Sonntag, 16. Februar 2020

Appleton Estate 30 YO Jamaica Rum

Liebe Rum Gemeinde,

für das heutige Review (und nach überstandener Magenschleimhaut-Entzündung) kehre ich einmal mehr in mein Kernland Jamaica zurück, auf die Insel und zu der Destillerie, die meine Leidenschaft für Rum vor jetzt ziemlich genau zehn Jahren entfacht haben: Appleton Estate!



Damals, am Anfang des letzten Jahrzehnts, als ich dank eines sehr kompetenten Cocktailforums auf unglaublich hohem Niveau meinen jugendlichen Blick auf den Cocktail als "Saftschubser" überwunden hatte, trank ich zum ersten Mal einen Rum Sour mit Appleton V/X und wusste: dieser Geschmack gefällt mir besser, als alles was ich bisher vom Whisky oder vom Gin oder sonst irgendwo her kannte! Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht vorstellen, jemals eine Spirituose pur genießen zu können, aber im Drink gefiel mir das und so fand ich den allerersten Zugang zu dem, was mich bis heute (zumeist in Fassstärke) so sehr begeistert. Ohne es zu Wissen, war mein Geschmack von diesem Augenblick an von Jamaica Rum geprägt worden. Und gerade als Rum-Einsteiger kann ich auch diesen Weg, also über einen sehr Basisspirituose-dominierten Drink, tatsächlich sehr empfehlen, um sich Spirituosen geschmacklich anzunähern. Dementsprechend gibt es heute, quasi als Tribute, einen Appleton für mich, wenn auch nicht irgendeinen Appleton, sondern den (nach dem 50 Years of Independence) zweitältesten, den die Destillerie aktuell im Portfolio hat: den Appleton Estate 30 YO Jamaica Rum!



Um genau zu sein, müsste es eigentlich natürlich heißen: "den (...) zweitältesten, den die Destillerie aktuell wieder im Portfolio hat". Denn einige werden sich erinnert haben, einen 30 YO gab es von Appleton vor einigen Jahren ja bereits schon einmal, bevor man im Jahr 2018 die Neuauflage releaste. Leider habe ich den Rum damals nicht probiert, denn, da bin ich ehrlich, Appleton gehören gemein hin nicht mehr unbedingt zu meinen Lieblingsrums, aber die aktuelle Abfüllung wollte ich mir nicht entgehen lassen. Darum geht mein Dank heute auch nach Berlin an einen lieben Connaisseur meines Vertrauens, der mir ein Sample dieses Tropfens zukommen ließ, so dass ich euch den Rum heute vorstellen kann: vielen Dank dafür!

Über den Rum selbst lässt sich, da würde ich mir von Appleton gern noch mehr Transparenz wünschen, leider nicht wirklich viel sagen. Weder weiß man, in welchem Verhältnis Pot- und Column Still Rums zum Einsatz kamen, noch welche Marks verwendet wurden. Die wenigen verfügbaren Informationen lassen da eher indirekt auf einige Fakten schließen. Da der Rum 2018 abgefüllt wurde ist beispielsweise klar, dass die Verwendeten Fässer aus dem Jahrgang 1988 und älter stammen müssen. Jüngere Jahrgänge kommen nicht in Frage, da der jüngste Bestandteil des Blends mit 30 Jahren Reife angegeben ist. Bekannt ist hingegen, dass Appleton seine Rums seit jeher tropisch reift und dass kein Zucker oder andere Zusätze beigegeben werden. Das ist auf Jamaica glücklicherweise gesetzlich verboten. Davon dürften sich andere rum-produzierende Länder gern eine dicke Scheibe abschneiden!

Zu Appleton im Allgemeinen ist hingegen bereits viel gesagt und geschrieben worden, auch von mir in einem seperaten Artikel über J. Wray & Nephew und Appleton Estate. Zwar erreicht der Beitrag in Umfang und Tiefe noch nicht jene von Long Pond, Hampden oder Caroni, aber es sollte für einen kleinen Einstieg genügen. Wer da interessiert ist, der kann also gern mal einen Blick darauf werfen. 



Verkostung des Appleton Estate 30 YO Jamaica Rum:

Preis: der offizielle Ausgabepreis lag bei ca. 400,- Euro. Man bekam ihn zum Teil noch etwas günstiger, oft war er aber auch teurer. Aktuell bekommt man ihn noch für über 500,- Euro.

Alter: über die genauen Blend-Zusammensetzungen schweigt sich Appleton aus, aber der jüngste Bestandteil im Rum wurde dreißig Jahre lang im Fass gereift. 

Lagerung: die Fässer lagerten sämtlichst und über die gesamte Dauer der Reifung auf Jamaica in tropischem Klima, bevor 2018 abgefüllt wurde.  

Fassnummern: keine Angaben. Ebenso ist die genaue Anzahl an Fässern die zum Einsatz kamen unbekannt. Lediglich die Menge an abgefüllten Flaschen, genau 4.000 Stück sind es, wissen wir sicher.

Angel's Share: keine Angaben. 

Alkoholstärke: der Rum kam mit 45% vol. auf die Flasche - verdünnte Trinkstärke. 

Destillationsverfahren: Appleton destilliert sowohl im Pot- als auch im Column Still Verfahren. In welchem Verhältnis die enthaltenen Rums jeweils in welchem Verfahren gebrannt wurden ist nicht bekannt, aber da Appleton als Global Player in erster Linie wirtschaftlich denkt, dürften die Rums im Column Still Verfahren überwiegen, da deren Herstellung um ein vielfaches günstiger ist. 

Mark: unbekannt.

Farbe: tiefes Mahagoni. 

Viskosität: viele eng und parallel verlaufende Schlieren bilden sich an der Glaswand und laufen träge ins Glas zurück.

Nase: ich habe eine tiefe und intensive Appleton-stiltypische Nase, die mir sofort deutlich macht, dass sich um einen wirklich lange gereiften Rum handeln muss. Trocken, mit reichlich Tanninen, aber auch einer schweren, sirupartigen Süße, karamellisiertem Zucker, gepaart mit fruchtigen Mangos und Maracujas, trockenen Nüssen, sowie einem großzügigen Griff in den Gewürzschrank, bei dem Pfeffer, Anis und Nelke heruntergefallen sind empfängt mich die Nase. Ganz peripher kommt auch eine fleischige Note durch, wie ich sie beim Caroni-Jahrgang 1998 oft finde, aber nicht störend. Das gefällt mir bis hier hin ausgesprochen gut, muss ich gestehen! Alkoholische Schärfe habe ich keinerlei, da spielt die drastische Verdünnung auf gerade einmal noch 45% vol. natürlich enorm mit hinein. Die Nase erinnert mich, und ja, das darf durchaus Unterstreichung der von mir hier wahrgenommenen Qualität interpretiert werden, stellenweise auch immer wieder an andere lange gereiften Rums aus Jamaica. Zwar ist das Appleton-Profil noch unverkennbar, aber der Rum ist doch etwas weniger beliebig, als es viele seiner Brüder oft sind. Komplexität, bzw. dessen Abwesenheit, ist und bleibt zwar ein Appleton Thema, aber dieser Rum weiß das besser als andere Destillate der Brennerei zu kompensieren, u.a. über die Intensität.

