gehend, Kastanie. 

Viskosität: der Rum bildet lange, weite, zäh fließende, regelmäßige Schlieren, die langsam an der Glaswand hinab zurück ins Glas fließen.

Nase: direkt zu Beginn nach dem Einschenken habe ich sehr viele Lösungsmittel- und Klebstoff-Noten und auch der Alkohol ist zu diesem Zeitpunkt noch präsent. Port Mourant als Stil rieche ich direkt heraus, zeigt sich aber schon ordentlich gereift. Anders der Duncan Taylor, der sich quasi von Beginn an zugänglich gibt und noch einiges mehr an Brennerei-Charakter aufweist. Ich lasse den Silver Seal noch ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde im Ballonglas atmen. Das macht direkt einiges aus, denn nun hat sich der Alkohol bereits komplett verflüchtigt und das Bouquet liegt wie ausgebreitet vor mir. Und was für ein Bouquet! Meine Zuneigung zu alten, lange gereiften Port Mourants währt ja noch nicht so lange wie die zu Jamaicanern oder Caronis, aber hier komme ich schon sehr ins Schwärmen. Die Klebstoff-Noten sind noch immer da, zeigen sich aber nicht mehr so einnehmend. Stattdessen kommen auch ein regelrechter Schrank voller Gewürze, Lakritze, Salzkaramell, Tannine, Trockenfrüchte und leichte Pflaume. Man möchte sich in diesen Rum förmlich reinknienen um auch alles aufzusaugen, was hier an Eindrücken auf einen einprasselt. Das hohe Alter merkt man dem Rum in jeder Sekunde an, jede Nuance zeugt davon. Ein wenig wie ein Senior, der keine Gelegenheit auslässt, sein ganzes Umfeld daran zu erinnern, was er schon alles gesehen und erlebt hat. Was einem bei Greisen hingegen auch mal über sein kann, kommt hier beim 89er Silver Seal einfach nur geil! Der Duncan Taylor im Vergleich hält da nicht ganz mit. Er weist weder die Intensität noch die Komplexität des Silver Seals auf, dafür aber, wie eingangs gesagt, ein bisschen mehr Brennerei-Charakter! Ich denke, hier kommt es auf die persönliche Vorliebe an, wozu man eher tendiert. Bei mir ist es ganz eindeutig der Silver Seal!

Gaumen: der erste Eindruck ist etwas dünn, trotz der immerhin 55,8% vol. und der Tatsache, dass hier nicht mit Wasser nachgeholfen wurde, allerdings habe ich mich auch erst einmal mit einem kleineren Schluck an den Rum herangetastet. Beim Duncan Taylor ist die Verdünnung hingegen noch ungleich stärker zu merken. Hier zeigt sich, dass man da 2012 schon ordentlich Wasser mit dazu gegeben hat, auch wenn das im direkten Quervergleich sehr viel stärker auffällt als solo. Der Vorteil ist aber natürlich, dass auch größere Schlücke problemlos möglich sind und mit denen ich im folgenden auch fortfahre. Das hat gleich mehrere Vorteile, denn nun erscheint der Rum gleich um einiges vollmundiger, körperreicher und intensiver! Direkt zu Beginn vermag der Silver Seal mich allerdings auch noch in einer weiteren Hinsicht zu überraschen! Wo nämlich in der Nase, die ganz ohne Süße auskam, wirklich eher Platz war für die lange gereiften Töne, kommen nun auch Eindrücke dazu, die bisher vollkommen abwesend waren. In erster Linie ist das eben genau die eben angesprochene Süße, die hier zu Beginn viel Spaß macht und diesem Rum auch einen ungemein fruchtigen Anstrich verpasst! Denn ich finde hier wahnsinnig viel Pflaume, aber auch einiges an Anis und Lakritze, Kaffee, ordentlich Melasse, die mich schon sehr an den ebenfalls gefärbten REV von RA erinnert, sowie feine Röstaromen. Diese verleihen dem Rum auch immer wieder eine zarte Bitterkeit, die ihm sehr gut steht! Dazu kommt natürlich ein starker Einfluss des Holzes vom Eichenfass. Wer sich nun aber möglicherweise Sorgen macht, dass der Rum verholzt ist, den kann ich direkt beruhigen. Das ist nicht der Fall, bzw. mehr noch, der Rum ist davon meines Erachtens sogar weit entfernt. Das ist einfach ein richtig guter, leckerer Rum! Der Duncan Taylor kommt im Vergleich etwas weniger fruchtig daher, dafür aber mit umso mehr Lakritze und Melasse. Der Rum ist auch am Gaumen, wie schon in der Nase, spürbar jünger und auch PM-typischer. Er ist vielleicht etwas eher etwas für diejenigen, welche auch auf die ungefärbten Vertreter dieses Stils stehen.