Gaumen: die Verdünnung, bei einem Rum mit nur 45% vol. kann es am Gaumen erst einmal kein anderes Thema geben, hat dem Rum weniger geschadet als das bei den allermeisten anderen Appleton sonst der Fall ist, die allerdings auch oft gar nur 43% vol. aufweisen. Dafür funktioniert der Rum dann aber problemlos auch mit größeren Schlücken. Zunächst habe ich eine schöne natürliche Süße und Fruchtigkeit, die ich von Appleton so nicht immer unbedingt gewohnt bin und die mir sehr gut gefällt. Dann kommt einiges an Holz heraus, aber eher trockenes als feuchtes Holz, so dass insgesamt schon beinahe kurze Assoziationen zu einem Spanier entstehen. Ansonsten kommt da leider nicht so wirklich viel, so dass das Thema der fehlenden Komplexität für mich auch am Gaumen eines ist, dem sich der Rum stellen muss. Je länger der Rum im Mund verbleibt, desto trockener und holziger wird er, was ihm nicht wirklich gut tut. Beendet man den ganzen Spaß dagegen etwas zeitiger, ist der Gesamteindruck deutlich besser. 

Abgang: trocken, leicht nussig, etwas muffig und nicht wirklich lecker bleibt dieser Rum am Gaumen haften. Hier hatte ich mehr erwartet. Der schwächste Part des Rums. 

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Fazit: der Rum ist "ganz nett" und für mich auch definitiv einer der besseren von Appleton, aber zu diesen Kursen, ab 400,- Euro aufwärts, nichts, worüber ich ernsthaft nachdenken würde am Ende auch zu kaufen. Wer die Möglichkeit hat zu probieren, dem würde ich das immer nahelegen, denn Appleton zeigt hier doch mal sehr schön was sie können, aber andere, das zieht sich leider durch, zeigen eben mehr und da ist das bessere der ärgste Feind des guten. Und ja, ich sagte zeigen, denn was Appleton am Ende wirklich kann, das haben wir meines Erachtens noch nie wirklich gesehen. Ein reiner Pot Still von dort würde mich beispielsweise wirklich interessieren, dazu das ganze in Fassstärke... und dann mal schauen, wie ein solcher Rum sich machen würde. Soll heißen: meines Erachtens schöpft Appleton sein Potenzial nicht einmal im Ansatz voll und ganz aus und das finde ich schade! Wenn die Gerüchte stimmen, dann wird von Velier ja vielleicht etwas kommen, was meinen Wünschen sehr entgegen kommen würde, aber da versuche ich meine Vorfreude noch zu drücken, bis ich einen solchen Rum dann eines Tages vielleicht wirklich mal im Glas habe. Ein richtiges Signal wäre es aber allemal und so kann ich nur einmal mehr an Joy Spence appellieren, endlich den Fuß von der Bremse zu nehmen und Vollgas zu geben! Ich bin sicher, ihr könnt mehr! Der heutige Rum hat das zumindest mal angedeutet. Das ist ein Anfang. Aber noch nicht mehr.

-84/100-


Bis demnächst,
Flo

Sonntag, 2. Februar 2020

Caroni - History & Legacy of a Lost Distillery

Liebe Rum Gemeinde,

im letzten Jahr gelang es mir bereits, meinen Überblick zur Hampden Distillery fertigzustellen und heute kann ich nach ca. zwei Jahren auch bei Caroni endgültig Vollzug melden! Bedanken möchte ich mich vorab insbesondere bei Johnny Drejer, der mir die Fotos seiner Trinidad-Reise zur Verfügung gestellt hat um euch Caroni ein wenig näher bringen zu können. Mange tak!  

Source: 2017 © Johnny Drejer 


1. Standort:

Caroni war eine Rum Destillerie auf Trinidad, die von 1918 bis 2002 bestand und an die gleichnamige Zuckerfabrik gebunden war. Sie gehörte zuletzt dem Staat Trinidad & Tobago in Form der Caroni (1975) Ltd., die bis 2003 existierte, und seine Rums, die noch immer, über 15 Jahre nach Schließung, unabhängig abgefüllt werden, zählen seit einigen Jahren zu den zum Teil begehrtesten und teuersten Rums der Welt.
Die Destillerie Caroni liegt im Süden der bevölkerungsreichen Region Tunapuna-Piarco, im Nordwesten der Insel, südöstlich der Hauptstadt Port of Spain. Unmittelbar südlich des Areals verläuft die Southern Main Road, die Achse die von Curepe, also vom Nordwesten der Insel, bis an den südwestlichsten Punkt Trinidads, nach Icacos, führt. Im Norden Caronis verläuft der namens-gebende Caroni River. Von der Destillerie selbst sind heute leider nur noch Ruinen erhalten, die wohl auch nur eingeschränkt zugänglich sind aber einige Besucher in den letzten Jahren haben auf ihren Fotos eindringlich festgehalten, dass der Geist der einstigen Destillerie noch immer greifbar ist. Das einstige Gesamt-Territorium Caronis umfasste 312 km² und damit ca. 6% der Insel Trinidad.

Trinidad map by tntisland.com



2. Geschichte und allgemeine Informationen:

Die Geschichte der Destillerie Caroni startet im Jahr 1918, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, als man (als eine von zu diesem Zeitpunkt noch ca. zehn Destillerien auf der Insel) damit begann Rum zu produzieren. Anders als viele andere Destillerien in der Karibik, deren Geschichten meist noch wesentlich länger zurück reichen, hat Caroni also keine unmittelbare Sklaverei-Vergangenheit, da diese in den 1830er Jahren endete. Zur Produktion seines Rums nutzte man bei Caroni die Melasse, die man aus der Estate-eigenen Zuckerproduktion gewann und war dadurch, im großen Gegensatz zu vielen anderen Rum Destillerien im 20. Jahrhundert, unabhängig von Melasse-Importen, z.B. aus Guyana.