Abgang: ein langer, warmer Abgang! Dörrobst und Melasse, sowie Tannine und viel Anis begleiten den Rum nach unten. Sehr stark!

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit: vielen Dank nach Italien und an Silver Seal, dafür, dass ihr aus 1989 noch einen solchen PM ausgegraben habt! Dieser Jahrgang lag schon seit 2012 auf Eis, war überhaupt sehr selten und ich hatte schon nicht mehr wirklich damit gerechnet, dass da noch was nachkommt. Für mich ist das damit schon jetzt ein Highlight dieses Jahres, das vor Highlights ja nur so strotzt! Und trotz der enormen Konkurrenz in 2020 bin ich mir sicher, dass dieser Tropfen in meinen persönlichen Top 10 landen wird! Denn der Silver Seal Demerara Rum 30 YO Uitvlugt 1989 ist einfach ein verdammt guter Rum, den man sich zu jeder Gelegenheit gut einschenken kann, der einen nie überfordert, trotzdem nicht langweilig ist und der nicht zuletzt schon nach relativ kurzer Zeit im Glas nach dem Einschenken performt und bei dem es einem einfach ein gutes Gefühl gibt, wenn man eine Flasche davon zuhause hat. Die Parallelen zu den 1970s Port Mourants wiederum zieht er sehr eindeutig, auch wenn er an die besten Vertreter dieser Jahrgänge sicherlich nicht ganz heranreicht. So ehrlich muss man schon sein. Führt man sich dann aber wieder vor Augen, dass man an diese Rums heute nur noch zu horrenden (und teils auch überzogenen) Summen herankommt, dann war der Silver Seal für seine 320,- bis 350,- Euro ganz sicher und ohne jeden Zweifel ein verdammt guter Case! Ich bereue den Kauf definitiv nicht!

-92/100-

Ein Dank geht abschließend an Malte, der diese Abfüllung geteilt hat. Vielen Dank!

Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 16. August 2020

Mai Tai mit RA 25 YO New Yarmouth 1994

Liebe Rum Gemeinde,

seit einigen Wochen ist der neue New Yarmouth von RA nun erhältlich und auch ich habe in der Zeit natürlich so ein wenige rum-experimentiert😏 und geschaut, was man damit alles machen kann. Zwangsläufig sprechen müssen wir dabei natürlich vor allem über den Cocktail-Klassiker für einen Jamaica Rum - den Mai Tai!



Man kann es drehen und wenden wie man will, aber wenn es um die Frage eines Signature Drinks für einen jeden Jamaica Rum geht der etwas auf sich hält, dann kann die erste Antwort eigentlich immer nur die immer gleiche sein: "Mai Tai!". Seit seiner Erfindung im Jahr 1944 durch Vic Bergeron durchlief dieser Drink seine Höhen und Tiefen, wobei die letzten Jahre wohl definitiv zu den absoluten Hochzeiten zählen dürften. Nie zuvor wurde sich weltweit so intensiv mit diesem Drink beschäftigt, wurde versucht seine Originalrezeptur zu entschlüsseln und seine Geschichte aufzuarbeiten, die reich an Mythen, Legenden und Unklarheiten ist. Oder anders gesagt: der Mai Tai bringt alles mit, was es braucht um zu einer echten Legende zu werden, die er heute längst ist.

Nicht ohne Grund gilt auch bei mir daher (mit wenigen Ausnahmen) bereits seit zehn Jahren: wenn ein Jamaica Rum wirklich etwas auf sich hält, dann besteht er im Mai Tai! Dabei hat sich der Charakter des Drinks ziemlich weit von dem entfernt, was Vic damals vorschwebte und was er selbst in seiner Bar gemixt hat. War der Originalrum für den Mai Tai, der J. Wray & Nephew 17 YO, aus heutiger Sicht eher ein Leichtgewicht, so wird der Mai Tai von vielen Liebhabern schon seit einigen Jahren eher mit sehr viel aromatischeren Ester-Bomben, z.B. aus Hampden, gemixt. Das ist zwar längst kein Mai Tai mehr im Sinne des Erfinders, aber für heutige Geschmäcker oft vielleicht sogar der bessere Drink. Der Rum mit dem ich heute arbeiten werde geht dagegen tendenziell eher wieder zurück zu Vics Wurzeln, wenn auch noch immer nicht vergleichbar zu jenem Drink von damals. Ich werde meinen Mai Tai mit dem neuen RA Jamaica Rum 25 YO New Yarmouth 1994 mixen, einem Rum, der Fässern entstammt, die in dieser Form sicher einst dazu bestimmt waren in einem der bekannten Appleton-Blends zu landen. Somit dröhnen zwar heute kaum Ester, aber mit seinen 67,7% vol. hat es der Rum trotzdem mehr als in sich! Nicht zuletzt deshalb werde ich die Rezeptur heute auch ein wenig anpassen und den Drink mit 5,5 cl statt wie üblich 6 cl Rum zubereiten. 