Die erste große Veränderung erfolgte im Jahr 1937, als Trinidad, damals noch britische Kolonie, Caroni an Tate & Lyles, ein großes britisches multinationales Konglomerat, verkaufte, wodurch die Caroni Sugar Estates (Trinidad) Ltd zu Caroni Limited Planters, Sugar Manufacturers & Distillers Trinidad, kurz, Caroni (1937) Limited wurde. In den Jahren von 1937 bis 1962 folgten einige Übernahmen anderer Destillerien durch Caroni (1937) Limited. Zunächst kam es schon 1937 zur Verschmelzung mit Waterloo Estates. Im Jahr 1955 folgten dann Esperanza und Bronte Estate, sowie im Jahr 1961 Woodford Lodge Estate und 1962 schließlich Ste Madeline Estate. Auf diese Weise war Caroni dazu in der Lage, sich eine dominante Rolle in der Zuckerindustrie zu verschaffen.  Die nutzte Caroni ebenso dazu, einige wegweisende Entwicklungen zu initiieren und voranzutreiben. Dazu zählen die industrielle Nutzung von Bagasse, die Mechanisierung der Feldarbeit, der Bulkhandel ab 1950, ein Gewinnbeteiligungsprogramm für die Caroni-Arbeiter ab 1956, eine Altersvorsorge ab 1963 und die Entwicklung neuer Zuckerrohrkulturen ab 1964. Der heute bekannteste Rum aus dieser Zeit ist sicher der Caroni Navy Rum Extra Strong, dem im Jahr 2018 eine Replica-Anniversary Abfüllung gewidmet wurde. Ein derartiger Kultstatus war damals, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, allerdings noch überhaupt nicht absehbar, nicht einmal ansatzweise.

In den 1970er Jahren veränderten sowohl Tate & Lyles, als auch der Staat Trinidad & Tobago parallel ihre jeweilige wirtschaftliche Ausrichtung. In dieser Zeit, Trinidad & Tobago war inzwischen schon seit 1962 von Großbritannien in die staatliche Unabhängigkeit entlassen worden, wurde das Geschäft mit Zucker aus Trinidad für Tate & Lyles im Zuge des sich ankündigenden und schließlich erfolgten EWG-Beitritts Großbritanniens immer weniger rentabel. Eine der Bedingungen eines Beitritts Großbritanniens zur EWG war eine Regelung, inklusive einer Preisobergrenze, für Zuckerexporte aus den ehemaligen Kolonien, da die übrigen europäischen Staaten eine zu starke Konkurrenz für die einheimische Zuckerindustrie fürchteten. Diese wurden in den so genannten Lomé Sugar Protocols festgelegt. Darüber hinaus hatte sich Trinidad & Tobago verpflichtet, seinen Zucker ausschließlich nach Großbritannien zu liefern. Gleichzeitig forcierte Trinidad & Tobago dementsprechend eine eher nach Innen gerichtete Wirtschaftspolitik und sah nun vor allem den einheimischen Markt. Zu diesem Zweck kaufte man Tate & Lyles 51% der Anteile an Caroni (1937) Limited im Jahr 1970 ab. Bei Tate & Lyles wiederum richtete man sich unter den gegebenen Umständen auf eine von Caroni unabhängige Zuckerversorgung ein und setze sich bei den EWG-Beitrittsverhandlungen Großbritanniens in den Lomé Sugar Protocols sogar für für Trinidad & Tobago und Caroni nachteilige Bedingungen ein. Im Jahr 1975 schließlich verkaufte Tate & Lyles folglich auch seine verbliebenen 49% an Caroni (1937) Limited an den Staat Trinidad & Tobago, woraufhin Caroni nun zu 100% in staatlicher Hand war und in Caroni (1975) Limited umbenannt wurde. Die Rum-Sparte des Unternehmens hieß von diesem Zeitpunkt an Rum Distillers (of Trinidad & Tobago) Ltd.. Tate & Lyles wiederum übernahmen nur ein Jahr später, 1976, Manbré and Garton und hatten damit quasi ein Monopol auf die Raffination von Zucker in Großbritannien und gleichzeitig etwaige Konkurrenz durch Caroni durch die Bedingungen in den Lomé Sugar Protocols vorsorglich verhindert.

Logo von Caroni (1975) Ltd.
Source: trinidadrum.com





Caroni (1975) Limited stand im Grunde genommen also von Beginn an unter keinem guten Stern: die Zuckerproduktion war unrentabel, die Möglichkeiten des Exports ins Ausland stark eingeschränkt und auch der Rum erlebte ab 1970 einen Abstieg, nachdem die Royal Navy mit der jahrhundertealten Tradition der täglichen Rum-Ration brach und somit der Bedarf nach Caroni Rum, der ein Hauptbestandteil des Navy Rums war, stark zurückging. Ab den 1980er Jahren setzte man bei Caroni daher verstärkt auf Diversifikation. Man baute zusätzlich zum Zucker auch Zitrusfrüchte und Reis an und begann damit, Rinder und Garnelen zu züchten. Mit Ausnahme der Zitrusfrüchte richtete man sich damit allerdings auch weiter an den heimischen Markt. Das alles änderte aber nichts daran, dass die Zuckerproduktion unrentabel blieb und Caroni (1975) Limited jährlich Defizite erwirtschaftete, die der Staat stets ausgleichen musste. Ein Auslagern der Zuckerproduktion, um Caroni rentabler zu machen, scheiterte ebenfalls und so entschloss sich die Regierung Trinidads, Caroni (1975) zum 31. Juli 2003 endgültig und vollständig abzuwickeln. Im Jahr 2001 verkaufte man die Holding Rum Distillers (of Trinidad & Tobago) Ltd. an Angostura und ein Jahr später schloss die Destillerie, mit der Aussicht auf das Ende der lokalen Zuckerproduktion. Denn das Ende der Zuckerproduktion bedeutete zwangsläufig das aus für die Destillerie, da sie an der Melasse der hauseigenen Produktion hing.

Bottle Range von Caroni (1975) Ltd. zur aktiven Zeit
Source: trinidadrum.com


Lagerhalle mit (geschmacksgebenden?) alten Autoreifen. 




Mit dem Ende von Caroni (1975) waren auf einen Schlag 9.000 Arbeiter des Unternehmens arbeitslos. Ihnen wurde eine Art Abfindung, ein so genanntes "Voluntary Separation of Employment Package (VSEP)" gezahlt. Ihnen wurde darüber hinaus angeboten, dieses in einen Fond staatlicher Banken Trinidads einzuzahlen, wobei es dabei zu Schwierigkeiten auf Grund unerwartet niedriger Renditen kam, die in Auseinandersetzungen zwischen den ehemaligen Employees und der Bank mündeten. Doch die Schließung Caronis wurde nicht bloß für die ehemaligen Angestellten zum Problem. Berücksichtigt man auch all jene Menschen auf Trinidad, die nicht auf der Gehaltsliste, aber unmittelbar in Abhängigkeit von Caroni standen, verloren sogar ca. 20.000 Menschen auf Trinidad ihre Arbeit und Existenzgrundlage, also ca. 35% der Erwerbstätigen auf der Insel. Das zeigt, welch heftiges Ausmaß das Aus für Caroni für die kleine Karibik-Insel bedeutete. Unverständlich erscheint vor diesem Hintergrund, dass bereits ab 2005 der Zucker auf Trinidad knapp wurde, wo man bis 2003 noch größter Zucker-Exporteur der Karibik war. Bei Trinidad Distillers Ltd./Angostura musste man dementsprechend aus anderen Karibikinseln, da auf Trinidad nicht mehr genug Zucker angebaut wurde, Melasse und sogar Bulk importieren, den sie als einheimischen Rum weiterverkauft haben. Das sorgte Ende 2016 wiederum für einen Skandal. Es bleibt also festzuhalten, dass insbesondere die Bevölkerung Trinidads die Schließung hart getroffen hat.
Umso pikanter ist deshalb der Umstand, dass es im Zusammenhang mit der Schließung viele Ungereimtheiten gibt, deren Umfang bis heute nicht vollständig offen liegt. Einerseits halten viele der damaligen Regierung bis heute vor, dass z.B. die Gewerkschaften nicht über die bevorstehende Schließung informiert wurden. Andererseits steht aber auch der Vorwurf im Raum, dass die Schließung ein politisches Manöver der Regierungspartei PNM war, die der Oppositionspartei UNC schaden sollte, nachdem die Parlamentswahlen 2001 ein Patt zwischen beiden Parteien ergaben. Leider schweigen sich über die genauen Hintergründe viele der damals agierenden Personen aus, so dass sich eine Aufklärung äußerst schwierig gestaltet. Das Thema ist auf Trinidad bis heute quasi tabu.


2.1. Das große Erbe Caronis: 

Caroni-Schablonen aus 1999, 2000 und 2002. 
Am 9. Dezember 2004 befand sich Luca Gargano von Velier auf Trinidad und entdeckte an diesem Tag, nach eigenen Angaben, das flüssige Erbe der Destillerie, nämlich den Stock an Fässern voll Rum, die seit ihrer Befüllung in einem Warehouse auf Trinidad lagerten. Diese reichten bis ins Jahr 1974 zurück, enthielten aber auch viele Jahrgänge der 1980er und 1990er Jahre und aus dem Jahr 2000, der vielen oft als der letzte Caroni-Jahrgang gilt. Eine Schablone, die in den Ruinen der Destillerie gefunden wurde, zeigt allerdings, dass es auch noch Caroni aus dem Jahr 2002 gegeben haben muss. Einzig dessen Verbleib ist unklar. Möglich, dass er komplett als anonymer Bulk schon vor der Schließung ins Ausland exportiert wurde.





















Luca Gargano für Velier, aber auch John Barrett für Bristol Spirits kauften im Verlauf dieser Jahre bis 2008 relevante Teile dieses Stocks auf. Luca Gargano entschied sich, die Fässer weiter auf Trinidad reifen zu lassen, während John Barrett seinen Anteil am Stock komplett nach Großbritannien verschiffte und dort in seinen Kellern einlagerte. In beiden Fällen handelte es sich überwiegend um so genannte Heavy und Blended Caroni (s. unten/below). Der größte Teil des ursprünglichen Gesamt-Stocks bestand jedoch aus Light Rums, der in, bislang unbekannte, andere Hände ging, u.a. über die von Rudy Moore geleiteten Trinidad Auktionen. Velier füllte bereits ab 2005 die ersten Caroni ab, sämtlich Rums aus den 1980er Jahren. Bristol folgte im Jahr 2008 mit seinen ersten Releases, die zu diesem Zeitpunkt auch noch alle tropisch gereift waren. Im Gegensatz zu Velier verdünnte Bristol seine Abfüllungen allerdings auf zwischen 40 und 46% vol., was dazu führte, dass sie in der Folge nicht die gleichen Begehrlichkeiten weckten, wie das bei Velier der Fall war. Ab 2008 lagerte Velier einen Teil seines Caroni Stocks bei DDL in Guyana. Diese Fässer sind gemeint, wenn man vom so genannten Guyana Stock spricht. Der Jahrgang 1992 reifte dort, große Teile des Jahrgangs 1994, sowie vereinzelte Fässer Heavy als auch Blended Rums aus dem Jahrgang 1996. Inwieweit genau sich die Standort-Veränderung ausgewirkt hat ist bislang unklar, aber geschmacklich ist allen Rums des Guyana Stocks eine gewisse, natürliche Süße gemein, die den dreckigen Aromen nochmal eine weitere Dimension geben, weswegen der Guyana Stock und genau die drei betroffenen Jahrgänge für nicht wenige Connaisseure zum Besten zählt, was es von Caroni überhaupt gegeben hat.

The Secret Treasures Caroni 1996 aus 2002
In den darauffolgenden Jahren zogen auch viele andere unabhängige Abfüller nach, die ihre Rums von britischen Brokern bezogen, u.a. aber auch von John Barrett, der immer wieder Teile seiner Fässer verkaufte. Die Broker (wie z.B. die Main Rum Company) bezogen ihre Caronis ebenfalls aus den Trinidad Auktionen, mutmaßlich aber auch schon aus der Zeit vor der Schließung. Darauf deuten Abfüllungen von The Secret Treasures aus den Jahren 2000 und 2002 hin, also aus einer Zeit, in der Caroni (1975) noch existierte. Darüber lassen sich dann letztlich auch die zum Teil enormen qualitativen Unterschiede zwischen den Rums von Velier und Bristol (sowie vereinzelter anderer Abfüllungen) auf der einen Seite, sowie nahezu des gesamten Rests an Bottlings auf der anderen Seite erklären. Während Velier und Bristol nahezu ausschließlich Heavy Rums mit tropischer Voll- oder Teilreifung abfüllten, kamen bei den anderen Abfüllern oft Blended oder Light Rums mit höchstens tropischer Teilreifung in die Flasche. Eine Ausnahme scheinen dabei die Heavy Rums der Jahrgänge 1997 und 1998 darzustellen, die bei unabhängigen Abfüllern sehr verbreitet sind und vermutlich tropische Teilreifung genossen, aber meines Erachtens qualitativ mehrheitlich nicht an andere Jahrgänge anknüpfen können. Wenn man sich das alles vor Augen führt, erschließt sich dann letztlich auch die sehr einseitige Fokussierung der Caroni-Fangemeinde auf die Rums von Velier, deren Qualität auf nahezu konstant hohem Niveau ist. Und ja, in meinen Augen ist der qualitative Unterschied tatsächlich sehr hoch, so dass ich, angesichts Angebot und Nachfrage, weniger die Kritik an den hohen Preisen der Velier Bottlings verstehe, sondern eher finde, dass die Abfüllungen der anderen IB im Preis deutlich zu hoch ausfallen.