Das Rezept meiner Wahl (nach Trader Vic):

  • 5,5 cl RA Jamaica Rum 25 YO New Yarmouth 1994
  • 1,5 cl Ferrand Dry Curacao 
  • 0,9 cl Meneau Orgeat
  • 0,6 cl J.M. Zuckersirup
  • 3,1 cl Limettensaft (frisch gepresst!)






Mai Tai mit RA Jamaica Rum 25 YO New Yarmouth 1994:

Farblich erinnert mich der Mai Tai deutlich an jenen Drink, den ich anno 2010 als Mai Tai kennengelernt habe, als er von den meisten der erfahrenen Hobby-Bartender noch mit einer Rum-Kombination aus Appleton 12 YO und Saint James Royal Ambre von den empfohlen wurde. Die Mai Tais die ich später so sehr lieben gelernt und zu deren weiterer Verbreitung ich mit Überzeugung beigetragen habe waren heller, da ich meist kontinental gelagerte Rums aus Hampden verwendet habe. Heute geht es farblich also back to the roots!

Dabei bleibt es allerdings nicht, denn auch geschmacklich hat das hier ganz viel mit den Wurzeln zu tun, wie ich sie kennen gelernt habe, was natürlich am verwendeten Rum liegt, der eben zu Appleton tendiert. Diese Parallelen kann und möchte er einfach auch im Mai Tai nicht leugnen und so ist dieser Drink gewissermaßen ein Remix aus dem Flavour der einstigen Einstiegsdroge von damals und der Power des nerdigen Mai Tai, wie ich ihn mir heute meist zubereite! Und was soll ich sagen, ich find' das ziemlich geil! Es ist schon ein paar Jahre her, ich glaube es war während des MAI Tai 2013, da hatte ich den Drink mal mit Appleton 21 ausprobiert. Damals war das mit Blick auf dessen Preis (bereits 80,- Euro + x) dekadent, Rums für über 50,- Euro zu vermixen galt als unüblich, heute hingegen, wo ein richtig guter Hampden in Fassstärke oft über 100,- Euro kostet, würde man da wohl eher mit den Schultern zucken. Naja, jedenfalls hatte ich das ausprobiert und fand die Kombination recht gelungen, wenn auch etwas schwach auf der Brust. Dieser Mai Tai heute erinnert mich sehr an jenen von damals, korrigiert dabei allerdings dieses starke Defizit an Kraft, und so bin ich, gelinde gesagt, sehr angetan! Der Drink kommt wahnsinnig fruchtig und geht mit den Fasseinflüssen des Rums eine gelungene Verbindung ein. Trotz des hohen Alkoholgehalts des Rums (daher auf 0,5 cl in der Rezeptur verzichtet) ist der Mai Tai recht smooth zu trinken und erwartungsgemäß tut ihm das einsetzende Schmelzwasser nichts, vielleicht profitiert er davon sogar ein wenig. Die anderen Zutaten harmonieren super mit dem New Yarmouth, so dass ich auf jeden Fall von einer stimmigen Gesamt-Komposition sprechen möchte, die ich durchaus auch wieder mixen würde.

Fazit: leider geil! Ich gestehe, das war nicht mein erster Mai Tai mit dem neuen New Yarmouth von RA und es wird auch nicht mein letzter sein. Insofern unterstreicht das meinen letzten Satz im vorherigen Abschnitt. Außerdem bekenne ich mich ebenfalls schuldig dahingehend, dass meine Begeisterung über den Mai Tai mit diesem Rum Einfluss genommen hat auf meine Entscheidung darüber, wie viele Flaschen ich mir von dem guten Stoff am Ende insgesamt besorgt habe. Denn natürlich ist der Rum in seiner puren Form hervorragend zum sippen, der Stoff ist ein Gedicht, aber er funktioniert eben auch im Drink und mit einem Preis von 150,- Euro fiel er für mich noch gerade so in die preisliche Range mit hinein, in der man einen Rum auch problemlos mal vermixen kann, wenn sich daraus insgesamt ein Mehrwert ergibt und eben das ist hier der Fall! Insofern kann ich den New Yarmouth 1994 wirklich nur jedem ans Herz legen, der wie ich genauso auch mal auf einen tollen und ambitionierten Mai Tai steht und kein Problem damit hat, dafür auch etwas Geld in die Hand zu nehmen. Es lohnt sich!

Bis demnächst,
Flo