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Fast in Vergessenheit gerät dabei allerdings, dass der enorme Hype um die Rums aus Caroni keinesfalls schon immer bestand. Im Gegenteil. Bis zur Schließung der Destillerie waren die Caroni Rums, wie wir sie heute kennen, gar nicht bekannt! Die Blends die Caroni unter eigenem Namen abfüllte, wie der Superb White Magic, der Felicite Gold oder der Stallion Puncheon, waren samt und sonders eher leichte Rums, ohne die heute so unverwechselbaren schweren Aromen. Und selbst die Velier Bottlings aus den 1970ern und 1980ern, qualitativ eine vollkommen andere Liga, waren bis in das Jahr 2015 hinein, obwohl sie damals (nach heutigen Maßstäben) noch spott günstig waren, echte Ladenhüter! Die Rum Gemeinde war zum einen damals noch nicht groß, zum anderen aber lag der Fokus der Rum Nerds damals eher auf Jamaica und Guyana. Und als Velier im Jahr 2015 vom Nachschub an Demerara Rum abgeschnitten wurde, war um den Abfüller bereits ein ausreichender Kult entstanden, als dass Caroni nun quasi als "Ausgleichs-Religion" herhalten musste. Erst auf diesem Wege wurde einer breiteren Menge an Connaisseuren bewusst, welch ein Schatz diese Rums in Wahrheit darstellten und dass sie keinesfalls nur der Notnagel für Demerara Fans waren. Heute ist die Nachfrage zu Caroni höher denn je und die Anzahl derer, die noch auf den Zug mit aufspringen möchten nimmt immer weiter zu. Das führte letztlich natürlich unweigerlich dazu, dass Velier Caroni Abfüllungen längst zu einer Mischung aus Währung und Aktie geworden sind, was schade ist, da sie zu keinem anderen Zweck abgefüllt wurden, als dem sie zu öffnen und zu trinken.


3. Destillation & Stil:

Source: Caroni Flyer by Caroni (1975) Ltd.
Der Destillationsprozess bei Caroni unterschied sich zum Teil erheblich von jenem bei anderen Rum Produzenten. Genau wie beim Jamaica Rum, so lag auch bei Caroni ein Geheimnis dieser Andersartigkeit im Fermentationsprozess während der Herstellung begründet. Bei der Fermentation entstehen nämlich, neben Ethanol und Wasser, die so genannten Congeners, also Begleitstoffe, zu denen auch die Ester gehören, die wir von den Jamaica Rums kennen. Als Destillateur möchte man in der Regel einige davon gerne im späteren Rum haben um ihm Geschmack zu verleihen, allerdings versuchen die meisten von ihnen den Großteil an Congeners aus dem Destillat herauszuhalten, so dass das Ziel bei der Destillation dementsprechend lautet, die unerwünschten Congeners vom Destillat zu trennen. Bei Caroni traf das nicht immer zu. Hier waren die Congeners, auch Rum Flavour genannt, einer der wichtigsten Bestandteile um die so charakteristischen und aromatischen Heavy Type Rums (HTR) zu generieren und ihnen ihren Geschmack zu verleihen. Für genau diese Heavy Type Rums, wie sie von vielen unabhängigen Abfüllern wie Bristol Spirits Ltd. oder Velier auch vielfach abgefüllt wurden, ist Caroni heute natürlich weltbekannt. Diese sind von schwerem Körper und wecken im Profil vor allem sehr dreckige Assoziationen, u.a. zu Teer, Lampenöl oder brennendem Gummi, oft gepaart mit einer fruchtigen Süße. Es gab aber auch leichtere Rums von Caroni, die so genannten Light Type Rums (LTR), die den Großteil der Produktion ausgemacht haben dürften. Hier werden bei der Destillation dementsprechend deutlich mehr Congeners vom Destillat getrennt, weswegen auch der spätere Rum deutlich ärmer an Aromen ist, bis hin sogar zur Unkenntlichkeit. Die Assoziationen, vor allem die dreckigen, sind zwar im Grundsatz manchmal auch noch vorhanden, aber wenn, dann viel, viel schwächer. Meist allerdings bleibt da nichts mehr über von dem, was wir heute mit Caroni assoziieren. Die Unterschiede sind sehr groß. Die Light Type Rums wurden bei Caroni vor allem für die Blends unter eigenem Namen und den einheimischen Markt produziert, aber auch für den Export als Neutralalkohol.
Die nachfolgenden Produktionsschritte unterschieden sich bei Caroni dann wiederum wenig von jenen bei anderen Rumproduzenten. Die Rums kamen mit ca. 80% vol. in die Fässer und wurden, wenn deren Alkoholgehalt zuvor noch darüber lag, noch vor der Reifung verdünnt. Dies betraf zunächst vor allem die Light Type Rums und geschah, weil sonst der Angel's Share der Rums zu hoch ausgefallen wäre um die Vorgaben des Zolls und der Steuerbehörden zu erfüllen, nach denen in einem Zeitraum von fünf Jahren höchstens 19,5% des Rums verdunsten dürfen und letztlich auch um rentabel zu wirtschaften. Für die Reifung verwendete Caroni in aller Regel ausgebrannte Ex-Bourbon Fässer.


Caroni-Flyer by Caroni (1975) Ltd.

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3.1. Die Stills:

Column Still at Caroni Distillery.
Picture © by Fredi Marcarini
Caroni destillierte ab 1918 mit einer gusseisernen Brennblase (Cast-Iron Still). Diese wurde im Jahr 1943 um eine hölzerne (Wooden) Coffey Still und 1945 um eine vollkupferne (All Copper) Still ergänzt. Im Jahr 1955 übernahm Caroni die Esperanza Estate und erhielt aus dieser Übernahme eine Single Column Still, die zwei Jahre später, im Jahr 1957, nach Caroni transferiert wurde. Eine neue Four Column Gerb Herman Still wurde im Jahr 1979 bei Caroni installiert und ein Jahr später, 1980, in Betrieb genommen. Im Jahr 1984 wurden, laut eines Flyers von Caroni (s. oben/above), die beiden ältesten Brennblasen Caronis, die Cast-Iron Still und die Wooden Coffey Still, außer Betrieb genommen und durch eine Two-Column Still von Blair, Campbell & McLean/Blairs Ltd. aus Glasgow und eine Pot Still ersetzt. Allerdings hat sich an dieser Stelle ein Fehler bei den Machern des Flyers eingeschlichen, denn die Website von Caroni (1975) Ltd., spricht vom Jahr 1964, was auch logischer ist. Bei der Angabe des Jahres 1984 im Flyer handelt es sich lediglich um einen Druckfehler. Dementsprechend müssten sich bei Caroni, zum Zeitpunkt der Schließung, noch folgende Brennapparate befunden haben:

  • All Copper Still (seit 1945)
  • Esperanza Single Column Still (seit 1957 bei Caroni)
  • Pot Still (seit 1964)
  • Two Column Blairs Still (seit 1964)
  • Four Column Gerb Herman Still (seit 1980)


Was mit diesen Brennapparaten nach der Schließung geschehen ist, ist mir bislang nicht bekannt. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sie verschrottet wurden, da sie mehrheitlich bereits in einem nicht unerheblichen Alter und, wie man anhand der Column Still auf dem Bild von Fredi Marcarini sehen kann, auch nicht unbedingt gutem Zustand waren.




4. Bekannte Jahrgänge:

Hier eine Übersicht über alle mir bisher bekannten Jahrgänge, aus denen es sicher Rums aus Caroni gibt bzw. gegeben hat:

Caroni Vintage Type (Mark)
1961 ?
1967 ?
1969 ?
1974 Heavy (HTR)
White (?)
1976 Heavy (HTR)
1982 Light (LTR)
Heavy (HTR)
1983 Heavy (HTR)
1984 Heavy (HTR)
1985 Heavy (HTR)
Light & Heavy Blended
1988 Heavy (HTR)
Light & Heavy Blended
1989 Light (LTR)
Heavy (HTR)
1990 Providence
1991 Light & Heavy Blended
Providence
1992 Heavy (HTR)
White (?)
1993 Heavy (HTR)
Light & Heavy Blended
1994 Heavy (HTR)
White (?)
1995 Heavy (HTR)
White (?)
1996 Light (LTR)
Heavy (HTR)
Light & Heavy Blended
White (?)
1997 Light (LTR)
Heavy (HTR)
White (?)
Jamaica (?)
1998 Light (LTR)
Heavy (HTR)
White (?)
Jamaica (?)
1999 Light (LTR)
Heavy (HTR)
Light & Heavy Blended
White (?)
Jamaica (?)
2000 Light (LTR)
Heavy (HTR)
White (?)
2002 ?


5. Rums aus Caroni, die ich u.a. schon im Glas hatte*:

- 1423 S.B.S. Trinidad Rum Caroni 19 YO (1997 - 2016), 63,1% vol.
- A.D. Rattray Trinidad Rum Caroni 13 YO (1997 - 2010), 46% vol.
- A.D. Rattray Trinidad Rum Caroni 17 YO (1997 - 2015), 63,6% vol.
- Blackadder Finest Trinidad Caroni Rum 18 YO (1997 - 2016), 63,1% vol.
- Blackadder Finest Trinidad Caroni Rum 19 YO (1997 - 2017), 63% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad 1993 Caroni 21 YO (1993 - 2014), 51,9% vol. (1423)
- Bristol Classic Rum Trinidad 1996 Caroni 12 YO (1996 - 2008), 43% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad 1996 Caroni 15 YO (1996 - 2011), 43% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad 1997 Caroni 18 YO (1997 - 2015), 61,5% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad 1997 Caroni 19 YO (1997 - 2016), 61,5% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad 1998 Caroni 10 YO (1998 - 2008), 40% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad Caroni 10 YO (bottled 2015) Sherrywood, 43% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad Caroni VSOC 10 YO (bottled 2015), 40% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad Caroni Felicite Gold 4 YO, 40% vol.
- Bristol Classic Rum Trinidad Providence Estate 10 YO (1990 - 2000), 46% vol.
- Cadenhead's Caroni Distillery HTR 20 YO (1997 - 2018), 60,6% vol.
- Cadenhead's Caroni Distillery PROVIDENCE 12 YO (1991 - 2003), 66,3% vol.
- Cadenhead's Caroni Distillery PROVIDENCE 14 YO (1991 - 2006), 66,1% vol.
- Caroni Original Bottling Felicite Gold 4 YO Trinidad Rum, 43% vol.
- Caroni Original Bottling Stallion Puncheon Finest Trinidad Rum, 75% vol.
- Caroni Rom Dansk Fanclub HTR Caroni 22 YO (1997 - 2019), 61,1% vol.
- Compagnie Des Indes Trinidad Rum 18 YO Caroni (1996 - 2015), 61% vol.
- Compagnie Des Indes Trinidad Rum 22 YO Caroni (1993 - 2016), 48% vol.
- Compagnie Des Indes Trinidad Rum 26 YO Caroni (1991 - 2016), 56,2% vol.
- Corman Collins Trinidad Rum 20 YO Caroni (1999 - 2019), 61% vol.
- Duncan Taylor Trinidad Rum Caroni 16 YO (1997 - 2014), 56,4% vol.
- Isla del Ron Trinidad Rum Caroni 20 YO (1997 - 2018), 52,5% vol. (van Zuylen)
- Isla del Ron Trinidad Rum Caroni 27 YO (1989 - 2016), 52,5% vol.
- Kill Devil Trinidad Rum Caroni 18 YO (1998 - 2017), 63,2% vol.
- Kintra Trinidad Rum Caroni 19 YO (1998 - 2017), 55,1% vol.
- Krüger Eidora Trinidad Rum Caroni 12 YO (1996 - 2009), 69,1% vol.
- Krüger Eidora Trinidad Rum Caroni 18 YO (1997 - 2016), 63,8% vol.
- Origin R Trinidad Rum Caroni 20 YO (1994 - 2015), 52% vol.
- Origin R Trinidad Rum Caroni 21 YO (1993 - 2015), 57,2% vol.
- Pellegrini Barangai Trinidad Rum Caroni 16 YO (1997 - 2013), 52% vol.
- RA Trinidad Rum Caroni 20 YO (1998 - 2018), 64,3% vol.
- Rum Nation Trinidad Rum Caroni 18 YO (1998 – 2016), 55% vol.
- Rum Nation Trinidad Rum Caroni 20 YO (1997 - 2017), 57,8% vol. (Hong Kong)
- Rum Nation Trinidad Rum Caroni 21 YO (1997 - 2018), 59,2% vol. (Ex-Islay)
- Sansibar Trinidad Rum Caroni 18 YO (1997 - 2015), 51,9% vol.
- That Boutique-Y Rum Company Trinidad Rum Caroni 20 YO (1998 - 2018), 53,7% vol.
- That Boutique-Y Rum Company Trinidad Rum Caroni 22 YO (1998 - 2020), 58,1% vol.
- That Boutique-Y Rum Company Trinidad Rum Caroni 23 YO (1997 - 2020), 56,8% vol.
- The Overseas Trail Trinidad Rum Caroni 17 YO (1996 - 2013), 46% vol.
- The Rum Cask Trinidad Rum Caroni Distillery 18 YO (1997 - 2015), 64,1% vol.
- The Rum Mercenary Trinidad Rum Caroni 19 YO (1998 - 2017), 55,1% vol.
- The Secret Treasures Trinidad Rum Caroni 9 YO (1991 - 2000), 40% vol.
- Valinch & Mallet Trinidad Rum Caroni 19 YO (1997 - 2016), 51,8% vol.
- Velier Caroni 1982 Full Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1982 - 2005), 77,3% vol.
- Velier Caroni 1982 Full Proof Heavy Trinidad Rum 24 YO (1982 - 2006), 58,3% vol.
- Velier Caroni 1982 Full Proof Light Trinidad Rum 24 YO (1982 - 2006), 55,2% vol.
- Velier Caroni 1983 Heavy Trinidad Rum 22 YO (1983 - 2005), 52% vol.
- Velier Caroni 1984 Full Proof Heavy Trinidad Rum 22 YO (1984 - 2006), 54,6% vol.
- Velier Caroni 1984 Full Proof Heavy Trinidad Rum 24 YO (1984 - 2008), 58,3% vol.
- Velier Caroni 1985 Full Proof Heavy Trinidad Rum 20 YO (1985 - 2005), 75,5% vol.
- Velier Caroni 1985 Heavy Trinidad Rum 20 YO (1985 – 2005), 62% vol.
- Velier Caroni 1985 Full Proof Heavy Trinidad Rum 21 YO (1985 - 2006), 58,8% vol.
- Velier Caroni 1988 Blended Trinidad Rum 15 YO (1988 - 2003), 43% vol.
- Velier Caroni 1989 Full Proof Light Trinidad Rum 17 YO (1989 - 2006), 64,2% vol.
- Velier Caroni 1992 Heavy Trinidad Rum 18 YO (1992 - 2010), 55% vol.
- Velier Caroni 1994 100° Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1994 - 2017), 57,18% vol.
- Velier Caroni 1994 Full Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1994 - 2017), 59% vol.
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 20 YO (1996 - 2016), 70,28% vol. (LMDW)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 20 YO (1996 - 2016), 64,46% vol. (LMDW)
- Velier Caroni 1996 Blended Trinidad Rum 20 YO (1996 - 2016), 66,11% vol. (LMDW)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 21 YO (1996 - 2017), 64,3% vol. (Magnum green)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1996 - 2019), 66,1% vol. (Roonarine „Roop“ Toolsie)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1996 - 2019), 66,3% vol. (Dhanraj „Dan“ Maharaj)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Heavy Trinidad Rum 23 YO (1996 - 2019), 66,7% vol. (Deodat „Breeze“ Manmohan)
- Velier Caroni 1996 Full Proof Blended Trinidad Rum 23 YO (1996 - 2019), 63,5% vol.
- Velier Caroni 2000 Full Proof Heavy Trinidad Rum 17 YO (2000 - 2017), 68,4% vol. (EATALY)
- Velier Caroni 2000 Full Proof Heavy Trinidad Rum 17 YO (2000 - 2017), 70,4% vol. (TWE)
- Velier Caroni 2000 High Proof Heavy Trinidad Rum 17 YO (2000 - 2017), 55% vol. (US)
- Velier Caroni 2000 Replica Extra Strong 90° Proof 18 YO (2000 - 2018), 51,4% vol.
- Velier Caroni 2000 Full Proof Heavy Trinidad Rum 19 YO (2000 - 2019), 65,2% vol. (Nita "Nitz" Hogan)
- Velier Caroni Ceremony 1994 HTR Guyana 25 YO (1994 - 2019), ??% vol. (#6132)
- Velier Caroni Ceremony 1994 HTR Guyana 25 YO (1994 - 2019), ??% vol. (#6133)
- Velier Caroni Ceremony 1994 HTR Guyana 25 YO (1994 - 2019), ??% vol. (#6134)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3776)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3777)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), 70,08% vol. (#3778)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3779)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3780)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3783)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), 69,85% vol. (#3784)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#3806)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5533)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5534)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5537)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5549)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5552)
- Velier Caroni Ceremony 1996 Blended Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5558)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5600)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5603)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5610)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5612)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5613)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5616)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), 62,79% vol. (#5619)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), 62,95% vol. (#5622)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#5627)
- Velier Caroni Ceremony 1996 HTR Guyana 23 YO (1996 - 2019), ??% vol. (#????)
- Velier Caroni Ceremony 1998 HTR 21 YO (1998 - 2019), ??% vol. (#3917)


Meine aktuellen Top 5 Rums aus Caroni:

- Velier Caroni 1996 Full Proof HTR 23 YO (1996 - 2019), 61,2% vol. (The Last)







Sources:

http://www.natt.gov.tt/sites/default/files/pdfs/The-Rise-and-Fall-of-King-Sugar.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Caroni_(1975)_Limited

https://web.archive.org/web/20010331063438/http://trinidadrum.com/

https://web.archive.org/web/20010330184747/http://trinidadrum.com/aboutrum.html

https://web.archive.org/web/20010331132711/http://trinidadrum.com/ourrums.html

http://www.tntisland.com/townsnvillages.html

http://trinituner.com/v4/forums/viewtopic.php?t=690928



*ein kleiner Teil davon steht noch unverkostet als Sample bei mir

Sonntag, 19. Januar 2020

J. Wray & Nephew Special Reserve 12 YO Jamaica Rum

Liebe Rum Gemeinde,

vor einigen Monaten habe ich euch sehr umfangreich vom legendären J. Wray & Nephew Jamaica Rum 17 YO aus den 1940er Jahren berichtet. Etwas in dessen Schatten, gehörten aber auch noch einige andere Rums zum Portfolio des legendären Produzenten und einen dieser Rums stelle ich euch heute vor. Es geht dabei um den kleinen Bruder, den Special Reserve 12 YO, abgefüllt vermutlich in den 1960er Jahren.



Manchmal gehört eben auch ein wenig Glück dazu! Ja, eine doch sehr allgemeine Floskel, das gebe ich zu, aber im konkreten Fall findet sie nun einmal ihre Anwendung, schlicht, weil ich nicht ohne ein paar glückliche Fügungen an diese äußerst seltene Abfüllung gekommen wäre. Um die Geschichte der Flasche kurz zu umreißen: nach allem was ich weiß fand sie über eine Dame, die sie vor langer Zeit von einer Seereise mit nach Hause brachte, zu Gastronom und Bottler Christian Nagel (Our Rum & Spirits / Gasthaus im Brühl) und von diesem zu Raritäten-Kenner Rene van Hoven. Letzterer öffnete die Flasche in meinem Beisein auf der Cologne Spirits 2018, wo ich dann auch direkt den ersten Dram dieses besonderen Tropfens erstehen konnte. Im letzten Jahr kündigte Rene dann den Verkauf von einigen seiner Schätze an und ich erinnerte mich natürlich sofort an diesen J. Wray & Nephew und fragte an, ob auch diese Flasche verkäuflich sei. Das war sie glücklicherweise und so steht sie nun bei mir. Vielen Dank!

Label des J. Wray & Nephew Jamaica Rum 12 YO 


Über die Abfüllung selbst ist leider nicht besonders viel bekannt. Klar ist lediglich, dass sie vom Labeldesign her noch in etwa einigen Abfüllungen aus den 1940er und 1950er Jahren entspricht (auch ein 15 Jahre alter Rum von J. Wray & Nephew, der Ersatz Trader Vics im Mai Tai für den aufgebrauchten 17 YO, hatte ein solch designtes Label), allerdings eher aus den 1960er Jahren stammen dürfen. Dafür sprechen das Label, als auch die Flasche selbst. Zweifelsfrei ist, dass die Flasche ursprünglich aus den USA stammt und für deren Markt vorgesehen war. So ist der Inhalt mit 4/5 Quart (0,75 Liter) und einem Alkoholgehalt von 86 Proof (43% vol.) angegeben. Als Importeur ist Schieffelin & Co angegeben, eine 1794 gegründete Firma, die sich über einige Umwege heute im Besitz des Spirituosen-Multis Diageo befindet.

Ein paar weitere Informationen zu J. Wray & Nephew Ltd. findet ihr hier!


Im heutigen Tasting werde ich den 12 YO natürlich, zumindest in der Nase, auch mit seinem 17 jährigen berühmten Bruder vergleichen. Da der jüngere der beiden nicht oxidiert ist, ist vom Gaumen heute glücklicherweise etwas mehr zu erwarten, als das noch beim 17er der Fall war, aber na klar ist ein direkter Vergleich daher nur eingeschränkt möglich. Dennoch bin ich gespannt auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede. 

J. Wray & Nephew Special Reserve 12 YO Finest Jamaica Rum vs. J. Wray & Nephew 17 YO Jamaica Rum


.
Verkostung des J. Wray & Nephew 12 YO Jamaica Rum:

Preis: unbezahlbar.

Alter: der Rum reifte 12 Jahre in Eichenfässern. Da es sich, wie beim 17 YO z.B. auch, um eine Standardabfüllung gehandelt hat, gibt es weder einen angegebenen Jahrgang noch ist bekannt, wann genau der Rum abgefüllt wurde. Die Flasche wurde allerdings schon mehrfach auf die 1960er Jahre datiert.

Lagerung: die Reifung fand komplett auf Jamaica in tropischem Klima statt.

Fassnummern: unbekannt.

Angel's Share: unbekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass er entsprechend der tropischen Reifung bei mindestens 50% gelegen hat.  

Alkoholstärke: der Rum weist 43% vol. auf - verdünnte Trinkstärke!

Destillationsverfahren: gebrannt wurde der Rum damals sehr wahrscheinlich noch ausschließlich in Pot Stills. 

Mark: unbekannt.

Farbe: dunkles Mahagoni. 

Viskosität: viele satte, sehr eng und parallel verlaufende Schlieren rinnen an der Glaswand herab. Der Rum mutet für einen so stark verdünnten Rum doch schon sehr fett an. 

Nase: oh ja, da kommt noch ganz viel Old School Feeling rüber! Es besteht direkt und ganz unmittelbar nicht der geringste Zweifel darüber, dass ich es hier mit keinem Jamaicaner aus heutiger Zeit zu tun habe, sondern dass hier ein Destillat aus früheren Tagen vor mir steht. Solche Rums werden heute leider nicht mehr produziert. Die Nase stellt sich wunderbar tief und kräftig ein, ein volles, sehr typisches Rum Aroma kommt mir entgegen. Alkoholische Schärfe empfinde ich zu keinem Zeitpunkt. Insgesamt macht der Rum einen sehr vegetalen Eindruck. Ich habe viele pflanzliche Komponenten, wie frisch geschnittenes Geäst, Moos, Jägermeister, etwas Leder, karamellisierten Zucker, aber auch etwas Birne. Dazu kommt ganz dezent Menthol und einiges an Holz, aber eher in modriger Art und Weise, also schon gut feucht. Die Verwandtschaft zum 17 YO J. Wray & Nephew ist da, etwa wenn sie mich entfernt an Rums aus Gardel erinnern, aber beide Rums weisen doch auch schon erhebliche Unterschiede zueinander auf. So empfand ich den 17 YO als wesentlich komplexer, den 12er dagegen als etwas intensiver. Beide Rums faszinieren mich in der Nase allerdings ungemein, so dass ich wirklich dankbar bin, dass ich die Möglichkeit habe solche Vergleiche ziehen zu können, das ist wirklich grandios! 

Gaumen: zunächst machen sich am Gaumen mal die 43% vol. bemerkbar, allerdings nicht positiv. Leider ist die Verdünnung diesem ansonsten erst einmal sehr delikat anmutenden Tropfen nicht besonders bekommen und die Frage, wie solch ein Rum wohl mit 50% vol. oder mehr geschmeckt hätte drängt sich einem in geradezu wehmütiger Weise auf. Es ist wirklich ein Jammer, dass damals wie heute häufig eine derartige Menge Wasser in solch hochklassige Spirituosen gekippt und deren Genuss damit massiv beschnitten wird. Leider haben das bisher noch immer vor allem die unabhängigen Abfüller begriffen, so dass die Originalabfüller da nach wie vor Nachholbedarf haben. Das ist sehr schade! Ansonsten fallen meine Eindrücke sehr gut aus, ich empfinde den Rum grundsätzlich als überaus gelungen. Ich habe wiederum Parallelen zu Gardel. Frische und Fruchtigkeit wechseln sich ab mit Muff und vegetalen Eindrücken. Im Hintergrund finde ich dazu noch etwas leicht blumig-pafümiertes. Was mir eben fehlt, ist so ein wenig die Konsistenz. Selbst wenn man ihn lange im Mund behält, mag der Rum nicht wirklich cremig werden. Da hat der Alkoholgehalt wirklich Schaden angerichtet. Etwas besser wird es, wenn man sehr große Schlücke nimmt. Dann fällt die Verdünnung insgesamt auch weniger ins Gewicht.

Abgang: nussig, vegetal, ich habe auch ein wenig geschnittenes Geäst. Insgesamt eher unspektakulär und nicht besonders langanhaltend.

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Fazit: früher war einiges anders, aber bei weitem nicht alles besser! Ja, das Profil dieser alten Rums ist definitiv etwas besonderes, sehr außergewöhnliches und in Teilen auch unwiederbringliches, aber die starke Verdünnung verhindert leider ebenso oft einen ungetrübten Genuss und gerade ich persönlich stehe mit Wasser im Rum leider sehr auf Kriegsfuß. Unverdünnt oder zumindest wesentlich weniger drastisch verdünnt wäre dieser Rum ein ganz, ganz großer, der es sicher spielend über die 90 Punkte geschafft hätte. So aber ist er "nur" sehr gut. Davon abgesehen ist der J. Wray & Nephew Special Reserve 12 YO Jamaica Rum natürlich auch und vor allem eine flüssige Geschichtsstunde, und ich habe das Schulfach Geschichte seinerzeit geliebt. Insofern kann und möchte ich, von der enormen Verdünnung abgesehen, also auch gar nichts weiteres negatives zu diesem Rum ins Feld führen und bin froh, diese besondere Abfüllung in meinem Bestand zu wissen. Dementsprechend möchte ich jedem dem sich die Möglichkeit eröffnet solch alte Tropfen mal ins Glas zu bekommen empfehlen, diese dann auch unbedingt wahrzunehmen. Nicht jeder alte Tropfen ist ein Knaller, aber einige sind es definitiv wert gekostet zu werden und der heutige Rum gehört definitiv dazu! Ein herzliches Dankeschön geht abschließend in die Niederlande an Rene, der mir die Flasche überließ. Get well soon!

-85/100-

Bis demnächst
Flo